Die Lossetalbahn: der stille Ast von Hessisch Lichtenau nach Waldkappel

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Lossetalbahn: der stille Ast von Hessisch Lichtenau nach Waldkappel

Bis Hessisch Lichtenau fährt heute die Straßenbahn, dahinter beginnt die stillgelegte Lossetalbahn. Ein Blick auf Walburg, seinen abgebrannten Bahnhof und die Halte bis Waldkappel.

Ansichtskarte des Bahnhofs Waldkappel, 1911 oder früher.
Ansichtskarte des Bahnhofs Waldkappel, 1911 oder früher. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Eröffnung bis Waldkappel
1973
Ende nach Großalmerode
1985
Letzter Personenzug
2024
Walburg: Brand

Lage: Werra-Meißner-Kreis, zwischen Hessisch Lichtenau und Waldkappel. Status: stillgelegt, Gleise zwischen Walburg und Küchen abgebaut. Heute: davor fährt die Straßenbahn bis Hessisch Lichtenau.

Die Lossetalbahn verband Kassel mit Waldkappel im Kaufunger Wald und im Werra-Meißner-Kreis.

Ihr vorderer Teil ist heute Teil des Kasseler Straßenbahnnetzes, die Linie 4 fährt bis Hessisch Lichtenau.

Dahinter ist die Strecke stillgelegt, so auch in Walburg, wo am 5. Oktober 2024 das Empfangsgebäude abbrannte.

Dieser Beitrag folgt dem stillgelegten Teil von Hessisch Lichtenau über Walburg, Weißmühle, Hasselbach und Harmuthsachsen bis Waldkappel, dazu der Zweigstrecke nach Großalmerode West.

Freie Fotos vom Bahnhof Walburg selbst fehlen, deshalb zeigen die Bilder andere Orte entlang der Strecken.

Entstehung: von Bettenhausen nach Waldkappel

Die Strecke Bettenhausen–Waldkappel wurde am 1. Dezember 1879 eröffnet.

Der Anschluss zum Kasseler Hauptbahnhof folgte am 15. März 1880.

Betrieben wurde sie anfangs von der privaten Cassel–Waldkappeler Eisenbahn.

In Waldkappel bestand Anschluss an die Strecke Eschwege–Treysa, die Teil der Kanonenbahn war.

Die Strecke war ursprünglich 49,830 Kilometer lang.

So sah es vorher aus: Walburg als Knoten

Der Bahnhof Walburg öffnete am 1. Dezember 1879 als Durchgangsbahnhof.

Ab 1883 zweigte hier die Strecke nach Großalmerode West ab, damit wurde er zum Abzweigbahnhof.

Er hatte drei Bahnsteiggleise.

Der Bahnhof bediente den Braunkohlenbergbau im Meißnergebiet, die Sprengstofffabrik in Hirschhagen und weitere Betriebe.

Das Empfangsgebäude von 1879 war ein Typenbau in Fachwerk, mit einem mehrgeschossigen Mittelbau und eingeschossigen Seitenflügeln.

Zur denkmalgeschützten Anlage gehören außerdem ein dreiständiger Lokschuppen aus Backstein und ein Stellwerk von 1884.

Eisenbahnfreunde lagerten in Walburg eine große Sammlung historischer Schienenfahrzeuge, ein Teil davon wurde 2006 entfernt.

Ihre Versuche, Strecken für einen Museumsverkehr zu reaktivieren, scheiterten.

Walburg: der Brand am 5. Oktober 2024

Am 5. Oktober 2024 wurde das Empfangsgebäude durch ein Feuer vollständig zerstört.

Die Feuerwehr wurde gegen 3 Uhr alarmiert.

Beim Eintreffen stand ein dreistöckiges Fachwerkgebäude am Bahnhof komplett in Flammen, erste Teile waren bereits eingestürzt.

Mehr als 70 Einsatzkräfte waren beteiligt, einer von drei übrig gebliebenen Schornsteinen stürzte während der Löscharbeiten ein.

Gegen 7 Uhr war das Gebäude weitgehend eingestürzt.

Verletzte sind in den Einsatzberichten nicht genannt, zur Brandursache sind keine Angaben belegt.

Der Personenverkehr nach Großalmerode West endete in Walburg am 3. Juni 1973, auf der Strecke Kassel–Eschwege am 31. Mai 1985.

Der Güterverkehr wurde am 31. Dezember 2002 eingestellt.

Hessisch Lichtenau: wo die Straßenbahn endet

Der Straßenbahnbetrieb reicht seit dem 29. Januar 2006 bis Hessisch Lichtenau und endet dort in einer Wendeschleife im Ortskern.

Der Streckenabschnitt von Kilometer 35,0 bei Hessisch Lichtenau bis Walburg ist stillgelegt.

Außer Betrieb sind auch der frühere Bahnhof Hessisch Lichtenau Stadt und der ehemalige Haltepunkt Bürgerhaus.

Bei Kilometer 36,25 zweigte die Zeche Glimmerode ab.

Weißmühle, Hasselbach und Harmuthsachsen

Der Haltepunkt Weißmühle wurde vor 1970 aufgelassen, weitere Angaben sind nicht belegt.

Auch der Haltepunkt Hasselbach ist außer Betrieb.

Für die Bundesautobahn 44 wurden die Gleise zwischen Walburg und Küchen abgebaut, am ehemaligen Haltepunkt Hasselbach steht eine Grünbrücke.

Bei Harmuthsachsen ist ein Abzweig von der Strecke aus Treysa verzeichnet, die zur Kanonenbahn gehörte.

Blick vom ehemaligen Haltepunkt Hasselbach, rechts der Bau der Grünbrücke, 2012.
Blick vom ehemaligen Haltepunkt Hasselbach, rechts der Bau der Grünbrücke, 2012. Foto: A1973 andreas, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Waldkappel: der Keilbahnhof

Der Bahnhof Waldkappel wurde am 15. Mai 1879 als Bahnhof der Strecke Niederhone–Treysa eröffnet.

Mit der Strecke von Bettenhausen am 1. Dezember 1879 wurde er zum Keilbahnhof.

Da die Strecke Leinefelde–Treysa zur Kanonenbahn gehörte, gab es hier auch militärischen Güterverkehr.

1957 wurde ein Neubau des Empfangsgebäudes eröffnet, der eine Holzbaracke ablöste.

Ende der 1950er Jahre wurde der Lokschuppen abgetragen und die Drehscheibe entfernt.

Am 26. Mai 1974 endete der Personenverkehr zwischen Malsfeld und Waldkappel, Waldkappel blieb Halt für die Züge von Eschwege nach Kassel.

Der letzte reguläre Personenzug fuhr am 31. Mai 1985 von Kassel nach Eschwege.

Zwischen Eschwege West und Waldkappel verkehrte noch bis zum 31. Dezember 1991 ein wöchentlicher Güterzug.

Zum Jahreswechsel 1991/1992 endete der gesamte Schienenverkehr, 1993 wurde der Bahnhof endgültig stillgelegt.

Das Empfangsgebäude stand danach leer.

Nach 2010 wurde das östliche Bahnhofsvorfeld in einen Solarpark umgewandelt, 2011 die Bahnbrücke westlich des Bahnhofs über die Bahnhofstraße abgetragen.

Der abgesperrte Zufahrtsweg zum Bahnhofsgelände von Waldkappel, März 2016.
Der abgesperrte Zufahrtsweg zum Bahnhofsgelände von Waldkappel, März 2016. Foto: ABWS6, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Reste der 2011 abgerissenen Bahnbrücke über die Bahnhofstraße in Waldkappel, März 2016.
Reste der 2011 abgerissenen Bahnbrücke über die Bahnhofstraße in Waldkappel, März 2016. Foto: ABWS6, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Zweigstrecke nach Großalmerode West

Anlass für die Zweigstrecke war die Braunkohlenzeche Hirschberg bei Epterode, die an die neue Bahn angeschlossen werden sollte.

Bis Epterode wurde sie am 27. März 1883 eröffnet, das Reststück nach Großalmerode West folgte am 1. Februar 1884.

Ab 1915 zweigte im Bahnhof Velmeden die Gelstertalbahn nach Eichenberg ab.

1935 wurde zwischen Velmeden und Rommerode der Abzweigbahnhof Steinholz gebaut, von dem eine 7,8 Kilometer lange Anschlussbahn zur Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau führte.

Nach Kriegsende wurde sie teilweise abgebaut, der Rest erschloss das Industriegebiet Hirschhagen.

Der Güterverkehr zwischen Großalmerode West und Epterode, zuletzt für eine Tonfabrik, endete am 1. September 1994.

Zwischen Walburg und Epterode wurde der Güterverkehr mit der Schließung der Zeche Hirschberg am 15. Dezember 2002 eingestellt.

Im Sommer 2003 wurde der Kohlebunker im Bahnhof Epterode abgerissen.

In den letzten Jahren bedienten Diesellokomotiven der Baureihen 290 und 294 die Strecke.

Der ehemalige Bahnhof Velmeden, 2009.
Der ehemalige Bahnhof Velmeden, 2009. Foto: Kenan3, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Grimmsteig zwischen Velmeden und Rommerode, rechts auf dem Bahndamm befand sich der Bahnhof Steinholz, 2014.
Der Grimmsteig zwischen Velmeden und Rommerode, rechts auf dem Bahndamm befand sich der Bahnhof Steinholz, 2014. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Grimmsteig unterhalb des Gülsbergs an der ehemaligen Bahnstrecke Hessisch Lichtenau–Großalmerode West, 2014.
Der Grimmsteig unterhalb des Gülsbergs an der ehemaligen Bahnstrecke Hessisch Lichtenau–Großalmerode West, 2014. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Epterode, 2009.
Der Bahnhof Epterode, 2009. Foto: Kenan3, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Epterode, 2009.
Der ehemalige Bahnhof Epterode, 2009. Foto: Kenan3, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Großalmerode West, 2021.
Der ehemalige Bahnhof Großalmerode West, 2021. Foto: Hermann Nobel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des früheren Bahnhofs Großalmerode West, 2024.
Das Empfangsgebäude des früheren Bahnhofs Großalmerode West, 2024. Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Autobahn und Gleisabbau

Für den Bau der Autobahn 44 beantragte die DB Netz Anfang 2009 die Freistellung der Trasse zwischen Walburg und Waldkappel von Bahnbetriebszwecken.

Zwischen Walburg und Küchen wurden die Gleise abgebaut, um Platz für den Straßenbau zu schaffen.

Der Abschnitt zwischen Hessisch Lichtenau und Walburg ist ebenfalls stillgelegt.

Die Strecke ist damit unterbrochen, davor fährt die Straßenbahn.

So sieht es jetzt aus

1997 begann der Ausbau des vorderen Teils für das Straßenbahnnetz, die Strecke wurde mit 600 Volt Gleichspannung elektrifiziert.

Der Straßenbahnbetrieb begann am 8. Juni 2001 bis Helsa und wurde am 29. Januar 2006 bis Hessisch Lichtenau verlängert.

Die Baukosten für den Ausbau betrugen etwa 65 Millionen Euro.

Heute verkehrt auf der Lossetalbahn die Straßenbahnlinie 4.

Hinter Hessisch Lichtenau gibt es keinen Schienenverkehr mehr, in Walburg ist das Empfangsgebäude zerstört.

Vorher und nachher: Waldkappel

Die Ansichtskarte von 1911 oder früher zeigt den Bahnhof Waldkappel.

Auf den Aufnahmen vom März 2016 ist der Zufahrtsweg zum Bahnhofsgelände mit Baustellenzäunen abgesperrt.

Die Brücke, die den Bahnhof mit der Strecke nach Kassel verband, ist abgerissen und die Zufahrt durch den Bauhof abgeschnitten.

Die Geschichte in Daten

1879: Am 1. Dezember werden Bettenhausen–Waldkappel und der Bahnhof Walburg eröffnet.

1880: Am 15. März folgt der Anschluss zum Kasseler Hauptbahnhof.

1883: Die Zweigstrecke von Walburg wird am 27. März bis Epterode eröffnet.

1884: Am 1. Februar erreicht sie Großalmerode West.

1973: Am 3. Juni endet der Personenverkehr nach Großalmerode West.

1985: Am 31. Mai fährt der letzte reguläre Personenzug von Kassel nach Eschwege.

1994: Am 1. September endet der Güterverkehr Großalmerode West–Epterode.

2002: Am 15. Dezember schließt die Zeche Hirschberg, am 31. Dezember endet der Güterverkehr bis Walburg.

2006: Am 29. Januar fährt die Straßenbahn bis Hessisch Lichtenau.

2009: Anfang des Jahres wird die Freistellung der Trasse Walburg–Waldkappel beantragt.

2024: Am 5. Oktober zerstört ein Feuer das Empfangsgebäude Walburg.

Häufige Fragen

Was geschah am Bahnhof Walburg 2024?
Am 5. Oktober 2024 brannte das Empfangsgebäude vollständig nieder, zur Ursache sind keine Angaben belegt.
Bis wohin fährt die Straßenbahn?
Die Linie 4 fährt seit dem 29. Januar 2006 bis Hessisch Lichtenau.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der letzte reguläre Personenzug fuhr am 31. Mai 1985 von Kassel nach Eschwege.
Gibt es noch Gleise zwischen Walburg und Küchen?
Nein, sie wurden für den Bau der Autobahn 44 abgebaut.
Wann endete der Güterverkehr bis Walburg?
Am 31. Dezember 2002.

Die Lossetalbahn lebt vorne als Straßenbahn weiter.

Hinter Hessisch Lichtenau erinnern Bahnhöfe, Trassen und Autobahnbaustellen an ihren stillen Ast.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Lossetalbahn (Bahnstrecke Kassel–Waldkappel) · Wikipedia: Bahnhof Walburg (Hess-Nass) · Wikipedia: Bahnstrecke Walburg–Großalmerode West · Wikipedia: Bahnhof Waldkappel · DenkXweb: Bahnhof Walburg · Feuerwehr Hessisch Lichtenau: Einsatz 123 Gebäudebrand

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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