Die stillen Halte zwischen Kamenz und Bischofswerda

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte zwischen Kamenz und Bischofswerda

Die Nebenbahn von Kamenz über Elstra nach Bischofswerda ist seit 1997 stillgelegt, die Gleise sind seit 2004 abgebaut. Der Beitrag geht die Halte Wiesa, Elstra, Rauschwitz, Schönbrunn und Burkau durch.

Das Bahnhofsgebäude Burkau von der Gleisseite, 2015.
Das Bahnhofsgebäude Burkau von der Gleisseite, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1890
Kamenz–Elstra eröffnet
1902
Weiterführung nach Bischofswerda
1969
Personenverkehr endet
1997
Strecke stillgelegt

Lage: Westliche Oberlausitz, von Kamenz über Elstra nach Bischofswerda. Status: Stillgelegt, die Gleise wurden im Herbst 2004 vollständig abgebaut. Heute: Die Empfangsgebäude in Wiesa und Burkau, der Güterschuppen in Schönbrunn und mehrere Brücken sind erhalten.

Die Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda war eine Nebenbahn in der westlichen Oberlausitz.

Sie zweigte in Kamenz von der Strecke Kamenz–Pirna ab und mündete in Bischofswerda in die Strecke Görlitz–Dresden.

Der Personenverkehr endete 1967 und 1969, der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda 1969.

Zum 1. Januar 1997 wurde die Strecke stillgelegt, im Herbst 2004 wurden die Gleise vollständig abgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte Wiesa, Elstra, Rauschwitz, Schönbrunn und Burkau einzeln durch.

Die Bahnhöfe Kamenz und Bischofswerda sind in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.

Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die Aufnahmen zeigen die Strecke nach der Stilllegung.

Entstehung: Elstra wollte einen Bahnanschluss

Die Stadt Elstra bemühte sich seit den 1870er Jahren um einen Bahnanschluss.

Um 1885 wurde das Projekt einer Strecke von Bautzen nach Kamenz vorgestellt, das nicht verwirklicht wurde.

Im März 1888 wurde eine Sekundärbahn von Kamenz nach Elstra genehmigt, im Januar 1890 begannen die Bauarbeiten.

Am 19. Oktober 1890 wurde die Strecke feierlich eröffnet.

Im Tunnel Kamenz nutzte die Strecke auf der linken Seite das Planum des nicht vorhandenen zweiten Gleises der Strecke Kamenz–Pirna.

Die Weiterführung nach Bischofswerda wurde am 3. Dezember 1897 per Dekret beschlossen.

Über die Trassenführung gab es eine längere Auseinandersetzung, im April 1901 begannen die Bauarbeiten.

Am 14. Juni 1902 wurde die Strecke eröffnet, das Zweiggleis zur Ladestelle Kindisch ging am 20. Juni 1902 in Betrieb.

Zeichnung einer Talbrücke mit eisernem Überbau bei Station 29+13 der Strecke Kamenz–Bischofswerda, 1911.
Zeichnung einer Talbrücke mit eisernem Überbau bei Station 29+13 der Strecke Kamenz–Bischofswerda, 1911. Foto: Königlich Sächsische Staatseisenbahnen, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Eine geplante zweigleisige Verbindungskurve bei Bischofswerda in Richtung Bautzen wurde nicht gebaut, obwohl einige Vorarbeiten stattfanden.

So sah es vorher aus: Wenige Züge, später Triebwagen

Anfangs bestand auf der Strecke nur ein bescheidener Fahrplan.

Ab 1937 wurde ein Teil der Personenzüge mit einem modernen Triebwagen gefahren, was eine dichtere Folge ermöglichte.

Im Sommerfahrplan 1939 waren sieben Reisezugpaare verzeichnet, die für die gesamte Strecke 45 bis 50 Minuten benötigten.

Wegen des Baus der Reichsautobahn Dresden–Görlitz ab 1938 musste die Strecke zwischen den Kilometern 13,553 und 14,612 geringfügig nach Westen verschoben und in einen Einschnitt verlegt werden.

Die im Juli 1939 fertiggestellte Unterführung unter der Autobahn war für einen zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung ausgelegt.

Durch die Neutrassierung verkürzte sich die Strecke um 17 Meter.

Zugleich wurde die niveaugleiche Kreuzung mit der damaligen Reichsstraße 6 bei Bischofswerda beseitigt, dafür wurde die Strecke auf 300 Metern höher gelegt.

Die ehemalige Unterquerung der Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda unter der Autobahn A4, 2015.
Die ehemalige Unterquerung der Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda unter der Autobahn A4, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wiesa: Empfangsgebäude und Viadukt

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Wiesa steht noch.

Am Ortseingang von Wiesa erhielt sich vom großen Viadukt die Reste: drei Überbauten sind erhalten.

Als 2001 ein Baufahrzeug den Viadukt Wiesa über der Kreisstraße schwer beschädigte, wurde am 10. Oktober 2001 ein Überbau ausgehoben.

Die Wehrmacht sprengte bei ihrem Rückzug 1945 unter anderem die Brücke in Wiesa.

Anfang 1994 wurde die Strecke kurz hinter dem Bahnhof Wiesa gesperrt, die Gleise in Wiesa dienten danach noch zum Abstellen überzähliger Güterwagen.

Als eine der letzten Zugfahrten fuhr am 5. Oktober 1996 anlässlich des Kamenzer Bahnhofsfestes ein Sonderzug mit der Dampflokomotive 52 8141 der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde nach Wiesa und zurück.

Der Bahnhof Wiesa, 2004.
Der Bahnhof Wiesa, 2004. Foto: Robertheinzke, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Eisenbahnbrücke über einen Wirtschaftsweg zwischen Wiesa und Prietitz-Thonberg, 2015.
Eine Eisenbahnbrücke über einen Wirtschaftsweg zwischen Wiesa und Prietitz-Thonberg, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Elstra: Der erste Endpunkt

Elstra war bis 1902 der Endpunkt der Strecke aus Kamenz.

Im April 1945 brannte infolge von Kampfhandlungen das Empfangsgebäude des Bahnhofs Elstra nieder.

Die Wehrmacht sprengte bei ihrem Rückzug auch die Brücke in Elstra.

Nachdem die Kriegsschäden provisorisch repariert worden waren, wurde der Verkehr am 8. Oktober 1945 wieder aufgenommen.

Die letzten Güterzugfahrten nach Elstra gab es Anfang 1994.

Der Güterschuppen in Elstra, 2005.
Der Güterschuppen in Elstra, 2005. Foto: Robertheinzke at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahndamm und Brücke der ehemaligen Strecke Kamenz–Bischofswerda in Elstra, 2024.
Bahndamm und Brücke der ehemaligen Strecke Kamenz–Bischofswerda in Elstra, 2024. Foto: SchiDD, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rauschwitz: Abzweig zum Steinbruch Kindisch

Der Abschnitt von Kamenz bis zum Abzweig Rauschwitz blieb nach 1969 für den Güterverkehr in Betrieb, ebenso die Zweigbahn nach Kindisch.

Für die Abfuhr der Produkte des Steinbruchs gab es keine Alternative.

Bei einer Oberbauerneuerung zwischen Kamenz und Arnsdorf wurde im Tunnel Kamenz nur noch ein Gleis verlegt, die Abzweigweiche zur Strecke nach Bischofswerda wurde südlich des Tunnels eingebaut.

Damit verringerte sich die Streckenlänge der Kamenzer Linie um 567 Meter.

Unmittelbar nach der politischen Wende 1989 und 1990 endete der Güterverkehr zur Ladestelle Kindisch, der Steinbruch lieferte seine Produkte fortan mit Lastwagen aus.

Damit verlor die Strecke den Großteil ihres Verkehrs, 1995 wurde die Zweigbahn nach Kindisch abgebaut.

Der Güterschuppen in Rauschwitz, 2005.
Der Güterschuppen in Rauschwitz, 2005. Foto: Robertheinzke at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Abzweig in Richtung Steinbruch Kindisch, 2015.
Der Abzweig in Richtung Steinbruch Kindisch, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schönbrunn: Güterschuppen und Verladebahnhof

In Schönbrunn ist der Güterschuppen noch vorhanden.

Auch hier sprengte die Wehrmacht 1945 die Brücke.

Der Verladebahnhof Schönbrunn, ein Kulturdenkmal, 2023.
Der Verladebahnhof Schönbrunn, ein Kulturdenkmal, 2023. Foto: Air Check One, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Viadukt in Schönbrunn, 2015.
Das Viadukt in Schönbrunn, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Burkau: Empfangsgebäude steht noch

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Burkau steht noch.

Der Personenverkehr zwischen Burkau und Bischofswerda wurde am 24. September 1967 eingestellt, zwischen Kamenz und Burkau am 1. Juni 1969.

Der Bahnhof Burkau, 2007.
Der Bahnhof Burkau, 2007. Foto: Robertheinzke at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende: Vom Triebwagen zum Abbau

In den Jahren nach dem Krieg verschlechterte sich der Oberbauzustand immer mehr, zuletzt dauerte die Fahrt der Personenzüge fast 90 Minuten.

1964 wurde deshalb beschlossen, den Reiseverkehr einzustellen und auf den Kraftverkehr zu verlagern.

Der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda endete am 19. Dezember 1969.

Die Gleise und Brücken zwischen Rauschwitz und Bischofswerda wurden ab 1974 durch eine private Baufirma ausgebaut.

Im Oktober 1978 gab es noch einmal für drei Tage Reiseverkehr von Kamenz nach Elstra, weil für einen Sondereinsatz nicht genug Busse des Kraftverkehrsbetriebs zur Verfügung standen.

Im September 1998 wurde die Abzweigweiche im Bahnhof Kamenz ausgebaut, im Herbst 2004 wurden die Gleise vollständig abgebaut.

So sieht es jetzt aus: Gebäude und Brücken

Die Empfangsgebäude der Bahnhöfe stehen noch in Wiesa und Burkau, in Schönbrunn ist der Güterschuppen vorhanden.

Vom großen Viadukt am Ortseingang von Wiesa sind drei Überbauten erhalten.

Auch kleinere Stahlträgerbrücken wie die bei der Eselsburg existieren noch.

Die Eisenbahnbrücke bei der Eselsburg, 2015.
Die Eisenbahnbrücke bei der Eselsburg, 2015. Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

19. Oktober 1890: Die Strecke Kamenz–Elstra wird eröffnet.

14. Juni 1902: Die Strecke bis Bischofswerda wird eröffnet.

20. Juni 1902: Das Zweiggleis zur Ladestelle Kindisch geht in Betrieb.

Juli 1939: Die Unterführung unter der Autobahn ist fertig.

8. Oktober 1945: Der Verkehr wird nach den Kriegsschäden wieder aufgenommen.

24. September 1967: Der Personenverkehr zwischen Burkau und Bischofswerda endet.

1. Juni 1969: Der Personenverkehr zwischen Kamenz und Burkau endet.

19. Dezember 1969: Der Güterverkehr zwischen Rauschwitz und Bischofswerda endet.

1995: Die Zweigbahn nach Kindisch wird abgebaut.

5. Oktober 1996: Ein Sonderzug fährt nach Wiesa und zurück.

1. Januar 1997: Die Strecke wird stillgelegt.

Herbst 2004: Die Gleise werden vollständig abgebaut.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Personenverkehr endete 1967 zwischen Burkau und Bischofswerda und am 1. Juni 1969 zwischen Kamenz und Burkau.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Zum 1. Januar 1997, die Gleise wurden im Herbst 2004 abgebaut.
Was ist von den Bahnhöfen erhalten?
Die Empfangsgebäude in Wiesa und Burkau und der Güterschuppen in Schönbrunn.
Wofür war die Zweigbahn nach Kindisch gebaut?
Für die Abfuhr der Produkte des dortigen Steinbruchs, bis 1989 und 1990.
Wie lange dauerte die Fahrt?
Im Sommerfahrplan 1939 45 bis 50 Minuten, zuletzt fast 90 Minuten.

Die Strecke von Kamenz nach Bischofswerda wurde für Elstra und das Hinterland gebaut.

Geblieben sind Empfangsgebäude, ein Viadukt und mehrere Brücken.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda · Wikipedia: Elstra

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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