Brexbachtalbahn und Holzbachtalbahn: stille Halte im Westerwald
Der Personenverkehr endete hier 1984 und 1989. Seitdem gibt es Güterzüge und die Fahrten eines Vereins.


Lage: Westerwald zwischen Engers und Altenkirchen. Status: Kein regulärer Personenverkehr, auf der Holzbachtalbahn läuft Güterverkehr. Heute: Der Verein Brexbachtalbahn e. V. fährt Sonderfahrten, auf dem Abschnitt Grenzau–Siershahn gilt seit 2019 eine Betriebsgenehmigung.
Die Bahnstrecke Engers–Au durchquert den Westerwald, ihr Abschnitt Engers–Siershahn heißt Brexbachtalbahn, der Abschnitt Siershahn–Altenkirchen Holzbachtalbahn.
Der Personenverkehr zwischen Siershahn und Altenkirchen endete am 2. Juni 1984, zwischen Engers und Siershahn am 28. Mai 1989.
Auf der Holzbachtalbahn läuft weiter Güterverkehr, und auf dem Abschnitt Siershahn–Grenzau gibt es touristischen Verkehr.
Es geht also nicht um völlig stillgelegte Gleise, sondern um Halte ohne regulären Personenverkehr.
Entstehung: Konzession 1871 und Eröffnung 1884
Anfang der 1870er Jahre gab es erste Pläne für eine Bahn quer durch den Westerwald.
Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft erhielt 1871 die Konzession für die Strecken Engers–Altenkirchen und Limburg–Siershahn.
Für den Bahnbau waren 16 Millionen Mark veranschlagt.
Nach dem Gründerkrach fehlte es an Geld, und die Gesellschaft nutzte die vertragliche Frist als Vorwand, um den Bau zu verzögern.
1880 wurde sie von Preußen verstaatlicht, der neue Fertigstellungstermin war der 1. Juli 1884.
Termingerecht wurde die Strecke am 30. Mai 1884 zusammen mit den Strecken Staffel–Siershahn und Grenzau–Höhr-Grenzhausen eröffnet.
Der Abschnitt Altenkirchen–Au folgte am 1. Mai 1887.
So sah es vorher aus: Knoten und Güterverkehr
Siershahn etablierte sich nach dem Bahnbau 1884 als Verkehrsknoten für den Abtransport von Ton und Tonerzeugnissen aus dem Kannenbäckerland.
Der Bahnhof Grenzau hatte zur Dampflokzeit vor allem Bedeutung als Wasserstation, alle bergwärts fahrenden Züge mussten dort Wasser fassen.
Von Grenzau zweigte die Stichbahn nach Höhr-Grenzhausen ab, die 1884 eröffnet und am 1. Februar 1911 bis Hillscheid verlängert wurde.
Die Brexbachtalbahn überwindet zwischen Engers und Siershahn 230 Meter Höhenunterschied, auf über 36 Brücken und Viadukten und durch sieben Tunnel.
1905 sollte der Abschnitt Engers–Siershahn zweigleisig ausgebaut werden, wegen hoher Baukosten blieb es beim Plan.
Zum 20. Oktober 1952 wurden nachträglich Bedarfshaltepunkte eingerichtet, darunter Mogendorf.
Niedergang: 1984 bis 2004
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Bahnhöfe Altenkirchen, Dierdorf und Siershahn durch Bombenangriffe teilweise schwer beschädigt.
Im März 1945 sprengten zurückweichende Truppen zahlreiche Brücken, durchgängig befahrbar war die Strecke erst 1947 wieder.
Der Personenverkehr zwischen Siershahn und Altenkirchen wurde am 2. Juni 1984 eingestellt, der zwischen Engers und Siershahn am 28. Mai 1989.
Am 1. August 1994 endete der Güterverkehr zwischen Engers und der Anschlussstelle Ludwig.
2004 wurde auch der Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Ludwig und Siershahn stillgelegt.
Jahrelang war die Strecke stellenweise stark zugewachsen.
Bendorf-Sayn
Am 26. März 2007 gründete sich in Bendorf der Verein Brexbachtalbahn e. V., der die Bahn für den Tourismus wieder in Betrieb nehmen will.
Der Verein richtete zusätzliche Bedarfshaltepunkte in Bendorf/Sayn (Kaufland) und Kletterwald/Abtei Sayn ein und reaktivierte den Haltepunkt Pfadfinderlager.
Die Strecke Engers–Grenzau wird als Baugleis regelmäßig von Bauzügen des Vereins befahren.
Im Juni 2019 folgte die Genehmigung für den Abschnitt Engers–Sayn.
Der Sayner Tunnel der Brexbachtalbahn ist 146 Meter lang.


Grenzau
Neben dem Abzweig zur Strecke nach Hillscheid war Grenzau die Wasserstation der Strecke.
Die Stichbahn führte über Höhr-Grenzhausen nach Hillscheid und wurde am 1. Oktober 1972 im Personenverkehr aufgegeben.
Der Güterverkehr nach Höhr-Grenzhausen endete am 31. Dezember 1996.
Am 13. Februar 2009 erteilte das Verkehrsministerium die Betriebsgenehmigung für den Abschnitt Siershahn–Grenzau.
Beim Fest zum 125. Geburtstag der Brexbachtalbahn am 30. Mai 2009 fuhr dort ein Dampfzug im Pendelverkehr.
Im Dezember 2013 lief die Betriebsgenehmigung aus, im März 2019 wurde für den Abschnitt Grenzau–Siershahn wieder eine Genehmigung auf 25 Jahre erteilt.
Gleichzeitig erhielt der Abschnitt Grenzau–Höhr-Grenzhausen wieder eine Betriebsgenehmigung für 25 Jahre.


Siershahn
Siershahn war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt zwischen Limburg, Altenkirchen, Gießen und Köln.
Vor allem im Güterverkehr hat der Bahnhof Bedeutung, neben den Verladeanlagen der Tonindustrie besteht eine Anschlussbahn zu den Schütz-Werken.
Bis auf die Strecke nach Limburg und die teilweise im Touristikverkehr genutzte Strecke Engers–Au wurden sämtliche Bahnverbindungen im Laufe der Zeit stillgelegt.
Der Zweckverband SPNV Nord ließ 2024 eine Nutzen-Kosten-Untersuchung zur Reaktivierung der Brexbachtalbahn durchführen.
Die Machbarkeitsstudie von 2025 kam zu einem Kosten-Nutzen-Faktor von 3,89.

Mogendorf
Der Haltepunkt Mogendorf wurde zum 20. Oktober 1952 als Bedarfshalt in Betrieb genommen.
Die Strecke wird dort heute nur noch von Güterzügen befahren.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Selters
Am 31. Dezember 1883 um 15 Uhr fuhr die erste Lokomotive in Selters ein.
1901 wurde die Kleinbahn Selters–Hachenburg eröffnet.
1951 wurde das Teilstück Herschbach–Hachenburg und 1960 die Kleinbahnstrecke endgültig stillgelegt.
Der Bahnhof Selters wird heute auf der Schiene nur noch von Güterzügen angefahren.
Die Strecke quert im Werksgelände von Schütz Behälterbau auch Fabrikhallen.
Der Abschnitt Selters–Raubach war 1999 stillgelegt worden, wurde 2005 Eigentum der Westerwaldbahn und 2006 reaktiviert.


Puderbach
Das Empfangsgebäude in Puderbach wurde als Typenbau aus Basaltgestein errichtet.
An den dreistöckigen Mittelbau mit Krüppelwalmdach schloss sich im Südwesten ein Güterschuppenanbau aus Fachwerk an.
Es gab zwei getrennte Warteräume, einen für die 2. und einen für die 3. und 4. Klasse.
Im Gebäude befanden sich eine Gaststätte, ein Fahrkartenschalter, ein mechanisches Stellwerk sowie Wohn- und Übernachtungsräume für das Bahnpersonal.
Im Bahnhof wurden Grubenholz und landwirtschaftliche Produkte umgeschlagen, auch Arbeiter der nahen Reichensteiner Eisenerzgrube nutzten ihn.
Seit 1984 verkehren dort keine Personenzüge mehr im Regelverkehr, jährlich finden Sonderfahrten mit Schienenbussen durch den Verein Brexbachtalbahn e. V. statt.


Flammersfeld
Der Bahnhof Flammersfeld liegt an der Strecke Engers–Au.
Die Bahnstrecke Linz (Rhein)–Flammersfeld verband Linz am Rhein mit dieser Strecke und zählte zu den steilsten Strecken Deutschlands.
Auf Teilen der Linzer Strecke war Zahnstangenbetrieb erforderlich.
Von 1912 bis 1945 mündete zwischen Flammersfeld und Seifen die Strecke von Linz ein.


Neitersen
Am 30. Mai 1884 wurde die Strecke eröffnet, und Neitersen erhielt einen Bahnhof sowie eine Posthilfsstelle mit Fernsprechbetrieb.
Bis 1908 wurde in der Grube Emma Eisenerz gefördert, in diesem Jahr wurde auch die Grubenbahn zum Bahnhof Neitersen eingestellt.
Nach genau hundert Jahren wurde 1984 der Personenverkehr auf der Bahnstrecke eingestellt.
In Neitersen gibt es einen Gleisanschluss.

So sieht es jetzt aus
Im Jahr 2017 erreichte die Transportmenge auf der Holzbachtalbahn mit 230.000 Tonnen ihren Höchstwert.
Im Juni 2017 beschloss der Kreistag Altenkirchen, ein Stilllegungsverfahren einzuleiten.
Am 26. November 2018 kaufte die Lappwaldbahn Service GmbH die Strecke, die ab 1. Januar 2019 ihre Eigentümerin war.
Bei der Instandsetzung ab September 2020 wurden fünf Brücken neu gebaut.
2025 übernahm die Holzbachtalbahn GmbH den Streckenabschnitt von Selters bis Altenkirchen.
Über eine Reaktivierung im Personenverkehr wird seit einigen Jahren diskutiert, 2004 fanden Probefahrten mit einem Triebwagen zwischen Altenkirchen und Raubach statt.

Die Geschichte in Daten
1871: Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft erhält die Konzession für Engers–Altenkirchen.
30. Mai 1884: Die Strecke wird zusammen mit Staffel–Siershahn und Grenzau–Höhr-Grenzhausen eröffnet.
1. Mai 1887: Altenkirchen–Au wird eröffnet.
1. Februar 1911: Die Stichbahn von Grenzau erreicht Hillscheid.
1947: Die Strecke ist nach den Kriegszerstörungen wieder durchgängig befahrbar.
20. Oktober 1952: Mehrere Bedarfshaltepunkte, darunter Mogendorf, gehen in Betrieb.
1. Oktober 1972: Der Personenverkehr nach Hillscheid wird aufgegeben.
2. Juni 1984: Der Personenverkehr Siershahn–Altenkirchen wird eingestellt.
28. Mai 1989: Der Personenverkehr Engers–Siershahn wird eingestellt.
1. August 1994: Der Güterverkehr Engers–Anschlussstelle Ludwig endet.
2004: Der Abschnitt Anschlussstelle Ludwig–Siershahn wird stillgelegt.
26. März 2007: Der Verein Brexbachtalbahn e. V. wird gegründet.
30. Mai 2009: Dampfzug-Pendelfahrten zum 125. Geburtstag der Brexbachtalbahn.
26. November 2018: Die Lappwaldbahn Service GmbH kauft die Holzbachtalbahn.
Häufige Fragen
Ist die Brexbachtalbahn stillgelegt?
Fährt auf der Holzbachtalbahn noch etwas?
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Welche Strecke mündete bei Flammersfeld ein?
Wird die Reaktivierung geprüft?
Die Strecke Engers–Au wurde 1884 eröffnet und verlor 1984 und 1989 den Personenverkehr.
Heute fahren Güterzüge auf der Holzbachtalbahn.
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