Die Pinkatalbahn: Stille Bahnhöfe an einer Radtrasse im Südburgenland
Seit dem 1. August 2011 fährt auf der Pinkatalbahn kein Personenzug mehr. Zwischen Rechnitz und Oberschützen verläuft heute ein Radweg dort, wo einst die Gleise lagen.


Lage: Pinkatalbahn im Südburgenland, Strecke Friedberg–Oberwart–Rechnitz mit Zweigstrecke nach Oberschützen. Status: Der reguläre Personenverkehr ist eingestellt, zuletzt zwischen Friedberg und Oberwart am 1. August 2011. Heute: Güterverkehr bis Rotenturm, Bahntrassen-Radweg zwischen Oberschützen und Rechnitz.
Die Pinkatalbahn verband in ihrer größten Ausdehnung Szombathely in Ungarn mit Friedberg an der Wechselbahn.
Eine Zweigstrecke führte von Oberwart nach Oberschützen.
Der reguläre Personenverkehr zwischen Friedberg und Oberwart wurde am 1. August 2011 eingestellt und durch Busse ersetzt.
Genutzt wird nur noch der Abschnitt von Friedberg bis Rotenturm an der Pinka, und zwar für den Güterverkehr.
Zwischen Oberschützen und Oberwart sowie zwischen Großpetersdorf und Rechnitz wurden die Gleise entfernt, im September 2022 eröffnete hier der Bahntrassen-Radweg.
Dieser Beitrag stellt die Halte an den stillen Abschnitten und die Bahnhöfe ohne Personenverkehr vor.
Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, die meisten Aufnahmen entstanden nach 2011.
Entstehung: eine ungarische Lokalbahn
Der größte Teil der Pinkatalbahn wurde unter ungarischer Oberhoheit gebaut, denn das Burgenland gehörte bis 1921 zu Ungarn.
Die Entwicklung der Bahn ging deshalb von Szombathely aus.
Am 16. Dezember 1888 nahm die Steinamanger-Pinkafelder Lokalbahn AG die feierliche Eröffnung vor.
Am 17. Dezember 1888 wurde der Betrieb von Szombathely über Rechnitz und Oberwart bis Alt Pinkafeld dem allgemeinen Verkehr übergeben.
Am 25. März 1903 folgte die Zweigbahn von Oberwart über Bad Tatzmannsdorf nach Oberschützen.
Im benachbarten Tauchental gab es ein Bergwerk, dessen Braunkohle mit einer Seilbahn nach Oberschützen gebracht und dort auf die Bahn verladen wurde.
Eine Verlängerung von Oberschützen nach Kirchschlag in der Buckligen Welt war geplant, scheiterte aber an zu geringer Kapitaldeckung.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Landesteil 1921 durch den Vertrag von Saint-Germain zu Österreich.
Rechnitz und Bucsu wurden Grenzbahnhöfe.
Am 15. November 1925 wurde mit der Strecke Altpinkafeld–Friedberg die Verbindung zum österreichischen Schienennetz eröffnet.
Gedenktafeln an den Bahnhöfen Pinkafeld und Friedberg erinnern daran.
Der Bau des Hochstraßtunnels war geologisch unerwartet schwierig.
Am 28. Februar 1953 wurde der Verkehr zur ungarischen Staatsbahn östlich von Rechnitz unterbrochen, am 1. März 1953 der Grenzübergang geschlossen.
Auf ungarischer Seite wurden die Gleisanlagen inzwischen weitgehend demontiert.
Niedergang: Etappe für Etappe
Am 8. August 1968 wurde der Braunkohlebergbau geschlossen, was für den Abschnitt nach Oberschützen einen großen Verlust an Güterverkehr bedeutete.
Im Sommerfahrplan 1971 gab es an Werktagen noch fünf Zugpaare zwischen Oberwart und Oberschützen.
Der Personenverkehr wurde nach und nach aufgegeben: am 2. Juni 1984 zwischen Oberwart und Rechnitz, am 30. Juni 1987 zwischen Oberwart und Oberschützen und am 1. August 2011 zwischen Friedberg und Oberwart.
Auf dem letzten Abschnitt waren zuletzt Triebwagen der Baureihe 5022 im Einsatz.
Im April 2011 wurde bekannt gegeben, dass der Personenverkehr unter anderem wegen eines jährlichen Abgangs von 500.000 Euro zum 1. August 2011 durch einen Busverkehr ersetzt wird.
Ab dem 16. August 1989 führte die Südburgenländische Regionalbahn GmbH den Betrieb zwischen Oberwart und Oberschützen mit Dampfzügen und gelegentlichen Güterzügen bis Sommer 1997 weiter.
Danach verfiel die Strecke und wurde unbefahrbar.
Zwischen Oberwart und Rechnitz fuhr die Südburgenländische Regionalbahn bis 2011 im Güterverkehr und als Märchennostalgiebahn.
Wegen des schlechten Zustands der Strecke wurde der Betrieb Mitte November 2011 eingestellt, im Frühjahr 2013 wurde dieser Abschnitt stillgelegt.
Der Verein FrOWOS reaktivierte ab 2003 die Strecke nach Oberschützen, seit 2008 fanden im Sommer Nostalgiefahrten mit Motordraisinen statt.
Im Frühjahr 2010 kaufte das Land Burgenland die Linie von der Südburgenländischen Regionalbahn für 300.000 Euro.
Zum 30. April 2012 wurde der Betrieb auf behördliche Anordnung eingestellt.
Rechnitz
Rechnitz war nach 1921 Grenzbahnhof und liegt auf 300 Metern Höhe.
Der ungarische Name des Bahnhofs lautet Rohonc.
Hinter Rechnitz endet die Erhaltung der Strecke, danach wurde das Gleis abgetragen.
Seit dem Bau des Radwegs sind auch zwischen Großpetersdorf und Rechnitz die Gleise entfernt.

Schachendorf
Schachendorf war eine Halte- und Ladestelle auf 260 Metern Höhe.
Der ungarische Name lautet Csajta.
Zwischen Schachendorf und Rechnitz befindet sich an der Stelle der Gleise heute der Bahntrassen-Radweg.


Burg-Eisenberg
Burg-Eisenberg war eine Haltestelle auf 253 Metern Höhe.
Der ungarische Name lautet Pinkaóvár.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Großpetersdorf
Der Bahnhof Großpetersdorf liegt auf 309 Metern Höhe.
Von 1920 bis etwa 1933 gab es hier eine schmalspurige Waldbahn nach Rumpersdorf, die hauptsächlich dem Holztransport diente.
Im Sommer 2018 kaufte die Verkehrsinfrastruktur Burgenland GmbH den 8,4 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Oberwart und Großpetersdorf.
Die Gleise zwischen Rechnitz und Großpetersdorf wurden abgebaut, an ihrer Stelle entstand der Bahntrassen-Radweg.
Rotenturm an der Pinka
Rotenturm an der Pinka liegt auf 294 Metern Höhe.
Im Juni 2020 wurde der Güterverkehr bis Rotenturm aufgenommen, wo eine neue Holzverladestation entstand.
Die Holzverladestelle kostete 850.000 Euro, die Reaktivierung der Bahnstrecke 300.000 Euro, insgesamt waren es 1,15 Millionen Euro.

Pinkafeld
Der Bahnhof Pinkafeld liegt auf 391 Metern Höhe, die Haltestelle Pinkafeld Schule auf 383 Metern und Altpinkafeld auf 381 Metern.
Der Personenverkehr endete an allen drei Stellen am 31. Juli 2011.
Altpinkafeld war 1888 der Endpunkt der ungarischen Lokalbahn.
Am Bahnhof Pinkafeld erinnert eine Gedenktafel an die Eröffnung der Verbindung nach Friedberg am 15. November 1925.

Bad Tatzmannsdorf
Der Bahnhof Bad Tatzmannsdorf lag an der Zweigstrecke nach Oberschützen auf dem Gemeindegebiet von Oberschützen.
Am Bahnhof wurde ein Teil der Braunkohle auf eine weitere Materialseilbahn zum Antimonbergbau Schlaining umgeladen.
Das Bahnhofsgebäude war baugleich mit dem von Oberschützen, nur seitenverkehrt, und wurde noch zu ÖBB-Zeiten abgebrochen.
An seiner Stelle entstand als Kulisse für die sechsteilige Filmreihe Die Strauß-Dynastie ein hölzerner Bahnhofspavillon.
Die Angaben zum Baujahr gehen auseinander, genannt werden 1987 und 1988.
Der Pavillon stellte den russischen Grenzbahnhof Wolotschysk dar und trägt ein großes Stationsschild in russischer Schrift.
Der Betreiberverein der Museumsbahn nutzte den Pavillon und pflegte ihn weiter.
Im Sommer 2021 war er in stark verfallenem Zustand noch weitgehend erhalten.


Oberschützen
Oberschützen war der Endbahnhof der Zweigstrecke und liegt auf 392 Metern Höhe.
Bis 1987 gab es eine tägliche Eilzugverbindung von Wien nach Oberschützen.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Oberschützen existiert noch.
Zum Bahntrassen-Radweg wurden auf 21 Kilometern Länge zwischen Oberschützen und Oberwart beziehungsweise Großpetersdorf und Rechnitz die Gleise entfernt.


So sieht es jetzt aus
Im September 2022 wurde der Bahntrassen-Radweg von Oberschützen nach Rechnitz eröffnet.
Er kostete 3,6 Millionen Euro und war nicht unumstritten.
Der Güterverkehr zwischen Friedberg und Oberwart wird seit dem 1. Februar 2024 wieder von den ÖBB geführt.
Vorher und nachher: Großpetersdorf
Die Aufnahmen von 2011 und 2021 zeigen das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs Großpetersdorf.
Der Personenverkehr zwischen Friedberg und Oberwart war 2011 noch nicht eingestellt.
Die Geschichte in Daten
17. Dezember 1888: Betrieb Szombathely–Rechnitz–Oberwart–Alt Pinkafeld.
25. März 1903: Zweigbahn Oberwart–Oberschützen.
1921: Das Burgenland kommt zu Österreich, Rechnitz wird Grenzbahnhof.
15. November 1925: Verbindung Altpinkafeld–Friedberg.
1. März 1953: Der Grenzübergang bei Rechnitz wird geschlossen.
8. August 1968: Schließung des Braunkohlebergbaus.
2. Juni 1984: Personenverkehr Oberwart–Rechnitz eingestellt.
30. Juni 1987: Personenverkehr Oberwart–Oberschützen eingestellt.
1. August 2011: Personenverkehr Friedberg–Oberwart eingestellt.
30. April 2012: Museumsbahn Oberwart–Oberschützen behördlich eingestellt.
Juni 2020: Güterverkehr bis Rotenturm.
September 2022: Eröffnung des Bahntrassen-Radwegs.
1. Februar 2024: Die ÖBB übernehmen den Güterverkehr wieder.
Häufige Fragen
Fährt auf der Pinkatalbahn noch ein Personenzug?
Welcher Abschnitt wird noch genutzt?
Kann man die alte Trasse mit dem Rad befahren?
Was ist der Kulissenbahnhof in Bad Tatzmannsdorf?
Seit wann gehört die Strecke zu Österreich?
Pinkatalbahn – Wikipedia · Großpetersdorf – Wikipedia · Bad Tatzmannsdorf – Wikipedia
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