Der Columbusbahnhof in Bremerhaven: Der Bahnhof am Ozeandampfer
Am Columbusbahnhof stiegen Auswanderer und Reisende vom Zug direkt aufs Schiff nach Amerika um. Der Personenverkehr der Bahn endete 1993, seit 2021 ist die Gleisverbindung unterbrochen, und das Gebäude dient heute als Kreuzfahrtterminal.


Lage: Columbuskaje in Bremerhaven, im Überseehafengebiet an der Außenweser. Status: seit 7. April 1993 ohne regulären Personenverkehr, seit dem Abbruch der Nordschleusenbrücke 2021 nicht mehr erreichbar, die Gleise wurden um 2023 zurückgebaut. Heute: Das Gebäude ist das Kreuzfahrtterminal der Columbuskaje und liegt im Hafengebiet.
Der Columbusbahnhof lag in Bremerhaven direkt am Wasser, auf einer aufgespülten Fläche zwischen Deich und Kaje.
Die Züge fuhren bis an die Pier, und Reisende stiegen dort vom Zug auf den Ozeandampfer um.
Ein Pressefoto vom Januar 1932 nennt ihn den modernsten Umsteigebahnhof vom Eisenbahnzug zum Ozeandampfer.
Das Wort Bahnhof gilt heute nur noch für das Gebäude, denn seit 1993 verkehren dort keine regulären Reisezüge mehr, und seit 2021 ist die Gleisverbindung unterbrochen.
Das Haus selbst steht noch und wird als Kreuzfahrtterminal genutzt, und alte Bilder der Bahnzeit sind auf Commons selten.
Wo der Bahnhof liegt
Der Columbusbahnhof gehört zur Columbuskaje an der Außenweser im Nordwesten von Bremerhaven.
Die Kaje liegt im stadtbremischen Überseehafengebiet, und Gleise führten vom Bremerhavener Hauptbahnhof dorthin.
Bei den Bauarbeiten wurde zwischen dem Außendeich und der späteren Kaje eine Fläche aufgeschwemmt, auf der der Bahnhof entstand.
Entstehung: Ein Terminal für die größten Schiffe
Bis dahin liefen die Auswandererschiffe die Lloydhalle an der Kaiserschleuse an.
Die Lloydhalle von 1897 galt nach dem Ersten Weltkrieg als zu klein für die größeren Dampfer des Norddeutschen Lloyd wie Columbus, Bremen und Europa.
Der Verkehr war nach dem Krieg wieder in Gang gekommen: 1921 verließen nur gut 8.000 Auswanderer Bremerhaven, 1923 waren es etwa 68.500, und mit diesem Jahr erreichte die Auswanderung nach dem Krieg ihren Höhepunkt.
Die Bremer Behörden beschlossen deshalb, direkt an der Weser ein neues Terminal zu bauen.

Von 1924 an entstand die neue Kaje, und der Gründungsaufwand war groß, denn allein die Pfahlgründung umfasste 15.000 Pfähle.
Die Kaje erhielt ihren Namen nach dem Passagierschiff Columbus, dem Flaggschiff des Norddeutschen Lloyd, das seit 1924 Bremerhaven anlief.
Der Name verwies zugleich auf Christoph Kolumbus und die Verbindung zur Neuen Welt.
Geplant wurde die Anlage unter Leitung des Bremer Oberbaudirektors Heinrich Tillmann.
Die Quellen gehen bei den Zahlen auseinander.
Als Länge der Kaje werden 900 Meter oder rund 1.000 Meter genannt, als Fertigstellung der Kaje 1927 und als Inbetriebnahme des Columbus-Terminals 1928.
Einig sind sie sich darin, dass die Anlage in den 1920er Jahren entstand.
So sah es vorher aus: Der Bahnhof von 1928
Das Terminal von 1928 war ein weiß gestrichener Holzbau.
Im südlichen Teil des Empfangsgebäudes lagen Wartehallen für die erste und zweite Klasse mit einem Damenzimmer, dazu ein Warteraum für die dritte Klasse und Nebenräume.
Das vierstöckige Mittelgebäude beherbergte Büros, Dienstwohnungen, Post- und Telegrafenräume, Zoll, Polizei und eine Sanitätsstation.
Ein neuer Zollsaal schloss die Anlage ab, und ein Restaurant bot Blick auf die Weser.
Angehörige und Schaulustige konnten von dort zusehen, wie die Dampfer ein- und ausliefen, ohne den Betrieb zu stören.

Die Bahn spielte eine Hauptrolle.
Vom Hauptbahnhof führten Gleise zum Columbusbahnhof, und die Amerikalinie endete an dieser Pier.
Über die Columbuskaje und die benachbarte Lloydhalle ging ein großer Teil des Auswandererstroms von Europa nach Übersee, vor allem aus Deutschland und Ostmitteleuropa.
Das erwartete Wachstum blieb aus.
1932 schifften sich nur etwa 40.000 Passagiere ein, und der Rückgang setzte sich in den 1930er Jahren fort.
In diesen Jahren legten hier die Schnelldampfer Bremen und Europa des Norddeutschen Lloyd an.

Niedergang und Ende
Im August 1944 zerstörten schwere Luftangriffe das Terminal.
Nach dem Krieg wurden die Fahrgastanlagen schrittweise wieder aufgebaut.
Im April 1950 öffnete im nördlichen Teil der Kaje ein provisorisches Terminal aus Holz, das Truppentransporte der US-Streitkräfte und Auswandererschiffe abfertigte.
Bis 1952 waren die südliche Fahrgastanlage und der Bahnhof fertiggestellt.

Der Norddeutsche Lloyd nahm 1954 mit der Gripsholm, die 1955 in Berlin umgetauft wurde, den Passagierdienst über den Nordatlantik wieder auf.
In den 1950er Jahren legten auch die United States und die America der United States Lines an der Kaje an.
1958 betrat der Soldat Elvis Presley hier deutschen Boden, und eine Bronzetafel an der Kaje bei Metermarke 700 erinnert daran, ist aber seit 2004 nicht mehr direkt zugänglich.
Von 1958 bis 1962 baute die Hafenverwaltung in der Mitte der Kaje die neue Fahrgastanlage II mit dem Bahnhof, und im November 1962 ist ihre Eröffnung als Terminal Nummer zwei belegt.
Das Bürohochhaus wurde dabei nur mit den unteren Stockwerken errichtet.

Kurz danach brach die Linienschifffahrt über den Atlantik ein, weil die Flugreisen zunahmen.
Der südliche Teil der Anlage wurde abgerissen, und an seiner Stelle entstand ein konventionelles Stückgutterminal, das im September 1975 in Betrieb ging.
Die Kaje wurde zunehmend von Frachtschiffen genutzt.

Von Mai 1966 bis Dezember 1982 gab es eine regelmäßige Fährverbindung nach Harwich mit der Englandfähre, die zunächst im zweitägigen Wechsel Bremerhaven und Hamburg anlief.

Der Verkehr der Bahn endete am 7. April 1993.
Das Schiffsverkehrsaufkommen steuerte zunehmend die Seebäderkaje am Willy-Brandt-Platz im Zentrum an, die vom Hauptbahnhof mit Bussen und Pkw deutlich schneller erreichbar ist.
Außerdem war der Columbusbahnhof nur über eine Nebenstrecke durch das Hafengebiet erreichbar, und die fahrplanmäßigen Züge auf der Strecke Bremerhaven–Cuxhaven bedienten ihn nicht.

2021 wurde die Nordschleusenbrücke der Zulaufstrecke wegen Schäden abgebrochen, und ein Ersatzbauwerk ist in Planung.
Die damit nicht mehr erreichbaren Gleisanlagen des Columbusbahnhofs wurden um 2023 zurückgebaut.
Noch 2021 war der Bahnhof Schauplatz des Bühnenstücks Passenger Processing der Theatergruppe Das letzte Kleinod.
Die Zuschauer wurden in kleinen Gruppen durch den verlassenen Bahnhof geführt und erlebten eine Zeitreise in das Bremerhaven der 1950er bis 1970er Jahre.

Abriss geplant, Umbau beschlossen
Weil die Kaje altersschwach war, sollte sie bis 2018 saniert werden.
Ein Gutachten für den Hafenbetreiber bremenports schlug für die Columbusinsel den Abriss des alten Bahnhofs und einen Neubau von Anlagen für größere Kreuzfahrtschiffe vor.
2023 gewann das Büro gmp ein Vergabeverfahren mit einem anderen Vorschlag: Sanierung und Erweiterung statt Abriss.
Der Stahlbetonbau soll bis zur 14. Etage aufgestockt werden, für die schon das ursprüngliche Fundament ausgelegt war.
Erhalten bleiben sollen prägende Innenräume wie der Warteraum der ersten Klasse und die zentrale Wartehalle mit den Läden an den Seiten.
Ein Zeitplan für den Baubeginn ist nicht belegt.
Der Betrieb für Passagiere läuft während der Arbeiten weiter.
So sieht es jetzt aus
Das Gebäude ist heute das Kreuzfahrtterminal der Columbuskaje, früher Columbus Cruise Center und seit dem 1. Januar 2025 unter dem Namen Bremerhaven Cruise Port betrieben.
Die Kaje wurde in drei Bauabschnitten bis November 2024 saniert, und die Kaikante wurde um rund 20 Meter nach vorn verlegt.
Die neuen Passagierbrücken sind mit 57 Metern Länge die längsten in Europa.
2006 reisten über 75.000 Passagiere von der Columbuskaje, 2011 waren es noch rund 52.000, und 2023 kamen mit 320.000 Passagieren so viele wie nie zuvor.



Das Terminal liegt im Hafengebiet, wo der Betrieb im Vordergrund steht.
Gleise führen nicht mehr dorthin.
Vorher und nachher auf einen Blick
1932 rollten D-Züge bis an die Pier und warteten dort neben den Schornsteinen der Ozeandampfer.
Heute liegen Busse und Kreuzfahrtschiffe an der Kaje, und die Gleise sind abgebaut.
Die Geschichte in Daten
1897: Die Lloydhalle an der Kaiserschleuse geht in Betrieb.
1924: Der Bau der Columbuskaje beginnt.
1927: Die Kaje ist fertig.
20.8.1928: Das Columbus-Terminal geht in Betrieb.
1932: Nur noch etwa 40.000 Passagiere schiffen sich ein.
8.1944: Luftangriffe zerstören das Terminal.
4.1950: Ein provisorisches Holzterminal öffnet.
1952: Südliche Fahrgastanlage und Bahnhof sind fertig.
1958 bis 1962: Die neue Fahrgastanlage II mit Bahnhof entsteht.
1975: Im Südteil geht ein Stückgutterminal in Betrieb.
7.4.1993: Letzter regulärer Personenverkehr der Bahn.
2021: Die Nordschleusenbrücke wird abgebrochen.
um 2023: Die Gleisanlagen werden zurückgebaut.
8.2023: Gmp gewinnt das Verfahren für einen Umbau statt Abriss.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Zug zum Columbusbahnhof?
Kann man heute noch mit dem Zug zum Columbusbahnhof fahren?
Steht das Gebäude noch?
Wer reiste über die Columbuskaje?
Warum lag der Bahnhof so abgelegen?
Aus dem Bahnhof am Ozeandampfer ist ein Terminal ohne Gleise geworden.
Wikipedia: Columbuskaje · Seestadt Bremerhaven: Columbus Terminal, Bau und Geschichte · Deutsches Auswandererhaus: Fotopostkarte Columbusbahnhof 1928 · gmp Architekten: Kein Abriss, sondern Umbau · Wikimedia Commons: Bilder
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