Die obere Gailtalbahn: Elf Halte nach dem letzten Zug von 2016
Am 10. Dezember 2016 fuhr der letzte planmäßige Personenzug von Kötschach-Mauthen nach Hermagor. Elf Halte der oberen Gailtalbahn blieben ohne Reisezüge zurück, die Strecke selbst blieb erhalten.


Lage: Abschnitt Hermagor–Kötschach-Mauthen der Gailtalbahn im Gailtal, Kärnten. Status: Personenverkehr seit dem 11. Dezember 2016 eingestellt, Strecke als Anschlussbahn erhalten. Heute: Fahrten mit der Gailtal-Draisine zwischen Kötschach-Mauthen und Jenig.
Am 10. Dezember 2016 fuhr der letzte planmäßige Personenzug der Gailtalbahn von Kötschach-Mauthen nach Hermagor.
Elf Halte lagen auf diesem Abschnitt, vom Kopfbahnhof Kötschach-Mauthen bis zur Haltestelle Postran.
Die Strecke wurde nicht abgetragen, sondern in eine Anschlussbahn umgewandelt.
Der Abschnitt von Arnoldstein bis Hermagor gehört nicht dazu, denn dort fahren weiterhin Personenzüge, seit Dezember 2019 elektrisch.
Dieser Beitrag behandelt nur die Halte der oberen Gailtalbahn.
Freie Fotos der einzelnen Halte sind selten, deshalb zeigt der Beitrag vor allem den Bahnhof Kötschach-Mauthen und die Haltestelle Gundersheim.
Entstehung: von Arnoldstein nach Hermagor
Die Gailtalbahn geht auf die Initiative des Arnoldsteiner Fabrikanten Felix von Mottony zurück.
Die Konzession wurde am 11. Juni 1893 erteilt.
Das Gesamtkapital belief sich auf 800.000 Gulden, davon übernahm das Land Kärnten 1.000 Stück der Prioritätsaktien.
Beim Bau traten keine nennenswerten Probleme auf.
Am 11. August 1894 wurde der Abschnitt von Arnoldstein bis Hermagor eröffnet.
Im ersten Zug fuhren 310 Personen mit.
Die 60 Meter lange Brücke über die Gail war das größte Bauwerk der Strecke.
Die Heeresbahn nach Kötschach-Mauthen
Im Ersten Weltkrieg spielte die Gailtalbahn eine wichtige Rolle beim Nachschub zum Plöckenpass in den Karnischen Alpen.
Deshalb wurde sie in dieser Zeit verlängert.
Am 13. Dezember 1915 nahm die k.u.k. Heeresbahn Hermagor–Kötschach-Mauthen den Betrieb auf.
Gebaut wurde sie vorwiegend von rund 6.000 Kriegsgefangenen.
Durch Kriegseinwirkung war die Heeresbahn zwischenzeitlich unbefahrbar geworden.
Nach Kriegsende wurde der Abschnitt in eine reguläre Bahnstrecke umgebaut.

Am 1. Februar 1918 wurde der Güterverkehr bis Dellach und der Personenverkehr bis Kötschach-Mauthen eröffnet.
Ab dem 1. Juni 1918 war die gesamte Strecke bis Kötschach-Mauthen für den Gesamtverkehr freigegeben.
So sah es vorher aus: der Betrieb bis 2016
1993 erhielt die Gailtalbahn einen Zugleitbetrieb, Zugleitbahnhof war Hermagor.
Unter Einheimischen trug die Bahn den Spitznamen „Sasaka-Express“.
Vom 26. Juli 2007 bis zum 6. Mai 2019 fuhren auf der Gailtalbahn zumeist Fahrzeuge der Reihe 5022.
Einzelne Kurse wurden mit CityShuttle-Wendezügen und Diesellokomotiven der Reihe 2016 geführt.

Niedergang und letzte Fahrt
Zwischen Arnoldstein und Hermagor wurde die Strecke bis 2019 elektrifiziert, die Verlängerung nach Kötschach-Mauthen blieb ohne Fahrdraht.
Als Begründung für die Einstellung des oberen Abschnitts wurde angeführt, dass die Gesamtstrecke Arnoldstein–Kötschach-Mauthen nicht mehr im Zielnetzplan 2025+ der ÖBB-Infrastruktur stand.
Zur letzten Fahrt am Samstagabend, dem 10. Dezember 2016, kamen Hunderte Gailtaler zum Bahnhof Kötschach-Mauthen.
Der Zug wurde auch in mehreren Haltestellen verabschiedet.
Mit dem 11. Dezember 2016 wurde der Abschnitt Hermagor–Kötschach-Mauthen nach 101 Jahren Betrieb eingestellt.

Nach der Einstellung: Anschlussbahn, Draisine und Probezüge
Ursprünglich sollte die aufgelassene Strecke vollständig abgetragen und die Flächen sollten verkauft werden.
Der 2016 gegründete Verein Gailtalbahn erreichte, dass davon Abstand genommen wurde.
Die Strecke wird seither als möglicher Transportweg für Katastrophenfälle vorgehalten und ist in das Katastrophenschutzprogramm des Landes Kärnten aufgenommen.
Der Verein gründete die Gailtalbahn Betriebs GmbH, die mit dem Land Kärnten einen Nutzungsvertrag für mindestens 15 Jahre unterzeichnete.
Der Vertrag sieht eine touristische Nachnutzung vor, um die Strecke vor dem Verfall zu bewahren.
Im August 2019 wurde das Anschlussbahnverfahren erfolgreich abgeschlossen, damit sind Güterverkehr und Sonderzüge möglich.
Im Mai 2021 befuhr erstmals wieder ein Güterzug die obere Gailtalbahn zwischen Hermagor und Rattendorf-Jenig zu Testzwecken.
Am 2. November 2022 fuhr zum ersten Mal wieder ein Güterzug über die gesamte Strecke.
Eine Lok der Reihe 2016 der Steiermarkbahn brachte 15 Waggons mit einer Zuglänge von 320 Metern nach Kötschach-Mauthen.
Dort wurden sie mit rund 1.000 Festmetern Rundholz beladen, das nach Leoben ging.
Weil der Zug für den Abschnitt Hermagor–Arnoldstein zu lang und zu schwer war, wurde er am 3. und 4. November 2022 in zwei Teilen aus dem Gailtal überstellt.
Mit einer Fahrt ließen sich so bis zu 80 Lkw-Fahrten einsparen.
Am 23. September 2023 fuhr mit einem Dampfsonderzug anlässlich des 25. Käsefests in Kötschach-Mauthen erstmals wieder ein Personenzug von Villach Hbf nach Kötschach-Mauthen und zurück.
Die Fahrt mit 290 Fahrgästen war ausverkauft.
Postran
Die Haltestelle Postran lag bei Streckenkilometer 34,543 auf 583 Metern Höhe.
Sie war der erste Halt hinter Hermagor.
Bei Kilometer 33,3 zweigte zuvor noch ein inzwischen ehemaliges Anschlussgleis der Firma Jenul GmbH ab.
Der Personenverkehr endete hier am 10. Dezember 2016.
Watschig
Watschig war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 36,580 auf 591 Metern Höhe.
Auch hier endete der Personenverkehr am 10. Dezember 2016.
Tröpolach
Die Haltestelle Tröpolach lag bei Streckenkilometer 38,292 auf 595 Metern Höhe.
Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.
Rattendorf-Jenig
Rattendorf-Jenig war mit Streckenkilometer 40,829 und 602 Metern Höhe als Bahnhof geführt, anders als die Haltestellen Postran, Watschig und Tröpolach davor.
Bis zu diesem Bahnhof fuhr im Mai 2021 der erste Probegüterzug ab Hermagor.
Heute endet hier die Fahrt mit der Gailtal-Draisine, die in Kötschach-Mauthen beginnt.
Waidegg
Waidegg war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 42,730 auf 605 Metern Höhe.
Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.
Kirchbach im Gailtal
Die Haltestelle Kirchbach im Gailtal lag bei Streckenkilometer 46,702 auf 622 Metern Höhe.
Für Draisinenfahrer gibt es hier eine Einkehrmöglichkeit direkt an der Strecke.
Reisach
Die Haltestelle Reisach lag bei Streckenkilometer 49,020 auf 626 Metern Höhe.
Auch hier endete der Personenverkehr am 10. Dezember 2016.
Gundersheim im Gailtal
Gundersheim im Gailtal war eine Haltestelle bei Streckenkilometer 51,915 auf 637 Metern Höhe.
Im Winter 2014 lag so viel Neuschnee, dass die Gailtalbahn mehrere Tage gesperrt war.
Auf Aufnahmen aus dieser Zeit liegen die Gleise unter der hohen Schneedecke.


Dellach im Gailtal
Dellach im Gailtal war mit Streckenkilometer 55,140 und 655 Metern Höhe ein Bahnhof.
Bei der Eröffnung der Verlängerung 1918 war Dellach der Endpunkt des Güterverkehrs, der Personenverkehr reichte bis Kötschach-Mauthen.
Für Draisinenfahrer gibt es hier eine Einkehrmöglichkeit direkt an der Strecke.
Seit 2016 fahren hier keine Reisezüge mehr, stündliche Busse verbinden Dellach mit Hermagor.
St. Daniel
Die Haltestelle St. Daniel lag bei Streckenkilometer 57,274 auf 666 Metern Höhe.
St. Daniel ist eine Ortschaft der Gemeinde Dellach.
Der Personenverkehr endete am 10. Dezember 2016.
Kötschach-Mauthen
Kötschach-Mauthen war der Endpunkt der Strecke, ein Kopfbahnhof bei Streckenkilometer 61,714 auf 710 Metern Höhe.
Mauthen war im Ersten Weltkrieg der dem Plöckenpass nächstgelegene Etappenort mit Nachschubkolonnen und Feldlazaretten.
Zur letzten Fahrt am 10. Dezember 2016 kamen hier Hunderte Gailtaler.
Seit dem Fahrplanwechsel 2016/2017 ist der Ort nur noch mit Bussen an den öffentlichen Verkehr angebunden.
Im Bahnhof beginnt die Fahrt mit der Gailtal-Draisine.

So sieht es jetzt aus
Die Gailtal-Draisine fährt auf der Trasse von Kötschach-Mauthen nach Jenig.
Die Strecke ist 21 Kilometer lang, die reine Fahrzeit beträgt etwa 2,5 Stunden.
Die Fahrt verläuft nur in eine Richtung, zurück geht es mit dem Linienbus 5058.
Die Gailtalbahn Betriebs GmbH und der Verein besitzen mehrere Fahrzeuge, darunter drei Draisinen X 626, die Dieselloks ÖBB 2060 048 und 069 sowie die ÖBB 2043 005.
Die Lok 2043 005 konnte im Juli 2022 nach einer Aktion mit Klemmbausteinen erworben und so vor dem Schrott gerettet werden.
Für einen regulären Planbetrieb werden die jährlichen Kosten zur Erhaltung der 31 Kilometer langen Strecke mit rund 300.000 Euro beziffert.


Vorher und nachher: Kötschach-Mauthen
Im Februar 1991 stand eine Diesellok der Reihe 2043 mit ihrem Zug in Kötschach-Mauthen.
Der Personenverkehr ist seit Dezember 2016 eingestellt.
Die Geschichte in Daten
11. Juni 1893: Konzession für die Gailtalbahn.
11. August 1894: Eröffnung Arnoldstein–Hermagor.
13. Dezember 1915: Die k.u.k. Heeresbahn Hermagor–Kötschach-Mauthen nimmt den Betrieb auf.
1. Februar 1918: Güterverkehr bis Dellach, Personenverkehr bis Kötschach-Mauthen.
1. Juni 1918: Gesamtverkehr bis Kötschach-Mauthen.
1993: Zugleitbetrieb mit Zugleitbahnhof Hermagor.
10. Dezember 2016: Letzte planmäßige Personenfahrt Kötschach-Mauthen–Hermagor.
11. Dezember 2016: Einstellung des Abschnitts Hermagor–Kötschach-Mauthen.
August 2019: Anschlussbahnverfahren abgeschlossen.
Mai 2021: Erster Probegüterzug Hermagor–Rattendorf-Jenig.
2. November 2022: Rundholz-Probezug über die gesamte Strecke.
23. September 2023: Dampfsonderzug Villach–Kötschach-Mauthen.
Häufige Fragen
Wann endete der Personenverkehr zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen?
Wie viele Halte hatte der Abschnitt?
Wurde die Strecke abgebaut?
Wer baute die Heeresbahn?
Kann man die Strecke befahren?
Fährt der Rest der Gailtalbahn noch?
Die Halte der oberen Gailtalbahn haben ihre Reisezüge verloren, die Gleise liegen weiter und werden von der Draisine und gelegentlichen Sonderfahrten genutzt.
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