Die Halte der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten: Museumsverkehr statt Alltag
Seit 1996 gibt es auf der Lokalbahn auf der Schwäbischen Alb keinen täglichen Personenverkehr mehr. Stubersheim, Schalkstetten, Waldhausen und Gussenstadt erleben seitdem nur noch Museums- und Saisonzüge.


Lage: Schwäbische Alb, von Amstetten nach Gerstetten. Status: Kein täglicher Personenverkehr mehr, Betrieb als Museumsbahn mit Saisonverkehr an Sonn- und Feiertagen. Heute: Strecke und Fahrzeuge gehören dem Verein UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten.
Die Bahnstrecke von Amstetten nach Gerstetten ist 19,93 Kilometer lang und normalspurig, sie zweigt in Amstetten von der Filstalbahn ab.
Eröffnet wurde sie am 1. Juli 1906, der tägliche Personenverkehr wurde am 1. März 1996 aufgegeben.
Seitdem fahren auf der Strecke Museums- und Saisonzüge, die Halte Stubersheim, Schalkstetten, Waldhausen und Gussenstadt liegen noch immer an der Strecke.
Dieser Beitrag beschreibt, was zu diesen Halten belegt ist, und erzählt die Geschichte der Lokalbahn.
Alte freie Fotos der Halte selbst fehlen, aus den 1980er Jahren gibt es auf Commons nur wenige Aufnahmen der Strecke.
Wie die Lokalbahn nach Gerstetten kam
Durch Gerstetten führten über Jahrhunderte wichtige Handelswege.
Als die Filstalbahn von Stuttgart nach Ulm und die Brenzbahn von Aalen nach Ulm abseits des Ortes entstanden, erlebte die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Niedergang.
Ein Bürgerverein bemühte sich ab 1896 um einen Eisenbahnanschluss, 1899 wurden auch private Bahngesellschaften zugelassen.
1901 begannen die ersten Gespräche mit der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft, kurz WEG.
Die WEG wollte nur einen Anschluss an die Filstalbahn in Amstetten, die Gemeinde hatte dagegen eine Querverbindung von Amstetten über Gerstetten nach Herbrechtingen an der Brenzbahn im Blick.
1903 wurde der Vertrag über Bau und Betrieb der Strecke von Gerstetten nach Amstetten geschlossen, gebaut wurde von Dezember 1904 bis Juni 1906.
Die Verlängerung nach Herbrechtingen blieb in den folgenden Jahren im Gespräch, wurde aber nie gebaut.
So sah es vorher aus: Die WEG-Lokalbahn
Ab 1956 fuhr auf der Strecke ein einzelner Dieseltriebwagen, der T 05.
Kommunale Finanzhilfe machte ab 1985 Modernisierungen möglich, die der Strecke das Leben verlängerten.
Der Triebwagen T 05 erhielt dabei eine neue Lackierung und den Schriftzug „Lokalbahn“.
Seither stand die Strecke im Kursbuch der Deutschen Bundesbahn mit dem Zusatz „Lokalbahn“, zuvor hieß sie dort Nebenbahn.

Eine wichtige Einnahmequelle war der Güterverkehr, zuletzt war die Bundeswehr der Hauptkunde.
2013 wurde der Güterverkehr in das frühere Bundeswehrdepot wieder aufgenommen, der Gleisanschluss wurde drei- bis sechsmal pro Woche bedient.
Transportiert wurde in der Regel Sand, der für den Bau der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gebraucht wurde.
Stubersheim: Ein Dampfzug verlässt den Ort
Stubersheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Amstetten.
Funde aus dem Ort belegen eine Besiedlung mindestens seit der Merowingerzeit.
Zum Halt selbst, seinem Gebäude und seinem Zustand ist nichts Näheres belegt.
Eine Aufnahme vom Juni 2020 zeigt den vereinseigenen Dampfzug mit der Lokomotive 75 1118 von 1921 kurz nach der Abfahrt aus Stubersheim.

Schalkstetten: Das Museum an den Fahrtagen
Auch Schalkstetten gehört zur Gemeinde Amstetten, auch hier belegen Funde eine Besiedlung seit der Merowingerzeit.
In der Ortsmitte steht das Heimatmuseum des Brauchtumsvereins mit Exponaten zum häuslichen und landwirtschaftlichen Leben früherer Generationen.
Es ist an den Fahrtagen der Dampfzüge der Ulmer Eisenbahnfreunde nachmittags geöffnet.
Zum Bahnhaltepunkt selbst liegen keine weiteren Angaben vor.
Waldhausen: Der Lokalbahnhof 1985
Für Waldhausen belegt eine Aufnahme von 1985 einen Fuchs-Triebwagen am Lokalbahnhof Waldhausen, damals noch im Betrieb der WEG.
Weitere Angaben zu Gebäude und Gleisen sind nicht belegt.

Gussenstadt: Der größte Bahnhof unterwegs
Gussenstadt ist ein Ortsteil von Gerstetten und wurde am 1. Juli 1971 eingemeindet.
Der Ort wird 1143 erstmals urkundlich erwähnt.
Der Halt gilt als größter Unterwegsbahnhof der Lokalbahn.
Das Empfangsgebäude wurde zuletzt renoviert.
Das Ende des Regelverkehrs und der Neubeginn
Weil Subventionen wegfielen, stellte die WEG den Betrieb 1996 nach 90 Jahren ein.
Schon seit 1976 gab es auf der Strecke saisonale Fahrten mit historischen Fahrzeugen.
1997 übernahmen die Ulmer Eisenbahnfreunde die Strecke, seit 1999 gehört sie der indirekten Sektion des Vereins, dem UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten e. V.
Alle Arbeiten des Vereins werden ehrenamtlich durchgeführt.

So sieht es jetzt aus: Museumsbahn mit Saisonverkehr
Der historische Zugverkehr läuft mit der Dampflokomotive 75 1118 und dem Dieseltriebwagen T 06.
Teilweise ziehen auch Diesellokomotiven die regulären Personenzugwagen.
Seit 2021 verkehrt zusätzlich ein Triebwagen der Schwäbischen Alb-Bahn zum Regeltarif, auch dieser Verkehr beschränkt sich auf die Sommersaison an Sonn- und Feiertagen.
Gerstetten ist heute Endstation der Museumsbahn, im Bahnhof befinden sich ein Eisenbahnmuseum und das Riffmuseum, das seit 2004 eine Infostelle des UNESCO-Geoparks Schwäbische Alb ist.



Der Übergabebahnhof zur Staatsbahn in Amstetten gehört ebenfalls dem Verein, dessen Gleise dienen als Abstellanlage für Güterwagen.
2006 feierte die Strecke ihr 100-jähriges Jubiläum.
Die Geschichte in Daten
1896: Ein Bürgerverein in Gerstetten bemüht sich um einen Bahnanschluss.
1903: Vertrag über Bau und Betrieb der Strecke.
1. Juli 1906: Eröffnung der Strecke durch die WEG.
1956: Ein Dieseltriebwagen übernimmt den Verkehr.
1976: Erste saisonale Fahrten mit historischen Fahrzeugen.
1. März 1996: Der tägliche Personenverkehr endet.
1997: Die Ulmer Eisenbahnfreunde übernehmen die Strecke.
2013: Güterverkehr in das frühere Bundeswehrdepot wieder aufgenommen.
2021: Ein Triebwagen der Schwäbischen Alb-Bahn fährt planmäßig zum Regeltarif.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Lokalbahn Amstetten-Gerstetten?
Wann endete der tägliche Personenverkehr?
Wem gehört die Strecke heute?
Gibt es noch Güterverkehr?
Was ist in Gerstetten zu sehen?
Die Lokalbahn ist damit keine tote Strecke, sondern eine Museumsbahn, die von Ehrenamtlichen am Leben gehalten wird.
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