Die Halte der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten: Museumsverkehr statt Alltag

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Die Halte der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten: Museumsverkehr statt Alltag

Seit 1996 gibt es auf der Lokalbahn auf der Schwäbischen Alb keinen täglichen Personenverkehr mehr. Stubersheim, Schalkstetten, Waldhausen und Gussenstadt erleben seitdem nur noch Museums- und Saisonzüge.

VORHER · 1984

Der Triebwagen T 05 der WEG vor dem Bahnhof Gerstetten an einem Nebeltag.

Der Triebwagen T 05 der WEG vor dem Bahnhof Gerstetten an einem Nebeltag. Foto: Frank Nowotny, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2026

Der Bahnhof Gerstetten im Jahr 2026, die Strecke wird laut Beschreibung der Aufnahme saisonal von Mai bis Oktober bedient.

Der Bahnhof Gerstetten im Jahr 2026, die Strecke wird laut Beschreibung der Aufnahme saisonal von Mai bis Oktober bedient. Foto: Phil Richards, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1906
Eröffnung der Strecke
1996
Ende des täglichen Personenverkehrs
1997
Ulmer Eisenbahnfreunde übernehmen
19,93 km
Länge der Strecke

Lage: Schwäbische Alb, von Amstetten nach Gerstetten. Status: Kein täglicher Personenverkehr mehr, Betrieb als Museumsbahn mit Saisonverkehr an Sonn- und Feiertagen. Heute: Strecke und Fahrzeuge gehören dem Verein UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten.

Die Bahnstrecke von Amstetten nach Gerstetten ist 19,93 Kilometer lang und normalspurig, sie zweigt in Amstetten von der Filstalbahn ab.

Eröffnet wurde sie am 1. Juli 1906, der tägliche Personenverkehr wurde am 1. März 1996 aufgegeben.

Seitdem fahren auf der Strecke Museums- und Saisonzüge, die Halte Stubersheim, Schalkstetten, Waldhausen und Gussenstadt liegen noch immer an der Strecke.

Dieser Beitrag beschreibt, was zu diesen Halten belegt ist, und erzählt die Geschichte der Lokalbahn.

Alte freie Fotos der Halte selbst fehlen, aus den 1980er Jahren gibt es auf Commons nur wenige Aufnahmen der Strecke.

Wie die Lokalbahn nach Gerstetten kam

Durch Gerstetten führten über Jahrhunderte wichtige Handelswege.

Als die Filstalbahn von Stuttgart nach Ulm und die Brenzbahn von Aalen nach Ulm abseits des Ortes entstanden, erlebte die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Niedergang.

Ein Bürgerverein bemühte sich ab 1896 um einen Eisenbahnanschluss, 1899 wurden auch private Bahngesellschaften zugelassen.

1901 begannen die ersten Gespräche mit der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft, kurz WEG.

Die WEG wollte nur einen Anschluss an die Filstalbahn in Amstetten, die Gemeinde hatte dagegen eine Querverbindung von Amstetten über Gerstetten nach Herbrechtingen an der Brenzbahn im Blick.

1903 wurde der Vertrag über Bau und Betrieb der Strecke von Gerstetten nach Amstetten geschlossen, gebaut wurde von Dezember 1904 bis Juni 1906.

Die Verlängerung nach Herbrechtingen blieb in den folgenden Jahren im Gespräch, wurde aber nie gebaut.

So sah es vorher aus: Die WEG-Lokalbahn

Ab 1956 fuhr auf der Strecke ein einzelner Dieseltriebwagen, der T 05.

Kommunale Finanzhilfe machte ab 1985 Modernisierungen möglich, die der Strecke das Leben verlängerten.

Der Triebwagen T 05 erhielt dabei eine neue Lackierung und den Schriftzug „Lokalbahn“.

Seither stand die Strecke im Kursbuch der Deutschen Bundesbahn mit dem Zusatz „Lokalbahn“, zuvor hieß sie dort Nebenbahn.

Der Fuchs-Triebwagen T 05 im Nebel, Aufnahme von 1984.
Der Fuchs-Triebwagen T 05 im Nebel, Aufnahme von 1984. Foto: Frank Nowotny, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eine wichtige Einnahmequelle war der Güterverkehr, zuletzt war die Bundeswehr der Hauptkunde.

2013 wurde der Güterverkehr in das frühere Bundeswehrdepot wieder aufgenommen, der Gleisanschluss wurde drei- bis sechsmal pro Woche bedient.

Transportiert wurde in der Regel Sand, der für den Bau der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gebraucht wurde.

Stubersheim: Ein Dampfzug verlässt den Ort

Stubersheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Amstetten.

Funde aus dem Ort belegen eine Besiedlung mindestens seit der Merowingerzeit.

Zum Halt selbst, seinem Gebäude und seinem Zustand ist nichts Näheres belegt.

Eine Aufnahme vom Juni 2020 zeigt den vereinseigenen Dampfzug mit der Lokomotive 75 1118 von 1921 kurz nach der Abfahrt aus Stubersheim.

Der Dampfzug mit 75 1118 hat Stubersheim gerade verlassen, Aufnahme von 2020.
Der Dampfzug mit 75 1118 hat Stubersheim gerade verlassen, Aufnahme von 2020. Foto: KorbinianFleischer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schalkstetten: Das Museum an den Fahrtagen

Auch Schalkstetten gehört zur Gemeinde Amstetten, auch hier belegen Funde eine Besiedlung seit der Merowingerzeit.

In der Ortsmitte steht das Heimatmuseum des Brauchtumsvereins mit Exponaten zum häuslichen und landwirtschaftlichen Leben früherer Generationen.

Es ist an den Fahrtagen der Dampfzüge der Ulmer Eisenbahnfreunde nachmittags geöffnet.

Zum Bahnhaltepunkt selbst liegen keine weiteren Angaben vor.

Waldhausen: Der Lokalbahnhof 1985

Für Waldhausen belegt eine Aufnahme von 1985 einen Fuchs-Triebwagen am Lokalbahnhof Waldhausen, damals noch im Betrieb der WEG.

Weitere Angaben zu Gebäude und Gleisen sind nicht belegt.

Ein Fuchs-Triebwagen am Lokalbahnhof Waldhausen, Aufnahme von 1985.
Ein Fuchs-Triebwagen am Lokalbahnhof Waldhausen, Aufnahme von 1985. Foto: Frank Nowotny, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gussenstadt: Der größte Bahnhof unterwegs

Gussenstadt ist ein Ortsteil von Gerstetten und wurde am 1. Juli 1971 eingemeindet.

Der Ort wird 1143 erstmals urkundlich erwähnt.

Der Halt gilt als größter Unterwegsbahnhof der Lokalbahn.

Das Empfangsgebäude wurde zuletzt renoviert.

Das Ende des Regelverkehrs und der Neubeginn

Weil Subventionen wegfielen, stellte die WEG den Betrieb 1996 nach 90 Jahren ein.

Schon seit 1976 gab es auf der Strecke saisonale Fahrten mit historischen Fahrzeugen.

1997 übernahmen die Ulmer Eisenbahnfreunde die Strecke, seit 1999 gehört sie der indirekten Sektion des Vereins, dem UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten e. V.

Alle Arbeiten des Vereins werden ehrenamtlich durchgeführt.

Ein Triebwagen der Ulmer Eisenbahnfreunde auf der ehemaligen WEG-Lokalbahn, Aufnahme von 2017.
Ein Triebwagen der Ulmer Eisenbahnfreunde auf der ehemaligen WEG-Lokalbahn, Aufnahme von 2017. Foto: Ulrich Klumpp, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: Museumsbahn mit Saisonverkehr

Der historische Zugverkehr läuft mit der Dampflokomotive 75 1118 und dem Dieseltriebwagen T 06.

Teilweise ziehen auch Diesellokomotiven die regulären Personenzugwagen.

Seit 2021 verkehrt zusätzlich ein Triebwagen der Schwäbischen Alb-Bahn zum Regeltarif, auch dieser Verkehr beschränkt sich auf die Sommersaison an Sonn- und Feiertagen.

Gerstetten ist heute Endstation der Museumsbahn, im Bahnhof befinden sich ein Eisenbahnmuseum und das Riffmuseum, das seit 2004 eine Infostelle des UNESCO-Geoparks Schwäbische Alb ist.

Der historische Dieseltriebwagen T 06 auf der Lokalbahn, Aufnahme von 2020.
Der historische Dieseltriebwagen T 06 auf der Lokalbahn, Aufnahme von 2020. Foto: KorbinianFleischer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Lokschuppen und Betriebswerkstatt der Ulmer Eisenbahnfreunde in Gerstetten, Aufnahme von 2022.
Lokschuppen und Betriebswerkstatt der Ulmer Eisenbahnfreunde in Gerstetten, Aufnahme von 2022. Foto: Roland Knobloch, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der Bahnhof Amstetten Lokalbahn im Jahr 2026, neben dem Hauptbahnhof gelegen.
Der Bahnhof Amstetten Lokalbahn im Jahr 2026, neben dem Hauptbahnhof gelegen. Foto: Phil Richards, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Übergabebahnhof zur Staatsbahn in Amstetten gehört ebenfalls dem Verein, dessen Gleise dienen als Abstellanlage für Güterwagen.

2006 feierte die Strecke ihr 100-jähriges Jubiläum.

Die Geschichte in Daten

1896: Ein Bürgerverein in Gerstetten bemüht sich um einen Bahnanschluss.

1903: Vertrag über Bau und Betrieb der Strecke.

1. Juli 1906: Eröffnung der Strecke durch die WEG.

1956: Ein Dieseltriebwagen übernimmt den Verkehr.

1976: Erste saisonale Fahrten mit historischen Fahrzeugen.

1. März 1996: Der tägliche Personenverkehr endet.

1997: Die Ulmer Eisenbahnfreunde übernehmen die Strecke.

2013: Güterverkehr in das frühere Bundeswehrdepot wieder aufgenommen.

2021: Ein Triebwagen der Schwäbischen Alb-Bahn fährt planmäßig zum Regeltarif.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Lokalbahn Amstetten-Gerstetten?
Die Strecke ist 19,93 Kilometer lang und normalspurig.
Wann endete der tägliche Personenverkehr?
Am 1. März 1996, nach 90 Jahren Betrieb der WEG.
Wem gehört die Strecke heute?
Dem UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten e. V., einer indirekten Sektion der Ulmer Eisenbahnfreunde, seit 1999.
Gibt es noch Güterverkehr?
2013 wurde der Güterverkehr in das frühere Bundeswehrdepot wieder aufgenommen, zuletzt belegt ist dazu nichts.
Was ist in Gerstetten zu sehen?
Im Bahnhof gibt es ein Eisenbahnmuseum und das Riffmuseum.

Die Lokalbahn ist damit keine tote Strecke, sondern eine Museumsbahn, die von Ehrenamtlichen am Leben gehalten wird.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Amstetten-Gerstetten · Wikipedia: Gerstetten · Wikipedia: Schalkstetten · Wikipedia: Amstetten (Württemberg) · Wikipedia: Gussenstadt · Komoot: Bahnhof Gussenstadt

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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