Das Bahnbetriebswerk Pankow-Heinersdorf: Rundlokschuppen und Ringlokschuppen am Rangierbahnhof

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Das Bahnbetriebswerk Pankow-Heinersdorf: Rundlokschuppen und Ringlokschuppen am Rangierbahnhof

Am Nordende des Rangierbahnhofs Pankow entstand 1893 ein Bahnbetriebswerk mit Rundschuppen. Es wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt, drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

VORHER · 2008

Der Rundlokschuppen des ehemaligen Bahnbetriebswerks.

Der Rundlokschuppen des ehemaligen Bahnbetriebswerks. Foto: Doris Antony , Berlin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2015

Der Rundschuppen an der Prenzlauer Promenade.

Der Rundschuppen an der Prenzlauer Promenade. Foto: Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1893
Eröffnung von Rangierbahnhof und Haltepunkt
1997
Rangierbahnhof stillgelegt
Ende 1990er
Betriebswerk stillgelegt
2024
Urteil gegen den Abriss

Lage: Berlin-Pankow, am Nordende des früheren Rangierbahnhofs, neben dem S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Status: Betriebswerk stillgelegt, Rund- und Ringlokschuppen sowie ein Verwaltungsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Heute: Die Gebäude werden seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt, der S-Bahnhof daneben ist in Betrieb.

Das Bahnbetriebswerk Berlin-Pankow lag am Nordende des Rangierbahnhofs Pankow, neben dem Haltepunkt Pankow-Heinersdorf an der Stettiner Bahn.

Der Rangierbahnhof und das Betriebswerk sind stillgelegt.

Erhalten sind drei denkmalgeschützte Gebäude: ein Rundlokschuppen, ein Ringlokschuppen und ein Sozial- und Verwaltungsgebäude.

Der S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf daneben ist in Betrieb und gehört nicht zum Lost Place.

Das Gelände gehört einer Eigentümerin, ein Betreten setzt ihre Erlaubnis voraus.

Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen das Gelände seit 2007.

Ein Betriebswerk für den größten einseitigen Rangierbahnhof

Der Rangierbahnhof Pankow wurde von 1891 bis 1893 für 8,9 Millionen Mark gebaut.

Die Güterverkehrsanlagen des Stettiner Bahnhofs in Berlin genügten dem gestiegenen Verkehr nicht mehr.

Der neue Bahnhof sollte Ausgangs- und Endpunkt für die Güterzüge der Stettiner Bahn und der Nordbahn werden.

Am Nordende des Rangierbahnhofs entstand das Bahnbetriebswerk Berlin-Pankow mit einem 24-ständigen Rundschuppen.

Gleichzeitig mit dem Rangierbahnhof wurde am 1. Oktober 1893 der Haltepunkt Pankow-Heinersdorf eröffnet.

Von seinem Empfangsgebäude aus wurde ein Zugang zum Rangierbahnhof und zum Betriebswerk angelegt.

Der Rundlokschuppen wird auf 1893 datiert.

Zum Ringlokschuppen gehen die Angaben auseinander.

Eine Darstellung nennt ihn bereits bei der Anlage des Betriebswerks, anfangs mit sechs Ständen.

Die Denkmalangaben datieren den Ringlokschuppen auf die Jahre 1901 bis 1906.

Das Sozial- und Verwaltungsgebäude stammt von 1960 und 1961.

Der Wasserturm des Betriebswerks wurde 1911 errichtet und ist 46 Meter hoch.

Der Ringlokschuppen an der Prenzlauer Promenade (2015).
Der Ringlokschuppen an der Prenzlauer Promenade (2015). Foto: Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: ein Rundhaus mit 24 Ständen

Ein Rundhaus ist ein kreisrundes Gebäude mit einer Drehscheibe in der Mitte.

Um die Drehscheibe schliessen sich sternförmig die Abstellgleise für die Lokomotiven an.

Im Pankower Rundlokschuppen gab es 24 solcher Stände.

Die Drehscheibe und die Vorderansicht des Lokschuppens (2015).
Die Drehscheibe und die Vorderansicht des Lokschuppens (2015). Foto: Vexer070, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Rangierbahnhof erreichte 1917 eine Tagesleistung von über 3800 Wagen.

Damit war Pankow der größte einseitige Rangierbahnhof im Deutschen Reich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Leistung bei bis zu 1800 Güterwagen pro Tag.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Bahnhof schrittweise modernisiert, unter anderem durch elektromechanische Stellwerke.

In den 1970er Jahren gingen elektrodynamische Gleisbremsen in Betrieb, die die Hemmschuhbremsen der Ablaufanlage ablösten.

Es gab einen Palettenumschlagplatz für Großpaletten mit vorgefertigten Betonwänden für das Wohnungsbauprogramm der DDR.

Nördlich des Bahnbetriebswerks lag eine Müllumschlaganlage der Stadtreinigung.

Beim Umbau des S-Bahnhofs in den 1980er Jahren entstand ein weiterer Zugang zum Mittelbahnsteig, der mit dem Zugang zum Bahnbetriebswerk verbunden war.

Im Inneren des Lokschuppens (2015).
Im Inneren des Lokschuppens (2015). Foto: Vexer070, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende: stillgelegt in den 1990er Jahren

Das Gelände diente bis in die 1990er Jahre Bahnzwecken.

Der Güter- und Rangierbahnhof verlor nach der politischen Wende immer mehr an Bedeutung.

Am 2. Juli 1997 wurde der Rangierbahnhof endgültig stillgelegt.

Das Bahnbetriebswerk mit Wasserturm und Ringlokschuppen wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt.

Bis 2007 wurden die gesamten Gleisanlagen des Rangierbahnhofs und einige Gebäude abgerissen.

Blick auf das Gelände des alten Güterbahnhofs zwischen Pankow und Heinersdorf (2007).
Blick auf das Gelände des alten Güterbahnhofs zwischen Pankow und Heinersdorf (2007). Foto: Stevy76, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: ein Denkmalbereich ohne Nutzung

Die Gebäude gehören zum Denkmalbereich Prenzlauer Promenade/Betriebswerk Pankow.

Sie stehen unter Denkmalschutz und werden seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt.

Er ist stark verfallen.

Auf Anordnung des Bezirksamts Pankow erhielt er ein neues Dach.

Anfang 2019 wurde die Eigentümerin zur teilweisen Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude verpflichtet.

Das Fensterband in der Dachkuppel des Rundlokschuppens (2011).
Das Fensterband in der Dachkuppel des Rundlokschuppens (2011). Foto: alis-räuberhöhle, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Dach des Lokschuppens (2015).
Das Dach des Lokschuppens (2015). Foto: Vexer070, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Drehscheibe und Lokschuppen auf dem Gelände des Betriebswerks (2016).
Drehscheibe und Lokschuppen auf dem Gelände des Betriebswerks (2016). Foto: Christoph Poppitz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Lokschuppen, von Grün umgeben (2015).
Der Lokschuppen, von Grün umgeben (2015). Foto: Vexer070, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Lokschuppen von der Brücke Pankow-Heinersdorf aus gesehen (2015).
Der Lokschuppen von der Brücke Pankow-Heinersdorf aus gesehen (2015). Foto: Vexer070, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Rundlokschuppen von der Heinersdorfer Brücke (2024).
Der Rundlokschuppen von der Heinersdorfer Brücke (2024). Foto: Lukas Beck, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: der Rundlokschuppen 2008 und 2015

Die beiden Aufnahmen am Anfang des Beitrags zeigen den Rundlokschuppen 2008 und 2015.

Der Streit um den Abriss

Die Eigentümerin besitzt das Areal in Pankow-Heinersdorf seit 2011.

Im Oktober 2017 beantragte sie beim Land Berlin eine denkmalrechtliche Genehmigung zum Abriss der drei Gebäude.

Auf dem Gelände ist das Wohnquartier Pankower Tor mit rund 2.000 Wohnungen geplant.

Das Land lehnte den Antrag ab, die Eigentümerin klagte.

Die 13. Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin wies die Klage mit Urteil vom 20. Dezember 2024 ab (Az. VG 13 K 193/23).

Das Gericht sah keine Zweifel an der Denkmaleigenschaft.

Die drei Gebäude bilden ein Ensemble mit geschichtlicher Bedeutung als Zeugnis der Eisenbahngeschichte in Deutschland.

Der Erhalt liegt im Allgemeininteresse und ist keine unzumutbare wirtschaftliche Belastung.

Die Eigentümerin muss hinnehmen, dass eine möglicherweise rentablere Nutzung ausgeschlossen bleibt.

Ein Abriss wäre nur zumutbar, wenn für das Denkmal keinerlei sinnvolle Nutzung mehr bestünde und sich die Immobilie praktisch nicht mehr verkaufen ließe.

Solche Verkaufsbemühungen hat die Eigentümerin nach Auffassung des Gerichts nicht nachgewiesen.

Gegen das Urteil konnte ein Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gestellt werden.

Über die künftige Nutzung der Gebäude war zum Zeitpunkt des Urteils nicht entschieden.

1891 bis 1893: Bau des Rangierbahnhofs Pankow.

1. Oktober 1893: Eröffnung des Haltepunkts Pankow-Heinersdorf gleichzeitig mit dem Rangierbahnhof.

1893: Datierung des Rundlokschuppens.

1901 bis 1906: Datierung des Ringlokschuppens in den Denkmalangaben.

1911: Errichtung des Wasserturms.

1917: Tagesleistung von über 3800 Wagen.

1960 und 1961: Bau des Sozial- und Verwaltungsgebäudes.

1980er Jahre: Zusätzlicher Zugang vom S-Bahnhof zum Bahnbetriebswerk.

2. Juli 1997: Stilllegung des Rangierbahnhofs.

Ende der 1990er Jahre: Stilllegung des Bahnbetriebswerks.

2007: Gleisanlagen und einige Gebäude sind abgerissen.

2011: Die heutige Eigentümerin besitzt das Areal.

Oktober 2017: Antrag auf Genehmigung zum Abriss der drei Gebäude.

Anfang 2019: Die Eigentümerin wird zur teilweisen Erhaltung verpflichtet.

20. Dezember 2024: Das Verwaltungsgericht Berlin weist die Klage gegen die Abrissverweigerung ab.

Ist das Bahnbetriebswerk Pankow-Heinersdorf stillgelegt?
Ja, das Betriebswerk wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt, der Rangierbahnhof am 2. Juli 1997. Der S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf daneben ist in Betrieb.
Kann man das Gelände betreten?
Das Gelände gehört einer Eigentümerin, ein Betreten setzt ihre Erlaubnis voraus. Die Gebäude sind von der Brücke an der Prenzlauer Promenade und vom S-Bahnhof aus zu sehen.
Was steht unter Denkmalschutz?
Ein Rundlokschuppen von 1893, ein Ringlokschuppen aus den Jahren 1901 bis 1906 und ein Sozial- und Verwaltungsgebäude von 1960 und 1961.
Dürfen die Gebäude abgerissen werden?
Das Verwaltungsgericht Berlin hat die Klage der Eigentümerin gegen die verweigerte Abrissgenehmigung mit Urteil vom 20. Dezember 2024 abgewiesen.
Wie viele Stände hat der Rundlokschuppen?
Er hat 24 Stände.
Warum wurde das Betriebswerk gebaut?
Es gehörte zum Rangierbahnhof Pankow, der die Güterverkehrsanlagen des Stettiner Bahnhofs entlasten sollte.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →