Der Brünigbahnhof in Luzern: ein Holzbahnhof am See, der nur bis 1896 Endstation war

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Der Brünigbahnhof in Luzern: ein Holzbahnhof am See, der nur bis 1896 Endstation war

1889 am Inseli eröffnet, 1896 durch den neuen Hauptbahnhof ersetzt, 1981 abgerissen: Der Brünigbahnhof ist aus Luzern verschwunden, die Brünigbahn fährt weiter.

Der Brünigbahnhof am Vierwaldstättersee in Luzern, Aufnahme von 1890.
Der Brünigbahnhof am Vierwaldstättersee in Luzern, Aufnahme von 1890. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1889
Eröffnung am Inseli
1892
Bundesrat genehmigt den Zentralbahnhof
1896
Brünigbahn zieht in den neuen Bahnhof
1981
Abriss der letzten Gebäude

Lage: Luzern, am Seeufer beim Inseli. Status: Seit 1896 aufgegeben, die Gebäude wurden 1981 abgerissen. Heute: An der Stelle stand ein Postbetriebsgebäude, das 2005 bis 2011 zum Hauptgebäude der Universität Luzern umgebaut wurde. Die Brünigbahn fährt weiter und beginnt im Bahnhof Luzern.

Luzern hatte einmal zwei Bahnhöfe nebeneinander.

Einer gehörte der Centralbahn, der andere war der Brünigbahnhof, ein Holzbau am Seeufer beim Inseli.

1889 eröffnet, war er nur wenige Jahre Endstation der Brünigbahn.

1896 zog die Bahn in den neuen Hauptbahnhof um, und der Brünigbahnhof wurde aufgegeben.

Seine Gebäude wurden danach noch gebraucht, bis sie 1981 abgerissen wurden.

Die Brünigbahn gibt es weiter, sie fährt heute als Teil der Zentralbahn und beginnt im Bahnhof Luzern.

Freie Fotos des Brünigbahnhofs sind selten, auf Wikimedia Commons gibt es nur zwei Aufnahmen von 1890, und eine Aufnahme von heute fehlt, weil nichts mehr steht.

Wie die Brünigbahn nach Luzern kam

Die Jura-Bern-Luzern-Bahn baute die Brünigbahn und begann am 25. August 1886 mit dem Bau.

Am 14. Juni 1888 eröffnete sie den Abschnitt von Brienz über den Brünigpass bis nach Alpnachstad, der über 44 Kilometer lang ist.

Dort gab es zunächst nur Anschluss an Dampfschiffe, denn bis Luzern fuhr man auf dem Vierwaldstättersee.

Das Berner Oberland und die Zentralschweiz sollten verbunden werden, weil der Fremdenverkehr in beiden Regionen stark zunahm.

Die meterspurige Bahn mit Zahnradstrecken verband diese beiden Tourismusregionen, und sie hatte auch eine große militärische Bedeutung.

Der Architekt Paul Adolphe Tièche entwarf den Brünigbahnhof und leitete den Bau.

Am 16. Juli 1888 legte er der Direktion der Bahngesellschaft seine Pläne vor, am 29. August 1888 genehmigte das Eisenbahndepartement sie.

Am 1. Juni 1889 wurde der durchgehende Verkehr zwischen Brienz und Luzern aufgenommen.

Die Schmalspurzüge aus dem Berner Oberland kamen nun im Brünigbahnhof an.

Zwischen Interlaken und Brienz fuhr noch bis 1916 ein Schiff.

So sah es vorher aus: ein Chalet am See

Der Brünigbahnhof war ein Holzbau unmittelbar neben dem Vierwaldstättersee.

Holz war in den 1880er Jahren ein beliebtes Baumaterial für Stationsbauten, es kam auch bei einigen Stationen der Gotthardbahn und der Nordostbahn zum Einsatz.

Die Stationsgebäude der Brünigbahn sind Chaletbauten, die 1888 der Architekt Georg Thomas Lommel entwarf.

Der Brünigbahnhof hatte bei den Wartesälen eine Reihe von Lukarnen und am Hauptbau eine Giebelfront.

Die Reisenden bewegten sich vor allem außerhalb des Gebäudes unter einem Schutzdach.

Das Inseli (links), das neue Bootshaus (Mitte) und der Brünigbahnhof (rechts) am Vierwaldstättersee, Aufnahme von 1890.
Das Inseli (links), das neue Bootshaus (Mitte) und der Brünigbahnhof (rechts) am Vierwaldstättersee, Aufnahme von 1890. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Strecke begann in Luzern beim Inseli und führte durch das Tribschenmoos nach Horw.

Von dort ging es durch Nidwalden und Obwalden über den Brünigpass nach Brienz.

Eine Lokomotivremise lag bei der Schiffswerft.

Der eiserne Gürtel und das Ende

Luzern wuchs gegen Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem durch den Tourismus.

Mit zwei Bahnhöfen entstand nach den Worten des damaligen Stadtrats ein eiserner Gürtel.

Gemeint waren Bahnanlagen, die Quartiere trennten, die Ausdehnung der Stadt verhinderten und den Verkehr zwischen Innenstadt und Außenquartieren erschwerten.

1892 genehmigte der Bundesrat das Projekt für einen neuen Bahnhof, der alle Linien unter einem Dach vereinen sollte.

Der zweite Luzerner Bahnhof wurde 1896 eröffnet und gegenüber der alten Anlage gedreht, damit sich die Bahn weniger quer durch die Stadt legte.

Die Brünigbahn wurde in die neue Anlage integriert.

Damit war der Brünigbahnhof überflüssig.

Die Lokomotivremise bei der Schiffswerft lag nun im Bereich des neuen Güterbahnhofs und wurde abgerissen.

Die meisten anderen Gebäude lagen jetzt zwischen Personenbahnhof und Güterbahnhof und hatten keinen Anschluss mehr ans Schienennetz.

Nach 1896: Lager, Wohnung, Salz

Die Lagerhalle im südlichen Teil des Brünigbahnhofs nutzten fortan private Firmen.

Von 1900 bis 1903 bekam sie ein Anschlussgleis ab dem Güterbahnhof, das über eine Drehscheibe zu erreichen war.

1918 wurde das staatliche Salzmagazin in den ehemaligen Brünigbahnhof verlegt.

Das Empfangsgebäude diente als Dienstwohnung für Eisenbahner.

So sieht es jetzt aus: eine Fehlstelle im Stadtbild

Von den Gebäuden des Brünigbahnhofs steht nichts mehr.

In den 1980er Jahren wurde am Standort der Postbahnhof mit dem Vertriebszentrum der PTT gebaut, die verbliebenen Gebäude des Brünigbahnhofs wurden dafür 1981 abgerissen.

Dieses Postvertriebsgebäude wurde zwischen 2005 und 2011 zum Hauptgebäude der Universität Luzern umgebaut.

Die Universität ist also nicht im alten Bahnhof untergebracht, sondern steht an der Stelle, an der er einst stand.

Wer heute mit der Brünigbahn fahren will, steigt im Bahnhof Luzern ein.

Dort beginnt die Strecke neben den Normalspurgleisen.

Sie gehört seit dem 1. Januar 2005 zur Zentralbahn.

Die Brünigbahn nach 1896

Die Jura-Bern-Luzern-Bahn wurde am 1. Januar 1890 Teil der Jura-Simplon-Bahn.

Mit der Verstaatlichung zu den Schweizerischen Bundesbahnen am 1. Mai 1903 wurde der ganzjährige Betrieb eingeführt.

Die Strecke zwischen Brienz und Interlaken Ost wurde am 23. August 1916 eröffnet.

Der elektrische Betrieb begann am 18. November 1941 zwischen Luzern und Meiringen und am 24. Dezember 1942 auch auf dem Rest der Strecke.

Mit den elektrischen Triebwagen konnte erstmals ein Fahrzeug die ganze Strecke befahren.

Bis zum 31. Dezember 2004 war die Brünigbahn die einzige Schmalspurstrecke und die einzige Zahnradbahn im Netz der SBB.

25. August 1886: Baubeginn der Brünigbahn.

14. Juni 1888: Eröffnung von Brienz bis Alpnachstad.

29. August 1888: Das Eisenbahndepartement genehmigt die Pläne für den Brünigbahnhof.

1. Juni 1889: Durchgehender Verkehr zwischen Brienz und Luzern.

1892: Der Bundesrat genehmigt den neuen Zentralbahnhof.

1896: Der zweite Luzerner Bahnhof wird eröffnet, der Brünigbahnhof aufgegeben.

1918: Das Salzmagazin zieht in den Brünigbahnhof.

1981: Die letzten Gebäude werden abgerissen.

2005 bis 2011: Das Postvertriebsgebäude wird zum Hauptgebäude der Universität Luzern.

Wo stand der Brünigbahnhof?
In Luzern am Seeufer beim Inseli, am linken Ufer des Vierwaldstättersees.
Ist der Brünigbahnhof heute die Universität?
Nein. Die Gebäude des Brünigbahnhofs wurden 1981 abgerissen. An ihrer Stelle entstand der Postbahnhof, dessen Vertriebsgebäude 2005 bis 2011 zum Hauptgebäude der Universität Luzern umgebaut wurde.
Warum wurde der Brünigbahnhof aufgegeben?
Zwei getrennte Bahnhöfe bildeten einen eisernen Gürtel in der Stadt. Deshalb entstand 1896 ein neuer Bahnhof für alle Linien, in den die Brünigbahn integriert wurde.
Fährt die Brünigbahn noch?
Ja. Sie gehört seit 2005 zur Zentralbahn und fährt von Luzern über den Brünigpass nach Interlaken Ost.
Gibt es noch Reste des Bahnhofs?
Für den Bahnhof sind keine Reste belegt. Die letzten Gebäude wurden 1981 abgerissen, die Lokomotivremise schon nach 1896.

Der Brünigbahnhof war ein kurzes Kapitel der Luzerner Bahngeschichte.

Seine Bahn hat ihn überlebt, sein Gebäude nicht.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Luzern Brünigbahnhof · Wikipedia: Brünigbahn · Wikipedia: Bahnhof Luzern · Luzerner Zeitung: Als es in Luzern zwei Bahnhöfe gab

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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