Fuchstalbahn: Die Güterbahn, an der seit 1984 kein Reisezug mehr hält
Auf der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau fahren Güterzüge, doch die Bahnsteige sind seit 1984 verwaist. Dazu gehört die Geschichte der ersten bayerischen Zahnradbahn, die in Kinsau abzweigte.

Lage: Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau über Fuchstal, Denklingen und Hohenfurch. Status: Güterstrecke in Betrieb, ohne regulären Personenverkehr seit 1984. Heute: An den Halten Erpfting-Friedheim, Unterdießen, Denklingen, Kinsau und Hohenfurch halten keine Reisezüge.
Die Fuchstalbahn ist eine Güterbahn: Auf der Strecke von Landsberg am Lech nach Schongau fahren weiter Güterzüge.
Der regelmäßige Personenverkehr wurde 1984 eingestellt, seitdem halten dort keine Reisezüge mehr.
Dieser Beitrag behandelt die Halte der Strecke, an denen heute kein Reisezug hält: Erpfting-Friedheim, Unterdießen, Denklingen, Kinsau und Hohenfurch.
Dazu kommt ein Blick auf zwei Halte der Hauptbahn München–Buchloe in der Nachbarschaft, Epfenhausen und Igling, die 1985 ebenfalls ihre Reisezüge verloren, aber nicht an der Fuchstalbahn liegen.
Freie Fotos aus der Zeit des Reiseverkehrs gibt es von der Fuchstalbahn selbst nicht, die ältesten stammen von der Zahnradbahn in Kinsau.
Entstehung: Von Landsberg ins Fuchstal
Am 1. November 1872 wurde die Bahnstrecke Kaufering–Landsberg am Lech eröffnet, womit Landsberg seinen Eisenbahnanschluss erhielt.
Die daran anschließende Fuchstalbahn wurde am 16. November 1886 für den Verkehr freigegeben.
Die eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn führt von Landsberg über Fuchstal, Denklingen und Hohenfurch nach Schongau.
Von 1907 bis 1929 zweigte am Bahnhof Kinsau die Kinsauer Zahnradbahn ab, die eine Holzstofffabrik am Lech anschloss.

Erpfting-Friedheim: Ein Haltepunkt bei Landsberg
Erpfting ist ein Stadtteil von Landsberg am Lech.
Der Haltepunkt Erpfting-Friedheim liegt an der Fuchstalbahn, doch es halten keine Züge.
Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.
Unterdießen: Der Bahnhof ohne Halt
Der Bahnhof Unterdießen liegt an der Fuchstalbahn, doch es halten keine Züge.
Im Gutachten zur möglichen Reaktivierung, das die Bayerische Eisenbahngesellschaft am 7. November 2025 veröffentlichte, ist Unterdießen als Zwischenhalt vorgesehen.
Weitere Angaben zu Gebäuden und Gleisen sind nicht belegt.
Denklingen: Das Gebäude, das ein Verein rettete
Denklingen erhielt mit der Eröffnung der Fuchstalbahn einen eigenen Bahnhof.
Die Angaben zum Jahr gehen auseinander: Die Strecke wurde 1886 freigegeben, die Ortsbeschreibung nennt 1888.
Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1984 ging der Anschluss an das Eisenbahnnetz verloren.
Das Empfangsgebäude war lange verfallen und wurde 2005 und 2006 von der Initiative Fuchstal-Bahn saniert.
Es befindet sich heute in gutem Zustand.
Die Gleisanlagen fehlen, früher gab es ein Begegnungs- und ein Ladegleis.
Das Ladegleis liegt etwa 200 Meter hinter dem Empfangsgebäude.
Denklingen wird weiterhin von Güterzügen der DB Cargo angefahren.
Kinsau: Der Bahnhof der Zahnradbahn
Der Bahnhof Kinsau liegt etwa 2 Kilometer westlich des Ortes bei Streckenkilometer 20,1.
Hier zweigte die Kinsauer Zahnradbahn ab, eine 3,5 Kilometer lange Werksbahn zur Holzstofffabrik der Papierfabrik Hegge am Lech.
Die Fabrik lag 75 Höhenmeter unter dem Bahnhof.
Weil die Neigung am Lechsteilhang für eine reine Reibungsbahn zu stark war, erhielt ein Abschnitt von 383,45 Metern eine Zahnstange der Bauart Riggenbach.
Die Strecke fiel dort mit bis zu 150 Promille zum Lech hinab.
Der Betrieb begann am 26. Juli 1907, es war die erste Zahnradbahn im Königreich Bayern.
Die Höchstgeschwindigkeit betrug 6 Kilometer pro Stunde auf dem Zahnstangenabschnitt und 10 Kilometer pro Stunde auf dem Reibungsabschnitt.
Täglich konnten drei bis vier Güterwagen mit Holzstoff abgefertigt werden.
1913 kam eine zweite Zahnradlokomotive hinzu, damit der Betrieb während der Revision der ersten weiterlaufen konnte.
1928 stellte die Papierfabrik die Holzstoffproduktion ein, die letzte Fahrt fand im Mai 1929 statt.
1932 wurden die Gleisanlagen demontiert, am Lechsteilhang sind noch einige Betonfundamente der Zahnstangenbefestigung vorhanden.


Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Kinsau wurde nach einer Angabe in den 1970er Jahren abgerissen, nach einer anderen waren 1993 noch Gebäude vorhanden.
Das Kreuzungsgleis und das Ladegleis sind vorhanden, Kinsau wird weiterhin von Güterzügen der DB Cargo angefahren.
Hohenfurch: Der letzte Halt vor Schongau
Hohenfurch liegt unmittelbar an der Bundesstraße 17, bis 1984 gab es dort einen Haltepunkt der Fuchstalbahn.
Das Stationsgebäude ist erhalten, der Bahnhof ist inzwischen nur noch ein Haltepunkt.
Früher gab es ein Abstellgleis mit Laderampe.
Im Oktober 2013 wurden die vorhandenen Reste des Bahnsteigs abgebaut.
Von 2010 bis 2013 hatte die DB Netz den Großteil der Strecke saniert, die Arbeiten wurden aber abgebrochen, bevor der südliche Abschnitt Hohenfurch–Schongau an die Reihe kam.

Epfenhausen und Igling: Zwei Halte der Hauptbahn
Epfenhausen und Igling liegen nicht an der Fuchstalbahn, sondern an der zweigleisigen Hauptbahn München–Buchloe, die an Landsberg vorbeiführt.
Beide verloren 1985 den Personenhalt, die Bahn wegen der Beseitigung der höhengleichen Bahnsteigzugänge bei Tempo bis 140 Kilometer pro Stunde.
Der Bahnhof Epfenhausen gehört zur Gemeinde Penzing und wurde am 1. Mai 1873 mit der Strecke eröffnet.
In der Vorplanung war dort keine Station vorgesehen, erst die Forderung der Gemeinde und zwölf umliegender Gemeinden mit über 4.500 Einwohnern führte zum Bau.
Das Empfangsgebäude von 1873 war ein zweigeschossiger gemauerter Bau mit Walmdach, 10,9 mal 17,4 Meter groß.
1936 entstand ein Gleisanschluss zum Fliegerhorst Landsberg/Lech.
1937 und 1938 baute die Reichsbahn das Gebäude im Heimatstil um.
1979 wurde das mechanische Stellwerk stillgelegt, 1985 der Personenverkehr und 1994 der örtliche Güterverkehr eingestellt.


Anfang 2005 verkaufte die Deutsche Bahn das Empfangsgebäude an eine Privatperson, es wird zusammen mit dem Güterschuppen gewerblich genutzt.
Dafür wurde es umgebaut und erhielt ein neues Satteldach mit größerem Überhang.
Von der Anlage bestehen heute nur noch die beiden Hauptgleise der Strecke und der Anschluss zum Fliegerhorst mit einem Stumpfgleis.

Der Bahnhof Igling im Südwesten von Oberigling wurde mit dem Streckenbau als einfache Haltstelle mit zweigeschossigem Gebäude errichtet und später zum Bahnhof ausgebaut.
Die Bundesbahn stellte 1961 den Stückgutverkehr ein und stufte den Bahnhof 1969 zu einer unbesetzten Halte- und Ausweichanschlussstelle zurück.
Zugleich entstanden zwei neue Außenbahnsteige, die über eine Unterführung verbunden waren.
1985 gab die Bundesbahn den Personenhalt auf, der örtliche Güterverkehr endete 1994.
Das Empfangsgebäude ist seit 1983 in Privateigentum und wird als Wohnhaus genutzt, die beiden Wechselwärterhäuser sind erhalten.

Niedergang und Zukunft der Fuchstalbahn
1984 wurde der regelmäßige Personenverkehr eingestellt, der Güterverkehr führt seit 1998 die Augsburger Localbahn durch.
Ende 2018 fuhren täglich zwei Zugpaare im Regelbetrieb.
Das jährliche Transportaufkommen war von 2012 bis 2018 von 1,2 Millionen auf 840.000 Tonnen gesunken, daraufhin zog sich die Augsburger Localbahn 2018 zurück und die DB Cargo übernahm Anfang 2019.
Seit Anfang 2025 befördert die Augsburger Localbahn im Auftrag der Rail Cargo Logistics wieder Güterwagen zwischen Augsburg und dem Werk in Schongau.
Der Verein Initiative Fuchstalbahn organisierte bis 2015 Sonderfahrten, im April 2018 beschloss er seine Auflösung.
Seither organisiert der Bahnpark Augsburg Schienenbus-Sonderfahrten, zuletzt wurden Oktober 2018 und September 2019 genannt.

2002 bewertete ein Gutachten die Reaktivierung des Personenverkehrs positiv, die Staatsregierung lehnte sie wegen der auf 10 bis 13 Millionen Euro bezifferten Kosten ab.
Am 25. Oktober 2019 sprach sich der Kreistag des Landkreises Weilheim-Schongau einstimmig für eine Reaktivierung aus.
Am 7. November 2025 veröffentlichte die Bayerische Eisenbahngesellschaft das Ergebnis einer Potenzialanalyse.
Bei Stundentakt und Zwischenhalten in Schongau Krankenhaus, Hohenfurch, Kinsau, Denklingen, Asch-Leeder, Unterdießen und Landsberg Süd wurden 1.386 Personenkilometer pro Streckenkilometer täglich prognostiziert.
Damit wurde der für die Staatsregierung maßgebliche Wert von mindestens 1.000 erfüllt, als eines von vier Kriterien.

So sieht es jetzt aus
Auf der Fuchstalbahn fahren weiter Güterzüge, und die Gebäude der Halte haben sehr verschiedene Schicksale.
Das Denklinger Empfangsgebäude ist gerettet, Hohenfurch steht als Haltepunkt mit erhaltenem Gebäude da.
Von Unterdießen und Erpfting-Friedheim ist nur belegt, dass dort keine Züge halten.
Vorher und nachher
Das Paar aus Epfenhausen zeigt dieselbe Gebäudeansicht 1910 und 2014.
Dazwischen liegen der Umbau von 1937 und 1938, das Ende des Personenverkehrs 1985 und der Abbau der Bahnsteige.
Die Geschichte in Daten
1872: Die Bahnstrecke Kaufering–Landsberg wird am 1. November eröffnet.
1886: Die Fuchstalbahn wird am 16. November für den Verkehr freigegeben.
1907: Die Kinsauer Zahnradbahn nimmt am 26. Juli den Betrieb auf.
1929: Die letzte Fahrt der Zahnradbahn findet im Mai statt.
1984: Der regelmäßige Personenverkehr wird eingestellt.
1998: Die Augsburger Localbahn übernimmt den Güterverkehr.
2013: Die Reste des Bahnsteigs in Hohenfurch werden im Oktober abgebaut.
2025: Eine Potenzialanalyse sieht am 7. November Zwischenhalte vor.
Häufige Fragen
Fährt auf der Fuchstalbahn noch ein Zug?
Wann endete der Personenverkehr?
Was war die Kinsauer Zahnradbahn?
Liegen Epfenhausen und Igling an der Fuchstalbahn?
Kann der Personenverkehr zurückkehren?
Die Fuchstalbahn ist eine Strecke, die ihre Reisenden verloren hat, aber nie ganz verschwunden ist.
Von den Bahnsteigen blieb wenig, von der Zahnradbahn die Fundamente am Lechhang.
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