Drei verschwundene Bahnhöfe in Hannover: Messebahnhof, Lokalbahnhof und Herrenhausen
In Hannover gab es einen Messebahnhof mit zwölf Gleisen, einen Lokalbahnhof, dessen Gebäude nach Westfalen zog, und einen Haltepunkt in Herrenhausen. Alle drei sind für den Personenverkehr Geschichte.

Lage: Hannover, Messebahnhof in Alt-Laatzen, Lokalbahnhof in der Südstadt, Herrenhausen an der Strecke nach Celle. Status: Alle drei ohne Personenverkehr, die Strecken bestehen. Heute: Der Messebahnhof wurde 1998 abgebrochen, am Südbahnhof liegen noch alte Gleise.
Hannover hat drei Bahnhöfe verloren, die jeweils ihre eigene Geschichte haben.
Der Messebahnhof war ein Kopfbahnhof direkt am Messegelände und wurde nur zu Großveranstaltungen bedient.
Der Lokalbahnhof war von 1872 bis 1880 der Personenbahnhof der Hannover-Altenbekener Eisenbahn, danach wurde sein Gebäude abgebaut und in Westfalen wieder aufgebaut.
In Herrenhausen gab es einen Haltepunkt an der Strecke nach Celle, der für die S-Bahn aufgegeben wurde.
Die Strecken selbst bestehen weiter, nur diese Halte sind ohne Personenverkehr.
Freie Fotos gibt es vor allem vom Messebahnhof aus den Jahren 1989 und 1997 und von den Spuren des Südbahnhofs, vom Lokalbahnhof und von Herrenhausen sind keine alten freien Fotos vorhanden.
Der Lokalbahnhof: von 1872 bis 1880
Hannover Lokalbahnhof war von 1872 bis 1880 der Name des Endbahnhofs, den die Hannover-Altenbekener Eisenbahn für den Personenverkehr in Hannover errichtete.
Er lag in der heutigen Südstadt westlich der Hannoverschen Südbahn und südöstlich der Großen Düwelstraße.
Für den Güterverkehr gab es zunächst eine Verbindungskurve zum heutigen Betriebsbahnhof Pferdeturm.
Deshalb stand das Empfangsgebäude nicht am Ende der Gleise, sondern östlich von ihnen.
Im Volksmund hieß der Bahnhof Südbahnhof.
Der Umzug in den Hauptbahnhof und das Gebäude in Halle
Im Zuge der Hochlegung der Bahnanlagen in Hannover handelten die Preußische Staatsbahn und die Hannover-Altenbekener Eisenbahn die Einführung der Altenbekener Strecke in den Hauptbahnhof aus.
Der Personenverkehr nach Altenbeken und nach Haste auf der Deisterbahn lief deshalb ab 1880 in die Gleise 1 und 2 des hochgelegten Hauptbahnhofs.
Die Strecke senkte sich südlich der Überführung über die heutige Straße Am Südbahnhof auf die bestehende Trasse ab, und ihr Verlauf ist an den Straßen An der Weide und Heinrich-Heine-Straße noch erkennbar.
Der Lokalbahnhof wurde im Bereich An der Weide und Jordanstraße mit einer Abzweigstelle an die neue Strecke angebunden.
Für den Personenverkehr wurde er nicht mehr benötigt und hieß nun Güterbahnhof Hannover-Süd.
Das Empfangsgebäude wurde abgebaut, in seine Fachwerke zerlegt und in Halle in Westfalen als Empfangsgebäude wieder aufgebaut.
Dort war es noch bis 1962 im Einsatz.
Vom Güterbahnhof zum Gewerbegebiet
Zwischen 1906 und 1912 bauten die Preußischen Staatsbahnen die Güterumgehungsbahn zur Entlastung des Hauptbahnhofs.
Die Südbahn und die Altenbekener Strecke wurden dazu zweigleisig in Hochlage bis zur heutigen Wolfstraße geführt, und der Haltepunkt Hannover Bismarckstraße wurde neu gebaut.
Der Güterbahnhof Hannover-Süd war in den folgenden Jahrzehnten für die Versorgung Hannovers und die Abfuhr von Industrieprodukten bedeutend.
Mehrere Unternehmen hatten Industrieanschlüsse, darunter die Kertess Chemie.
Bei der Elektrifizierung der Bahnstrecken um Hannover ab 1963 wurde der Bahnhof nicht einbezogen.
Er diente auch zur Abstellung ausgemusterter Dampfloks, die ausgeschlachtet und verschrottet wurden.
Vermutlich zwischen 1967 und 1969 wurde der Südbahnhof vom Bahnhof zu Gleisanschlüssen herabgestuft.
Im November 1976 wurde Hannover Bismarckstraße zum Bahnhofsteil des Hauptbahnhofs.
Mit der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks Hannover Hbf am 26. November 1996 wurde der Südbahnhof noch in dieses einbezogen, um einzelne Anschließer weiter zu bedienen.
Das Gelände wurde nach und nach bis zum südlichen Sperrsignal entwidmet und ist inzwischen vorrangig mit Gewerbebetrieben überbaut.


Der Messebahnhof: gebaut für die Hannover-Messe
Hannover Messebahnhof hieß zuvor Hannover Messegelände und lag in unmittelbarer Nähe zum Messegelände.
Er wurde nur zu Großveranstaltungen wie der Hannover-Messe bedient.
Bis zur Gebietsreform 1974 lag er im Stadtteil Alt-Laatzen der Stadt Laatzen und gehörte seitdem zu Hannover.
Der Bahnhof stand im Eigentum der Deutschen Messe AG, und der Deutschen Bundesbahn war nur die Betriebsführung übertragen.
Deshalb war er bis 1993 der größte Kopfbahnhof Europas eines Unternehmens in privater Rechtsform.
Ein Anschlussgleis führte zu einem Werk der Vereinigten Leichtmetallwerke in Laatzen, das um 1937 entstanden war und über den Bahnhof Hannover-Wülfel erreichbar war.
Die britische Besatzungsmacht rief 1947 eine Exportmesse ins Leben, für die diese Hallen genutzt wurden, und das Anschlussgleis diente dem Transport von Messegütern.
Ab 2. Mai 1950 bestand eine direkte Straßenbahnverbindung vom Hauptbahnhof zum Messegelände.
Zur Hannover-Messe 1953 wurde der Bahnhof errichtet, weil nicht alle Besucher in Hannover übernachten konnten.
Viele Gäste wohnten in weiter entfernten, von Kriegsschäden nicht betroffenen Kurorten wie Bad Pyrmont, Bad Harzburg und Eilsen.
Aus diesen Orten sollte die Deutsche Bundesbahn eine umsteigefreie Direktverbindung zum Messegelände anbieten und so den Hauptbahnhof entlasten.
Die Deutsche Messe AG ließ dafür einen kleinen Kopfbahnhof mit zunächst drei Gleisen bauen.
Die Gleise zweigten nordöstlich der heutigen Karlsruher Straße vom Anschlussgleis zu den Messehallen ab und endeten vor der heutigen Europaallee.
Betrieblich war der Bahnhof zunächst ein Anschlussgleis des Bahnhofs Hannover-Wülfel.
Der Ausbau bis zum Rekordbahnhof
Mit dem Fernschnelltriebwagennetz ab 1957 sah die Deutsche Bundesbahn Chancen, Fernzüge direkt auf das Messegelände zu führen.
1961 ging ein mechanisches Stellwerk in Betrieb, das zunächst im aufgeständerten Wagenkasten eines Behelfspersonenwagens aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht war.
Der Bahnhof wurde zunächst auf acht Gleise vergrößert, damit er die kurz nacheinander eintreffenden und abfahrenden Züge aufnehmen konnte.
Die vier Bahnsteige hatten 1962 Höhen von 38 und 25 Zentimetern und Nutzlängen von 140 bis 250 Metern.
Für Züge, die lange standen, gab es an den Gleisen Elektranten, Wasseranschlüsse und Abwassereinläufe.
Ab dem 19. März 1971 war der Bahnhof elektrifiziert, rechtzeitig vor der Hannover-Messe 1971.
Neben der Karlsruher Straße lag eine Start- und Landebahn für Kleinflugzeuge, die wegen der Oberleitung aufgegeben werden musste, an ihre Stelle traten Hubschrauber-Zubringerdienste zum Flughafen.
1984 hatte der Messebahnhof zehn Gleise an fünf Bahnsteigen und wurde im Guinnessbuch der Rekorde als größter Messebahnhof ausgewiesen.

Weil der Besucherstrom wuchs und die CeBIT 1984 aus der Hannover-Messe ausgegliedert wurde, kam bis zur Eröffnung der CeBIT am 6. März 1988 noch ein Bahnsteig hinzu.
Damit erreichte der Messebahnhof mit zwölf Gleisen seine größte Ausdehnung.
Zugleich entstand ein kleines Empfangsgebäude, das eher ein Wetterschutz an der Nordseite des Querbahnsteigs war.
Das Stellwerk wurde durch eine Containerkonstruktion ersetzt.
Danach trugen die Bahnhofsschilder die Aufschrift Hannover Messe, während die Deutsche Bundesbahn ihn weiter als Hannover Messebahnhof führte.


Messezüge, Hotelzüge und das Ende
Die Bedienung lief als Rangierfahrten ab, weil Zugfahrten erst nach einem Halt in Rangierfahrten übergehen dürfen.
Ankommende Züge mussten deshalb in den Gütergleisen des Bahnhofs Hannover-Wülfel kurz anhalten.
Bis zur Einführung der Intercity-Züge mit beiden Wagenklassen 1979 führten die Messezüge aus entfernteren Städten regelmäßig nur die erste Klasse.
Zu den Messen wurden zwei Gleise für die dauernde Aufstellung von Hotelzügen aus Speise- und Schlafwagen benötigt.
Der Schweizer Reiseveranstalter Kuoni bot für die gesamte Messezeit einen Rundum-Service mit Anreise, Übernachtung und Abreise in einem Hotelzug an.
Auch Sonderzüge für DDR-Flüchtlinge, die ihr Land 1989 über Ungarn verlassen hatten, sind belegt.
Zu den Messen 1997 wurde der Bahnhof letztmals angefahren.
Das Stellwerk wurde am 4. August 1998 außer Betrieb genommen, und 1998 wurde der Bahnhof östlich der Karlsruher Straße abgebrochen.
Danach wurde das Gelände mit Parkplätzen überbaut.
Den alten Messebahnhof ersetzt seit der Weltausstellung Expo 2000 der Bahnhof Hannover Messe/Laatzen in Alt-Laatzen.


Herrenhausen: ein Haltepunkt für die S-Bahn aufgegeben
Der Haltepunkt Hannover-Herrenhausen lag bei Kilometer 4,6 der Bahnstrecke Hannover–Celle.
Für die Expo 2000 wurden zwischen dem Hauptbahnhof und Langenhagen, heute Pferdemarkt, zwei neue S-Bahn-Gleise gebaut.
Der Haltepunkt wurde aufgegeben und am 10. November 1997 durch den S-Bahn-Haltepunkt Hannover-Ledeburg ersetzt.
Weitere Angaben zu Gebäuden und Gleisen von Herrenhausen sind nicht belegt.
So sieht es jetzt aus
Vom Messebahnhof sind nach dem Abbruch von 1998 und der Überbauung mit Parkplätzen keine Anlagen belegt, erhalten sind aber Spuren der Anschlussstrecke wie der ehemalige Bahnübergang an der Ulmer Straße.
Im Bereich des Südbahnhofs liegen noch alte Gleise, die als frühere Ladegleise des Südbahnhofs beschrieben sind.
Das Gelände des Südbahnhofs ist inzwischen vorrangig mit Gewerbebetrieben überbaut.
Von Herrenhausen ist zum heutigen Zustand nichts belegt.
1872: Der Lokalbahnhof wird als Endbahnhof der Hannover-Altenbekener Eisenbahn gebaut.
1880: Die Altenbekener Strecke wird in den Hauptbahnhof eingeführt, der Lokalbahnhof wird Güterbahnhof.
1906: Die Preußischen Staatsbahnen beginnen den Bau der Güterumgehungsbahn.
1947: Die erste Exportmesse nutzt die Hallen der Leichtmetallwerke in Laatzen.
1950: Am 2. Mai fährt eine direkte Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Messegelände.
1953: Der Messebahnhof wird zur Hannover-Messe errichtet.
1957: Das Fernschnelltriebwagennetz beginnt.
1961: Ein mechanisches Stellwerk geht im Messebahnhof in Betrieb.
1962: Das Empfangsgebäude des Lokalbahnhofs in Halle steht noch im Einsatz.
1971: Am 19. März wird der Messebahnhof elektrifiziert.
1984: Der Messebahnhof hat zehn Gleise und wird als größter Messebahnhof im Guinnessbuch geführt.
1988: Mit einem weiteren Bahnsteig hat der Messebahnhof zwölf Gleise.
1996: Am 26. November geht das elektronische Stellwerk Hannover Hbf in Betrieb, das den Südbahnhof einbezieht.
1997: Der Messebahnhof wird letztmals bedient, und am 10. November ersetzt Ledeburg den Haltepunkt Herrenhausen.
1998: Das Stellwerk des Messebahnhofs wird am 4. August außer Betrieb genommen, der Bahnhof wird abgebrochen.
2000: Der Bahnhof Hannover Messe/Laatzen ersetzt den alten Messebahnhof.
Häufige Fragen
Wann fuhren Züge zum Messebahnhof?
Wie groß war der Messebahnhof?
Was geschah mit dem Gebäude des Lokalbahnhofs?
Gibt es den Südbahnhof noch?
Was ersetzt den Haltepunkt Herrenhausen?
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