Die stillen Halte der Butzbach-Licher Eisenbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Butzbach-Licher Eisenbahn

Von der Butzbach-Licher Eisenbahn fährt nur noch ein Teil als Museumsbahn. Andere Strecken wurden stillgelegt und abgebaut, ihre Halte sind abgerissen oder erhalten geblieben.

Der ehemalige Bahnhof Griedel.
Der ehemalige Bahnhof Griedel. Foto: Cherubino, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1904
Eröffnung Butzbach–Lich
1953
Lich–Grünberg stillgelegt
1975
Letzter Personenzug der BLE
2003
Museumsstrecke an Eisenbahnfreunde verpachtet

Lage: Wetteraukreis und Landkreis Gießen, Hessen. Status: Teile stillgelegt und abgebaut, die Strecken Griedel–Bad Nauheim Nord und Griedel–Münzenberg sind Museumsbahn der Eisenbahnfreunde Wetterau. Heute: Museumsbetrieb, Radwege und erhaltene Bahnhofsgebäude.

Die Butzbach-Licher Eisenbahn, kurz BLE, war einmal ein Netz von 56,4 Kilometern.

Heute ist davon weniger als die Hälfte übrig.

Ein Teil wurde stillgelegt und abgebaut, ein anderer Teil ist Museumsbahn.

Dieser Beitrag trennt beides klar.

Die Strecken Griedel–Bad Nauheim Nord und Griedel–Münzenberg sind seit 2003 an die Eisenbahnfreunde Wetterau verpachtet und gelten daher nicht als stillgelegt.

Stillgelegt sind die Abschnitte Münzenberg–Lich, Lich–Grünberg und Pohl-Göns–Oberkleen.

Freie Fotos aus der Betriebszeit der BLE gibt es kaum, die Bilder zeigen vor allem die Museumsstrecke.

Entstehung der Bahn

Die Butzbach-Licher Eisenbahn AG wurde am 14. April 1902 gegründet.

Die Konzession zum Bau und Betrieb erteilte das Großherzogtum Hessen am 12. März 1903.

Am 28. März 1904 ging die erste, 19 Kilometer lange Strecke von Butzbach West nach Lich Süd in Betrieb.

Am 15. Juli 1909 folgte die Fortsetzung bis Queckborn, am 1. August 1909 bis Grünberg Süd.

Die Linie von Griedel nach Bad Nauheim Nord war ab dem 2. April 1910 durchgehend befahrbar.

Die Strecke von Butzbach Ost nach Ebersgöns wurde am 13. Mai 1910 eröffnet, die Eröffnung musste kurzfristig vom 1. Mai verschoben werden.

Die letzte Strecke bis Oberkleen war am 1. Juni 1910 vollendet.

Die Bahn erschloss ein überwiegend ländliches Gebiet mit so wenig Verkehr, dass die Erwartungen der Gründer nicht erfüllt wurden.

Griedel und Griedel Mitte

In Griedel zweigte die Linie durch das Wettertal nach Bad Nauheim Nord von der Stammstrecke ab.

Hier liegt die Griedeler Kurve, an der der Ast nach Münzenberg auf die Strecke nach Bad Nauheim trifft.

Die Brücken über die Wetter bei Griedel stammen aus der Bauzeit um 1904.

Im Bahnhof Griedel übergeben die Eisenbahnfreunde ihre Güterzüge an die Hessische Landesbahn.

Die Grenze zwischen beiden Betrieben liegt am Bahnübergang der L 3053 und L 3134.

Zum Halt Griedel Mitte ist nichts weiter belegt.

Rockenberg

Der alte Bahnhof von Rockenberg dient in den Sommermonaten als Station der Museumszüge der Eisenbahnfreunde Wetterau.

Rockenberg selbst hat keinen Bahnhof mit Personenverkehr, der nächste liegt in Butzbach.

Ein Zug der Eisenbahnfreunde Wetterau mit einer Lok der Baureihe V 36 hat Rockenberg-Oppershofen verlassen und fährt zum Rosenfest nach Steinfurth.
Ein Zug der Eisenbahnfreunde Wetterau mit einer Lok der Baureihe V 36 hat Rockenberg-Oppershofen verlassen und fährt zum Rosenfest nach Steinfurth. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Oppershofen

Die Trasse der BLE führt durch Oppershofen.

Der alte Bahnhof ist nicht mehr in Betrieb.

Die Museumszüge halten dort nicht.

Ein ÖBB-Dienstfahrzeug der Baureihe X626 bei Oppershofen.
Ein ÖBB-Dienstfahrzeug der Baureihe X626 bei Oppershofen. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Steinfurth

Der Bahnhof Steinfurth hat einen Bahnsteig zwischen Durchgangs- und Ausweichgleis, kurz hinter dem Bahnübergang in der Bad Nauheimer Straße.

Das Empfangsgebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut.

Rund 100 Meter entfernt liegt der Haltepunkt Rosenbahnsteig, den die Eisenbahnfreunde nur einmal alle zwei Jahre zum Rosenfest anfahren.

Sonderverkehr zum zweijährlichen Rosenfest gibt es traditionell seit 1980.

Zur Landesgartenschau Bad Nauheim 2010 pendelten Züge halbstündlich zum Rosendorf Steinfurth.

Bahnhof Steinfurth, Sonderzüge zum Rosenfest mit einem ÖBB-Fahrzeug X626 und einem GTW 2/6.
Bahnhof Steinfurth, Sonderzüge zum Rosenfest mit einem ÖBB-Fahrzeug X626 und einem GTW 2/6. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Sonderzug der Eisenbahnfreunde Wetterau zum Steinfurther Rosenfest zwischen Steinfurth und Bad Nauheim.
Sonderzug der Eisenbahnfreunde Wetterau zum Steinfurther Rosenfest zwischen Steinfurth und Bad Nauheim. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Nauheim Nord

Bad Nauheim Nord ist die Basis der Museumsbahn.

Hier befinden sich der Betriebsbahnhof mit Lokhalle und Grube.

Neben dem Museumszug sind dort einige Baufahrzeuge und Draisinen eingestellt.

Die BLE stellte die Bedienung zwischen Griedel und Bad Nauheim Nord am 18. Juni 2001 ein.

Der Personenverkehr zwischen Butzbach Ost und Bad Nauheim Nord hatte schon am 31. Mai 1975 geendet.

Gambach

Die BLE schließt Gambach seit 1904 an das Eisenbahnnetz an.

Heute verkehren auf der Strecke Bad Nauheim Nord–Griedel–Münzenberg nur noch Museumszüge der Eisenbahnfreunde Wetterau.

Der Verein nahm 2004 auch den Güterverkehr wieder auf, vor allem mit Holzzügen.

Verladen wird im Bahnhof Münzenberg.

Güterzug der Eisenbahnfreunde Wetterau mit Holz von Münzenberg nach Griedel bei Gambach.
Güterzug der Eisenbahnfreunde Wetterau mit Holz von Münzenberg nach Griedel bei Gambach. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Juli 2022 sperrte die Aufsichtsbehörde Teilabschnitte beider Museumsstrecken.

Der Verein tauscht Schwellen und Schotter aus, zunächst zwischen Griedel und Münzenberg.

Eine Wiederaufnahme des Museumsbetriebs war für 2026 geplant, Stand August 2025.

Ein Zug der Eisenbahnfreunde Wetterau verlässt Münzenberg-Ober-Hörgern auf dem verbliebenen Teil der Strecke, im Hintergrund die Burg Münzenberg.
Ein Zug der Eisenbahnfreunde Wetterau verlässt Münzenberg-Ober-Hörgern auf dem verbliebenen Teil der Strecke, im Hintergrund die Burg Münzenberg. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Trais-Münzenberg

Trais besaß am Streckenkilometer 10,5 einen unbesetzten Bahnhof mit Warte- und Dienstraum.

Dort gab es auch eine Laderampe für Zuckerrüben.

1961 wurde der Personenverkehr aufgegeben, 1973 das Empfangsgebäude abgerissen.

Mit der Aufgabe der Strecke bis Hof- und Dorf-Güll am 12. Juni 1975 wurde Trais-Münzenberg zur Endstation der noch im Güterverkehr genutzten Strecke.

Am 26. September 1985 wurde auch dieser Abschnitt stillgelegt, danach wurden die Gleisanlagen demontiert.

Muschenheim

Muschenheim lag zwischen Trais-Münzenberg und Hof- und Dorf-Güll an der Strecke Richtung Lich.

Dieser Abschnitt wurde am 12. Juni 1975 stillgelegt.

Zum Bahnhof selbst ist nichts weiter belegt.

Die Strecke Lich–Grünberg

Die Strecke von Lich Süd nach Grünberg Süd wurde am 4. Oktober 1953 stillgelegt.

Sie war damit der erste Abschnitt, mit dem das Netz der BLE schrumpfte.

Ihre Halte sind fast durchweg belegarm.

Die alte Trasse der Butzbach-Licher Eisenbahn zwischen Lich und Nieder-Bessingen.
Die alte Trasse der Butzbach-Licher Eisenbahn zwischen Lich und Nieder-Bessingen. Foto: MdE, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niederbessingen

Nieder-Bessingen erhielt mit der Verlängerung der Bahn Richtung Grünberg einen Bahnanschluss.

Zur Schließung des Bahnhofs nennt eine Quelle die 1970er Jahre, die Stilllegung der Strecke ist für den 4. Oktober 1953 belegt.

Die Angaben gehen auseinander.

Heute fahren nur noch Busse.

Oberbessingen

Ober-Bessingen war ein Halt zwischen Nieder-Bessingen und Münster.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Münster

Der Halt Münster lag auf der Strecke zwischen Ober-Bessingen und Ettingshausen.

Mehr ist nicht belegt.

Ettingshausen

Von der einst verkehrenden Butzbach-Licher Eisenbahn sind in Ettingshausen der ehemalige Bahnhof und Teile des Bahndamms erhalten.

Harbach

Harbach lag zwischen Ettingshausen und Queckborn.

Zu den Bahnanlagen sind keine weiteren Angaben belegt.

Queckborn

Am 15. Juli 1909 wurde die Strecke bis Queckborn eröffnet.

Der Bahnhof Queckborn lag an der BLE-Strecke.

Der nächste Bahnhof ist heute Grünberg an der Bahnstrecke Gießen–Fulda.

Wenige Wochen später, am 1. August 1909, folgte der Endbahnhof Grünberg Süd.

Ebersgöns und Oberkleen

1910 bekam Ebersgöns einen Bahnanschluss mit einem Ast der BLE, der später bis Oberkleen verlängert wurde.

Eine geplante Verlängerung bis Wetzlar kam nicht mehr zustande.

Oberkleen erhielt den Anschluss wegen der Kalksteinvorkommen: 1910 wurde der erste Steinbruch eröffnet, dazu entstand eine Plattenfabrik.

Um beides besser zu erreichen, verlängerte die BLE ihre Strecke, die zunächst nur bis zur damaligen hessisch-preußischen Grenze vor Ebersgöns geplant war.

Der Betrieb mit Personenzügen begann am 1. Juni 1910.

Der Personenverkehr von Butzbach Ost nach Oberkleen endete am 30. September 1956, der Güterverkehr 1968.

Am 1. Januar 1969 wurde die Strecke von Pohl-Göns nach Oberkleen stillgelegt und ab Kilometer 4,8 abgebaut.

Dieser Punkt war die ehemalige Grenze zu Preußen.

Mitte Juni 2014 wurde die Reststrecke wegen der Anbindung an den Limes-Radweg um etwa 600 Meter verkürzt.

Der Niedergang des Netzes

Am 27. Mai 1961 verloren die Stammstrecke zwischen Butzbach West und Butzbach Ost sowie die Strecke von Griedel nach Lich Süd den Personenverkehr.

Der Abschnitt von Hof- und Dorf-Güll nach Lich Süd wurde ganz stillgelegt.

Am 31. Mai 1975 endete mit dem Personenverkehr zwischen Butzbach Ost und Bad Nauheim Nord der Schienenpersonenverkehr der BLE.

Die Bedienung des Güterverkehrs zwischen Butzbach Ost und Münzenberg gab die BLE am 1. Juni 2003 auf, der Verein führt ihn weiter.

Im Juli 2021 teilte das Verkehrsministerium mit, die Schieneninfrastruktur an die Eisenbahnfreunde Wetterau zu verkaufen.

So sieht es jetzt aus

Die Hessische Landesbahn nutzt von der Stammstrecke nur noch die Verbindungskurve zur Main-Weser-Bahn in Butzbach und das Stück zur Werkstatt.

Der Museumsbetrieb der Eisenbahnfreunde Wetterau läuft zwischen Bad Nauheim Nord, Griedel und Münzenberg.

Eine Reaktivierung für den Personennahverkehr ist bisher nicht vorgesehen.

1902: Gründung der Butzbach-Licher Eisenbahn AG am 14. April.

1904: Eröffnung Butzbach West–Lich Süd am 28. März.

1909: Verlängerung bis Queckborn am 15. Juli und bis Grünberg Süd am 1. August.

1910: Griedel–Bad Nauheim Nord ab 2. April durchgehend befahrbar, Oberkleen am 1. Juni erreicht.

1953: Lich Süd–Grünberg Süd stillgelegt am 4. Oktober.

1969: Pohl-Göns–Oberkleen stillgelegt am 1. Januar.

1975: Letzter Personenverkehr der BLE am 31. Mai.

1985: Münzenberg–Trais-Münzenberg stillgelegt am 26. September.

2003: Strecken ab Griedel an die Eisenbahnfreunde Wetterau verpachtet.

2021: Verkauf der Strecken an die Eisenbahnfreunde Wetterau.

Ist die Butzbach-Licher Eisenbahn stillgelegt?
Nicht ganz. Die Strecken Griedel–Bad Nauheim Nord und Griedel–Münzenberg sind Museumsbahn der Eisenbahnfreunde Wetterau, andere Abschnitte sind stillgelegt und abgebaut.
Was ist mit der Strecke Lich–Grünberg?
Sie wurde am 4. Oktober 1953 stillgelegt.
Wem gehört die Museumsstrecke?
Die Eisenbahnfreunde Wetterau kauften die Strecken Bad Nauheim Nord–Griedel und Münzenberg im Sommer 2021.
Welche Halte sind erhalten?
In Ettingshausen stehen noch der ehemalige Bahnhof und Teile des Bahndamms, in Steinfurth ist das Empfangsgebäude ein Wohnhaus, in Rockenberg dient der alte Bahnhof im Sommer als Museumsstation.
Gibt es eine Reaktivierung für den Personenverkehr?
Eine Reaktivierung für den Schienenpersonennahverkehr ist bisher nicht vorgesehen.

Das Netz der BLE ist zur Hälfte verschwunden.

Der andere Teil lebt als Museumsbahn weiter.

Quellen und Bildrechte

Butzbach-Licher Eisenbahn (Wikipedia) · Trais (Münzenberg) (Wikipedia) · Rockenberg (Wikipedia) · Oppershofen (Wikipedia) · Gambach (Münzenberg) (Wikipedia) · Steinfurth (Bad Nauheim) (Wikipedia) · Oberkleen (Wikipedia) · Ebersgöns (Wikipedia) · Nieder-Bessingen (Wikipedia) · Ettingshausen (Wikipedia) · Queckborn (Wikipedia) · Bahnhof Bad Nauheim Nord, Eisenbahnfreunde Wetterau

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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