Die stillen Halte zwischen Bautzen, Königswartha und Radibor
Die Strecke von Bautzen über Königswartha nach Hoyerswerda ist seit 1999 ohne Personenverkehr, die Zweigstrecke von Löbau nach Radibor ist ebenfalls stillgelegt. Der Beitrag geht die Halte beider Strecken durch.

Lage: Nördliche Oberlausitz, von Bautzen über Königswartha nach Hoyerswerda, dazu die Zweigstrecke von Löbau über Weißenberg nach Radibor. Status: Beide Strecken sind stillgelegt, nur der Anschluss zum Kaolinwerk Caminau wird noch bedient. Heute: Mehrere Bahnhofsgebäude, Stellwerke und Brücken sind erhalten.
Die Bahnstrecke Bautzen–Hoyerswerda zweigte in Bautzen von der Strecke Görlitz–Dresden ab und führte über Königswartha und Wittichenau nach Hoyerswerda.
Am 30. Mai 1999 fuhr der letzte Personenzug zwischen Bautzen und Hoyerswerda, die Gesamtstrecke wurde um die Jahreswende 2000/2001 auch im Güterverkehr stillgelegt.
Die förmliche Stilllegung folgte 2001 oder 2002, die Angaben gehen auseinander.
Bei Radibor mündete die Strecke von Löbau über Weißenberg ein, deren Betrieb 1996 und 1998 abschnittsweise stillgelegt wurde.
Dieser Beitrag geht die Halte beider Strecken einzeln durch, von Kleinwelka bis Wittichenau und von Kittlitz bis Radibor.
Die Bahnhöfe Bautzen, Löbau und Hoyerswerda sind dagegen in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.
Aus der Betriebszeit sind kaum freie Fotos vorhanden, die meisten Aufnahmen stammen aus den Jahren nach der Stilllegung.
Entstehung: Eine Bahn für das Hinterland nördlich von Bautzen
In der nördlichen Oberlausitz bestand um 1880 nur die 1871 eröffnete Strecke Kamenz–Pirna.
1875 reichten der Landwirtschaftliche Verein von Kleinwelka und weitere Interessenten eine Petition für eine Eisenbahn von Bautzen in Richtung Cottbus ein.
Am 29. Februar 1888 genehmigte ein königlich-sächsisches Dekret den Bau zwischen Bautzen und Königswartha.
Am 2. Dezember 1890 wurde die Strecke bis Königswartha eröffnet.
Auf den ersten zwei Kilometern bis zum Abzweig Stiebitz nutzte sie die Hauptstrecke Görlitz–Dresden mit.
Anfangs waren drei Zugpaare täglich vorgesehen, schon der Fahrplan für 1891 weist vier Zugpaare und eine Fahrzeit von rund 70 Minuten aus.
Ein Staatsvertrag zwischen Sachsen und Preußen vom 24. März 1905 ermöglichte den Weiterbau über Commerau, Groß Särchen, Hoske, Wittichenau und Dörgenhausen nach Hoyerswerda.
Beide Staaten bauten den Abschnitt auf ihrem Gebiet in eigener Regie.
Am 1. Oktober 1908 begann der durchgehende Verkehr zwischen Bautzen und Hoyerswerda.

So sah es vorher aus: Zugpaare, Viehmarkt und Kohle
1911 weist der Fahrplan fünf Zugpaare täglich aus.
Für die knapp 39 Kilometer lag die Reisezeit anfangs bei etwa 105 Minuten, bis 1942 verkürzte sie sich auf etwa 75 Minuten.
Im Bahnhof Neschwitz entstanden Anlagen für den monatlichen großen Viehmarkt.
1939 fuhren zwischen Bautzen und Königswartha zehn Zugpaare, zwischen Weißenberg und Radibor blieb der Bedarf bei vier Zugpaaren.
Ab 1964 fuhren Leichttriebwagen der Baureihe 2.09, die ab 1969 als Baureihe 171 geführt wurde, auf der Strecke im Personenverkehr.
In den Sommerfahrplänen von 1982 bis 1985 fuhren Dieseltriebzüge der Baureihe VT 18.16 im Schnellzugdienst zwischen Bautzen und Berlin.
Kleinwelka: Ladestelle und Industriestandort
In Kleinwelka wurde eine Ladestelle eröffnet, durch die sich der Straßentransport für die Fabriken in Großdubrau und Crosta wesentlich verringerte.
Wegen der geplanten Verlängerung nach Hoyerswerda musste Sachsen zustimmen, die Kreuzungsgleise in Kleinwelka, Neschwitz und Königswartha von 180 bis 220 Metern auf 520 bis 550 Meter für große Militärzüge zu verlängern.
Auf Teichnitzer Flur begann 1975 der Aufbau eines Industriestandorts mit einem Plattenwerk für den Wohnungsbau und einem Heizwerk.
Der Anschluss dorthin begann am südlichen Ende eines dritten Hauptgleises in Kleinwelka.
Neschwitz: Unterwegsbahnhof mit Stellwerk
Der Bahnhof Neschwitz liegt bei Kilometer 14,775 der Strecke und wurde 1890 eröffnet.
Das Empfangsgebäude ging am 2. Dezember 1890 mit der Bahn in Betrieb und ist ein zweigeschossiger Klinkerbau mit Satteldach nach einem Typenentwurf, den es an anderen sächsischen Nebenbahnen baugleich oder leicht abgewandelt gab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand von Neschwitz eine knapp vier Kilometer lange Anschlussbahn zum Braunkohlenwerk Puschwitz bei Wetro, später übernahmen sie die Feuerfestwerke Wetro.
Mit dem Neubau des Feuerfestwerks Wetro zu Beginn der 1960er Jahre stieg der Güterverkehr in Neschwitz stark an.
In den 1980er Jahren liefen über Neschwitz außerdem Braunkohletransporte aus dem Tontagebau Wetro zum Kraftwerk Boxberg.
Das Stellwerk folgt der Bauform der Reichsbahn vom Ende der 1950er Jahre und entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Strecke Königswartha–Weißkollm.


Königswartha: Endpunkt von 1890 und Abzweig nach Knappenrode
Königswartha war bis 1908 der Endpunkt der Strecke, die erste und letzte Fahrt des Tages begannen und endeten zunächst dort.
Mit dem Bau des Kombinats Schwarze Pumpe entstanden in der Umgebung neue Bahnstrecken.
1961 wurde zwischen Königswartha und Knappenrode Süd eine für 100 Kilometer pro Stunde zugelassene Trasse über Koblenz gebaut, die Kiespendelzüge von Niesendorf bei Königswartha direkt zu den Baustellen des Kombinats fahren ließ.
Seit dem 1. September 1961 fuhren alle durchgehenden Reisezüge zwischen Bautzen und Hoyerswerda auf der neuen Strecke.
1965 wurde in Koblenz ein Haltepunkt eingerichtet.
Der Reiseverkehr von Hoyerswerda über Wittichenau bis Königswartha wurde offiziell zum 31. Dezember 1967 eingestellt, tatsächlich aber erst am 26. Mai 1968.
Der Personenverkehr auf der neuen Strecke endete 1999, die Güterzüge fuhren bis zur Jahreswende 2000/2001.
Das Kaolinwerk Caminau bei Wartha erhielt 1961 eine Anschlussbahn, die bis heute von Knappenrode aus bedient wird.
Das Stellwerk in Königswartha und die Wartehalle in Koblenz sind erhalten.
Cölln: Haltepunkt am Ortsausgang
Cölln erhielt 1950 einen eigenen Haltepunkt am Ortsausgang nach Radibor.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Radibor: Knotenbahnhof mit sieben Gleisen
Mit dem Bau der Strecke Bautzen–Königswartha entstand auf der Flur von Radibor ein Bahnhof mit einem kleinen Empfangsgebäude.
Er lag mitten auf der Rampe zwischen Neschwitz und Seidau mit einer Neigung von zehn Promille, die damals Schiebedienst erforderte.
Für den Anschluss der Strecke aus Weißenberg wurde der Bahnhof Radibor umgebaut und eingeweiht, am 1. Mai 1906 war das neue Bahnhofsgebäude fertig.
Die Gleisanlagen wurden stark vergrößert, die Zahl der Gleise betrug danach sieben.
Das alte Empfangsgebäude wurde auf der Station Luttowitz an der Strecke Löbau–Radibor wieder aufgestellt.
Der Bahnhof besaß ein Ladegleis mit Güterschuppen, einen Lokschuppen, einen Zwischen- und einen Hausbahnsteig.
Ursprünglich war gedacht, Radibor als Kreuzungsbahnhof mit einer Erweiterung der Strecke Löbau–Radibor über Crostwitz nach Kamenz zu bauen.
Diese Pläne zerschlugen sich 1914 mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges.
Der Ort blieb ein landwirtschaftliches Zentrum, zu einer Industrieansiedlung kam es nicht.
1985 wurden die Bahnhofsanlagen mit EZMG-Stellwerkstechnik ausgestattet, am 15. August 1998 wurde die Strecke Löbau–Radibor stillgelegt.
Der Bahnhof ist seit der Stilllegung ohne Eisenbahnverkehr.
Commerau: Bahnhof mit Wiederverwendungsentwurf
Der Entwurf der sächsischen Station Commerau wurde mehrfach als Wiederverwendungsprojekt im Wilsdruffer Schmalspurnetz eingesetzt.
Weitere Angaben zu dem Halt sind nicht belegt.
Groß Särchen und Dörgenhausen: Halte ohne weitere Angaben
Die Strecke führte über Groß Särchen und Dörgenhausen nach Hoyerswerda.
Zu beiden Halten sind keine weiteren Einzelheiten belegt.
Hoske: Ehemaliger Bahnhof an der alten Streckenführung
Hoske lag an der alten Streckenführung über Wittichenau.
Der Abschnitt Königswartha–Wittichenau war 1968 außer Betrieb genommen worden, das Teilstück Hoyerswerda–Wittichenau wurde wegen des Anschlusses der Schotterwerke Dubring noch bis 1973 betrieben.
Weitere Angaben zum Halt Hoske sind nicht belegt.
Wittichenau: Preußische Station nach Berliner Vorbild
Die preußische Station Wittichenau entstand nach dem Muster des Bahnhofsgebäudes in Großköris südlich von Berlin.
Für den Werksanschluss zum Steinbruch bei Dubring, der 1909 angelegt worden war, blieben Leistungen im Güterverkehr bis zum 7. Juli 1973.
Danach wurden alle Gleise abgebaut.


Löbau–Radibor: Kittlitz, Weißenberg, Baruth und Guttau
Die Strecke von Löbau nach Radibor war ursprünglich als Teil einer Sächsischen Nordostbahn von Löbau nach Riesa geplant.
Das Projekt einer Verbindung von Weißwasser über Löbau nach Böhmen hatte der sächsische Landtag am 8. Mai 1868 genehmigt, ausgeführt wurde es nicht.
Der Streckenbau Löbau–Weißenberg begann am 1. April 1894, am 1. August 1895 wurde die Strecke als normalspurige Sekundärbahn eröffnet.
Die Trasse folgt dem Löbauer Wasser, außer einigen Wegüberführungen waren dort keine weiteren Kunstbauten nötig.
Der Abschnitt Weißenberg–Baruth wurde am 10. November 1903 eröffnet, die Gesamtstrecke Löbau–Radibor am 1. Mai 1906.
In den Anfangsjahren verkehrten nur vier Zugpaare über die Gesamtstrecke, die Höchstgeschwindigkeit betrug 30 Kilometer pro Stunde.
Der Bau der Sächsischen Nordostbahn wurde 1927 endgültig abgebrochen.
Nahe Weißenberg musste ein zehnbogiger Viadukt über das Löbauer Wasser entstehen, der in damals neuartiger Betonbauweise gebaut wurde.
Die Wehrmacht sprengte am Ende des Zweiten Weltkrieges den Gröditzer Viadukt, später wurde er wieder aufgebaut.
Am 7. Juni 1945 wurde der Verkehr nach Weißenberg wieder aufgenommen.




In Weißenberg eröffnete am 17. Dezember 1913 die Strecke Görlitz–Weißenberg der Görlitzer Kreisbahn mit eigenen Gleisanlagen an der Ostseite des Bahnhofs.
Ein Verbindungsgleis ermöglichte den Austausch von Güterwagen.
Das Basaltwerk Baruth war auf die Strecke angewiesen, seine Erzeugnisse gelangten über eine 600-Millimeter-Feldbahn zum Bahnhof Baruth.
Auch die Margarethenhütte in Großdubrau, die um 1900 mit der Fertigung keramischer Hochspannungsisolatoren begann, brauchte die Bahn.
Als sie Ende 1993 ihre Produktion einstellte, kam auch das Ende der Reststrecke.
Der Güterbahnhof Guttau wurde 1997 geschlossen.
Für Panzerverladungen des Nationalen Volksarmee-Standortes Löbau wurde 1978 zwischen Löbau und Kittlitz noch einmal ein neues Gleis verlegt.
Niedergang und Ende: Busse, Braunkohle und Wende
Auf der Strecke Löbau–Radibor machte sich ab Mitte der 1960er Jahre ein Rückgang bemerkbar, weil neue Buslinien direkt nach Bautzen fuhren.
Zum Fahrplanwechsel am 27. Mai 1972 wurde der Personenverkehr zwischen Löbau und Baruth eingestellt, im Herbst verlor auch die Reststrecke ihren Personenverkehr.
Im Frühjahr 1973 wurde die Strecke Löbau–Baruth abgebaut.
Die Stilllegung von Baruth bis Guttau erfolgte am 1. September 1996, die von Guttau bis Radibor am 15. August 1998.
2004 wurden die verbliebenen Gleise abgebaut.
Nach 1989 und 1990 stellte ein Großteil der Betriebe im Einzugsgebiet der Strecke Bautzen–Hoyerswerda die Produktion ein, Personen- und Güterverkehr brachen ein.
Ab 1994 wurde die Spreetalbahn nicht mehr bedient, 1998 kam der Güterverkehr auf der abzweigenden Strecke bis Baruth zum Erliegen.
So sieht es jetzt aus: Gebäude, Stellwerke und Brücken
Die Trasse ist an vielen Stellen noch erkennbar und begehbar, Straßenbrücken sind zum Teil vorhanden.
Zu den Resten gehören die Stellwerke in Neschwitz und Königswartha, die Wartehalle in Koblenz und die Viadukte an der Strecke Löbau–Radibor.
Die Gesamtstrecke ist 1999 bis 2001 stillgelegt worden, nur der Anschluss zum Kaolinwerk Caminau wird heute von Knappenrode aus bedient.
Die Geschichte in Daten
2. Dezember 1890: Die Strecke Bautzen–Königswartha wird eröffnet.
1. August 1895: Die Strecke Löbau–Weißenberg wird eröffnet.
1. Mai 1906: Die Gesamtstrecke Löbau–Radibor wird eröffnet.
1. Oktober 1908: Der durchgehende Verkehr Bautzen–Hoyerswerda beginnt.
1950: Cölln erhält einen Haltepunkt.
1. September 1961: Die durchgehenden Reisezüge fahren über Koblenz nach Knappenrode Süd.
26. Mai 1968: Der Reiseverkehr Hoyerswerda–Königswartha endet.
27. Mai 1972: Der Personenverkehr Löbau–Baruth wird eingestellt.
7. Juli 1973: Letzter Güterverkehr im Abschnitt Hoyerswerda–Wittichenau.
1. September 1996: Stilllegung Baruth–Guttau.
15. August 1998: Stilllegung Guttau–Radibor.
30. Mai 1999: Der letzte Personenzug fährt zwischen Bautzen und Hoyerswerda.
Anfang Januar 2001: Der Güterverkehr wird offiziell eingestellt.
2004: Die Gleise der Strecke Löbau–Radibor werden abgebaut.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug von Bautzen nach Hoyerswerda?
Wird auf den Strecken noch gefahren?
Wann wurde die Strecke Löbau–Radibor stillgelegt?
Welche Gebäude sind erhalten?
Warum führte die Strecke über Wittichenau?
Die Bahn nördlich von Bautzen entstand für Landwirtschaft, Ziegeleien, Glashütten und Kohle.
Von ihr bleiben Bahnhofsgebäude, Stellwerke und die Viadukte der Strecke nach Radibor.
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