Die stillen Halte zwischen Kamenz und Bischofswerda
Die Nebenbahn von Kamenz über Elstra nach Bischofswerda ist seit 1997 stillgelegt, die Gleise sind seit 2004 abgebaut. Der Beitrag geht die Halte Wiesa, Elstra, Rauschwitz, Schönbrunn und Burkau durch.

Lage: Westliche Oberlausitz, von Kamenz über Elstra nach Bischofswerda. Status: Stillgelegt, die Gleise wurden im Herbst 2004 vollständig abgebaut. Heute: Die Empfangsgebäude in Wiesa und Burkau, der Güterschuppen in Schönbrunn und mehrere Brücken sind erhalten.
Die Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda war eine Nebenbahn in der westlichen Oberlausitz.
Sie zweigte in Kamenz von der Strecke Kamenz–Pirna ab und mündete in Bischofswerda in die Strecke Görlitz–Dresden.
Der Personenverkehr endete 1967 und 1969, der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda 1969.
Zum 1. Januar 1997 wurde die Strecke stillgelegt, im Herbst 2004 wurden die Gleise vollständig abgebaut.
Dieser Beitrag geht die Halte Wiesa, Elstra, Rauschwitz, Schönbrunn und Burkau einzeln durch.
Die Bahnhöfe Kamenz und Bischofswerda sind in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.
Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die Aufnahmen zeigen die Strecke nach der Stilllegung.
Entstehung: Elstra wollte einen Bahnanschluss
Die Stadt Elstra bemühte sich seit den 1870er Jahren um einen Bahnanschluss.
Um 1885 wurde das Projekt einer Strecke von Bautzen nach Kamenz vorgestellt, das nicht verwirklicht wurde.
Im März 1888 wurde eine Sekundärbahn von Kamenz nach Elstra genehmigt, im Januar 1890 begannen die Bauarbeiten.
Am 19. Oktober 1890 wurde die Strecke feierlich eröffnet.
Im Tunnel Kamenz nutzte die Strecke auf der linken Seite das Planum des nicht vorhandenen zweiten Gleises der Strecke Kamenz–Pirna.
Die Weiterführung nach Bischofswerda wurde am 3. Dezember 1897 per Dekret beschlossen.
Über die Trassenführung gab es eine längere Auseinandersetzung, im April 1901 begannen die Bauarbeiten.
Am 14. Juni 1902 wurde die Strecke eröffnet, das Zweiggleis zur Ladestelle Kindisch ging am 20. Juni 1902 in Betrieb.

Eine geplante zweigleisige Verbindungskurve bei Bischofswerda in Richtung Bautzen wurde nicht gebaut, obwohl einige Vorarbeiten stattfanden.
So sah es vorher aus: Wenige Züge, später Triebwagen
Anfangs bestand auf der Strecke nur ein bescheidener Fahrplan.
Ab 1937 wurde ein Teil der Personenzüge mit einem modernen Triebwagen gefahren, was eine dichtere Folge ermöglichte.
Im Sommerfahrplan 1939 waren sieben Reisezugpaare verzeichnet, die für die gesamte Strecke 45 bis 50 Minuten benötigten.
Wegen des Baus der Reichsautobahn Dresden–Görlitz ab 1938 musste die Strecke zwischen den Kilometern 13,553 und 14,612 geringfügig nach Westen verschoben und in einen Einschnitt verlegt werden.
Die im Juli 1939 fertiggestellte Unterführung unter der Autobahn war für einen zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung ausgelegt.
Durch die Neutrassierung verkürzte sich die Strecke um 17 Meter.
Zugleich wurde die niveaugleiche Kreuzung mit der damaligen Reichsstraße 6 bei Bischofswerda beseitigt, dafür wurde die Strecke auf 300 Metern höher gelegt.

Wiesa: Empfangsgebäude und Viadukt
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Wiesa steht noch.
Am Ortseingang von Wiesa erhielt sich vom großen Viadukt die Reste: drei Überbauten sind erhalten.
Als 2001 ein Baufahrzeug den Viadukt Wiesa über der Kreisstraße schwer beschädigte, wurde am 10. Oktober 2001 ein Überbau ausgehoben.
Die Wehrmacht sprengte bei ihrem Rückzug 1945 unter anderem die Brücke in Wiesa.
Anfang 1994 wurde die Strecke kurz hinter dem Bahnhof Wiesa gesperrt, die Gleise in Wiesa dienten danach noch zum Abstellen überzähliger Güterwagen.
Als eine der letzten Zugfahrten fuhr am 5. Oktober 1996 anlässlich des Kamenzer Bahnhofsfestes ein Sonderzug mit der Dampflokomotive 52 8141 der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde nach Wiesa und zurück.


Elstra: Der erste Endpunkt
Elstra war bis 1902 der Endpunkt der Strecke aus Kamenz.
Im April 1945 brannte infolge von Kampfhandlungen das Empfangsgebäude des Bahnhofs Elstra nieder.
Die Wehrmacht sprengte bei ihrem Rückzug auch die Brücke in Elstra.
Nachdem die Kriegsschäden provisorisch repariert worden waren, wurde der Verkehr am 8. Oktober 1945 wieder aufgenommen.
Die letzten Güterzugfahrten nach Elstra gab es Anfang 1994.


Rauschwitz: Abzweig zum Steinbruch Kindisch
Der Abschnitt von Kamenz bis zum Abzweig Rauschwitz blieb nach 1969 für den Güterverkehr in Betrieb, ebenso die Zweigbahn nach Kindisch.
Für die Abfuhr der Produkte des Steinbruchs gab es keine Alternative.
Bei einer Oberbauerneuerung zwischen Kamenz und Arnsdorf wurde im Tunnel Kamenz nur noch ein Gleis verlegt, die Abzweigweiche zur Strecke nach Bischofswerda wurde südlich des Tunnels eingebaut.
Damit verringerte sich die Streckenlänge der Kamenzer Linie um 567 Meter.
Unmittelbar nach der politischen Wende 1989 und 1990 endete der Güterverkehr zur Ladestelle Kindisch, der Steinbruch lieferte seine Produkte fortan mit Lastwagen aus.
Damit verlor die Strecke den Großteil ihres Verkehrs, 1995 wurde die Zweigbahn nach Kindisch abgebaut.


Schönbrunn: Güterschuppen und Verladebahnhof
In Schönbrunn ist der Güterschuppen noch vorhanden.
Auch hier sprengte die Wehrmacht 1945 die Brücke.


Burkau: Empfangsgebäude steht noch
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Burkau steht noch.
Der Personenverkehr zwischen Burkau und Bischofswerda wurde am 24. September 1967 eingestellt, zwischen Kamenz und Burkau am 1. Juni 1969.

Niedergang und Ende: Vom Triebwagen zum Abbau
In den Jahren nach dem Krieg verschlechterte sich der Oberbauzustand immer mehr, zuletzt dauerte die Fahrt der Personenzüge fast 90 Minuten.
1964 wurde deshalb beschlossen, den Reiseverkehr einzustellen und auf den Kraftverkehr zu verlagern.
Der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda endete am 19. Dezember 1969.
Die Gleise und Brücken zwischen Rauschwitz und Bischofswerda wurden ab 1974 durch eine private Baufirma ausgebaut.
Im Oktober 1978 gab es noch einmal für drei Tage Reiseverkehr von Kamenz nach Elstra, weil für einen Sondereinsatz nicht genug Busse des Kraftverkehrsbetriebs zur Verfügung standen.
Im September 1998 wurde die Abzweigweiche im Bahnhof Kamenz ausgebaut, im Herbst 2004 wurden die Gleise vollständig abgebaut.
So sieht es jetzt aus: Gebäude und Brücken
Die Empfangsgebäude der Bahnhöfe stehen noch in Wiesa und Burkau, in Schönbrunn ist der Güterschuppen vorhanden.
Vom großen Viadukt am Ortseingang von Wiesa sind drei Überbauten erhalten.
Auch kleinere Stahlträgerbrücken wie die bei der Eselsburg existieren noch.

Die Geschichte in Daten
19. Oktober 1890: Die Strecke Kamenz–Elstra wird eröffnet.
14. Juni 1902: Die Strecke bis Bischofswerda wird eröffnet.
20. Juni 1902: Das Zweiggleis zur Ladestelle Kindisch geht in Betrieb.
Juli 1939: Die Unterführung unter der Autobahn ist fertig.
8. Oktober 1945: Der Verkehr wird nach den Kriegsschäden wieder aufgenommen.
24. September 1967: Der Personenverkehr zwischen Burkau und Bischofswerda endet.
1. Juni 1969: Der Personenverkehr zwischen Kamenz und Burkau endet.
19. Dezember 1969: Der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda endet.
1995: Die Zweigbahn nach Kindisch wird abgebaut.
5. Oktober 1996: Ein Sonderzug fährt nach Wiesa und zurück.
1. Januar 1997: Die Strecke wird stillgelegt.
Herbst 2004: Die Gleise werden vollständig abgebaut.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Was ist von den Bahnhöfen erhalten?
Wofür war die Zweigbahn nach Kindisch gebaut?
Wie lange dauerte die Fahrt?
Die Strecke von Kamenz nach Bischofswerda wurde für Elstra und das Hinterland gebaut.
Geblieben sind Empfangsgebäude, ein Viadukt und mehrere Brücken.
Wikipedia: Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda · Wikipedia: Elstra
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