Die Lokalbahn Korneuburg–Hohenau: Leiser-Berge-Strecke zwischen Draisine und Güterzug
Die Lokalbahn Korneuburg–Hohenau durchquerte seit 1904 und 1906 das Weinviertel. Seit 1988 fährt kein planmäßiger Personenzug mehr, die Abschnitte haben seither sehr verschiedene Wege genommen.


Strecke: Korneuburg über Ernstbrunn und Mistelbach nach Hohenau, rund 80 Kilometer. Status: Korneuburg–Ernstbrunn für Güter- und Sonderzüge genutzt, Ernstbrunn–Mistelbach Draisinen und Schienentaxi, Mistelbach–Hohenau seit 2015 ohne Regelverkehr. Heute: Draisinenbahn, Schienentaxi und gelegentliche Sonderfahrten.
Die Lokalbahn Korneuburg–Hohenau verläuft von Korneuburg über Ernstbrunn und Mistelbach nach Hohenau im niederösterreichischen Weinviertel.
Am 28. Mai 1988 wurde auf der gesamten Strecke der Personenverkehr eingestellt.
Seither haben die Abschnitte unterschiedliche Wege genommen.
Zwischen Korneuburg und Ernstbrunn laufen Güterverkehr und Sonderzüge, dieser Teil ist kein Lost Place und wird hier nur am Rand erwähnt.
Zwischen Ernstbrunn und Mistelbach fahren Draisinen und das Zayataler Schienentaxi.
Zwischen Mistelbach und Hohenau endete der Regelverkehr am 12. Dezember 2015, seither finden dort gelegentlich Sonderfahrten statt.
Dieser Beitrag erzählt vor allem die beiden letztgenannten Abschnitte.
Entstehung: Die Bahn über die Leiser Berge
Eine erste Trassierung der späteren Bahn erfolgte 1885 durch das Eisenbahn- und Telegrafenregiment aus Korneuburg.
Über den Bau der Bahn wurde danach noch gut zwei Jahrzehnte lang debattiert.
Das Regiment half später mit seinen drei Bataillonen beim Bau, errichtet wurde die Bahn von der Gesellschaft für Elektrotechnische Unternehmungen aus München.
Die erste Sektion zwischen Korneuburg und Ernstbrunn wurde am 26. November 1904 eröffnet.
Ehrengast der Eröffnungsfahrt war der Wiener Bürgermeister Karl Lueger.
Die Presse sah das teilweise als unnötige Beweihräucherung, da Lueger kein Würdenträger des Landes Niederösterreich war, das die Bahn baute.
Die Nordwestbahn untersagte die Mitbenutzung ihres Bahnhofs in Korneuburg, deshalb errichteten die Landesbahnen in der Nähe einen eigenen Lokalbahnhof mit Aufnahmsgebäude, Güterschuppen und Heizhaus.

Am 15. November 1906 wurde die Verlängerung über die Leiser Berge und Mistelbach nach Hohenau eröffnet.
Am selben Tag ging die Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach in Betrieb, mit der die Lokalbahn im Bahnhof Mistelbach zusammentraf.
Den Betrieb führte das Niederösterreichische Landeseisenbahnamt, ab 1908 die Niederösterreichischen Landesbahnen.
In Dobermannsdorf bestand ab 1911 Anschluss an die Lokalbahn Pirawarth–Dobermannsdorf, seit 1907 verband die Linie Dobermannsdorf–Poysdorf mit der Lokalbahn Enzersdorf–Poysdorf.
Der Bahnhof wurde so zu einem wichtigen Knotenpunkt der Lokalbahnen.
Militärische Bedeutung hatte die Bahn, weil die Kasernen in Korneuburg und Mistelbach direkt an der Strecke liegen.
Nach der Auflösung der Landesbahnen 1921 gingen die Strecken an die Bundesbahnen Österreichs über.
So sah es vorher aus: Gebirgsstrecken im Weinviertel
Die Lokalbahn ist vor allem durch ihre Gebirgsstrecken bekannt, die für das Weinviertel ungewöhnlich steile Rampen aufweisen.
Nach dem Korneuburger Becken beginnt in Mollmannsdorf auf 209 Metern der Anstieg zum Mollmannsdorfer Berg.
Bis zur Station Würnitz-Hetzmannsdorf auf 260 Metern überwindet die Strecke zahlreiche Gleisbögen mit einer Steigung von bis zu 27 Promille.
Ab Ernstbrunn auf 256 Metern beginnt ein neuer Aufstieg über die Hügelkette der Leiser Berge.
Im Bründlwald hinter Grafensulz liegt mit 300 Metern der Scheitelpunkt der Strecke.
Danach senkt sie sich rasch bis Asparn an der Zaya auf 223 Meter und folgt dem Fluss bis Hohenau an der March, dem tiefsten Punkt auf 151 Metern.
Zu Beginn führten die Landesbahnen den Betrieb mit Tenderlokomotiven der Reihen 1 und 2.
Als Kuriosum gilt der dreiachsige Komarek-Dampftriebwagen der Reihe 30 bis 33, der sich nicht bewährte und nur wenige Jahre im Einsatz stand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten neben der Reihe 93 vor allem die Dampftriebwagen der Reihe 3071 mit dem Spitznamen „Dorftrottel“, die Reihe 75 und die Kriegsloks der Reihe 52 das Bild.
Nach der Verdieselung 1976 kamen vor allem Loks der Reihen 2062, 2067, 2143 und 2050 zum Einsatz.

Das Ende des Personenverkehrs 1988 und die Sperre 1999
Am 28. Mai 1988 wurde auf weiten Teilen des Weinviertler Streckennetzes der Personenverkehr eingestellt, so auch zwischen Korneuburg und Hohenau.
Bis 1999 fanden noch gelegentliche Nostalgie-Sonderfahrten über die gesamte Strecke statt.
Dann musste der Abschnitt Ernstbrunn–Mistelbach wegen Oberbaumängeln gesperrt werden.
Im Zuge der Bauarbeiten an der Umfahrung Mistelbach wurde ab 2013 der Abschnitt Ernstbrunn–Mistelbach am Ortsende von Mistelbach bei der Kreuzung mit der B40 unterbrochen.
Die Leiser-Berge-Strecke: Draisinen statt Regelverkehr
Seit 2007 gibt es auf dem Teilstück zwischen Ernstbrunn und Asparn an der Zaya einen Draisinenverkehr zur Tourismusförderung.
Er soll auch einen weiteren Verfall und die Abtragung der Gleise verhindern.
Die Weinvierteldraisine befährt den streckenbaulich interessantesten Abschnitt, bei der Draisinenalm in Grafensulz wird auf rund 300 Metern der Scheitelpunkt überwunden.
Von dort windet sich die Strecke mit zahlreichen Kurven über Schletz ins Tal der Zaya.
Die Draisinen bieten vier Personen Platz, bis zu drei lassen sich koppeln.



Ende September 2012 wurde das Zayataler Schienentaxi zwischen Asparn an der Zaya und Mistelbach Interspar eröffnet.
Es ist ein Museumsbahnbetrieb mit ehemaligen Bahnwagen der Reihe X626 und Personenbeiwagen an Sonn- und Feiertagen von Mai bis Oktober.
2018 wurde das Schienentaxi auf der Bergstrecke bis Grafensulz verlängert.

Die Halte der Leiser-Berge-Strecke
Die Streckentabelle nennt zwischen Ernstbrunn und Asparn die Halte Niederleis bei Kilometer 33,870, Grafensulz bei Kilometer 38,000 auf rund 290 Metern und Schletz bei Kilometer 41,400.
Asparn an der Zaya liegt bei Kilometer 43,569 auf 223 Metern.
In Ernstbrunn bei Kilometer 30,848 gibt es seit 2007 eine Draisinenhaltestelle.
Die Haltestelle Grafensulz dient seit 2018 dem Zayataler Schienentaxi, Asparn seit 2012.
1976 diente die Strecke und die Bahnhöfe Niederleis und Karnabrunn als Drehort für eine Episode der Serie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ mit Fritz Muliar.
Mistelbach: Knoten der Landesbahnen
Der Lokalbahnhof Mistelbach bei Kilometer 49,817 hieß zunächst Mistelbach Landesbahn und später Mistelbach Lokalbahn beziehungsweise Lokalbahnhof.
Hier trafen die Lokalbahn Korneuburg–Hohenau und die Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach zusammen.


Mistelbach–Hohenau: Die Zayatalbahn
Der Abschnitt Mistelbach–Hohenau wurde in den 1990er Jahren als internationale Ausweichstrecke für die Nordbahn nach Wien genutzt, hauptsächlich bei Hochwasser an der March.
Die ÖBB beschlossen jedoch, Ausweichzüge künftig über die Slowakei zu führen, was de facto das Ende dieses Abschnitts bedeutete.
Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2015 wurde die Strecke endgültig eingestellt.
Der Verein Neue Landesbahn aus Mistelbach und vier der sechs Anrainergemeinden gründeten die Zayatalbahn GmbH, die die Strecke 2019 von den ÖBB erwarb.
Seit dem 25. März 2023 finden zwischen Mistelbach Lokalbahnhof, Bullendorf, Wilfersdorf-Hobersdorf und Prinzendorf-Rannersdorf ab und zu öffentliche Themenfahrten statt, etwa ein Osterexpress oder ein Nikoloexpress.
Am 28. Mai 2023 rollten Güterwagen zum Lagerhaus Wilfersdorf-Hobersdorf, seither fahren immer wieder Getreidezüge von den Lagerhäusern Wilfersdorf und Dobermannsdorf nach Italien.

Die Halte im Zayatal
Nach Mistelbach Lokalbahnhof folgen Wilfersdorf-Hobersdorf bei Kilometer 56,109, Bullendorf bei Kilometer 58,309, Ebersdorf bei Kilometer 60,700 und Prinzendorf-Rannersdorf bei Kilometer 62,039.
Es folgen Hauskirchen bei Kilometer 66,251, Neusiedl-Sankt Ulrich bei Kilometer 69,542 und Dobermannsdorf bei Kilometer 71,787 auf 168 Metern.
Endpunkt ist Hohenau bei Kilometer 79,830 auf 151 Metern.


Der Westen heute: Regiobahn Leiser Berge
Die Gemeinden Korneuburg, Leobendorf, Stetten, Harmannsdorf, Großrußbach und Ernstbrunn gründeten am 6. April 2022 die regiobahn Leiser Berge Eisenbahninfrastruktur GmbH.
Ab 12. Dezember 2022 übernahm sie die Strecke ab Kilometer 9,000 bis Ernstbrunn von der ÖBB Infrastruktur AG.
Sie wird für den Güterverkehr, den „ErlebnisZug Leiser Berge“ und Sonderzüge genutzt.
Der gelegentliche Güterverkehr zum Kalkwerk Ernstbrunn und zu einigen Lagerhäusern wird von der Regiobahn abgewickelt.
Vorher und nachher: Prinzendorf-Rannersdorf
Die Ansichtskarte von 1906 und das Foto von 2012 zeigen denselben Bahnhof an der Strecke zwischen Mistelbach und Hohenau.
Dazwischen liegen die Einstellung des Personenverkehrs 1988 und der Regelverkehr bis 2015.
Die Geschichte in Daten
1885: Erste Trassierung der späteren Bahn durch das Eisenbahn- und Telegrafenregiment aus Korneuburg.
26. November 1904: Die Strecke Korneuburg–Ernstbrunn wird eröffnet.
15. November 1906: Die Verlängerung über die Leiser Berge und Mistelbach nach Hohenau wird eröffnet.
1921: Die Strecken der Landesbahnen gehen an die Bundesbahnen Österreichs über.
1976: Die Verdieselung der Strecke.
28. Mai 1988: Der Personenverkehr zwischen Korneuburg und Hohenau wird eingestellt.
1999: Der Abschnitt Ernstbrunn–Mistelbach wird wegen Oberbaumängeln gesperrt.
2007: Der Draisinenverkehr zwischen Ernstbrunn und Asparn beginnt.
Ende September 2012: Das Zayataler Schienentaxi wird eröffnet.
2013: Der Abschnitt Ernstbrunn–Mistelbach wird bei Mistelbach unterbrochen.
12. Dezember 2015: Der Abschnitt Mistelbach–Hohenau wird endgültig eingestellt.
2018: Das Schienentaxi wird bis Grafensulz verlängert.
2019: Die Zayatalbahn GmbH erwirbt die Strecke Mistelbach–Hohenau von den ÖBB.
12. Dezember 2022: Die regiobahn Leiser Berge übernimmt die Strecke ab Kilometer 9,000 bis Ernstbrunn.
25. März 2023: Auf Mistelbach–Prinzendorf-Rannersdorf finden Themenfahrten statt.
Häufige Fragen
Fährt auf der Lokalbahn Korneuburg–Hohenau noch ein Zug?
Wann endete der Verkehr zwischen Mistelbach und Hohenau?
Wem gehört der Abschnitt Mistelbach–Hohenau?
Was ist der höchste Punkt der Strecke?
Welche Strecken hängen mit dem Bahnhof Dobermannsdorf zusammen?
Von der Lokalbahn Korneuburg–Hohenau sind drei Abschnitte geblieben, die je anders genutzt werden: Güter- und Sonderzüge im Westen, Draisinen und Schienentaxi in den Leiser Bergen und gelegentliche Sonderfahrten im Zayatal.
Wikipedia: Lokalbahn Korneuburg–Hohenau · Weinviertel Tourismus: Weinvierteldraisine Ernstbrunn–Asparn · Niederösterreich Werbung: Zayataler Schienentaxi · Unternehmerweb: Comeback für Güterverkehr auf der Zayatalbahn
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
