Jan Klein: Die Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund und ihre stillen Halte

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Jan Klein: Die Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund und ihre stillen Halte

Die meterspurige Kleinbahn erschloss Ostfriesland von Leer bis Bensersiel. Heute liegen Arena und Gymnasium auf dem Auricher Gleisfeld, die Trasse ist ein Wanderweg.

Ein Triebwagen der Kreisbahn Leer–Aurich–Wittmund im Bahnhof Aurich, 1930er Jahre.
Ein Triebwagen der Kreisbahn Leer–Aurich–Wittmund im Bahnhof Aurich, 1930er Jahre. Foto: Hochgeladen durch Benutzer Elettrificazione, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1899
Erste Strecke eröffnet
1956
Personenverkehr Aurich–Leer endet
1967
Letzter Bäderzug nach Bensersiel
1969
Stilllegung

Lage: Ostfriesland, Niedersachsen. Status: Meterspurbahn, am 31. Dezember 1969 stillgelegt. Heute: Teile der Trasse sind der Ostfriesland-Wanderweg, die Kreisbahn Aurich fährt als Bus.

Die Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund führte in Meterspur von Leer über Aurich nach Esens und Bensersiel.

Eine Zweigstrecke ging von Ogenbargen nach Wittmund.

In Ostfriesland nannte man sie Jan Klein, und die Busse der Kreisbahn Aurich tragen diesen Namen bis heute.

Die Bahn wurde am 31. Dezember 1969 stillgelegt.

Dieser Beitrag geht die stillen Halte des Streckenastes einzeln durch: Aurich, Hesel, Großefehn, Loga, Sandhorst, Ogenbargen und Dunum.

Freie Fotos aus der Betriebszeit gibt es nur wenige und nur aus Aurich, von den übrigen Halten liegen keine freien Bilder vor.

Wie die Kleinbahn entstand

1898 gründeten die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund die Kreisbahn Aurich GmbH.

Schon ein Jahr später eröffnete sie den ersten Streckenabschnitt zwischen Wittmund und Aurich in Meterspur.

Bis 1909 wuchs das Netz auf rund 85 Kilometer, damit war die Kreisbahn eine der größten Kleinbahnen im Nordwesten Deutschlands.

Die Strecke erschloss die ostfriesische Halbinsel.

Die Bewohner konnten über sie landwirtschaftliche Produkte in die Städte liefern und sich mit technischen Gütern und Kolonialwaren versorgen.

Am 28. April 1930 meldete die Gesellschaft Konkurs an, der Betrieb lief aber in kleinem Rahmen weiter.

Mit Geld der Provinz Hannover und des preußischen Staates wurde am 3. September 1931 die Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund GmbH gegründet.

Ab 1933 unterstand die Betriebsführung dem Landeskleinbahnamt Hannover, 1959 übernahm sie die Bentheimer Eisenbahn.

1964 firmierte die Gesellschaft erneut um und heißt seitdem Kreisbahn Aurich.

So sah es vorher aus: Dampf, Schienenbusse und Rollböcke

1899 begann der Betrieb mit sechs zweiachsigen Dampflokomotiven der Firma Hagans.

Später kamen acht weitere Maschinen verschiedener Bauarten dazu, die letzte 1941 von der eingestellten Waldbahn Ruhpolding–Reit im Winkl in Bayern.

1957 wurden die letzten Dampfloks abgestellt, und Triebwagen übernahmen den gesamten Verkehr.

Eine Dampflok der Waldbahn Ruhpolding–Reit im Winkl, die später zur Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund kam.
Eine Dampflok der Waldbahn Ruhpolding–Reit im Winkl, die später zur Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund kam. Foto: Collection E. Schöner, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Ab 1933 lösten Triebwagen nach und nach die Personenzüge ab.

Dazu gehörten zwei Wismarer Schienenbusse, im Volksmund Schweineschnäuzchen genannt, und ein Wismarer Triebwagen vom Typ Friesland, der einzige bekannte Wagen dieses Typs.

Ab 1956 besaß die Bahn einen Güterschlepptriebwagen, der ohne Zwischenwagen aufgebockte Regelspurwagen ziehen konnte.

Er blieb bis zur Einstellung der Strecke vorhanden und wurde 1972 verschrottet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen erstmals Diesellokomotiven zum Einsatz, zunächst nur im Rangierdienst.

1967 erwarb die Bahn eine gebrauchte, 1959 gebaute Diesellok vom Typ MaK 400 BB.

Sie wurde 1971 an die Brohltalbahn verkauft und ist seit 1989 bei der Rhätischen Bahn im Einsatz.

Ein meterspuriger Triebwagen der Kreisbahn im Bahnhof Aurich in den 1930er Jahren.
Ein meterspuriger Triebwagen der Kreisbahn im Bahnhof Aurich in den 1930er Jahren. Foto: Hochgeladen durch Benutzer Elettrificazione, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Triebwagen Tr 4 der Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund auf einem historischen Foto.
Der Triebwagen Tr 4 der Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund auf einem historischen Foto. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Aurich: Arena und Gymnasium auf dem Gleisfeld

In Aurich lag der Bahnhof der Kleinbahn unmittelbar neben dem Bahnhof der Staatsbahn.

Dieser war 1883 als Endbahnhof der Strecke von Georgsheil gebaut worden.

1899/1900 entstand nördlich der Normalspuranlagen ein eigener Schmalspurbahnhof.

Dazu gehörten ein repräsentatives Empfangs- und Verwaltungsgebäude und ein Ringlokschuppen, der zugleich die zentrale Werkstatt der Kleinbahn war.

Der Reiseverkehr nach Esens endete am 17. Mai 1953, der nach Leer am 1. April 1956.

Der Güterverkehr endete am 30. Dezember 1969, und in den 1970er Jahren wurden die Anlagen der Schmalspurbahn abgebaut.

Auf dem früheren Gleisfeld des Auricher Bahnhofs stehen heute eine Mehrzweckhalle, die Sparkassen-Arena, und ein Freigelände, das als Parkplatz und Veranstaltungsort der Auricher Rummelplätze dient.

Seit 1995 nutzt das Gymnasium Ulricianum das frühere Empfangsgebäude, vor allem für den Musikunterricht.

Der frühere Güterschuppen dient ebenfalls dem Musikunterricht sowie Konzerten und Veranstaltungen, vormittags meist den Proben von Bläserklassen.

Der ehemalige Kleinbahnhof Aurich, aufgenommen 2011.
Der ehemalige Kleinbahnhof Aurich, aufgenommen 2011. Foto: User:Matthias Süßen, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Aurich, aufgenommen 2011.
Der ehemalige Bahnhof Aurich, aufgenommen 2011. Foto: User:Matthias Süßen, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hesel: Ein Kreuzungspunkt der Straßen

Hesel lag an der Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund.

Der Ort liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 72 und 436.

Wer heute auf der Trasse wandert, kommt auf dem Weg von Leer nach Aurich über Hesel, Großefehn und Holtrop.

Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Großefehn: Sechs Haltepunkte

Auf dem Gebiet der Gemeinde Großefehn gab es Haltepunkte in Bagband, Strackholt, Spetzerfehn, Ostgroßefehn, Wrisse und Holtrop.

Die Strecke wurde wegen Unrentabilität stillgelegt.

Die Gemeinde nennt 1967 als Jahr des letzten Personenzugs und 1969 als Jahr des letzten Güterzugs, die Streckenangaben nennen für den Personenverkehr zwischen Aurich und Leer dagegen den 1. April 1956.

Auf der Trasse liegt heute der Ostfriesland-Wanderweg.

Der Ossiloop, ein Langlauf zwischen Leer und Esens, folgt großenteils der ehemaligen Kleinbahnstrecke.

Loga

Loga ist ein Stadtteil von Leer.

Zu einem Halt der Kleinbahn in Loga sind keine Einzelheiten belegt.

Sandhorst

Sandhorst liegt bei Aurich und ist heute ein Gewerbestandort.

Zu einem Halt der Kleinbahn in Sandhorst sind keine Einzelheiten belegt.

Der Ostfriesland-Äquator zwischen Sandhorst und Plaggenburg.
Der Ostfriesland-Äquator zwischen Sandhorst und Plaggenburg. Foto: Arno Bendszeit, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ogenbargen: Wo sich die Bahn gabelte

In Ogenbargen gabelte sich die Kleinbahn nach Esens und zum Fähranleger in Bensersiel.

Von hier führte außerdem die Zweigstrecke nach Wittmund.

Dieser Abschnitt war inzwischen regelspurig: 1940 war die Strecke zwischen Wittmund und dem Flughafen Wittmundhaven aus militärischen Gründen umgespurt worden, zwischen 1948 und 1950 auch der Abschnitt bis Ogenbargen.

Am 1. Oktober 1951 wurde der Abschnitt zwischen Ogenbargen und Ardorf stillgelegt, am 1. Dezember 1951 der zwischen Ardorf und Wittmund.

Der Abbau begann noch im selben Jahr.

Der Bahnagent hatte seinen Sitz im Gasthof „Zur Post“.

Die Haltestelle lag nördlich der heutigen Bundesstraße 210.

Ende der 1960er Jahre wurden die Gleisanlagen abgebaut.

Die Strecke nach Esens ist heute als Teil des Ostfriesland-Wanderwegs bekannt.

Dunum

Zu Dunum sind keine Einzelheiten zu einem Halt der Kleinbahn belegt.

Esens und Bensersiel: Das Ende der Strecke an der Küste

Der Personenverkehr nach Bensersiel bestand zuletzt nur noch als Bäderverkehr nach Langeoog nach Tidefahrplan zwischen Esens und Bensersiel.

Er endete am 6. Februar 1967.

Der Güterverkehr war dort schon am 15. September 1966 eingestellt worden, sodass 1967 der Abbau der Gleise beginnen konnte.

Am 30. Dezember 1969 fuhr der letzte Güterzug zwischen Esens und Leer.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Kleinbahnhofs Esens.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Kleinbahnhofs Esens. Foto: FriesinOst, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: Wanderweg und Busse

Seit der Stilllegung betreibt die Kreisbahn Aurich einen Busverkehr in der Region.

Einige der Buslinien verlaufen abschnittsweise entlang der früheren Kleinbahnstrecken.

Die ehemalige Trasse wurde Ende der 1970er Jahre als Ostfriesland-Wanderweg ausgebaut.

Der Weg ist insgesamt rund 97 Kilometer lang und führt in Teilen über die frühere Kleinbahnstrecke.

Ab Aurich verläuft er auf 29 Kilometern über Esens bis nach Bensersiel, wo er am Fährhafen nach Langeoog endet.

Der Abschnitt von Leer über Hesel, Großefehn und Holtrop nach Aurich ist 41 Kilometer lang und Teil des Europäischen Fernwanderwegs E9.

Die Kleinbahntrasse sieht heute wie eine doppelte Wallhecke aus und führt durch Marsch, Hochmoor, Geest und Seemarsch.

1898: Gründung der Kreisbahn Aurich GmbH.

1899: Der erste Abschnitt Wittmund–Aurich geht in Betrieb.

1909: Das Netz ist rund 85 Kilometer lang.

28. April 1930: Die Gesellschaft meldet Konkurs an.

3. September 1931: Gründung der Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund GmbH.

1951: Die Zweigstrecke Ogenbargen–Wittmund wird stillgelegt.

17. Mai 1953: Ende des Personenverkehrs Esens–Aurich.

1. April 1956: Ende des Personenverkehrs Aurich–Leer.

6. Februar 1967: Der Bäderverkehr nach Bensersiel endet.

30. Dezember 1969: Der letzte Güterzug fährt zwischen Esens und Leer.

31. Dezember 1969: Stilllegung.

1995: Das Gymnasium Ulricianum zieht in das frühere Auricher Empfangsgebäude.

Wie hieß die Bahn im Volksmund?
Jan Klein. Der Name ist bis heute bei den Bussen der Kreisbahn Aurich in Gebrauch.
Wann wurde die Kleinbahn stillgelegt?
Am 31. Dezember 1969, nachdem am 30. Dezember 1969 der letzte Güterzug zwischen Esens und Leer gefahren war.
Wie breit war die Spur?
Die Bahn fuhr in Meterspur, also mit 1.000 Millimetern Spurweite.
Was steht heute auf dem Gleisfeld in Aurich?
Eine Mehrzweckhalle, die Sparkassen-Arena, sowie ein Freigelände, das als Parkplatz und Veranstaltungsort dient.
Kann man die Trasse ablaufen?
Teile der Trasse sind der Ostfriesland-Wanderweg, ab Aurich verläuft er 29 Kilometer auf der Kleinbahntrasse bis Bensersiel.

Von der Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund ist wenig geblieben, aber ihr Name lebt weiter.

Er steht heute auf Bussen, und ihre Trasse ist ein Wanderweg.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Kleinbahn Leer–Aurich–Wittmund · Wikipedia: Bahnhof Aurich · Wikipedia: Großefehn · Wikipedia: Ogenbargen · Wikipedia: Ostfriesland-Wanderweg · Wikipedia: Kreisbahn Aurich

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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