Das Bechhöfer Boggala: die Bahn von Leutershausen nach Bechhofen
Von 1903 bis 1966 fuhr das Boggala von Leutershausen-Wiedersbach über Herrieden nach Bechhofen. Heute erinnern nur noch einzelne Bahnhofsgebäude an die Strecke, dazu gibt es zwei verlorene Halte an der noch befahrenen Windsbacher Bahn.

Lage: Neunstetten, Herrieden, Rauenzell, Arberg und Bechhofen westlich von Ansbach. Status: Die Strecke ist stillgelegt und abgebaut, Leutershausen-Wiedersbach bleibt aktiver Bahnhof. Heute: einzelne Bahnhofsgebäude, in Herrieden ein Denkmal.
Das Bechhöfer Boggala war eine Nebenbahn in Bayern, die in Leutershausen-Wiedersbach von der Hauptbahn Nürnberg–Crailsheim abzweigte und nach Bechhofen führte.
Sie war 22,7 Kilometer lang.
Leutershausen-Wiedersbach ist ein aktiver Bahnhof und gehört nicht zu den stillgelegten Halten.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind auf Wikimedia Commons nicht zu finden, deshalb zeigen die Bilder hier nur erhaltene Bahnhofsgebäude.
Am Ende dieses Beitrags steht ein eigener Abschnitt zur Windsbacher Bahn, die noch befahren wird.
Wie das Boggala entstand
1895 gründete sich in Herrieden ein Eisenbahnkomitee.
Es wollte die Gemeinden westlich von Ansbach und die in Bechhofen angesiedelte Pinselindustrie an das Eisenbahnnetz anschließen.
Ursprünglich sollte die Strecke von Ansbach über Elpersdorf oder über Elpersdorf und Neunstetten nach Herrieden und von dort nach Bechhofen führen.
Dagegen sprach der Höhenzug zwischen Ansbach und dem Altmühltal, den man technisch aufwendig hätte überwinden müssen.
Die Bayerische Staatsbahn warb deshalb für einen Abzweig in Leutershausen, und der wurde gebaut.
Der Gesetzentwurf ging am 22. September 1899 beim königlich-bayerischen Staatsministerium ein.
Es gab Verzögerungen, weil die Gemeinde Leutershausen einen direkten Anschluss an die neue Strecke wollte.
Das hätte die Strecke verlängert und durch zusätzliche Bauwerke verteuert.
Die Leutershausener Gemeinderäte nahmen ihren Antrag unter der Androhung zurück, den Bau platzen zu lassen.
Am 20. März 1900 passierte der Entwurf das Parlament.
Am 30. Juni 1900 unterzeichnete ihn Prinzregent Luitpold von Bayern.
Die Bauarbeiten begannen 1901, und am 16. Juni 1903 wurde die Strecke eröffnet.
So sah es vorher aus: vier Zugpaare nach Ansbach
Das Betriebsergebnis war von Beginn an defizitär.
Ideen zur Verlängerung der Strecke nach Dürrwangen aus dem Jahr 1903 oder nach Ehingen aus dem Jahr 1920 wurden damit hinfällig.
Im Sommerfahrplan 1939 waren täglich vier Personenzugpaare verzeichnet, die durchweg von und nach Ansbach durchgebunden waren.
Die Reisezeit von Leutershausen-Wiedersbach nach Bechhofen betrug zwischen 44 und 46 Minuten, das entspricht einer Reisegeschwindigkeit von ungefähr 30 km/h.
Zu Beginn setzten die Bahnen Dampflokomotiven der Baureihen D IX und D VII ein, die ab den 1930er Jahren durch die Baureihe 70 abgelöst wurden.
Nach dem Krieg übernahmen Schienenbusse der Baureihe VT 95 den größten Teil der Personenzüge.
Die verbliebenen lokbespannten Leistungen fuhren Diesellokomotiven der Baureihe V 100, im Güterverkehr zuletzt Lokomotiven der Baureihe V 60.
Die auf der Strecke eingesetzte Lokomotive 70 083 wurde 1963 ausgemustert.
Neunstetten
Neunstetten war ein Bahnhof bei Kilometer 5,2.
Auf dem Streckenabschnitt bis hierher wurden die Gleise 1970 und 1971 zuerst abgebaut.
Mehr zum Bahnhofsgebäude ist nicht belegt.
Herrieden
Herrieden war ein Bahnhof bei Kilometer 10,5, und hier hatte das Eisenbahnkomitee 1895 den Anstoß zur Strecke gegeben.
Im Kreisverkehr an der Münchner Straße und Hohenbergerstraße erinnert ein Denkmal an die Strecke Leutershausen–Wiedersbach–Bechhofen, die dort verlief.
Rauenzell
Rauenzell war ein Bahnhof bei Kilometer 13,5.
Das frühere Empfangsgebäude ist erhalten, der Personenverkehr lief dort von 1903 bis 1966.

Arberg
Arberg war ein Haltepunkt bei Kilometer 20,6, kurz vor dem Endpunkt.
Er wurde nur bis 1922 bedient, ebenso wie Rauenbuch und Sommersdorf.
Hinter dem Halt Großenried überquerte die Strecke die Altmühl auf einer Brücke von 24 Metern Länge.
Bechhofen
Bechhofen war der Endpunkt der Strecke bei Kilometer 22,7, ein Kopfbahnhof.
Fotos von 2013 zeigen das Stationsgebäude.

Niedergang und Ende
Nach 1945 fuhren Bahnbusse ohne den Umweg über Leutershausen direkt nach Ansbach, und die Auslastung der Züge sank.
Am 2. August 1963 beantragte die Deutsche Bundesbahn die Einstellung des Zugverkehrs, die zum 1. April 1968 bewilligt wurde.
Tatsächlich endete der Personenverkehr schon am 28. November 1966, der Güterverkehr folgte am 31. Mai 1970.
Die Gleise wurden zuerst bis Neunstetten abgebaut, 1970 und 1971, danach bis kurz vor die Einmündung in die Hauptbahn, 1972.
Auf dem verbliebenen Abstellgleis stellte die Bundesbahn über Jahre Güterwagen ab, die auf Ausbesserung warteten.
Ab 1983 zerstörte der Aufbau der Fahrleitungsmasten für die Elektrifizierung der Hauptstrecke Nürnberg–Crailsheim das letzte sichtbare Relikt der Trasse, die Elektrifizierung folgte 1985.
So sieht es jetzt aus
Heute erinnern nur noch die früheren Bahnhofsgebäude an die einstige Strecke.
Dazu kommt das Denkmal in Herrieden.
Die Windsbacher Bahn: zwei verlorene Halte an einer aktiven Strecke
Die Windsbacher Bahn von Wicklesgreuth nach Windsbach, im Volksmund Löhe-Express, ist anders als das Boggala nicht stillgelegt.
Sie wird heute als Regionalbahn befahren, und deshalb sind Wicklesgreuth, Petersaurach, Neuendettelsau und Windsbach hier nicht Thema.
Verloren gingen nur zwei Bedarfshalte.
Altendettelsau lag bei Kilometer 4,7 und wurde von 1900 bis 1922 bedient.
Wernsbach lag bei Kilometer 9,0 und wurde bis zum 24. September 1989 bedient.
Die technische Abnahme der Strecke war am 24. November 1894, am 1. Dezember 1894 begann der offizielle Betrieb.
Anfangs fuhren nur drei Zugpaare mit zweiter und dritter Klasse.
An allen Bahnhöfen gab es Güterabfertigungen und Ladegleise, in Neuendettelsau mit zwölf Weichen die größte Ausdehnung.
Seit dem 27. September 1987 gehört die Strecke als Regionalbahnlinie RB 91 zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg.
Damals und heute
Damals fuhr das Boggala vier Paare am Tag nach Ansbach, und die Fahrt nach Bechhofen dauerte um die 45 Minuten.
Heute fährt dort kein Zug mehr.
Die Geschichte in Daten
1895: In Herrieden gründet sich ein Eisenbahnkomitee.
22. September 1899: Der Gesetzentwurf geht beim Staatsministerium ein.
20. März 1900: Der Entwurf passiert das Parlament.
30. Juni 1900: Prinzregent Luitpold unterzeichnet das Gesetz.
1901: Die Bauarbeiten beginnen.
16. Juni 1903: Eröffnung der Strecke.
1922: Die Haltepunkte Rauenbuch, Sommersdorf und Arberg werden aufgegeben.
2. August 1963: Die Bundesbahn beantragt die Einstellung des Zugverkehrs.
28. November 1966: Ende des Personenverkehrs.
1. April 1968: Die beantragte Einstellung des Zugverkehrs wird bewilligt.
31. Mai 1970: Ende des Güterverkehrs.
1970 bis 1972: Abbau der Gleise.
1985: Elektrifizierung der Hauptstrecke Nürnberg–Crailsheim.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Warum zweigte die Strecke in Leutershausen ab?
Wie lang war die Strecke?
Was ist heute noch zu sehen?
Fährt die Windsbacher Bahn noch?
Wer heute durch Herrieden fährt, sieht am Kreisverkehr das Denkmal für die Bahn.
Wikipedia: Bahnstrecke Leutershausen-Wiedersbach–Bechhofen · Wikipedia: Bahnstrecke Wicklesgreuth–Windsbach · Komoot: Denkmal Bahnstrecke in Herrieden · Wikimedia Commons: Bahnhof Bechhofen
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