Die stillen Halte der Frankenbahn: Unterschüpf, Sachsenflur, Uiffingen und Schweigern

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Frankenbahn: Unterschüpf, Sachsenflur, Uiffingen und Schweigern

Auf der Frankenbahn zwischen Osterburken und Lauda fahren Züge, doch vier Halte im Umpfertal sind verschwunden. Was von ihnen übrig ist, was die Quellen belegen und was für eine Rückkehr gefordert wird.

Bahnhof beziehungsweise Haltepunkt Uiffingen auf einer undatierten Aufnahme aus dem Nachlass Hans Noller im Staatsarchiv Ludwigsburg.
Bahnhof beziehungsweise Haltepunkt Uiffingen auf einer undatierten Aufnahme aus dem Nachlass Hans Noller im Staatsarchiv Ludwigsburg. Foto: Hans Noller, Staatsarchiv Ludwigsburg (PL 723), CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1866
Strecke nach Würzburg eröffnet
1903
Haltepunkt Sachsenflur eröffnet
1985
Unterschüpf nicht mehr bedient
2023
Reaktivierung gefordert

Lage: Umpfertal zwischen Osterburken und Lauda, Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg. Status: Die Frankenbahn ist eine aktive Hauptbahn, nur die vier Halte werden nicht mehr bedient. Heute: In Unterschüpf steht das denkmalgeschützte Empfangsgebäude, in Sachsenflur wurde das Stationsgebäude abgerissen.

Die Frankenbahn verbindet Stuttgart über Heilbronn mit Würzburg und ist heute eine durchgehend elektrifizierte Hauptbahn.

Zwischen Osterburken und Lauda fahren also weiter Züge, die Strecke selbst ist kein Lost Place.

Verschwunden sind dort nur einzelne Halte, und um diese vier geht es hier: Unterschüpf, Sachsenflur, Uiffingen und Schweigern.

Sie liegen im Tal der Umpfer im Main-Tauber-Kreis, und keiner von ihnen wird noch bedient.

Freie Fotos aus der aktiven Zeit sind selten: Es gibt zwei Aufnahmen von 1972, eine von 1973 und ein undatiertes Bild aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg.

Für Sachsenflur gibt es nur Bilder von der Stelle, wie sie 2020 aussah.

Wie die Bahn ins Umpfertal kam

Die badische Odenwaldbahn wurde in Etappen eröffnet.

Von Mosbach nach Osterburken fuhren die Züge ab dem 25. August 1866.

Der Abschnitt von Osterburken über Lauda nach Würzburg ging am 1. November 1866 als letzter Teil in Betrieb.

Der Bau hatte sich verzögert, weil es im Deutschen Krieg Gefechte bei Tauberbischofsheim gegeben hatte.

Aus Württemberg kam wenig später die Verbindung von Heilbronn dazu: Der Abschnitt Jagstfeld–Osterburken ging am 27. September 1869 für den Personen- und Wagenladungsverkehr in Betrieb.

Aus der badischen Odenwaldbahn und den württembergischen Strecken entstand so die Linie, die heute Frankenbahn heißt.

Dieser Name ist keine historische Bezeichnung, er wurde erst ab 1996 im Zuge der Regionalisierung geprägt.

Der Streckenverlauf erklärt, warum hier so viele kleine Halte entstanden.

Hinter Osterburken folgt die Bahn dem Tal der Kirnau und erreicht mit Eubigheim auf 333 Metern den höchsten Bahnhof der Strecke.

Danach unterquert sie im Eubigheimer Tunnel die Wasserscheide zwischen Neckar und Main.

Bis Königshofen nutzt die Trasse das Tal der Umpfer, die dort in die Tauber mündet.

In diesem Tal liegen die Dörfer, deren Halte heute fehlen.

So sah es vorher aus: Eilzüge und kleine Stationen

Der Nahverkehr hatte auf dem Abschnitt nach Würzburg nur eine untergeordnete Bedeutung.

Die Strecke ist sehr kurvenreich und erlaubt keine hohen Geschwindigkeiten, die Besiedlung ist dünn.

Dafür fuhren hier lange Fernzüge: 1934 gab es Schnellzüge von Stuttgart nach Berlin, nach 1945 liefen Verbindungen von Stuttgart nach Hamburg über die Strecke.

Noch 1981 hielten ein Tages- und ein Nacht-Schnellzug-Paar nach Hamburg in Osterburken und Lauda.

Der Interregio Rennsteig, der letzte Fernzug auf der Frankenbahn, wurde 2001 eingestellt.

Die kleinen Halte im Umpfertal lagen also an einer Strecke, die vor allem durchgehenden Zügen diente.

Im Juni 1972 durchfährt der Eilzug E 1646 von Würzburg den Haltepunkt Uiffingen.
Im Juni 1972 durchfährt der Eilzug E 1646 von Würzburg den Haltepunkt Uiffingen. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Unterschüpf: das Empfangsgebäude steht noch

Unterschüpf ist ein Stadtteil von Boxberg und liegt an der Mündung des Schüpfbachs in die Umpfer.

Der Bahnhof Unterschüpf ist der einzige der vier Halte, über den es einen eigenen Artikel mit Baudaten gibt.

Als Entstehungszeit werden das Jahr 1860 beziehungsweise um 1860 genannt.

Das passt nicht zur Eröffnung der Strecke im Jahr 1866, die Angaben gehen an dieser Stelle auseinander.

Nebengebäude folgten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Seit 1985 wird der Bahnhof nicht mehr bedient, die Betriebsstelle wurde aufgelassen, Weichen und Nebengleise wurden entfernt.

Heute passieren die Züge den Ort ohne Halt.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Unterschüpf im August 2020.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Unterschüpf im August 2020. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Bahnhof steht als Sachgesamtheit im Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg.

Das Empfangsgebäude ist ein Massivbau mit Walmdach und Mittelrisalit und hat eine segmentbogige Eingangsarkade mit drei Öffnungen.

Ein weiteres Bahnhäuschen ist ebenfalls ein Massivbau, sein holzverkleidetes Dachgeschoss hat eine reich geschnitzte Dreieröffnung.

Südwestlich des Empfangsgebäudes steht eine Güterhalle, ein Holzständerbau mit Deckelschalung und Satteldach, der um 1865 errichtet wurde.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in der Tottenheimer Straße 6 befindet sich in Privatbesitz.

Blick auf den ehemaligen Bahnhof Unterschüpf im August 2020.
Blick auf den ehemaligen Bahnhof Unterschüpf im August 2020. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eine Rückkehr der Züge wird seit Jahren gefordert.

Der Kreistag des Main-Tauber-Kreises und der Boxberger Gemeinderat verlangten in mehreren Resolutionen, unter anderem 2016, die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des Haltepunkts in Unterschüpf.

Bislang blieb das ohne Erfolg.

Sachsenflur: ein Haltepunkt von 1903

Sachsenflur gehört zu Lauda-Königshofen.

Der Ort kam am 1. Januar 1972 zur Stadt Königshofen und wurde am 1. Januar 1975 Teil der neu gebildeten Stadt Lauda-Königshofen.

Der Haltepunkt Sachsenflur wurde 1903 eröffnet, er war also deutlich jünger als die Strecke.

Er existiert nicht mehr, und das Stationsgebäude wurde nach den vorliegenden Angaben schon vor Jahrzehnten abgerissen.

Wann der letzte Zug hielt, ist nicht belegt.

Die B 292 mit Schranke an der Stelle des ehemaligen Haltepunkts Sachsenflur, August 2020.
Die B 292 mit Schranke an der Stelle des ehemaligen Haltepunkts Sachsenflur, August 2020. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Auch hier gibt es Pläne: Die Reaktivierung der Station Sachsenflur steht in einem Forderungskatalog zur Frankenbahn, der in einer Präsentation der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg erscheint.

Als Kosten sind für diese Station 2,5 bis 4 Millionen Euro genannt.

Dieselbe Stelle aus einem etwas anderen Blickwinkel.
Dieselbe Stelle aus einem etwas anderen Blickwinkel. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Uiffingen: ein Haltepunkt, an dem Züge durchfuhren

Uiffingen liegt im oberen Tal der Umpfer, am Zusammenfluss zweier Quellflüsse.

Der Ort wurde 1245 erstmals erwähnt und gehört seit dem 1. Januar 1973 zur Stadt Boxberg.

Der Halt in Uiffingen war ein Haltepunkt, so führt ihn die Aufnahme des Staatsarchivs Ludwigsburg.

Auf dem Foto vom Juni 1972 durchfährt ihn ein Eilzug, anhalten musste dort also nicht jeder Zug.

Wann der Haltepunkt eröffnet und wann er aufgegeben wurde, ist nicht belegt.

Sicher ist nur: Die Stadt Boxberg führt Uiffingen heute zu den Stadtteilen, in denen es keinen Haltepunkt mehr gibt.

In diesem Forderungskatalog taucht Uiffingen nicht auf.

Schweigern: ein Bahnhof von 1872

Der Bahnhof Schweigern (Baden) wurde im Jahr 1872 errichtet.

Er wird nicht mehr bedient.

Schweigern ist ebenfalls ein Stadtteil von Boxberg, und die Bundesstraße 292 führt durch den Ort.

Eine Bahnhofstraße verbindet ihn auf der Nordwestseite mit den umliegenden Orten.

Das Staatsarchiv Ludwigsburg besitzt Aufnahmen aus den Jahren 1972 und 1973, die den Bahnhof und seine Umgebung zeigen.

Juni 1972: Ein Eilzug Würzburg–Stuttgart steht am Ausfahrsignal des Bahnhofs Schweigern.
Juni 1972: Ein Eilzug Würzburg–Stuttgart steht am Ausfahrsignal des Bahnhofs Schweigern. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Reaktivierung der Station Schweigern (Baden) ist der erste Punkt im Forderungskatalog zur Frankenbahn.

Auch hier werden Kosten von 2,5 bis 4 Millionen Euro genannt.

Ob vom Bahnhofsgebäude noch etwas steht, ist nicht belegt.

Eine Straßenbrücke über die Gleise bei Schweigern im Mai 1973.
Eine Straßenbrücke über die Gleise bei Schweigern im Mai 1973. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine 2018 neu gebaute Eisenbahnbrücke bei Schweigern, aufgenommen im August 2020.
Eine 2018 neu gebaute Eisenbahnbrücke bei Schweigern, aufgenommen im August 2020. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick vom Umpfertalradweg bei Schweigern über die Frankenbahn auf den Wohnplatz Planken, August 2020.
Blick vom Umpfertalradweg bei Schweigern über die Frankenbahn auf den Wohnplatz Planken, August 2020. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Warum die Halte verschwanden

Für jeden einzelnen der vier Halte ist der Anlass der Schließung nicht belegt.

Der Zusammenhang lässt sich aber beschreiben.

Die Strecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg elektrifiziert, das Verfahren war am 1. Juni 1975 abgeschlossen.

Danach wurden viele Bahnhöfe an der Frankenbahn aufgegeben, vor allem zwischen Osterburken und Lauda.

In den 1970er Jahren wurden zwischen Osterburken und Königshofen wegen der dünnen Besiedlung zeitweise alle Bahnhöfe aufgegeben.

Von 1985 bis 1997 gab es zwischen Osterburken und Lauda, auf 35 Kilometern, gar keinen Nahverkehr.

Vorher und nachher: was seit der Jahrtausendwende zurückkam

Ab der Jahrtausendwende wurden einige Stationen wieder reaktiviert.

Es handelt sich um Rosenberg, Eubigheim und Boxberg-Wölchingen, die zunächst nur von wenigen Regionalbahnen angefahren wurden und für den Schülerverkehr wichtig waren.

Seit Dezember 2019 werden sie werktags regelmäßig bedient, ebenso wie Königshofen.

Für den Dezember 2023 wurde der Übergang vom Probebetrieb in einen dauerhaften Regelbetrieb beschlossen.

Die vier Halte dieses Beitrags blieben dabei außen vor.

2023 forderten die Landräte des Main-Tauber-Kreises und des Neckar-Odenwald-Kreises, acht Bürgermeister und die Bürgerinitiative Frankenbahn für Alle, die Haltepunkte zwischen Lauda und Osterburken zu ertüchtigen.

Die Bahn lehnte das wegen der geringen Fahrgastzahlen und der noch offenen verkehrlichen Entwicklung als derzeit nicht möglich ab.

Der Katalog nennt außer Schweigern, Unterschüpf und Sachsenflur noch den Halt Hirschlanden.

So sieht es jetzt aus

In Unterschüpf steht das denkmalgeschützte Empfangsgebäude mit Güterhalle und Nebengebäude.

In Sachsenflur ist das Stationsgebäude abgerissen, vom Haltepunkt zeigt das Foto von 2020 nur noch die Straße mit Schranke.

In Uiffingen und Schweigern werden keine Züge mehr gehalten, der heutige Zustand der Gebäude ist nicht belegt.

Die Gleise sind in Betrieb und für Besucher nicht gedacht.

1866: Die Strecke Osterburken–Würzburg wird am 1. November eröffnet.

1869: Die Strecke Jagstfeld–Osterburken geht am 27. September in Betrieb.

1872: Der Bahnhof Schweigern wird errichtet.

1903: Der Haltepunkt Sachsenflur wird eröffnet.

1975: Die Elektrifizierung der Frankenbahn ist am 1. Juni abgeschlossen.

1985: Unterschüpf wird nicht mehr bedient, zwischen Osterburken und Lauda beginnt eine Zeit ohne Nahverkehr.

1996: Der Name Frankenbahn entsteht im Rahmen der Regionalisierung.

2001: Der Interregio Rennsteig, der letzte Fernzug, wird eingestellt.

2016: Kreistag und Gemeinderat fordern unter anderem die Wiederinbetriebnahme von Unterschüpf.

2023: Die Reaktivierung weiterer Halte wird erneut gefordert.

Ist die Frankenbahn stillgelegt?
Nein, sie ist eine aktive Hauptbahn, nur die vier Halte Unterschüpf, Sachsenflur, Uiffingen und Schweigern werden nicht mehr bedient.
Kann man die Halte besichtigen?
Die Gleise sind in Betrieb und für Besucher nicht gedacht. Das Empfangsgebäude von Unterschüpf in der Tottenheimer Straße 6 ist in Privatbesitz.
Seit wann wird Unterschüpf nicht mehr bedient?
Seit 1985. Danach wurde die Betriebsstelle aufgelassen, Weichen und Nebengleise wurden entfernt.
Welche Halte werden zwischen Osterburken und Lauda heute bedient?
Rosenberg, Eubigheim, Boxberg-Wölchingen und Königshofen, jeweils mit Regionalbahnen.
Sind Reaktivierungen geplant?
Der Forderungskatalog führt Schweigern, Unterschüpf und Sachsenflur mit jeweils 2,5 bis 4 Millionen Euro auf. Eine Entscheidung ist in den Quellen nicht belegt, und die Bahn lehnte Forderungen 2023 als derzeit nicht möglich ab.

Die vier Halte im Umpfertal erinnern daran, dass eine Strecke aktiv bleiben kann, während ihre Stationen verschwinden.

Ob einer von ihnen wiederkommt, ist offen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Frankenbahn · Wikipedia: Odenwaldbahn (Baden) · Wikipedia: Bahnhof Unterschüpf · Wikipedia: Unterschüpf · Wikipedia: Uiffingen · Wikipedia: Schweigern · Wikipedia: Sachsenflur · Wikipedia: Boxberg (Baden) · NVBW: Präsentation Frankenbahn (Forderungskatalog) · Landratsämter: Flyer FrankenbahnTakt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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