Die obere Gailtalbahn: Elf Halte nach dem letzten Zug von 2016

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die obere Gailtalbahn: Elf Halte nach dem letzten Zug von 2016

Am 10. Dezember 2016 fuhr der letzte planmäßige Personenzug von Kötschach-Mauthen nach Hermagor. Elf Halte der oberen Gailtalbahn blieben ohne Reisezüge zurück, die Strecke selbst blieb erhalten.

VORHER · 1991

Eine Diesellok der Reihe 2043 mit ihrem Zug in Kötschach-Mauthen.

Eine Diesellok der Reihe 2043 mit ihrem Zug in Kötschach-Mauthen. Foto: Phil Richards, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2025

Der Bahnhof Kötschach-Mauthen, Aufnahme von 2025.

Der Bahnhof Kötschach-Mauthen, Aufnahme von 2025. Foto: Naturpuur, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1894
Eröffnung bis Hermagor
1918
Betrieb bis Kötschach-Mauthen
2016
Ende des Personenverkehrs
2022
Rundholz-Probezug

Lage: Abschnitt Hermagor–Kötschach-Mauthen der Gailtalbahn im Gailtal, Kärnten. Status: Personenverkehr seit dem 11. Dezember 2016 eingestellt, Strecke als Anschlussbahn erhalten. Heute: Fahrten mit der Gailtal-Draisine zwischen Kötschach-Mauthen und Jenig.

Am 10. Dezember 2016 fuhr der letzte planmäßige Personenzug der Gailtalbahn von Kötschach-Mauthen nach Hermagor.

Elf Halte lagen auf diesem Abschnitt, vom Kopfbahnhof Kötschach-Mauthen bis zur Haltestelle Postran.

Die Strecke wurde nicht abgetragen, sondern in eine Anschlussbahn umgewandelt.

Der Abschnitt von Arnoldstein bis Hermagor gehört nicht dazu, denn dort fahren weiterhin Personenzüge, seit Dezember 2019 elektrisch.

Dieser Beitrag behandelt nur die Halte der oberen Gailtalbahn.

Freie Fotos der einzelnen Halte sind selten, deshalb zeigt der Beitrag vor allem den Bahnhof Kötschach-Mauthen und die Haltestelle Gundersheim.

Entstehung: von Arnoldstein nach Hermagor

Die Gailtalbahn geht auf die Initiative des Arnoldsteiner Fabrikanten Felix von Mottony zurück.

Die Konzession wurde am 11. Juni 1893 erteilt.

Das Gesamtkapital belief sich auf 800.000 Gulden, davon übernahm das Land Kärnten 1.000 Stück der Prioritätsaktien.

Beim Bau traten keine nennenswerten Probleme auf.

Am 11. August 1894 wurde der Abschnitt von Arnoldstein bis Hermagor eröffnet.

Im ersten Zug fuhren 310 Personen mit.

Die 60 Meter lange Brücke über die Gail war das größte Bauwerk der Strecke.

Die Heeresbahn nach Kötschach-Mauthen

Im Ersten Weltkrieg spielte die Gailtalbahn eine wichtige Rolle beim Nachschub zum Plöckenpass in den Karnischen Alpen.

Deshalb wurde sie in dieser Zeit verlängert.

Am 13. Dezember 1915 nahm die k.u.k. Heeresbahn Hermagor–Kötschach-Mauthen den Betrieb auf.

Gebaut wurde sie vorwiegend von rund 6.000 Kriegsgefangenen.

Durch Kriegseinwirkung war die Heeresbahn zwischenzeitlich unbefahrbar geworden.

Nach Kriegsende wurde der Abschnitt in eine reguläre Bahnstrecke umgebaut.

Die Bahnstrecke Hermagor–Dellach bei der Straßenbrücke über die Gail, aufgenommen 1916.
Die Bahnstrecke Hermagor–Dellach bei der Straßenbrücke über die Gail, aufgenommen 1916. Foto: K.u.k. Kriegspressequartier, Lichtbildstelle – Wien, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Am 1. Februar 1918 wurde der Güterverkehr bis Dellach und der Personenverkehr bis Kötschach-Mauthen eröffnet.

Ab dem 1. Juni 1918 war die gesamte Strecke bis Kötschach-Mauthen für den Gesamtverkehr freigegeben.

So sah es vorher aus: der Betrieb bis 2016

1993 erhielt die Gailtalbahn einen Zugleitbetrieb, Zugleitbahnhof war Hermagor.

Unter Einheimischen trug die Bahn den Spitznamen „Sasaka-Express“.

Vom 26. Juli 2007 bis zum 6. Mai 2019 fuhren auf der Gailtalbahn zumeist Fahrzeuge der Reihe 5022.

Einzelne Kurse wurden mit CityShuttle-Wendezügen und Diesellokomotiven der Reihe 2016 geführt.

Der Bahnhof Kötschach-Mauthen im Mai 2016.
Der Bahnhof Kötschach-Mauthen im Mai 2016. Foto: Manfred Kopka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und letzte Fahrt

Zwischen Arnoldstein und Hermagor wurde die Strecke bis 2019 elektrifiziert, die Verlängerung nach Kötschach-Mauthen blieb ohne Fahrdraht.

Als Begründung für die Einstellung des oberen Abschnitts wurde angeführt, dass die Gesamtstrecke Arnoldstein–Kötschach-Mauthen nicht mehr im Zielnetzplan 2025+ der ÖBB-Infrastruktur stand.

Zur letzten Fahrt am Samstagabend, dem 10. Dezember 2016, kamen Hunderte Gailtaler zum Bahnhof Kötschach-Mauthen.

Der Zug wurde auch in mehreren Haltestellen verabschiedet.

Mit dem 11. Dezember 2016 wurde der Abschnitt Hermagor–Kötschach-Mauthen nach 101 Jahren Betrieb eingestellt.

Der letzte planmäßige Personenzug von Kötschach-Mauthen nach Hermagor am 10. Dezember 2016.
Der letzte planmäßige Personenzug von Kötschach-Mauthen nach Hermagor am 10. Dezember 2016. Foto: Dirk Plum, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nach der Einstellung: Anschlussbahn, Draisine und Probezüge

Ursprünglich sollte die aufgelassene Strecke vollständig abgetragen und die Flächen sollten verkauft werden.

Der 2016 gegründete Verein Gailtalbahn erreichte, dass davon Abstand genommen wurde.

Die Strecke wird seither als möglicher Transportweg für Katastrophenfälle vorgehalten und ist in das Katastrophenschutzprogramm des Landes Kärnten aufgenommen.

Der Verein gründete die Gailtalbahn Betriebs GmbH, die mit dem Land Kärnten einen Nutzungsvertrag für mindestens 15 Jahre unterzeichnete.

Der Vertrag sieht eine touristische Nachnutzung vor, um die Strecke vor dem Verfall zu bewahren.

Im August 2019 wurde das Anschlussbahnverfahren erfolgreich abgeschlossen, damit sind Güterverkehr und Sonderzüge möglich.

Im Mai 2021 befuhr erstmals wieder ein Güterzug die obere Gailtalbahn zwischen Hermagor und Rattendorf-Jenig zu Testzwecken.

Am 2. November 2022 fuhr zum ersten Mal wieder ein Güterzug über die gesamte Strecke.

Eine Lok der Reihe 2016 der Steiermarkbahn brachte 15 Waggons mit einer Zuglänge von 320 Metern nach Kötschach-Mauthen.

Dort wurden sie mit rund 1.000 Festmetern Rundholz beladen, das nach Leoben ging.

Weil der Zug für den Abschnitt Hermagor–Arnoldstein zu lang und zu schwer war, wurde er am 3. und 4. November 2022 in zwei Teilen aus dem Gailtal überstellt.

Mit einer Fahrt ließen sich so bis zu 80 Lkw-Fahrten einsparen.

Am 23. September 2023 fuhr mit einem Dampfsonderzug anlässlich des 25. Käsefests in Kötschach-Mauthen erstmals wieder ein Personenzug von Villach Hbf nach Kötschach-Mauthen und zurück.

Die Fahrt mit 290 Fahrgästen war ausverkauft.

Postran

Die Haltestelle Postran lag bei Streckenkilometer 34,543 auf 583 Metern Höhe.

Sie war der erste Halt hinter Hermagor.

Bei Kilometer 33,3 zweigte zuvor noch ein inzwischen ehemaliges Anschlussgleis der Firma Jenul GmbH ab.

Der Personenverkehr endete hier am 10. Dezember 2016.

Watschig

Watschig war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 36,580 auf 591 Metern Höhe.

Auch hier endete der Personenverkehr am 10. Dezember 2016.

Tröpolach

Die Haltestelle Tröpolach lag bei Streckenkilometer 38,292 auf 595 Metern Höhe.

Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.

Rattendorf-Jenig

Rattendorf-Jenig war mit Streckenkilometer 40,829 und 602 Metern Höhe als Bahnhof geführt, anders als die Haltestellen Postran, Watschig und Tröpolach davor.

Bis zu diesem Bahnhof fuhr im Mai 2021 der erste Probegüterzug ab Hermagor.

Heute endet hier die Fahrt mit der Gailtal-Draisine, die in Kötschach-Mauthen beginnt.

Waidegg

Waidegg war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 42,730 auf 605 Metern Höhe.

Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.

Kirchbach im Gailtal

Die Haltestelle Kirchbach im Gailtal lag bei Streckenkilometer 46,702 auf 622 Metern Höhe.

Für Draisinenfahrer gibt es hier eine Einkehrmöglichkeit direkt an der Strecke.

Reisach

Die Haltestelle Reisach lag bei Streckenkilometer 49,020 auf 626 Metern Höhe.

Auch hier endete der Personenverkehr am 10. Dezember 2016.

Gundersheim im Gailtal

Gundersheim im Gailtal war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 51,915 auf 637 Metern Höhe.

Im Winter 2014 lag so viel Neuschnee, dass die Gailtalbahn mehrere Tage gesperrt war.

Auf Aufnahmen aus dieser Zeit liegen die Gleise unter der hohen Schneedecke.

Die Bahnstation Gundersheim der Gailtalbahn im Winter 2014.
Die Bahnstation Gundersheim der Gailtalbahn im Winter 2014. Foto: Mapper 07, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick nach Westen in Gundersheim: Die Gleise liegen unter der Schneedecke.
Blick nach Westen in Gundersheim: Die Gleise liegen unter der Schneedecke. Foto: Mapper 07, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dellach im Gailtal

Dellach im Gailtal war mit Streckenkilometer 55,140 und 655 Metern Höhe ein Bahnhof.

Bei der Eröffnung der Verlängerung 1918 war Dellach der Endpunkt des Güterverkehrs, der Personenverkehr reichte bis Kötschach-Mauthen.

Für Draisinenfahrer gibt es hier eine Einkehrmöglichkeit direkt an der Strecke.

Seit 2016 fahren hier keine Reisezüge mehr, stündliche Busse verbinden Dellach mit Hermagor.

St. Daniel

Die Haltestelle St. Daniel lag bei Streckenkilometer 57,274 auf 666 Metern Höhe.

St. Daniel ist eine Ortschaft der Gemeinde Dellach.

Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.

Kötschach-Mauthen

Kötschach-Mauthen war der Endpunkt der Strecke, ein Kopfbahnhof bei Streckenkilometer 61,714 auf 710 Metern Höhe.

Mauthen war im Ersten Weltkrieg der dem Plöckenpass nächstgelegene Etappenort mit Nachschubkolonnen und Feldlazaretten.

Zur letzten Fahrt am 10. Dezember 2016 kamen hier Hunderte Gailtaler.

Seit dem Fahrplanwechsel 2016/2017 ist der Ort nur noch mit Bussen an den öffentlichen Verkehr angebunden.

Im Bahnhof beginnt die Fahrt mit der Gailtal-Draisine.

Das Bahnhofsgebäude von Kötschach-Mauthen im September 2023.
Das Bahnhofsgebäude von Kötschach-Mauthen im September 2023. Foto: Naturpuur, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Gailtal-Draisine fährt auf der Trasse von Kötschach-Mauthen nach Jenig.

Die Strecke ist 21 Kilometer lang, die reine Fahrzeit beträgt etwa 2,5 Stunden.

Die Fahrt verläuft nur in eine Richtung, zurück geht es mit dem Linienbus 5058.

Die Gailtalbahn Betriebs GmbH und der Verein besitzen mehrere Fahrzeuge, darunter drei Draisinen X 626, die Dieselloks ÖBB 2060 048 und 069 sowie die ÖBB 2043 005.

Die Lok 2043 005 konnte im Juli 2022 nach einer Aktion mit Klemmbausteinen erworben und so vor dem Schrott gerettet werden.

Für einen regulären Planbetrieb werden die jährlichen Kosten zur Erhaltung der 31 Kilometer langen Strecke mit rund 300.000 Euro beziffert.

Der Bahnhof Kötschach-Mauthen im Jahr 2024 mit den Fahrzeugen ÖBB 2060 069, 2043 005 und einer Draisine X 626.
Der Bahnhof Kötschach-Mauthen im Jahr 2024 mit den Fahrzeugen ÖBB 2060 069, 2043 005 und einer Draisine X 626. Foto: Armin Ademovic, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Fahrraddraisine am Bahnhof Kötschach-Mauthen, Aufnahme von 2023.
Eine Fahrraddraisine am Bahnhof Kötschach-Mauthen, Aufnahme von 2023. Foto: Naturpuur, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Kötschach-Mauthen

Im Februar 1991 stand eine Diesellok der Reihe 2043 mit ihrem Zug in Kötschach-Mauthen.

Der Personenverkehr ist seit Dezember 2016 eingestellt.

Die Geschichte in Daten

11. Juni 1893: Konzession für die Gailtalbahn.

11. August 1894: Eröffnung Arnoldstein–Hermagor.

13. Dezember 1915: Die k.u.k. Heeresbahn Hermagor–Kötschach-Mauthen nimmt den Betrieb auf.

1. Februar 1918: Güterverkehr bis Dellach, Personenverkehr bis Kötschach-Mauthen.

1. Juni 1918: Gesamtverkehr bis Kötschach-Mauthen.

1993: Zugleitbetrieb mit Zugleitbahnhof Hermagor.

10. Dezember 2016: Letzte planmäßige Personenfahrt Kötschach-Mauthen–Hermagor.

11. Dezember 2016: Einstellung des Abschnitts Hermagor–Kötschach-Mauthen.

August 2019: Anschlussbahnverfahren abgeschlossen.

Mai 2021: Erster Probegüterzug Hermagor–Rattendorf-Jenig.

2. November 2022: Rundholz-Probezug über die gesamte Strecke.

23. September 2023: Dampfsonderzug Villach–Kötschach-Mauthen.

Häufige Fragen

Wann endete der Personenverkehr zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen?
Der letzte planmäßige Zug fuhr am 10. Dezember 2016, mit dem 11. Dezember 2016 wurde der Abschnitt eingestellt.
Wie viele Halte hatte der Abschnitt?
Elf: Postran, Watschig, Tröpolach, Rattendorf-Jenig, Waidegg, Kirchbach im Gailtal, Reisach, Gundersheim im Gailtal, Dellach im Gailtal, St. Daniel und Kötschach-Mauthen.
Wurde die Strecke abgebaut?
Nein, sie wurde in eine Anschlussbahn umgewandelt und dient auch als möglicher Transportweg im Katastrophenfall.
Wer baute die Heeresbahn?
Sie wurde vorwiegend von rund 6.000 Kriegsgefangenen gebaut und ging am 13. Dezember 1915 in Betrieb.
Kann man die Strecke befahren?
Mit der Gailtal-Draisine von Kötschach-Mauthen nach Jenig, 21 Kilometer in eine Richtung.
Fährt der Rest der Gailtalbahn noch?
Ja, zwischen Villach und Hermagor verkehrt die Linie S4 der S-Bahn Kärnten.

Die Halte der oberen Gailtalbahn haben ihre Reisezüge verloren, die Gleise liegen weiter und werden von der Draisine und gelegentlichen Sonderfahrten genutzt.

Quellen und Bildrechte

Gailtalbahn – Wikipedia · Kötschach-Mauthen – Wikipedia · Dellach (Gailtal) – Wikipedia · Verein Gailtalbahn und Gailtalbahn Betriebs GmbH · Gailtal Draisine – Nassfeld

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →