Hermann-Hesse-Bahn: Drei Halte, die beim Neustart fehlen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Hermann-Hesse-Bahn: Drei Halte, die beim Neustart fehlen

Seit dem 1. Februar 2026 fahren zwischen Weil der Stadt und Calw wieder Züge. Schafhausen, Calw Ost und der alte Bahnhof Calw gehören nicht zum neuen Betrieb.

Empfangsgebäude und Güterschuppen in Schafhausen im Februar 1973.
Empfangsgebäude und Güterschuppen in Schafhausen im Februar 1973. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1872
Eröffnung Weil der Stadt–Calw
1983
Personenverkehr endet
1988
Güterverkehr endet
2026
Personenverkehr wieder da

Lage: Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw. Status: Die Strecke ist seit 1. Februar 2026 wieder in Betrieb, Schafhausen, Calw Ost und der alte Bahnhof Calw nicht. Heute: Das Empfangsgebäude Schafhausen ist in Privatbesitz, im Empfangsgebäude Calw sind Geschäfte.

Seit dem 1. Februar 2026 fahren zwischen Weil der Stadt und Calw wieder Personenzüge.

Sie halten aber nicht an allen Stellen, an denen früher Reisende ein- und ausstiegen.

Drei Halte der Württembergischen Schwarzwaldbahn gehören nicht zum neuen Betrieb: Schafhausen, Calw Ost und der alte Bahnhof Calw.

Dieser Beitrag erzählt, was über diese drei Halte belegt ist.

Es geht nur um sie und nicht um die Strecke, denn die ist wieder in Betrieb.

Die Strecke: Eine Hauptbahn mit Schleifen

Der württembergische Landtag beschloss am 13. August 1865 den Bau der Schwarzwaldbahn von Zuffenhausen über Leonberg und Weil der Stadt nach Calw.

Carl Julius Abel leitete Planung und Bau.

Die Strecke wurde als Hauptbahn trassiert, also mit möglichst wenigen Bögen, großzügigen Radien, geringen Steigungen und wenigen Bahnübergängen.

Der letzte und aufwendigste Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Calw wurde am 20. Juni 1872 eröffnet.

Um den Hacksberg bei Schafhausen entstand dafür eine enge Kehre von 2,7 Kilometern Länge mit einem Radius von 335 Metern, die Hacksbergschleife.

Eine zweite Kehre von 3,1 Kilometern Länge liegt bei Hirsau und führt um den Welzberg herum.

Gebaut wurde die Strecke in erster Linie für den Güterverkehr, das Hauptfrachtgut war Holz.

Der aus Calw stammende Schriftsteller Hermann Hesse erwähnte die Strecke in mehreren Werken, darunter Unterm Rad (1904) und Schön ist die Jugend (1907).

Ab 1953 wurden auf dem Abschnitt Schienenbusse der Baureihe VT 98 eingesetzt.

Einige Jahre später übernahmen sie alle Reisezugleistungen.

Am 29. Mai 1983 stellte die Deutsche Bundesbahn den Reisezugverkehr zwischen Weil der Stadt und Calw ein.

Bahnbusse übernahmen die Personenbeförderung.

Nach einem Böschungsrutsch beim Forsttunnel am 29. Februar 1988 endete auch der Güterverkehr zwischen Weil der Stadt und Althengstett.

Zum 1. Januar 1994 übernahm der Landkreis Calw die Strecke.

Im Juni 2012 beschloss er die Reaktivierung unter dem Namen Hermann-Hesse-Bahn.

Die Trasse einschließlich der Bahnhöfe ist als Sachgesamtheit Württembergische Schwarzwaldbahn ein Kulturdenkmal.

Der reguläre Fahrgastbetrieb begann am 1. Februar 2026.

Schafhausen (Württ): Der große Halt an der Schleife

Bahnhof Schafhausen auf einer Aufnahme vom 1. August 1918.
Bahnhof Schafhausen auf einer Aufnahme vom 1. August 1918. Foto: Leutnant Steiner, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schafhausen lag bei Streckenkilometer 29,57 in einer Höhe von 435 Metern.

Der Ort erhielt 1872 mit der Schwarzwaldbahn Anschluss an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.

In den ersten fünf Jahren war Schafhausen der bedeutendste Zwischenbahnhof der Strecke.

Der Grund war, dass von dort aus Böblingen versorgt wurde.

Alle Bahnhöfe der Strecke waren für den Güterumschlag eingerichtet.

Schafhausen gehörte außerdem zu den Empfangsbahnhöfen mit eigenen Sammelbecken und Entladegleisen für Abtrittdünger.

Bis zur Fertigstellung der Stuttgarter Kanalisation in den 1950er Jahren wurden Fäkalien aus der Landeshauptstadt weit ins Umland befördert.

Die Bauern entlang der Strecke verteilten den Dünger auf den Feldern.

Güterschuppen mit Gleisanlagen, Ladegleis und Handweiche im März 1976.
Güterschuppen mit Gleisanlagen, Ladegleis und Handweiche im März 1976. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mit dem Ende des Personenverkehrs 1983 verlor Schafhausen seinen Halt.

Zuletzt war er ein Haltepunkt.

Als 1988 auch der Güterverkehr endete, war der Ort ohne Anbindung an das Schienennetz.

Der Güterschuppen in Schafhausen am 2. März 1989.
Der Güterschuppen in Schafhausen am 2. März 1989. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Abstellgleis mit Prellbock in Schafhausen am 2. März 1989.
Abstellgleis mit Prellbock in Schafhausen am 2. März 1989. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1988 entwarf der Stuttgarter Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl in einem Gutachten mehrere Trassenstudien für eine Stadtbahn zwischen Calw und Böblingen.

Sie wäre bei Schafhausen von der Schwarzwaldbahn abgezweigt.

Die Planungen wurden nicht weiterverfolgt.

Bei der Reaktivierung wurde die Hacksbergschleife abgeschnitten.

Der 498 Meter lange Tunnel Ostelsheim führt nun durch den Hacksberg.

Er ist Teil der 820 Meter langen Ostelsheimer Kurve, die die Strecke um 3.071 Meter verkürzt.

Der Spatenstich für das 16,6 Millionen Euro teure Tunnelbauprojekt war am 21. September 2020, der Durchstich wurde am 8. März 2022 gefeiert.

Dadurch stieg die größte Längsneigung des reaktivierten Abschnitts von 23 auf 40 Promille.

Die frühere Station Schafhausen konnte bei der Reaktivierung nicht berücksichtigt werden.

Die nächsten Bahnstationen liegen seither in Weil der Stadt und Ostelsheim.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude an der Althengstetter Straße ist in Privatbesitz.

Calw Ost: Ein Haltepunkt für wenige Jahre

Calw Ost war ein Haltepunkt bei Streckenkilometer 41,68, zwischen Althengstett und Calw.

Er bestand nur kurz.

Die Angaben zum Beginn gehen auseinander, genannt werden 1942 und 1944, als Ende wird 1945 genannt.

Mehr ist über Calw Ost nicht belegt.

Fast an derselben Stelle entstand 1974 der Haltepunkt Calw-Heumaden bei Kilometer 41,72.

Er bestand bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1983.

Calw-Heumaden gehört seit 2026 wieder zu den bedienten Stationen der Hermann-Hesse-Bahn.

Calw Ost dagegen ist nicht Teil des neuen Betriebs.

In Calw-Heumaden wurde 2020 eine Brücke über die Bundesstraße 295 fertiggestellt.

Sie war bereits 2004 genehmigt worden und heißt Hans-Ulrich-Bay-Brücke.

Der alte Bahnhof Calw: Endpunkt ohne Züge

Der alte Bahnhof Calw wurde am 20. Juni 1872 mit dem Streckenabschnitt eröffnet.

Gleichzeitig ging das Bahnbetriebswerk Calw in Betrieb, mit einem 47 Meter langen Lokomotivschuppen und einer 16-Meter-Drehscheibe.

Am 1. Juni 1874 folgte die Nagoldtalbahn von Brötzingen, der Bahnhof wurde zum Trennungsbahnhof.

Eine ausführliche Geschichte steht im Beitrag Der Bahnhof Calw und die neue Hermann-Hesse-Bahn.

Das frühere Ende der Schwarzwaldbahn am alten Bahnhof Calw, ein Stumpfgleis mit Prellbock auf dem Mittelbahnsteig (Aufnahme von 2008).
Das frühere Ende der Schwarzwaldbahn am alten Bahnhof Calw, ein Stumpfgleis mit Prellbock auf dem Mittelbahnsteig (Aufnahme von 2008). Foto: Cooldanielt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Bahnhof hatte vier Bahnsteiggleise und ein weiteres Gleis zur Umfahrung der Bahnsteige.

1953 wurde das Bahnbetriebswerk als selbständige Dienststelle aufgelöst, die Gebäude wurden 1973 abgebrochen.

Gleise, Fundamente und Reste der Drehscheibe blieben erhalten.

Bahnanlagen am alten Bahnhof Calw mit dem früheren Bahnbetriebswerk, Aufnahme von 2008.
Bahnanlagen am alten Bahnhof Calw mit dem früheren Bahnbetriebswerk, Aufnahme von 2008. Foto: Cooldanielt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am 28. Mai 1989 ging an der Nagoldtalbahn der neue Haltepunkt Calw neben dem zentralen Omnibusbahnhof in Betrieb.

Die Reisezughalte im alten Bahnhof entfielen.

Später endete dort auch der Güterverkehr, zuletzt war er eine Ausweichanschlussstelle mit dem Namen Calw Süd.

Im Gelände des alten Bahnhofs Calw zweigt nach rechts das Streckengleis der Schwarzwaldbahn Richtung Stuttgart ab (Aufnahme von 2008).
Im Gelände des alten Bahnhofs Calw zweigt nach rechts das Streckengleis der Schwarzwaldbahn Richtung Stuttgart ab (Aufnahme von 2008). Foto: Cooldanielt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das 66 Meter lange Empfangsgebäude an der Bahnhofstraße 65 besteht aus rotem Sandstein und steht unter Denkmalschutz.

Heute sind dort verschiedene Geschäfte untergebracht.

Auch die beiden mechanischen Stellwerke stehen unter Denkmalschutz.

Das Stellwerk 1 erhält der Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw als Museumsstellwerk.

Das Stellwerk 2 wurde im Februar 2025 als einsturzgefährdet festgestellt und im Mai 2025 mit einem Kran auf einen Parkplatz neben der Strecke versetzt.

Die Rampe der Schwarzwaldbahn hinter dem alten Bahnhof Calw, links das Gleis der Nagoldtalbahn (Aufnahme von 2008).
Die Rampe der Schwarzwaldbahn hinter dem alten Bahnhof Calw, links das Gleis der Nagoldtalbahn (Aufnahme von 2008). Foto: Cooldanielt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der neue Endbahnhof Calw HHB entstand einige Meter oberhalb der Nagoldtalbahn und ging am 1. Februar 2026 in Betrieb.

Die etwa einen Kilometer lange Strecke bis zum alten Bahnhof wurde nicht reaktiviert.

Die Bahnsteige des alten Bahnhofs sind laut Stand 2024 durch einen Zaun nicht mehr zugänglich.

So sieht es jetzt aus

Auf der Strecke fährt die Regionalbahn-Linie RB 76 und bedient sechs Stationen: Renningen, Weil der Stadt, Ostelsheim, Althengstett, Calw-Heumaden und Calw HHB.

Schafhausen bleibt ohne eigene Station, das Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz.

In Calw dient das alte Empfangsgebäude Geschäften, und der Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw hatte dort laut Stand 2024 Fahrzeuge abgestellt.

Die Geschichte in Daten

13. August 1865: Der württembergische Landtag beschließt den Bau der Schwarzwaldbahn.

20. Juni 1872: Der Abschnitt Weil der Stadt–Calw wird eröffnet.

1. Juni 1874: Die Nagoldtalbahn von Brötzingen nach Calw geht in Betrieb.

1942 oder 1944 bis 1945: Der Haltepunkt Calw Ost besteht.

1974: Der Haltepunkt Calw-Heumaden entsteht.

29. Mai 1983: Der Reisezugverkehr zwischen Weil der Stadt und Calw endet.

29. Februar 1988: Nach einem Böschungsrutsch endet der Güterverkehr zwischen Weil der Stadt und Althengstett.

28. Mai 1989: Der neue Haltepunkt Calw nimmt den Betrieb auf.

1. Januar 1994: Der Landkreis Calw übernimmt die Strecke.

8. März 2022: Durchstich des Tunnels Ostelsheim.

1. Februar 2026: Der Fahrgastbetrieb beginnt wieder.

Häufige Fragen

Fährt auf der Strecke wieder ein Zug?
Ja, seit dem 1. Februar 2026 fährt die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Weil der Stadt und Calw.
Warum hält die Bahn nicht in Schafhausen?
Die Hacksbergschleife wurde durch den Tunnel Ostelsheim abgeschnitten, und die frühere Station Schafhausen konnte dabei nicht berücksichtigt werden.
Wie lange gab es den Haltepunkt Calw Ost?
Nur kurz: Genannt wird ein Bestehen von 1942 oder 1944 bis 1945.
Was ist aus dem alten Bahnhof Calw geworden?
Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt Geschäfte, und der Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw nutzt Teile der Anlagen.
Kann man das Schafhausener Bahnhofsgebäude besichtigen?
Das Gebäude ist in Privatbesitz.

Drei Halte blieben beim Neustart 2026 zurück.

Am meisten belegt ist über den alten Bahnhof Calw, über Calw Ost nur wenig.

Quellen und Bildrechte

Schwarzwaldbahn (Württemberg), Wikipedia · Bahnhof Calw, Wikipedia · Schafhausen (Weil der Stadt), Wikipedia · Stationen, Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw · Weil der Stadt–Calw, Vergessene Bahnen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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