Die stillen Halte der Strecke Altshausen–Pfullendorf und ihres Westasts
Die Strecke von Altshausen über Pfullendorf nach Schwackenreute verlor 1971 ihre Reisezüge. Der Westast wurde 1987 abgebaut, im Osten fährt heute die Räuberbahn.

Lage: Oberschwaben, zwischen Altshausen, Pfullendorf und Schwackenreute. Status: Westast abgebaut, Ostast mit Ausflugs- und Güterverkehr. Heute: Bahnhof Pfullendorf als Restaurant, Gebäude in Aach-Linz und Sentenhart erhalten.
Die Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute verband Altshausen an der Strecke Herbertingen–Isny über Pfullendorf mit Schwackenreute an der Strecke Radolfzell–Mengen.
Seit dem 26. September 1971 fährt auf der Gesamtstrecke kein Reisezug mehr im Linienverkehr.
Der Westteil zwischen Pfullendorf und Schwackenreute wurde nach 1983 stillgelegt und Ende 1987 abgebaut.
Der Ostteil zwischen Altshausen und Pfullendorf blieb liegen und wird seit 2009 als „Räuberbahn“ für Ausflugs- und Güterverkehr genutzt.
Dieser Beitrag geht die stillen Halte der Strecke durch: den alten Bahnhof Pfullendorf, Kreenried, Aach-Linz, Ruhestetten und Sentenhart.
Zum Halt Roth sind keine belegten Angaben auffindbar, er hat deshalb nur einen kurzen Abschnitt.
Alte freie Fotos gibt es nur von Pfullendorf, die übrigen Bilder entstanden 2021.
Wie die Strecke entstand
Die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen eröffneten den westlichen Teil von Schwackenreute nach Pfullendorf am 11. August 1873.
Am 14. August 1875 verlängerten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Strecke bis Altshausen.
Für den Ausbau der Verlängerung nach Altshausen waren gewaltige Erdbewegungen nötig, rund eine Million Kubikmeter Aushub füllten in Pfullendorf den Waschweiher auf.
Die Strecke lag damit zwischen zwei Ländern, denn Pfullendorf und der Westen gehörten zu Baden, Altshausen zu Württemberg.

Pfullendorf: der alte Bahnhof
Der Bahnhof Pfullendorf wurde am 11. August 1873 eröffnet.
Das heutige Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1926.
Es ist ein denkmalgeschützter, eingeschossiger, verputzter Bau mit Mittelrisalit und Walmdach.
Seit 2018 beherbergt es ein Restaurant.

Der Bahnhof war lange ein Güterbahnhof.
Von 1970 bis 2002 bestand auf dem Gelände der Firma Alno zunächst ein Anschlussgleis und später ein Containerterminal.
Bis in die 1990er Jahre fanden im Bahnhof außerdem Stückgutumschlag und Ölverladung statt.
Im Sommer 2009 wurden die Gleisanlagen des Bahnhofs zurückgebaut.
Das Streckengleis aus Altshausen endet seither vor dem ehemaligen Bahnhof an einem Prellbock.
Am 31. Dezember 2009 kaufte die Stadt Pfullendorf die 6,5 Hektar große Bahnbrache für 2,4 Millionen Euro.
Heute gibt es am Endpunkt beim Stadtgarten einen einfachen Bahnsteig für die Ausflugszüge.


Kreenried: ein Haltepunkt im Ostast
Kreenried ist ein Ortsteil der Gemeinde Eichstegen im Landkreis Ravensburg.
Der Ortsteil hatte früher Anschluss an die Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute.
Der ehemalige Haltepunkt Kreenried liegt an dem Abschnitt, der heute noch befahren wird.
Die Ausflugszüge halten unterwegs in Altshausen, Hoßkirch-Königseggsee, Ostrach Bahnhof und Burgweiler, nicht in Kreenried.




Aach-Linz: Bahnhof im Westteil
Aach-Linz ist eine Ortschaft der Stadt Pfullendorf und liegt am westlichen Teil der stillgelegten Strecke.
Der Ortsteil Aach verfügte über einen Bahnhof.
1951 wurde die Zugfolgestelle aufgehoben und in eine Haltestelle zurückgestuft.
Bis zum Ende des Personenverkehrs 1971 konnte man mit dem Schienenbus von Pfullendorf nach Aach-Linz fahren.
Der Streckenabschnitt wurde danach nur noch im Güterverkehr genutzt.



Der Nahverkehr läuft heute ganz über die Buslinie Pfullendorf–Überlingen im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund.
Ruhestetten: ein später Haltepunkt
Ruhestetten ist ein Teilort der Gemeinde Wald im Landkreis Sigmaringen.
Der Ort lag am westlichen Teil der Strecke, die 1873 eröffnet wurde.
Erst 1957 wurde in Ruhestetten ein Haltepunkt eingerichtet.
Mit dem Ende des Personenverkehrs am 26. September 1971 verlor der Haltepunkt seine Reisezüge.
Der westliche Abschnitt wurde nach der Einstellung des Güterverkehrs am 29. Mai 1983 abgebaut.
Zum Zustand des Haltepunkts liegen keine belegten Angaben vor.
Sentenhart: ein Bahnhof wird zur Haltestelle
Sentenhart liegt ebenfalls am westlichen Teil der Strecke und besaß einen eigenen Bahnhof.
Der Ort gehörte früher zu Baden und wurde zum 1. Januar 1973 nach Wald eingemeindet.
1954 wurde die Zugfolgestelle aufgehoben und in eine Haltestelle zurückgestuft.
Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1971 endete der Reiseverkehr, der Güterverkehr lief bis 1983.


Roth: keine belegten Angaben
Zu einem Halt Roth an der Strecke liegen keine belegten Angaben vor.
Deshalb gibt es hier keine weiteren Aussagen.
Das Ende der Strecke
Die Deutsche Bundesbahn stellte am 26. September 1971 den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke ein.
Am 29. Mai 1983 endete der Güterverkehr zwischen Schwackenreute und Pfullendorf, Ende 1987 wurde dieser Abschnitt abgebaut.
Im Ostteil gab es bis zum 31. Juli 2002 nennenswerten Güterverkehr, vor allem durch den Küchenhersteller Alno.
Die formelle Stilllegung dieses Abschnitts erfolgte zum 31. August 2004.
Die Gleise blieben jedoch liegen, weil eine kommunale Interessengemeinschaft die Strecke ab 2004 pachtete.
So sieht es jetzt aus
Der Ostteil wurde 2009 auf Betreiben der Stadt Pfullendorf und der Gemeinde Ostrach reaktiviert.
Im Sommer 2015 kauften die Kommunen Pfullendorf, Ostrach und Altshausen die Strecke für 300.000 Euro von der DB Netz AG.
Seit 2017 gibt es wieder planmäßigen Güterverkehr, überwiegend mit Holzzügen, aber auch mit Kunstdüngerzügen.
Seit 2011 fährt in der Sommersaison der Ausflugsverkehr, der seit 2019 als „Räuberbahn“ vermarktet wird.
2019 wurde dazu der neue Haltepunkt Hoßkirch-Königseggsee eingerichtet.
Der Westteil zwischen Pfullendorf und Schwackenreute ist abgebaut.
Vorher und nachher: Pfullendorf
Auf der Ansichtskarte aus den 1900er Jahren steht der Bahnhof Pfullendorf noch im Vordergrund der Stadt.
Heute sind die Gleise des Bahnhofs zurückgebaut, das Empfangsgebäude von 1926 dient als Restaurant.
Die Ausflugszüge enden an einem einfachen Bahnsteig beim Stadtgarten.
Die Geschichte in Daten
11. August 1873: Eröffnung Schwackenreute–Pfullendorf.
14. August 1875: Verlängerung bis Altshausen.
1926: Das heutige Empfangsgebäude in Pfullendorf entsteht.
1951: Aach-Linz wird zur Haltestelle zurückgestuft.
1954: Sentenhart wird zur Haltestelle zurückgestuft.
1957: Haltepunkt Ruhestetten eingerichtet.
26. September 1971: Ende des Personenverkehrs.
29. Mai 1983: Ende des Güterverkehrs im Westteil.
Ende 1987: Abbau des Westteils.
31. August 2004: Formelle Stilllegung des Ostteils.
2009: Reaktivierung des Ostteils.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Reisezug?
Was ist aus dem Westteil geworden?
Fährt auf der Strecke noch etwas?
Was ist der alte Bahnhof Pfullendorf heute?
Gab es in Aach-Linz einen Bahnhof?
Die Strecke zeigt zwei Wege: den Westteil, der abgebaut wurde, und den Ostteil, der als Räuberbahn weiterfährt.
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