Die Köllertalbahn: stillgelegte Halte zwischen Völklingen und Heusweiler

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Köllertalbahn: stillgelegte Halte zwischen Völklingen und Heusweiler

Die Köllertalbahn verband seit 1911 Lebach mit Völklingen. Der südliche Ast ist abgebaut, der nördliche fährt heute als Saarbahn.

Der ehemalige Bahnhof von Püttlingen, aufgenommen 2012.
Der ehemalige Bahnhof von Püttlingen, aufgenommen 2012. Foto: atreyu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1911
Strecke eingeweiht
1985
Letzter regulärer Personenzug
1989
Bahnhof Püttlingen unter Denkmalschutz
2014
Saarbahn bis Lebach

Lage: Köllertal im Saarland, zwischen Lebach und Völklingen. Status: Der Abschnitt zwischen Walpershofen Mitte und Völklingen ist zurückgebaut, der nördliche Abschnitt ist Teil der Saarbahn. Heute: Der alte Bahnhof Püttlingen wird seit 1993 für kulturelle Zwecke genutzt.

Die Köllertalbahn, amtlich die Bahnstrecke Lebach–Völklingen, ist eine eingleisige Nebenbahn, die durch das Köllertal führte.

Der nördliche Abschnitt gehört heute zur Saarbahn und wird mit Stadtbahn-Fahrzeugen befahren.

Der südliche Abschnitt zwischen Walpershofen Mitte und Völklingen ist zurückgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte dieses südlichen Teils durch, dazu die beiden alten Bahnhöfe in Eiweiler und Heusweiler.

Aus der Betriebszeit der Halte gibt es keine freien Fotos, die Bilder stammen aus den Jahren 2012 bis 2020.

Entstehung: Eine Bahn für die Köllertaler Arbeiter

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Orte im Köllertal immer mehr zu Wohngebieten der Hüttenarbeiter und Bergleute im Saarrevier.

Die Arbeiter gingen anfangs die weiten Wege zu ihren Arbeitsplätzen zu Fuß.

Nach mehreren Eingaben und Bittschriften genehmigte der preußische König den Bau der Köllertalbahn am 15. Juni 1906 per Gesetz.

1909 begannen die Bauarbeiten, die vorwiegend von Arbeitern aus Kroatien und Italien ausgeführt wurden.

Am südlichen Ende erhielt die Bahn ihren Anschluss an die Saarstrecke nicht direkt am Bahnhof Völklingen.

Sie wurde etwa zwei Kilometer vorher im Bereich des späteren Haltepunktes Heidstock an die seit 1872 bestehende Bahnstrecke von der Püttlinger Grube Viktoria nach Völklingen angeschlossen.

Am 1. Oktober 1911 wurde die komplette Strecke eingeweiht.

1911 bekam das Köllertal damit eine eigene Bahnlinie, die von Lebach her den Arbeitern die Wege nach Köllerbach, Püttlingen und Völklingen verkürzte.

So sah es vorher aus: Zugpaare und Grubenbahn

Gleichzeitig mit der Strecke war von Etzenhofen aus eine Grubenanschlussbahn zur Grube Dilsburg gebaut worden.

Am 16. November 1911 verließ der erste Zug mit Steinkohle die Grube.

Im Ersten Weltkrieg diente die Strecke unter anderem militärischen Zwecken.

Nach dem Krieg gab es erste Gedanken, die Strecke aufzugeben, nachdem die Grube Dilsburg 1931 wegen der Weltwirtschaftskrise stillgelegt worden war.

Nach der Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich 1935 wurde die Köllertalbahn wieder stärker genutzt.

1936 fuhren bis zu 28 Zugpaare auf der Strecke, und bis zu 8.000 Personen täglich nutzten sie.

Völklingen-Heidstock

Der Haltepunkt Völklingen-Heidstock lag bei Kilometer 19,9 und bestand ab 1936.

Schon 1914 wurde der Streckenverlauf bei Völklingen neu trassiert.

Das von der Püttlinger Grubenbahn übernommene Stück, das am Stadtrand die spätere Bundesstraße 51 über einen Bahnübergang kreuzte, wurde aufgelassen.

Die neue Trasse unterquerte die dort höher verlaufende Straße im neu gebauten Heidstocktunnel, der 192 Meter lang war.

Direkt danach überquerte sie die Saarstrecke auf einer Brücke und mündete in den Südteil des Völklinger Bahnhofs.

Der Abschnitt Völklingen bis Etzenhofen wurde nach 1986 stillgelegt und zurückgebaut.

Püttlingen

Der Bahnhof Püttlingen lag bei Kilometer 16,5.

Das Empfangsgebäude entstand vor dem Ersten Weltkrieg als königlich-preußischer Bahnhof.

1988 gründeten Kulturinteressierte den gemeinnützigen Verein Kulturforum Köllertal, um die Bahnhofsanlage als Industriekultur zu erhalten.

1989 stellte man den alten Bahnhof als verkehrsgeschichtliches Bauwerk unter Denkmalschutz.

Nach Umbau und Restaurierung wird er seit 1993 zu kulturellen Zwecken genutzt.

Er dient als Kultur-, Kunst- und Bildungszentrum mit Ausstellungen, Konzerten und Veranstaltungen, außerdem gibt es ein Restaurant mit Biergarten und Kurse der Volkshochschule Püttlingen.

Die Grube Viktoria in Püttlingen war 1866 eine der beiden neuen Gruben im Köllertal, für die der preußische Staatsbergbau Schächte abteufte.

Das Fachwerkgebäude des ehemaligen Bahnhofs Püttlingen, 2012.
Das Fachwerkgebäude des ehemaligen Bahnhofs Püttlingen, 2012. Foto: atreyu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Püttlingen, gesehen vom Bahnsteigdach, 2020.
Der ehemalige Bahnhof Püttlingen, gesehen vom Bahnsteigdach, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Bahnsteigdach und ein Gleisabschnitt mit einem Güterwagen beim ehemaligen Bahnhof Püttlingen, 2020.
Ein Bahnsteigdach und ein Gleisabschnitt mit einem Güterwagen beim ehemaligen Bahnhof Püttlingen, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Püttlingen von der Seite, 2020.
Der ehemalige Bahnhof Püttlingen von der Seite, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick vorbei an einem Güterwagen zum Gebäude des ehemaligen Bahnhofs Püttlingen, 2020.
Blick vorbei an einem Güterwagen zum Gebäude des ehemaligen Bahnhofs Püttlingen, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Köllerbach

Der Haltepunkt Köllerbach lag bei Kilometer 14,1 und hieß früher Kölln (Saar).

Wie die übrigen Halte südlich von Walpershofen Mitte gehört er zum zurückgebauten Abschnitt.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Etzenhofen

Der Bahnhof Etzenhofen lag bei Kilometer 12,5.

Von hier führte die Grubenanschlussbahn zur Grube Dilsburg, die zunächst parallel zum Gleis der Köllertalbahn durch Walpershofen lief.

Etwa 250 Meter nördlich des späteren Haltepunktes Walpershofen liefen Hauptstrecke und Grubenbahn y-förmig auseinander.

Das Parallelgleis durch Walpershofen wurde 1936 abgebaut, Walpershofen erhielt einen Haltepunkt.

Die Stichbahn, die trotz der Stilllegung der Grube noch in Betrieb war, wurde mit einer Weiche direkt an die Hauptstrecke angeschlossen.

Nach 1986 gab es von Lebach aus zur Versorgung einiger Industriebetriebe geringen Güterverkehr bis Etzenhofen.

Am 18. Juli 1993 folgten Abschiedsfahrten auf dieser Reststrecke, danach wurde sie stillgelegt und komplett zurückgebaut.

Eiweiler: der alte Bahnhof

Der alte Bahnhof Eiweiler lag bei Kilometer 5,8 und wurde 1985 aufgegeben.

Auf dem Abschnitt sind heute weitere Halte in Betrieb, darunter der Haltepunkt Eiweiler, den die Saarbahn bedient.

Bei Eiweiler führt die Strecke auf einem Viadukt über den Köllerbach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Strecke erst 1947 nach der provisorischen Wiederherstellung des Eiweiler Viaduktes wieder auf der ganzen Länge in Betrieb genommen werden.

Blick die Großwaldstraße entlang nach Osten auf das Eiweiler Viadukt, über das heute die Saarbahn fährt, 2020.
Blick die Großwaldstraße entlang nach Osten auf das Eiweiler Viadukt, über das heute die Saarbahn fährt, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Eiweiler Viadukt von Westen, 2020.
Das Eiweiler Viadukt von Westen, 2020. Foto: Flocci Nivis, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Heusweiler: der alte Bahnhof

Der alte Bahnhof Heusweiler lag bei Kilometer 9,4 und wurde 1985 aufgegeben.

Das Empfangsgebäude stammt von 1910 und ist ein Einzeldenkmal im Ensemble Am Bahnhof.

Danach verfügte Heusweiler über keine Eisenbahnverbindung mehr.

Mit der Saarbahn kam sie zurück: Der Abschnitt nach Heusweiler ging am 30. Oktober 2011 in Betrieb.

Die Weiterführung nach Lebach folgte am 5. Oktober 2014.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Heusweiler, 2014.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Heusweiler, 2014. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Heusweiler aus einer anderen Richtung, 2014.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Heusweiler aus einer anderen Richtung, 2014. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: der letzte Zug 1985

Durch die Kohle- und Stahlkrise in den 1970er Jahren ging die Fahrgastzahl kontinuierlich zurück.

Am 27. September 1985 fuhr der letzte reguläre Personenzug auf der Strecke.

1986 organisierte der Arbeitskreis Köllertalbahn eine Sonderfahrt zum 75-jährigen Bestehen der Bahn.

Danach wurde der Abschnitt Völklingen bis Etzenhofen stillgelegt und zurückgebaut.

So sieht es jetzt aus

Der nördliche, 10,8 Kilometer lange Abschnitt der Strecke gehört heute zur Saarbahn.

Dazu wurde die Strecke zwischen Lebach und Walpershofen Mitte mit 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert.

2011 ging der Abschnitt zwischen Walpershofen und Heusweiler Markt für die Saarbahn in Betrieb, am 5. Oktober 2014 die gesamte Strecke bis Lebach.

Der südliche Abschnitt zwischen Walpershofen Mitte und Völklingen ist zurückgebaut.

Das alte Empfangsgebäude in Püttlingen steht seit 1989 unter Denkmalschutz.

Vorher und nachher: der Bahnhof Püttlingen

Bis 1985 hielten in Püttlingen reguläre Personenzüge.

Das Empfangsgebäude wurde 1989 unter Denkmalschutz gestellt und seit 1993 für kulturelle Zwecke genutzt.

Statt Reisenden kommen heute Besucher von Ausstellungen, Konzerten und Kursen.

Die Geschichte in Daten

1872: Die Bahnstrecke von der Püttlinger Grube Viktoria nach Völklingen besteht bereits.

15. Juni 1906: Der preußische König genehmigt den Bau der Köllertalbahn per Gesetz.

1909: Die Bauarbeiten beginnen.

1. Oktober 1911: Die komplette Strecke wird eingeweiht.

16. November 1911: Der erste Kohlezug verlässt die Grube Dilsburg.

1914: Bei Völklingen wird der Streckenverlauf neu trassiert, der Heidstocktunnel entsteht.

1931: Die Grube Dilsburg wird stillgelegt.

1936: Bis zu 28 Zugpaare verkehren, Walpershofen erhält einen Haltepunkt.

1947: Die Strecke ist nach der provisorischen Wiederherstellung des Eiweiler Viaduktes wieder auf ganzer Länge in Betrieb.

27. September 1985: Der letzte reguläre Personenzug fährt.

1986: Eine Sonderfahrt zum 75-jährigen Bestehen findet statt, danach wird der Abschnitt Völklingen bis Etzenhofen stillgelegt.

1988: Der Verein Kulturforum Köllertal wird gegründet.

1989: Der alte Bahnhof Püttlingen wird unter Denkmalschutz gestellt.

18. Juli 1993: Abschiedsfahrten auf der Reststrecke bis Etzenhofen.

1993: Der alte Bahnhof Püttlingen wird für kulturelle Zwecke genutzt.

30. Oktober 2011: Die Saarbahn fährt bis Heusweiler.

5. Oktober 2014: Die Saarbahn fährt bis Lebach.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Personenzug auf der Köllertalbahn?
Am 27. September 1985.
Was ist vom Bahnhof Püttlingen erhalten?
Das Empfangsgebäude steht seit 1989 unter Denkmalschutz und wird seit 1993 für kulturelle Zwecke genutzt.
Welcher Teil der Strecke ist zurückgebaut?
Der südliche Abschnitt zwischen Walpershofen Mitte und Völklingen.
Fährt auf dem nördlichen Abschnitt noch ein Zug?
Ja, dort fährt die Saarbahn. Die gesamte Strecke bis Lebach wurde am 5. Oktober 2014 wieder in Betrieb genommen.
Wo lag der Heidstocktunnel?
Bei Völklingen. Er war 192 Meter lang und führte unter einer Straße hindurch, direkt danach überquerte die Bahn die Saarstrecke.
Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Lebach–Völklingen (Wikipedia) · Eiweiler (Heusweiler) (Wikipedia) · Heusweiler (Wikipedia) · Bahnhof Püttlingen (Kulturforum Köllertal) · Das Köllertal (1850–2000), Gerhild Krebs (Universität des Saarlandes)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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