Die Bibertbahn: stille Halte zwischen Nürnberg-Stein und Unternbibert-Rügland
Die Bibertbahn, im Volksmund Bibertbärbala, führte von Nürnberg-Stein durch das Biberttal. 1971 endete der Verkehr im oberen Abschnitt, 1986 stand der Reiseverkehr ganz still.

Lage: Mittelfranken, Biberttal von Nürnberg-Stein über Zirndorf und Ammerndorf nach Unternbibert-Rügland. Status: Stillgelegt und weitgehend abgebaut. Heute: Teile der Trasse sind überbaut, in Nürnberg ist ein Rad- und Gehweg geplant.
Die Bibertbahn, im Volksmund Bibertbärbala oder Bärbel genannt, zweigte im Bahnhof Nürnberg-Stein von der Strecke Nürnberg–Crailsheim ab.
Sie führte durch das Biberttal über Großhabersdorf nach Unternbibert-Rügland.
Besondere Bedeutung hatte sie für die Ziegeleien in Leichendorf.
1986 wurde sie stillgelegt und abgebaut, der obere Abschnitt war schon 1971 stillgelegt worden.
Der Bahnhof Nürnberg-Stein ist weiterhin in Betrieb und gehört nicht zum Thema.
Freie historische Fotos der Halte liegen nicht vor, die Bilder zeigen erhaltene Gebäude und Reste der Trasse.
Entstehung: ein langer Weg zur Lokalbahn
Bei ersten Planungen 1862 befürwortete Minister Gustav von Schlör eine Führung der Nürnberg-Crailsheimer Bahn über Fürth und Zirndorf durch das Biberttal.
Am 15. Mai 1875 eröffneten die Staatseisenbahnen stattdessen den Abschnitt Nürnberg–Ansbach auf direktem Weg, weil Lothar von Faber eine Führung nahe seinen Fabriken in Stein durchsetzen konnte.
In den frühen 1880er-Jahren entstanden zwei Postbuslinien durch das Biberttal.
Im Februar 1894 trafen sich 200 Männer aus dem Biberttal, um über einen Bahnanschluss zu beraten, daraus entstand das Komitee für eine Lokalbahn von Zirndorf nach Rügland.
Am 4. Dezember 1894 beantragte es eine Lokalbahn von Zirndorf über Ammerndorf nach Rügland.
Die Lokalbahn AG lehnte den Bau wegen der hohen Kosten ab, das Verkehrsministerium schrieb am 28. August 1896, eine staatliche Lokalbahn sei auf absehbare Zeit aussichtslos.
Am 23. Juni 1908 genehmigte ein Gesetz Bau und Betrieb einer Lokalbahn vom Bahnhof Stein nach Unternbibert-Rügland.
Die Bauarbeiten begannen im Oktober 1912.
Am 22. Mai 1914 wurde der Betrieb bis Dietenhofen aufgenommen, am 1. Juni 1915 bis Rügland.
Ohne den im Volksmund Eisenbahnpfarrer genannten Pfarrer Gruber aus Großhabersdorf hätte es die Bibertbahn nie gegeben, Großhabersdorf verlieh ihm schon 1914 die Ehrenbürgerwürde.
So sah es vorher aus: vier Zugpaare im Biberttal
1926 übernahm die Reichsbahn den Betrieb von den Bayerischen Staatseisenbahnen.
Im Sommerfahrplan 1939 verkehrten vier Reisezugpaare zwischen Nürnberg Hbf und Unternbibert-Rügland, ein weiteres werktags nur bis Großhabersdorf.
Für die 33 Kilometer brauchten die Züge etwas mehr als eine Stunde, das waren nur etwa 30 Stundenkilometer.
Zwischen 1955 und 1960 erhielten 10 der insgesamt 74 Bahnübergänge Blinklichter.
Von 1958 bis 1962 wurden die Gleise auf der ganzen Strecke erneuert.
1959 besuchte zur 125-Jahr-Feier der ersten deutschen Eisenbahn der Nachbau des Adlers das Biberttal, in Ammerndorf wurde ein Film gedreht.
Fürth Süd
Der Haltepunkt Fürth Süd wurde am 26. Oktober 1921 eröffnet und lag bei Kilometer 2,5.
Die Stadt Fürth hatte schon 1914 einen Haltepunkt zwischen Stein und Zirndorf-Altenberg beantragt, wegen des Ersten Weltkriegs verzögerte sich die Entscheidung.
Seit dem 25. August 2017 sind 610 Meter Gleis um den Haltepunkt von Bahnbetriebszwecken freigestellt, der alte Bahnsteig ist inzwischen verschwunden.
In Gebersdorf soll bis etwa 2026 ein U-Bahnhof der Linie U3 entstehen.

Zirndorf-Altenberg
Zirndorf-Altenberg lag bei Kilometer 4,63.
Die Ziegeleien in Altenberg wollten ihre Güter über Nürnberg abtransportieren, ein Umweg über Zirndorf und Fürth hätte Mehrkosten verursacht.
Der Güterverkehr zwischen Altenberg und Leichendorf endete zum 1. Januar 1993.
Danach lief noch bis Ende 1993 der Betrieb zwischen Nürnberg-Stein und Altenberg.

Leichendorf
Leichendorf lag bei Kilometer 6,97 und hatte von 1914 bis zur Stilllegung im September 1986 einen eigenen Haltepunkt.
Der Ort profitierte vom wirtschaftlichen Aufschwung, den die Bahn mitbrachte.
Die Bibertbahn hatte besondere Bedeutung für die Leichendorfer Ziegeleien.
Ab dem 2. Dezember 1986 ließ die Bundesbahn von Leichendorf an die Gleise entfernen.
Ammerndorf
Der Bahnhof Ammerndorf lag bei Kilometer 13,22.
Das Bahnhofsgebäude wurde im Gegensatz zu vielen Gebäuden am Bahnhofsplatz nicht abgerissen und dient heute als Ärztehaus.
Einige Brückenbauwerke entlang der alten Strecke und der heute noch Bahnhofsplatz genannte Platz im Ortskern erinnern an die Schienenverbindung.
Ein Gedenkstein am Marktplatz erinnert an Pfarrer Gruber, den der Markt Ammerndorf 1931 drei Monate vor seinem 80. Geburtstag ehrte.


Weinzierlein, Vincenzenbronn und Münchzell
Weinzierlein lag bei Kilometer 9,54, Vincenzenbronn bei Kilometer 16,04 und Münchzell bei Kilometer 21,42.
Alle drei waren Haltepunkte.
Zu den Bürgerforderungen der 1980er-Jahre zählte eine Verlegung des Haltepunkts Weinzierlein.
Großhabersdorf
Der Bahnhof Großhabersdorf lag bei Kilometer 18,51.
Nachdem der Abschnitt Großhabersdorf–Rügland am 26. September 1971 stillgelegt war, wurde Großhabersdorf Endbahnhof.
Im Ort fuhr schon in den 1880er-Jahren die Postbuslinie Heilsbronn–Großhabersdorf–Cadolzburg, die mit der Bahn ihre Bedeutung verlor.
Am 26. September 1986 wurde der Verkehr nach Nürnberg-Stein eingestellt und durch Busse ersetzt.
Herpersdorf, Dietenhofen, Leonrod und Ebersdorf
Herpersdorf lag bei Kilometer 24,38 als Haltepunkt.
Dietenhofen bei Kilometer 26,55 war ab 1914 zunächst Endbahnhof.
Schon vor der Stilllegung 1971 verband ein Bahnbus den Ort mit Nürnberg und Fürth.
Der Haltepunkt Leonrod bei Kilometer 28,3 wurde am 17. August 1931 von der Reichsbahn genehmigt und erscheint im Winterfahrplan 1931/32 erstmals.
Ebersdorf bei Dietenhofen lag bei Kilometer 30,24.

Unternbibert-Rügland
Der Endbahnhof Unternbibert-Rügland bei Kilometer 32,78 lag weder in Unternbibert noch in Rügland, sondern in Frickendorf, heute ein Ortsteil von Dietenhofen.
Von Unternbibert ist der frühere Bahnhof etwa 1,8 Kilometer entfernt, von Rügland etwa 3 Kilometer.
Die zugehörige Bahnhofsgaststätte ist noch als solche bezeichnet.
Niedergang und Ende
Am 26. September 1971 wurde der Abschnitt zwischen Großhabersdorf und Rügland stillgelegt.
Anfang der 1980er-Jahre wurde die geplante Stilllegung der ganzen Bahn bekannt, die Bürgerinitiative Rettet die Bibertbahn bildete sich.
Zum 70-jährigen Jubiläum gab es am 9. September 1984 Sonderfahrten zur Großhabersdorfer Kirchweih.
Die Bürgerinitiative forderte unter anderem mehr als die üblichen zwei Zugpaare, neue Triebwagen der Baureihe 628 und weitere Haltepunkte.
Am 26. September 1986 wurde der Reiseverkehr zwischen Nürnberg-Stein und Großhabersdorf eingestellt.
Der Güterverkehr zwischen Leichendorf und Großhabersdorf endete zum 31. Dezember 1986.
Obwohl die Bürgerinitiative einen Privatinvestor gefunden hatte, ließ die Bundesbahn ab Dezember 1986 die Gleise entfernen.
Auf der Nürnberger Strecke wurden die Gleise im Juli und August 2002 entfernt, in Zirndorf im März 2002.

So sieht es jetzt aus
Seit April 2001 ist ein Bahnbetrieb für jedermann erkennbar nicht mehr möglich, als in Nürnberg-Gebersdorf eine Fußgängerbrücke durch einen Fuß- und Radweg ersetzt wurde.
Nach dem Abbau in Zirndorf entstanden auf der Trasse Parkplätze.
Der Nürnberger Stadtrat beschloss am 16. Mai 2007 einen Bebauungsplan Ehemalige Bibertbahn, vorgesehen ist ein Rad- und Gehweg.
Anfang 2008 wurden auf einem Teil der abgebauten Trasse in Nürnberg private Hausgärten angelegt.
Am 22. November 2007 wurde die Westspange Zirndorf freigegeben, die die frühere Trasse erneut zerschneidet.
Der Landkreis Fürth und die Stadt Zirndorf beschlossen im Mai und Juni 2011, eine Reaktivierung nicht weiter zu verfolgen.
Die Geschichte in Daten
1862: Minister von Schlör befürwortet eine Führung durch das Biberttal.
1875: Am 15. Mai wird die Strecke Nürnberg–Ansbach eröffnet.
1894: Im Februar bildet sich ein Eisenbahnkomitee im Biberttal.
1908: Am 23. Juni wird der Bau der Lokalbahn genehmigt.
1912: Im Oktober beginnen die Bauarbeiten.
1914: Am 22. Mai wird der Betrieb bis Dietenhofen aufgenommen.
1915: Am 1. Juni folgt der Abschnitt bis Rügland.
1921: Am 26. Oktober wird der Haltepunkt Fürth Süd eröffnet.
1931: Der Haltepunkt Leonrod entsteht.
1971: Am 26. September wird Großhabersdorf–Rügland stillgelegt.
1986: Am 26. September endet der Reiseverkehr, am 31. Dezember der Güterverkehr bis Leichendorf.
1993: Zum 1. Januar endet der Güterverkehr Altenberg–Leichendorf, Ende des Jahres auch Stein–Altenberg.
2002: Auf Nürnberger Gebiet werden die Gleise entfernt.
2011: Landkreis Fürth und Zirndorf geben die Reaktivierung auf.
Häufige Fragen
Fährt auf der Bibertbahn noch ein Zug?
Wann endete der Reiseverkehr?
Wie lang war die Strecke?
Woher kommt der Name Bibertbärbala?
Gibt es noch Bahnhofsgebäude?
Von der Bärbel sind Trassenreste, Brücken und einzelne Bahnhofsgebäude geblieben.
Bahnstrecke Nürnberg-Stein–Unternbibert-Rügland (Wikipedia) · Leichendorf (Wikipedia) · Ammerndorf (Wikipedia) · Großhabersdorf (Wikipedia) · Dietenhofen (Wikipedia)
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
