Bodenfelder Bahn: Die aufgelassenen Halte zwischen Göttingen und Bodenfelde

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Bodenfelder Bahn: Die aufgelassenen Halte zwischen Göttingen und Bodenfelde

Die Bodenfelder Bahn fährt bis heute, doch vier ihrer Halte sind aufgegeben: Weende, Emmenhausen, Eberhausen und Verliehausen. Dieser Beitrag zeichnet nach, was von ihnen belegt ist.

Der ehemalige Haltepunkt Emmenhausen.
Der ehemalige Haltepunkt Emmenhausen. Foto: Simon-Martin, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1910
Eröffnung der Strecke
1973
Eberhausen geschlossen
1976
Weende geschlossen
1988
Emmenhausen und Verliehausen aufgegeben

Lage: Strecke Göttingen-Bodenfelde in Südniedersachsen. Status: Die Strecke ist in Betrieb, die vier Halte sind aufgegeben. Heute: Für Verliehausen wird seit Jahren ein neuer Haltepunkt diskutiert.

Die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde, in Göttingen auch Bodenfelder Bahn genannt, ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn in Normalspur.

Sie ist in Betrieb und Thema dieses Beitrags sind nur vier Halte, die aufgegeben wurden: Weende, Emmenhausen, Eberhausen und Verliehausen.

Zu den Halten selbst sind nur wenige Einzelheiten belegt, bei Verliehausen ist die Lage besser.

Alte freie Fotos der vier Halte stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen deshalb den heutigen Zustand.

Wie die Strecke entstand

Schon in den 1860er Jahren wurde eine Verbindung zwischen Göttingen und der Carlsbahn bei Bad Karlshafen über Adelebsen diskutiert.

Vor allem Adelebsen forderte sie, weil dort schon damals wichtige Steinbrüche lagen.

Danach folgten drei Jahrzehnte Forderungen und Diskussionen.

Am 25. Juni 1904 beschloss der preußische Landtag ein Paket von Neben- und Kleinbahnen, darunter eine von Göttingen nach Bodenfelde.

Ab 1906 wurde die Trasse vermessen, im Frühjahr 1908 begann der Bau.

Ein Hochwasser der Leine unterbrach ihn kurz, das Gelände galt sonst als unproblematisch.

Mit einer größten Neigung von 1:109 ist die Strecke flacher als die benachbarte Sollingbahn.

Am 15. August 1910 wurde die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde eröffnet.

So sah es vorher aus: eine der einträglichsten Nebenbahnen

In den 1920er Jahren zählte die Nebenbahn zu den rentabelsten im Reich.

In Adelebsen wurden täglich 2.000 Tonnen Basalt aus drei Steinbrüchen verladen.

Zwischen 1926 und 1928 wurden die Bahnhöfe Lenglern, Adelebsen und Verliehausen ausgebaut.

1910 verkehrten fünf Personenzugpaare mit einer Reisezeit von 82 Minuten, 1937 waren es zehn Zugpaare.

Seit den 1950er Jahren fuhren zwischen 13 und 16 Zugpaare, darunter Eilzüge, die nur in Adelebsen hielten.

Weende

Begegnung eines Intercity mit einem ICE bei Weende, südlich der Brücke der Bodenfelder Bahn.
Begegnung eines Intercity mit einem ICE bei Weende, südlich der Brücke der Bodenfelder Bahn. Foto: Waldamsel, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Haltepunkt Weende lag etwa drei Kilometer nördlich des Bahnhofs Göttingen an der Stelle, an der die Strecke von der Hannöverschen Südbahn abzweigt.

Er war bis 1976 in Betrieb.

Bis zum Bau der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg hatte die Bodenfelder Bahn ein eigenes Gleis bis in den Göttinger Personenbahnhof.

Für die Schnellfahrstrecke wurde diese Einführung abgebaut.

Der Verkehr der Nebenbahn lief zunächst ab Weende provisorisch über die Neubaustrecke.

Danach entstand auf dem ehemaligen Bahndamm eine Brücke über die Schnellfahrstrecke und die später gebaute B 3.

Die Züge werden seither im Bereich des ehemaligen Haltepunktes Weende in die Nord-Süd-Strecke eingefädelt.

Die Strecke überquert die Leine in der Gemarkung Weende auf einer Brücke.

Brücke der Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde über die Leine in der Gemarkung Weende.
Brücke der Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde über die Leine in der Gemarkung Weende. Foto: Jan Stubenitzky ( Dehio ), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Emmenhausen

Der Haltepunkt Emmenhausen lag bei Kilometer 11,2 der Strecke zwischen Lenglern und Lödingsen.

Der Ort gehört zu Bovenden im Landkreis Göttingen.

Der Haltepunkt blieb bis 1988 in Betrieb.

Zwischen Emmenhausen und Offensen verläuft die Strecke im Naturpark Münden.

Die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde passiert Emmenhausen.
Die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde passiert Emmenhausen. Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ein Foto zeigt den ehemaligen Haltepunkt 32 Jahre nach der Schließung.

Außerdem führt in Emmenhausen ein Bahnübergang über die Strecke.

Weitere Einzelheiten zu diesem Halt sind nicht belegt.

Der Bahnübergang in Emmenhausen über die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde.
Der Bahnübergang in Emmenhausen über die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde. Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnübergang in Emmenhausen und der Ort.
Der Bahnübergang in Emmenhausen und der Ort. Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eberhausen

Der Haltepunkt Eberhausen lag bei Kilometer 20,7 zwischen Adelebsen und Offensen.

Er bestand von 1929 bis 1973.

Damit war er der erste der vier Halte, der aufgegeben wurde.

Weitere Einzelheiten zu diesem Halt sind nicht belegt.

Verliehausen

Der Güterschuppen am ehemaligen Bahnhof Verliehausen.
Der Güterschuppen am ehemaligen Bahnhof Verliehausen. Foto: Dehio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Verliehausen war ein Durchgangsbahnhof bei Kilometer 28,2 und wurde 1910 mit der Strecke eröffnet.

Zwischen 1926 und 1928 wurde der Bahnhof ausgebaut.

Der Güterschuppen des Empfangsgebäudes an der Weserstraße 39 steht unter Denkmalschutz, ebenso die westlich des Bahnhofs gelegene Eisenbahnbrücke.

Der Personenverkehr wurde 1988 eingestellt.

Andere Angaben nennen den Sommerfahrplan 1989 als Zeitpunkt der Schließung.

Die Strecke ist in Betrieb, der Halt wird aber nicht mehr bedient.

Eine Wiedereröffnung als Haltepunkt ist seit mindestens 2006 im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Northeim vorgesehen.

Anfang April 2014 brachte die CDU-Fraktion im Uslarer Stadtrat einen neuen Haltepunkt ins Gespräch.

Im März 2019 wurde eine Machbarkeitsstudie öffentlich, nach der ein neuer Bahnhalt möglich sei.

Ein Vertreter der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen sah im Mai 2022 zu wenig zusätzliches Fahrgastpotenzial.

In der Stationsoffensive der DB Station & Service erhielt die Reaktivierung dagegen ein positives Ergebnis und soll mittel- bis langfristig angestrebt werden.

Im März 2026 beschloss der Ortsrat, den Plan für einen neuen Haltepunkt aufzugeben.

Niedergang und Ende der Halte

Seit Mitte der 1960er Jahre ging der Personenverkehr zurück.

1973 wurde der Haltepunkt Eberhausen geschlossen, 1976 folgte Weende.

1988 wurden Lenglern, Emmenhausen und Verliehausen aufgegeben.

Lenglern wurde im Dezember 2005 nach andauerndem Druck auf Bahn und Landesnahverkehrsgesellschaft wieder eröffnet.

Die Bundesbahn schwankte mehrfach zwischen mittelfristiger Stilllegung und Ausbau der Strecke für den Fernverkehr zwischen Ruhrgebiet und Göttingen.

Bis heute wurde keines von beidem umgesetzt.

So sieht es jetzt aus

Die Bodenfelder Bahn wird seit dem 15. Dezember 2013 von der NordWestBahn betrieben.

Die vier hier beschriebenen Halte werden nicht mehr bedient.

Für Verliehausen besteht seit den 2010er Jahren eine örtliche Initiative für einen Haltepunkt auf Höhe des alten Bahnhofs.

Mehr als diese Angaben sind zu den heutigen Resten der Halte nicht belegt.

Vorher und nachher

Weende: früher Haltepunkt am Abzweig, heute Einfädelung in die Nord-Süd-Strecke.

Emmenhausen: früher Haltepunkt, heute ein Bahnübergang im Ort.

Verliehausen: früher Durchgangsbahnhof, heute nur noch ein denkmalgeschützter Güterschuppen und eine Brücke als Zeugen.

Die Geschichte in Daten

25. Juni 1904: Der preußische Landtag beschließt ein Paket von Nebenbahnen, darunter Göttingen-Bodenfelde.

Frühjahr 1908: Der Bau beginnt.

15. August 1910: Die Strecke wird eröffnet.

1926 bis 1928: Die Bahnhöfe Lenglern, Adelebsen und Verliehausen werden ausgebaut.

1929: Der Haltepunkt Eberhausen entsteht.

1973: Eberhausen wird geschlossen.

1976: Weende wird geschlossen.

1988: Emmenhausen und Verliehausen werden aufgegeben.

2006: Die Wiedereröffnung von Verliehausen steht mindestens seit diesem Jahr im Raumordnungsprogramm.

März 2019: Eine Machbarkeitsstudie für einen neuen Bahnhalt in Verliehausen wird öffentlich.

Mai 2022: Die Landesnahverkehrsgesellschaft sieht zu wenig Fahrgastpotenzial.

März 2026: Der Ortsrat Verliehausen gibt den Plan für einen neuen Haltepunkt auf.

Häufige Fragen

Ist die Bodenfelder Bahn stillgelegt?
Nein, die Strecke ist in Betrieb. Aufgegeben sind nur einzelne Halte.
Wann wurden die Halte aufgegeben?
Eberhausen 1973, Weende 1976, Emmenhausen und Verliehausen 1988.
Was ist vom Bahnhof Verliehausen geschützt?
Der Güterschuppen des Empfangsgebäudes und die westlich gelegene Eisenbahnbrücke stehen unter Denkmalschutz.
Wird Verliehausen wieder angebunden?
Eine Wiedereröffnung ist seit 2006 im Raumordnungsprogramm vorgesehen, im März 2026 beschloss der Ortsrat jedoch, den Plan aufzugeben.
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Am 15. August 1910.

Die vier Halte der Bodenfelder Bahn sind aufgegeben, die Strecke daneben fährt weiter.

Von Verliehausen sind mit Güterschuppen und Brücke die meisten Reste belegt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde · Wikipedia (englisch): Göttingen-Bodenfelde railway · Wikipedia: Verliehausen · PRO BAHN Niedersachsen: Reaktivierung des Bahnhalts Verliehausen · LOK Report: Bahnlinie Lebenslinie

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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