Die Stichbahnen ab Holenbrunn: stille Halte nach Leupoldsdorf und Selb

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Stichbahnen ab Holenbrunn: stille Halte nach Leupoldsdorf und Selb

Von Wunsiedel-Holenbrunn führten zwei Nebenbahnen ins Fichtelgebirge, die eine nach Leupoldsdorf, die andere nach Selb. 1994 endete der Betrieb auf beiden, heute verläuft der Brückenradweg Bayern-Böhmen auf den Trassen.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Wunsiedel, 2019.
Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Wunsiedel, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1913
Leupoldsdorf erreicht
1914
Strecke nach Selb eröffnet
1975
Reiseverkehr nach Leupoldsdorf endet
1994
Beide Strecken stillgelegt

Lage: Fichtelgebirge, von Wunsiedel-Holenbrunn nach Leupoldsdorf und nach Selb. Status: Beide Strecken sind stillgelegt. Heute: Auf den Trassen verläuft in großen Teilen der Brückenradweg Bayern-Böhmen.

Beide Strecken zweigten im heutigen Bahnhof Wunsiedel-Holenbrunn von der Bahnstrecke Weiden–Oberkotzau ab.

Die Strecke nach Leupoldsdorf führte über Wunsiedel, die nach Selb über Thiersheim.

Der Bahnhof Wunsiedel-Holenbrunn ist in Betrieb und gehört nicht zu diesem Beitrag.

Alte freie Fotos gibt es nur wenige, sie stammen aus dem Jahr 1988 aus Schwarzenhammer.

Wunsiedel: ein Abzweig mit Hauptbahncharakter

Wunsiedel lag aus topographischen Gründen nicht an der Strecke Oberkotzau–Holenbrunn, die am 15. August 1877 eröffnet wurde.

Sie wurde am 15. Mai 1878 bis Marktredwitz verlängert.

Am selben Tag ging der knapp vier Kilometer lange Abzweig nach Wunsiedel in Betrieb.

Die Bayerische Staatsbahn legte ihn als Hauptbahn mit sekundärer Bedeutung an, Sekundärbahnen gab es in Bayern erst ab 1882.

Der Hauptbahncharakter ist am erhaltenen Wunsiedeler Empfangsgebäude und am ehemaligen Wärterstellwerk noch erkennbar.

Der Bahnhof Wunsiedel war mehrgleisig angelegt, mit einem Hausbahnsteig und zwei Zwischenbahnsteigen.

Im langgestreckten Stadtgebiet und im weiteren Verlauf bis Tröstau gab es zahlreiche Gleisanschlüsse zu Industriebetrieben.

Bei Kilometer 1,9 lag zudem der Haltepunkt Wunsiedel Ost.

Schönbrunn: Quarz für die Firma Risse

Die Haltestelle Schönbrunn bei Kilometer 6,93 hatte ein niedriges Gebäude in Holzbauweise.

Hauptkunde der Bahn war die Firma Risse bei Schönbrunn, die täglich mehrere Wagen mit Quarz erhielt.

Am 25. September 1993 wurde der Güterverkehr zwischen der Anschlussstelle Risse westlich von Schönbrunn und Leupoldsdorf eingestellt.

Die Firma hatte sich um den Erhalt der Strecke bemüht.

Im Raum Hof und Wunsiedel sollte das neue Güterverkehrskonzept der Deutschen Bahn zuerst umgesetzt werden, Massengüter sollten am Bahnhof Hof-Neuhof gesammelt und von dort mit Lastwagen verteilt werden.

Der Quarz wird seitdem bereits im Ausland auf Lastwagen umgeladen.

Tröstau: Ladegleise am Weichentrapez

In Tröstau bei Kilometer 8,63 gab es neben dem gemauerten, eingeschossigen Empfangsgebäude zwei Ladegleise, die über ein Weichentrapez erreicht wurden.

Hier wurden Dünger und Kohle entladen.

Leupoldsdorf: Endstation für ein Hammerschloss

Am 8. November 1913 wurde die 6,89 Kilometer lange Fortsetzung von Wunsiedel nach Leupoldsdorf als Lokalbahn eröffnet.

Die Strecke erreichte damit eine Gesamtlänge von 10,54 Kilometern.

Angeblich geschah das auf Betreiben der Besitzerin des Hammerschlosses in Leupoldsdorf, Rosa von Müller.

Bei der Eröffnung war sie bereits nicht mehr im Besitz des Schlosses.

Der Endbahnhof Leupoldsdorf hatte ein niedriges Gebäude in Holzbauweise.

Im Herbst 1981 wurde das Bahnhofsgebäude abgebrochen.

So sah es vorher aus: Zugpaare und Sonderfahrten

Anders als andere Stichbahnen ins Fichtelgebirge hatte die Bahn nach Leupoldsdorf keine nennenswerten Steigungen.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrten werktags achtzehneinhalb Zugpaare zwischen Holenbrunn und Wunsiedel und elfeinhalb bis Leupoldsdorf.

An Sonn- und Feiertagen waren es elfeinhalb beziehungsweise acht Zugpaare.

Eine große Rolle spielte der Ausflugsverkehr zum Luisenburg-Felsenlabyrinth und zu den Luisenburg-Festspielen.

1970 war das Angebot auf zweieinhalb Zugpaare nach Wunsiedel und eineinhalb bis Leupoldsdorf reduziert, gefahren wurde mit Schienenbussen der Baureihe VT 95 und Umbauwagen hinter Dieselloks der Baureihe V 100.

Bis 1982 verkehrten zwei Güterzüge pro Tag.

In den Jahren vor der Stilllegung gab es immer wieder Sonderfahrten von Eisenbahnfreunden.

Am 6. Juni 1985 befuhr der WUMAG-Triebwagen VT 761 die gesamte Strecke als Sonderzug.

Die Stadt Wunsiedel organisierte fast jedes Jahr Sonderfahrten unter dem Motto „Eine Stadt geht auf Reisen“, die letzte am 4. Juni 1994.

Ende der Leupoldsdorfer Strecke

Am 28. September 1975 wurde der Personenverkehr auf der elf Kilometer langen Strecke eingestellt.

Am 19. Oktober 1994 endete die Quarzverladung, am 31. Dezember 1994 wurde die verbliebene Strecke stillgelegt.

Die Trasse wird heute in großen Teilen für den Brückenradweg Bayern-Böhmen genutzt, der Leupoldsdorf über Holenbrunn und weiter in Richtung Selb mit Aš in Tschechien verbindet.

Ein Wegweiser des Brückenradwegs, 2019.
Ein Wegweiser des Brückenradwegs, 2019. Foto: Bronstein, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Strecke nach Selb: Göpfersgrün

Selb hatte seit dem 25. Oktober 1894 einen Eisenbahnanschluss durch die Strecke Selb-Plößberg–Selb Stadt.

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen ergänzten 1914 die Strecke von Holenbrunn über Thiersheim nach Selb.

Am 1. Mai 1914 wurde die Lokalbahn eröffnet.

In Selb wurde dafür ein neuer Bahnhof Selb Stadt westlich der Altstadt eröffnet, der den alten Stadtbahnhof im Zentrum ersetzte.

Der erste Halt hinter Holenbrunn war der Haltepunkt Göpfersgrün bei Kilometer 2,93, dahinter folgte bei Kilometer 4,67 der Haltepunkt Johanneszeche.

Zu beiden ist darüber hinaus nichts belegt.

Thiersheim: Bahnhof bei Kilometer 8

Der Bahnhof Thiersheim lag bei Streckenkilometer 8,00.

Auf dem Abschnitt zwischen Wunsiedel-Holenbrunn und Thiersheim wurde der Güterverkehr am 5. März 1993 eingestellt.

Die Strecke Selb Stadt–Thiersheim wurde am 25. Februar 1993 offiziell stillgelegt.

Höchstädt-Thierstein: das frühere Bahnhofsgebäude

Höchstädt-Thierstein lag bei Kilometer 12,35.

Hier endete am 28. September 1986 der Güterverkehr zwischen Höchstädt-Thierstein und Thiersheim.

Der Abschnitt Selb Stadt–Höchstädt-Thierstein wurde am 28. Mai 1988 eingestellt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Höchstädt, 2013.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Höchstädt, 2013. Foto: Bahnhofbilder, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schwarzenhammer: Brücken und Bahnübergang

Der Bahnhof Schwarzenhammer lag bei Kilometer 15,79, dahinter folgte Unterweißenbach bei Kilometer 19,76.

Auf Fotos vom 17. September 1988 sind in Schwarzenhammer eine Bahnbrücke und ein Bahnübergang mit Haltesignal zu sehen.

Die Bahnbrücke in Schwarzenhammer, 17. September 1988.
Die Bahnbrücke in Schwarzenhammer, 17. September 1988. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnübergang mit Haltesignal in Schwarzenhammer, 17. September 1988.
Der Bahnübergang mit Haltesignal in Schwarzenhammer, 17. September 1988. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Bahnbrücke in Schwarzenhammer, Gemeinde Thierstein, 2018.
Die ehemalige Bahnbrücke in Schwarzenhammer, Gemeinde Thierstein, 2018. Foto: Flodur63, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Radweg der Selber Strecke

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Selb an die Strecke Schnabelwaid–Bayreuth angebunden.

Schon 1950 gab es eine erste durchlaufende Triebwagenverbindung zwischen Selb und Bayreuth über Marktredwitz.

Ab 1953 verkehrte ein Uerdinger Schienenbus der Baureihe VT 95 als Stadtschnellverkehrsschienenomnibus zwischen Selb und Schnabelwaid.

Solche Fahrzeuge fuhren bald auch als Nahverkehrszüge nach Hof und Pegnitz.

1976 wurde ein schnelllaufender Nahverkehrszug ab Hof eingeführt.

Am 28. September 1986 wurde der Personenverkehr eingestellt.

Das Reststück wurde am 1. Mai 1994 offiziell stillgelegt.

Heute verläuft auf fast der gesamten Strecke der Brückenradweg Bayern-Böhmen.

Eine ehemalige Bahnbrücke bei Hammergut in Selb, die heute der Brückenradweg nutzt, 2018.
Eine ehemalige Bahnbrücke bei Hammergut in Selb, die heute der Brückenradweg nutzt, 2018. Foto: Flodur63, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1877: Am 15. August wird der Abschnitt Oberkotzau–Holenbrunn eröffnet.

1878: Am 15. Mai gehen die Verlängerung bis Marktredwitz und der Abzweig nach Wunsiedel in Betrieb.

1913: Am 8. November wird die Strecke nach Leupoldsdorf eröffnet.

1914: Am 1. Mai wird die Lokalbahn nach Selb eröffnet.

1975: Am 28. September endet der Personenverkehr nach Leupoldsdorf.

1981: Das Bahnhofsgebäude in Leupoldsdorf wird abgebrochen.

1986: Am 28. September endet der Personenverkehr nach Selb.

1993: Am 25. September endet der Güterverkehr bis Leupoldsdorf.

1994: Am 1. Mai wird die Selber Strecke offiziell stillgelegt, am 31. Dezember folgt die Leupoldsdorfer Strecke.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Personenzug nach Leupoldsdorf?
Der Personenverkehr endete am 28. September 1975.
Wann endete der Personenverkehr nach Selb?
Am 28. September 1986.
Wann wurden die Strecken stillgelegt?
Die Selber Strecke wurde am 1. Mai 1994 offiziell stillgelegt, die Leupoldsdorfer Strecke am 31. Dezember 1994.
Kann man heute auf den Trassen fahren?
Ja, auf großen Teilen verläuft der Brückenradweg Bayern-Böhmen.
Wer war Rosa von Müller?
Angeblich ließ die Besitzerin des Hammerschlosses Leupoldsdorf den Bau der Strecke dorthin betreiben, bei der Eröffnung 1913 besaß sie das Schloss aber nicht mehr.

Wo einst Züge nach Leupoldsdorf und Selb fuhren, verbindet heute der Brückenradweg Bayern-Böhmen die Orte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Holenbrunn–Leupoldsdorf · Wikipedia: Bahnstrecke Holenbrunn–Selb Stadt · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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