Die Bröltalbahn: Spuren der ersten Schmalspurbahn im öffentlichen Verkehr
Die Bröltalbahn verband Beuel bei Bonn mit Ruppichteroth, Waldbröl und Asbach. Seit 1967 fährt hier kein Zug mehr, doch Bahnhöfe und ein Museum erinnern an sie.

Lage: Von Bonn-Beuel über Hennef und Ruppichteroth bis Waldbröl und Asbach, Spurweite 785 Millimeter. Status: Der letzte Personenzug fuhr am 1. August 1956 zwischen Hennef und Asbach, der letzte Güterzug am 17. Mai 1967. Heute: In Beuel steht eine Gaststätte im Bahnhofsgebäude, in Asbach arbeitet ein Museum.
Die Bröltalbahn war die erste Schmalspurbahn des öffentlichen Verkehrs in Deutschland.
Ihr Netz mit 785 Millimetern Spurweite war zu seiner größten Ausdehnung 87,3 Kilometer lang.
Sie verband Beuel bei Bonn mit Hennef, Ruppichteroth, Waldbröl und Asbach, und später auch die Basaltbrüche um Oberpleis.
Seit 1967 fährt hier kein Zug mehr, doch die Bahn ist nicht vergessen: In Asbach gibt es ein Museum, in Beuel eine Gaststätte im alten Bahnhof.
Dieser Beitrag geht die Halte Beuel, Oberpleis, Ruppichteroth und Asbach der Reihe nach durch.
Alte freie Fotos der Halte sind selten, die ältesten Bilder in diesem Beitrag sind eine Postkarte von 1901 und Aufnahmen ab 2008.
So kam die Bahn ins Bröltal
Um 1830 wurde im Bröltal bei Ruppichteroth Eisenerz gefunden.
Weil eine Eisenbahn durch das Bröltal im 19. Jahrhundert zu schwierig zu bauen war, bekam das Tal zunächst nur eine Straße.
Der Transport mit Pferde- und Ochsenkarren blieb mühsam, deshalb gründeten Besitzer der Friedrich-Wilhelms-Hütte in Troisdorf am 2. Juli 1860 eine Gesellschaft für eine Pferdeeisenbahn zwischen Hennef und Ruppichteroth.
Die Konzession für den Bau wurde am 30. November 1860 erteilt.
Am 25. April 1863 fuhr die erste Dampflok im Bröltal, im ersten Jahr musste noch ein Polizeikommissar mitfahren und aufschreiben, wenn Tiere scheuten.
Am 6. September 1870 wurde die Strecke nach Waldbröl eröffnet, und am 1. Juli 1871 begann der Personenverkehr auch zwischen Hennef und Ruppichteroth.
Fahrgäste zahlten allerdings erst seit dem 16. September 1872 einen Fahrpreis.
1885 übernahmen das Bankhaus Sal. Oppenheim und die Disconto-Gesellschaft die Bahn, vor allem wegen des Basalttransports im nordwestlichen Westerwald.
Am 1. Dezember 1891 wurde die Strecke von Hennef nach Beuel eröffnet, am 20. Januar 1892 die nach Buchholz und am 15. August 1892 die Verlängerung nach Asbach.
Die neuen Strecken bekamen einen eigenen Bahnkörper, nur die Stammstrecke von Hennef nach Waldbröl lag in der Straße.
Im Beueler Hafen wurde der Basalt auf Schiffe verladen.
Am 10. Juni 1921 wurde die Brölthaler Eisenbahn AG in Rhein-Sieg-Eisenbahn AG umbenannt, weil sie schon lange nicht mehr nur durch das Bröltal fuhr.
Das Ende der Bahn
Am 1. Februar 1925 begann die Bahngesellschaft mit Linienbussen, um die Konkurrenz abzuwehren.
1937 wurden zum ersten Mal mehr Menschen mit dem Bus als mit der Bahn befördert.
Ab 1951 wurde der Personenverkehr auf der Schiene schrittweise eingestellt.
Der letzte Personenzug fuhr am 1. August 1956 zwischen Hennef und Asbach.
Der letzte Güterzug fuhr am 17. Mai 1967 auf der Reststrecke zwischen dem Steinbruch Eudenberg und Beuel.
Von der Pflicht, Lastwagen als Ersatz einzusetzen, wurde die Gesellschaft am 1. Dezember 1971 befreit.
Die Gleise wurden danach in kurzer Zeit abgebaut, Gebäude und Anlagen wurden verkauft oder für den Busbetrieb weitergenutzt.
Beuel: das Bahnhöfchen
Von 1891 bis 1967 war Beuel der Endpunkt des Netzes.
Am Bahnhof unterhalb der heutigen Kennedybrücke wurde Basalt aus dem unteren Westerwald auf Rheinschiffe verladen.
Bis 1951 gab es hier auch Personenverkehr.
Das frühere Bahnhofsgebäude und das Vordach des ehemaligen Bahnsteigs stehen unter Denkmalschutz, heute befindet sich darin das Restaurant Bahnhöfchen.
Die ersten etwa 1,5 Kilometer der Trasse sind als Bröltalbahnweg ein Rad- und Spazierweg.
Oberpleis: Basalt und Lokschuppen
Die Strecke von Niederpleis nach Oberpleis diente vor allem dem Abtransport von Basalt.
Sie wurde 1893 eröffnet, ein Jahr später bis Herresbach und 1902 bis Rostingen verlängert.
Über diese Privatbahn hatte die Region Anschluss an die Staatsbahn, doch der Personenverkehr ging mit dem Ausbau der Buslinien zurück.
1962 legte die Rhein-Sieg-Eisenbahn die gesamte Strecke still.
2016 standen in Oberpleis noch Lokschuppen, Güterschuppen und das Bahnhofsgebäude.


Ruppichteroth: Erz, Kalk und Dünger
Ruppichteroth war der erste Zielort der Bahn, hier lag das Erz, das den Bau ausgelöst hatte.
Der Bahnhof Ruppichteroth wird mit den Jahren 1870 bis 1966 angegeben, 1966 wurde auch das Gelände des Güterbahnhofs abgebrochen.
Am Güterbahnhof wurden Dünger, Kohle und Holz umgeschlagen.
Heute erinnern am Busbahnhof in der Brölstraße ein kurzes Gleisstück mit Erinnerungstafel an die Bahn.

Waldbröl und die Stammstrecke
Waldbröl war der östliche Endpunkt der Stammstrecke und wurde am 6. September 1870 erreicht.
Am ehemaligen Bahnhof Waldbröl liegen heute Denkmalgleise.

Asbach: Endpunkt mit Museum
Mit der Verlängerung am 15. August 1892 bekam Asbach einen Bahnhof als Streckenendpunkt mit Lokschuppen, Empfangsgebäude und Güterschuppen.
Der Personenverkehr wurde am 1. August 1956 eingestellt, der Güterverkehr folgte am 1. Dezember 1959.
Der Lokschuppen diente danach zunächst als Linienbusdepot der Rhein-Sieg-Eisenbahn und später als Bauhof der Gemeinde.
Im Jahr 2000 eröffnete hier ein Eisenbahnmuseum, im Mittelpunkt steht die Dampflok 53, die letzte erhaltene Dampflok der Bröltalbahn.


Das Empfangsgebäude erwarb die Gemeinde und sanierte es, seit August 2013 befinden sich im Erdgeschoss die Ausstellungsräume, das Obergeschoss ist Wohnraum.
Im Sommer 2013 kehrte die originale Diesellok V 13 aus Österreich nach Asbach zurück.
Seit dem Winter 2022/23 wird die Gleisanlage des Museums möglichst originalgetreu rekonstruiert, am 14. April 2024 war der erste Bauabschnitt nach 16 Monaten Bauzeit befahrbar.

So sieht es jetzt aus
Fast alle Denkmäler entlang der Strecke zeigen Fahrzeuge, die nie auf der Bröltalbahn gefahren sind.
In Niederpleis dient das frühere Empfangsgebäude heute als Kindergarten.
Weitere Empfangsgebäude stehen noch in Dahlhausen, Mendt, Pützchen, Hangelar, Oberpleis, Quirrenbach und Rostingen, meist sind sie stark umgebaut.
Auch Brücken blieben stehen, etwa die Stahlträgerbrücke des Anschlusses zur Molkerei Krautscheid, von der nur die Schmalspurgleise entfernt wurden.

Vorher und nachher in Asbach
Nach 1959 diente der Bahnhof Asbach zunächst anderen Zwecken, seit 2000 ist er ein Museumsbahnhof.
Das zeigen die Postkarte von 1901 und die Aufnahmen aus den Jahren 2011 und 2016 in diesem Beitrag.
Die Geschichte in Daten
30. November 1860: Die Konzession für die Pferdeeisenbahn durch das Bröltal wird erteilt.
25. April 1863: Die erste Dampflok fährt im Bröltal.
6. September 1870: Die Strecke nach Waldbröl wird eröffnet.
1. Dezember 1891: Die Strecke von Hennef nach Beuel wird eröffnet.
15. August 1892: Die Verlängerung nach Asbach geht in Betrieb.
10. Juni 1921: Die Brölthaler Eisenbahn AG heißt nun Rhein-Sieg-Eisenbahn AG.
1. August 1956: Der letzte Personenzug fährt zwischen Hennef und Asbach.
1. Dezember 1959: Der Güterverkehr nach Asbach endet.
1962: Die Strecke nach Oberpleis wird stillgelegt.
17. Mai 1967: Der letzte Güterzug fährt zwischen Eudenberg und Beuel.
2000: Das Eisenbahnmuseum in Asbach wird eröffnet.
Häufige Fragen
Fährt die Bröltalbahn noch?
Was ist im Bahnhöfchen in Beuel heute?
Welche Spurweite hatte die Bröltalbahn?
Gibt es noch Fahrzeuge der Bröltalbahn?
Warum heißt die Gesellschaft Rhein-Sieg-Eisenbahn?
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