Die stillen Halte der Isartalbahn zwischen München und Bichl
Von der ursprünglichen Isartalbahn fährt nur noch der mittlere Teil als S-Bahn. Die Halte an den stillgelegten Abschnitten in München und im Süden sind abgerissen, umgenutzt oder überbaut.


Lage: München, Landkreise München und Bad Tölz-Wolfratshausen, Oberbayern. Status: Der mittlere Abschnitt ist als S-Bahn in Betrieb, die Abschnitte in München und südlich von Wolfratshausen sind stillgelegt. Heute: Radwege, Bürogebäude, Straßen und Wohnhäuser auf den Trassen.
Die Isartalbahn lief von München über Wolfratshausen nach Bichl und war ursprünglich 50,76 Kilometer lang.
Ihr mittlerer Abschnitt von Großhesselohe Isartalbahnhof nach Wolfratshausen ist bis heute in Betrieb und wird von der S-Bahn München befahren.
Dieser aktive Teil kommt hier nicht vor.
Es geht um die beiden stillgelegten Enden: den Abschnitt in München und den Abschnitt südlich von Wolfratshausen.
Jeder Halt bekommt einen eigenen Abschnitt, auch wenn dazu nur wenig belegt ist.
Fotos aus der Betriebszeit sind unter freien Lizenzen kaum zu finden, deshalb zeigt der Beitrag vor allem den heutigen Zustand.
Entstehung der Isartalbahn
Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft nahm die Strecke abschnittsweise zwischen 1891 und 1898 in Betrieb.
Der Abschnitt von Thalkirchen bis Ebenhausen wurde im Juni 1891 eröffnet.
Am 27. Juli 1891 folgte der Abschnitt von Ebenhausen nach Wolfratshausen.
Die Züge waren an Wochenenden und Feiertagen gut ausgelastet, viele Münchner nutzten die Bahn als Ausflugsbahn.
Im Eröffnungsjahr zählte die Bahn 292.000 Fahrgäste.
Der Güterverkehr zwischen München Süd und Thalkirchen begann am 10. April 1892.
Der Personenverkehr dort startete am 1. Juni 1892, weil das Bahnhofsgebäude des Isartalbahnhofs zuvor noch nicht fertig war.
Am 1. Juni 1897 ging der Abschnitt von Wolfratshausen nach Eurasburg in Betrieb, am 15. August 1897 folgte die Verlängerung bis Beuerberg.
Die restliche Strecke bis Bichl wurde am 23. Mai 1898 eröffnet.
München Isartalbahnhof
Der Bahnhof liegt im Münchner Stadtteil Sendling.
Er diente als Umsteigestation zur Straßenbahn in Richtung Sendlinger Tor.
Es gab drei Bahnsteiggleise und zwei Gleise zum Abstellen von Personen- und Güterzügen.
Das Empfangsgebäude besteht aus einem Hauptgebäude mit je einem Flügel an beiden Seiten.
Es ist im Stil der Neurenaissance als Rohbacksteinbau errichtet.
Für das Wenden der Lokomotiven besaß der Bahnhof zwei Drehscheiben.
Am 31. Mai 1964 endete der Personenverkehr zwischen dem Isartalbahnhof und Großhesselohe.
Hintergrund war die Schließung des Bahnübergangs an der Brudermühlstraße, die für den Ausbau des Mittleren Rings nötig war.
Den Güterverkehr zwischen Großhesselohe und Thalkirchen stellte die Bahn zum 1. April 1989 ein.
Zum 1. September 1995 wurde der Abschnitt Thalkirchen–Großhesselohe stillgelegt, 1998 baute man das Gleis ab.
Das Backsteingebäude an der Schäftlarnstraße steht noch und wird von der Regionalgeschäftsstelle München der Johanniter-Unfall-Hilfe genutzt, unter anderem als Rettungswache.


Erhalten ist auch die Brücke über die Isartalstraße.
Sie gehörte zur einstigen Verbindungskurve zwischen dem Isartalbahnhof und dem Südbahnhof.
Ihr Überbau wurde 2008 vollständig erneuert.

München-Thalkirchen
Der Bahnhof Thalkirchen hatte ein Empfangsgebäude, vier Gleise für den Personenverkehr und drei Ladegleise für Güter.
Nach dem Ende des Personenverkehrs 1964 nutzte die Bahn die Gleise noch bis in die 1980er Jahre für den Güterverkehr.
1967 begann der Rückbau des zweiten Streckengleises.
Bei der späteren Bebauung des ehemaligen Bahnhofsgeländes wurde 2010 das Bahnhofsgebäude abgerissen.
Bahnbetriebswerk Thalkirchen
Zwischen Thalkirchen und Maria-Einsiedel entstand nach der Eröffnung die Hauptwerkstätte der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft.
Zur Ausstattung gehörten ein fünfständiger Rundlokschuppen und ein Kraftwerk, das einen Teil des benötigten Stroms erzeugte.
Für die Elektrotriebwagen kam 1900 eine dreiständige Wagenhalle dazu.
Zum 1. Januar 1952 wurde das Betriebswerk eine Außenstelle des Bahnbetriebswerks München Ost, 1956 wurde es aufgelassen.
Rundlokschuppen, Triebwagenhalle, die ehemalige Reparaturwerkstatt und das Kesselhaus sind erhalten.
Sie stehen wegen ihrer Sichtziegelbauweise in der Bayerischen Denkmalliste.
Von 2014 bis 2015 wurden die Gebäude im Zuge einer Neugestaltung des Areals saniert und werden gewerblich genutzt.

Maria-Einsiedel
Die Haltestelle Maria-Einsiedel hatte zwei Bahnsteiggleise, je eines an beiden Richtungsgleisen.
Seit 1908 zweigte im Süden ein Anschlussgleis zur städtischen Floßlände ab.
1918 wurde die Haltestelle stillgelegt.
Das Bahnhofsgebäude wurde 2008 abgerissen.
Gleise und Teile der Mechanik sind im Gelände teilweise noch zu finden.
München-Prinz Ludwigshöhe
Der Bahnhof Prinz Ludwigshöhe wurde am 4. März 1893 eröffnet.
Er erschloss die Villenkolonie am Isarhochufer zwischen Thalkirchen und Solln.
Es gab zwei Bahnsteiggleise und ein Ladegleis für den Güterverkehr.
Seit dem 31. Mai 1964 wurde der Bahnhof nur noch bei Bedarf im Güterverkehr bedient.
Von der Oberleitung sind noch Sockel erhalten.
Zwischen der Benediktbeuerer Straße und der Großhesseloher Straße verläuft auf der Trasse ein asphaltierter Radweg, der Isartalbahnweg.
Pullach Gartenstadt: ein geschlossener Halt an der aktiven Strecke
Der Haltepunkt Pullach Gartenstadt nahm am 7. Oktober 1934 den Betrieb auf.
Er lag am mittleren Abschnitt, der heute noch als S-Bahn fährt.
Wegen der Nähe zu den Bahnhöfen Pullach und Höllriegelskreuth legte die Deutsche Bundesbahn den Haltepunkt 1964 still.
Die Strecke selbst ist nicht stillgelegt.
Das Ende südlich von Wolfratshausen
Die Bundesbahn beschloss Anfang 1958, den Abschnitt von Beuerberg nach Bichl stillzulegen.
Grund waren hohe Verluste und der schlechte Zustand des Oberbaus.
Am 31. Mai 1959 endeten dort Personen- und Güterverkehr, noch im selben Jahr wurde der Abschnitt abgebaut.
Bahnbusse übernahmen den Verkehr.
Zwischen Wolfratshausen und Beuerberg stellte die Bundesbahn den Zugverkehr am 27. Mai 1972 ein.
Am Tag darauf begann der S-Bahn-Betrieb bis Wolfratshausen, das seither Endbahnhof ist.
Degerndorf
Der Bahnhof Degerndorf lag an der äußeren Beuerberger Straße, etwa zwei Kilometer vom Münsinger Ortsteil Degerndorf entfernt.
Gleisanlagen und das kleine Wartehäuschen sind vollständig abgerissen.
Teile des Geländes überbauen die Staatsstraße 2370 und der Damm des Autobahnzubringers zur A 95.
Auch die Loisachbrücke vor Degerndorf ist spurlos verschwunden.
Bolzwang
Der Bahnhof Bolzwang lag im Süden des Eurasburger Ortsteils Achmühle.
Der Ort Bolzwang selbst ist etwa einen Kilometer entfernt.
Hier wurden hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte verladen.
Der Bahnhof besaß vermutlich ein Ladegleis und ein Durchgangsgleis.
Das ehemalige Gelände ist heute von einer Straße und Wohnhäusern überbaut.
Eurasburg
Der Bahnhof Eurasburg lag im Osten des Ortes an der Wolfratshauser Straße.
Er hatte drei Gleise, zwei davon waren für den Güterverkehr vorgesehen.
Ein Gleisanschluss führte zu einer Spinnerei und Reißerei östlich des Bahnhofs.
In den 1960er Jahren diente der Bahnhof als Kulisse für Aufnahmen der Filmreihe Lausbubengeschichten.
Das Bahnhofsgebäude gibt es nicht mehr.
Das Gelände überbauen heute die Staatsstraße 2370 und der Parkplatz einer 2021 eröffneten Supermarktfiliale.
Beuerberg
Der Bahnhof Beuerberg lag an der Bahnhofstraße im Westen des Ortes.
Er hatte drei durchgehende Gleise, zwei davon für den Personenverkehr, dazu zwei Stumpfgleise für Güter und einen einständigen Lokschuppen.
Von 1959 bis 1972 war Beuerberg der Endbahnhof der Isartalbahn.
Wie Eurasburg diente er wiederholt als Drehort der Lausbubengeschichten-Filme.
1978 entstand unmittelbar südlich des Empfangsgebäudes ein Feuerwehrhaus.
Das Bahnhofsgebäude selbst existierte zu Beginn des Jahrtausends nicht mehr.
Erhalten blieb der Stellwerksturm, der heute seitlich in einen Gewerbebau integriert ist.
Fletzen
Der Bahnhof Fletzen lag nicht in der Nähe größerer Orte.
Der Heilbrunner Ortsteil Nantesbuch befand sich rund 600 Meter entfernt auf dem anderen Loisachufer.
Zur Anlage gehörten zwei Gleise, ein Empfangsgebäude und Nebengebäude.
Für die Verladung gab es ein kurzes Stumpfgleis mit Ladestraße.
Das Bahnhofsgebäude wurde an eine Privatperson verkauft und in die Tennisanlage Schönrain integriert.

Zwischen Beuerberg und Fletzen überquerte die Strecke die Loisach.
Von dieser Brücke wurde der Träger mit dem Gleisaufbau entfernt.
Der betonierte Mittelpfeiler und die Widerlager mit den Auffahrtsrampen sind noch vorhanden.

Bocksberg
Der Bahnhof Bocksberg befand sich rund 500 Meter vor dem Bad Heilbrunner Ortsteil Hohenbirken.
Der etwa einen Kilometer entfernte Ort Bocksberg war über eine kleine Straße angebunden.
Das kleine Bahnhofsgebäude wurde in ein Garagengebäude integriert.
Die befestigte Bahnsteigkante existiert noch.
Zwischen Fletzen und Bocksberg verläuft auf dem Bahndamm heute eine Straße.
Bad Heilbrunn
Der Bahnhof Bad Heilbrunn lag im Ortsteil Langau, ein bis zwei Kilometer vom Ortskern entfernt, die Angaben gehen hier auseinander.
Es gab ein Empfangsgebäude, zwei Gleise für den Personenverkehr und ein Gleis für den Güterverkehr.
Um 1900 führten Anschlussgleise zu mehreren Firmen, darunter Torfwerke.
Bis 1959 hatte Bad Heilbrunn einen Bahnhof der Isartalbahn.
Das Bahnhofsgebäude existiert noch.
Zwischen Bad Heilbrunn und Bichl ist der Bahndamm zum Teil noch mit Schotterbett besonders gut erhalten.
Vom Steinbach ist das östliche Widerlager der größeren Brücke erhalten.

So sieht es jetzt aus
Im Münchner Abschnitt sind der Isartalbahnhof und das Betriebswerk erhalten und genutzt.
Maria-Einsiedel und Thalkirchen sind abgerissen.
Im Süden prägen Radweg, Staatsstraße, Garagen und Wohnhäuser die Trasse.
Zwischen Wolfratshausen und Beuerberg nutzt ein Radweg große Teile der Trasse, andere Teile sind überbaut.
Auch auf dem südlichsten Stück von Bocksberg nach Bichl ist der Verlauf noch deutlich erkennbar.
1891: Eröffnung der Isartalbahn von Thalkirchen bis Wolfratshausen, der Juli-Abschnitt am 27. Juli.
1892: Güterverkehr München Süd–Thalkirchen am 10. April, Personenverkehr am 1. Juni.
1893: Eröffnung des Bahnhofs Prinz Ludwigshöhe am 4. März.
1898: Die Verlängerung bis Bichl geht am 23. Mai in Betrieb.
1934: Der Haltepunkt Pullach Gartenstadt öffnet am 7. Oktober.
1959: Beuerberg–Bichl wird am 31. Mai stillgelegt.
1964: Personenverkehr zwischen Isartalbahnhof und Großhesselohe endet am 31. Mai.
1972: Zugverkehr Wolfratshausen–Beuerberg endet am 27. Mai, die S-Bahn startet am Tag darauf.
1995: Der Abschnitt Thalkirchen–Großhesselohe wird zum 1. September stillgelegt.
Fährt auf der Isartalbahn noch ein Zug?
Was wurde aus dem Münchner Isartalbahnhof?
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
Wo ist die Bahn noch am besten zu erkennen?
Warum wurde der Halt Pullach Gartenstadt geschlossen?
Die Isartalbahn lebt in ihrem mittleren Teil weiter.
Die Enden zeigen, wie unterschiedlich Bahnflächen weitergenutzt werden: als Büro, als Radweg, als Garage oder als Straße.
Isartalbahn (Wikipedia) · Bad Heilbrunn (Wikipedia) · Münsing (Wikipedia) · Isartalbahn (MünchenWiki) · Isartalbahnweg (Landeshauptstadt München)
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