Die stillen Halte der Bahnstrecke Weißwasser–Bad Muskau
Die normalspurige Nebenbahn von Weißwasser nach Bad Muskau fuhr von 1872 bis zur Stilllegung 2001. Der Beitrag beschreibt die Halte und die Verbindung über die Neiße nach Łęknica.

Lage: Oberlausitz, von Weißwasser nach Bad Muskau, 7,71 Kilometer. Status: Die normalspurige Strecke wurde 2001 stillgelegt. Die schmalspurige Waldeisenbahn Muskau ist eine eigene Museumsbahn und in Betrieb. Heute: Das Empfangsgebäude Bad Muskau steht unter Denkmalschutz.
Die Bahnstrecke Weißwasser–Bad Muskau war eine normalspurige Nebenbahn von 7,71 Kilometern Länge.
Sie wurde am 15. Oktober 1872 eröffnet und zum 1. Januar 2001 stillgelegt.
Der Personenverkehr endete bereits am 22. Mai 1977, Güterverkehr gab es noch bis in die 1990er Jahre.
Der Bahnhof Weißwasser an der Strecke Berlin–Görlitz ist in Betrieb und gehört nicht zu den stillen Halten.
Die Waldeisenbahn Muskau ist eine eigene schmalspurige Museumsbahn auf anderer Trasse und fährt weiter.
Dieser Beitrag beschreibt die Halte und Anschlüsse in Krauschwitz, Keula und Bad Muskau sowie die Verbindung über die Neiße.
Freie Fotos aus der Betriebszeit der Strecke fehlen, die Aufnahmen zeigen die Bauten nach der Stilllegung.
Entstehung: Die Bahn sollte den Muskauer Park meiden
Die Planungen für die Berlin-Görlitzer Eisenbahn sahen vor, dass die Strecke bei Muskau entlang der Lausitzer Neiße verlaufen sollte.
Der Besitzer der Standesherrschaft Muskau, Friedrich von Oranien-Nassau, Prinz der Niederlande, beschwerte sich dagegen.
Daher wurde die Strecke 1867 westlich von Muskau durch die Heidewälder beim Dorf Weißwasser gebaut.
Für bessere Absatzchancen der Muskauer Industriebetriebe und für den Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz plante man eine Verbindungsbahn.
1870 wurde das Projekt einer Trasse vorgelegt, die südlich an die Stadt heranführt und den Park nicht berührt.
Am 9. Oktober 1871 erhielt die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft die Genehmigung für die Strecke Weißwasser–Muskau, der Bau begann am 27. November 1871.
Am 15. Oktober 1872 wurde die Strecke erstmals befahren und für den Güter- und Personenverkehr eröffnet.
Der Muskauer Bahnhof wurde südlich der Stadt und des Parks gebaut, sodass der Park vor Einschnitten bewahrt blieb.
Das Bahnhofsgebäude folgte einige Monate nach der Streckeneröffnung.

So sah es vorher aus: Eisenhütte, Ton und Glas
Die Streckenlage war für die Muskauer Betriebe nicht optimal, wirkte sich aber positiv auf das Eisenhüttenwerk in Keula aus.
Es wurde sechs Jahre nach der Eröffnung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, bereits 1873 war ein Gleisanschluss zur Eisenhütte Keula entstanden.
In Krauschwitz entwickelte sich dank des Bahnanschlusses eine kleine Töpferei zu einem Betrieb der Deutschen Ton- und Steinzeugwerke AG.
Unmittelbar nach der Eröffnung entstanden neun private Werksanschlüsse der Ton- und Glasindustrie.
1918 wurde die Strecke von den Grubenbauen der Braunkohlengrube Caroline II durchörtert, die Anschlussgleise erhielten unter anderem das Lager der Köbelner Papierfabrik und das Dachsteinwerk Tiesler.
Krauschwitz: Anschluss der Ton- und Steinzeugwerke
Der Ort Krauschwitz lag an der Strecke zwischen Weißwasser und Bad Muskau.
Dort hatten die Deutschen Ton- und Steinzeugwerke ihren Betrieb.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Keula: Anschlussgleis zur Eisenhütte
Die Eisenhütte Keula erhielt 1873 einen Gleisanschluss an die Strecke.
Weitere Angaben zum Anschluss sind nicht belegt.
Bad Muskau: Bahnhof südlich von Stadt und Park
Der Bahnhof Bad Muskau lag südlich der Stadt.
Das Empfangsgebäude ist ein Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen und steht heute in Privatbesitz.
Das Gebäude der ehemaligen Güterabfertigung in der Bahnhofstraße 11 dient jetzt als Wohnhaus.


Über die Neiße: Verbindung nach Lubsko
Am 1. Mai 1898 wurde die Betriebsführung der Strecke Weißwasser–Muskau der Lausitzer Eisenbahn-Gesellschaft übertragen.
Diese hatte die Nebenstrecke von Sommerfeld, dem heutigen Lubsko, über Teuplitz nach Muskau gebaut.
Der Betrieb begann auf dem nördlichen Abschnitt am 1. Oktober 1897 und auf dem südlichen am 15. Juni 1898.
Damit bestanden durchgängige Zugverbindungen von Weißwasser bis Teuplitz und Sommerfeld.
Am 1. Januar 1939 wurde die Strecke in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte die Wehrmacht die Neißebrücke, die achtbogige Brücke über die Neiße wurde später wieder aufgebaut.
Die Oder-Neiße-Grenze unterbrach die Strecke östlich des Bahnhofs Bad Muskau, ein planmäßiger Zugverkehr über die neue Grenze fand nicht mehr statt.
Aus militärischen Gründen wurde die Verbindung über die Neiße bis 1989 und 1990 betriebsfähig gehalten.
Die polnische Staatsbahn betrieb die Reststrecke bis Łęknica noch bis 1999, die gesamte Strecke dort wurde im Jahr 2000 auch im Güterverkehr stillgelegt.


Die Waldeisenbahn: Eine andere Bahn auf anderer Trasse
Ab 1895 wurde auf dem Gebiet der Standesherrschaft Muskau ein Netz von Kleinbahnen mit 600 Millimetern Spurweite zur Erschließung der Wälder und Rohstoffvorkommen errichtet.
Die Strecke zwischen Weißwasser und Bad Muskau verläuft dort auf einer anderen Trasse.
Diese Kleinbahn wird heute als Museumseisenbahn unter dem Namen Waldeisenbahn Muskau betrieben.


Niedergang und Ende: Letzter Zug 1977, Stilllegung 2001
Am 22. Mai 1977 wurde der Reisezugverkehr eingestellt.
Im Güterverkehr blieb die Bahn unverzichtbar, im Jahr 2000 endete der verbliebene Güterverkehr auf der Strecke.
Am 1. Januar 2001 wurde die Strecke stillgelegt, die Schienen wurden danach demontiert.
Der Streckenabschnitt von Kilometer 0,830 bis Kilometer 8,040 wurde am 31. Dezember 2005 an die ROP Roth AG verkauft, die auch weitere stillgelegte Strecken zur Metallverwertung aufkaufte.
Auf der polnischen Seite entstand 2014 und 2015 auf der Bahntrasse von Łęknica nach Tuplice ein Radweg.
Er sollte ursprünglich bis zum Bahnhof Muskau reichen, was an Grundstücksfragen scheiterte.
Auf deutscher Seite wurde er nach der Bahnbrücke über eine steile Rampe an der Bundesstraße 115 mit dem Oder-Neiße-Radweg verbunden.
So sieht es jetzt aus: Bahnhof und Brücke
Das Bahnhofsgebäude in Bad Muskau steht und ist ein Kulturdenkmal.
Die Trasse ist teilweise als Radweg nutzbar, der seit 2015 über die frühere Eisenbahnbrücke über die Neiße führt.
In Łęknica erinnert der Wasserturm an die Bahn.
Die Geschichte in Daten
1867: Die Hauptbahn Berlin–Görlitz wird über Weißwasser gebaut.
9. Oktober 1871: Genehmigung der Strecke Weißwasser–Muskau.
15. Oktober 1872: Eröffnung der Strecke.
1873: Gleisanschluss zur Eisenhütte Keula.
1. Oktober 1897: Betrieb auf dem nördlichen Abschnitt nach Sommerfeld beginnt.
1. Mai 1898: Die Lausitzer Eisenbahn-Gesellschaft übernimmt die Betriebsführung.
1. Januar 1939: Die Strecke geht in die Deutsche Reichsbahn über.
22. Mai 1977: Der Reisezugverkehr wird eingestellt.
1. Januar 2001: Die Strecke wird stillgelegt.
31. Dezember 2005: Der Abschnitt von Kilometer 0,830 bis 8,040 wird verkauft.
2015: Radweg über die frühere Neißebrücke.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug nach Bad Muskau?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Fährt die Waldeisenbahn noch?
Wie lang war die Strecke?
Was ist vom Bahnhof Bad Muskau erhalten?
Die Bahn nach Muskau entstand, damit der Park unberührt blieb und die Industrie Anschluss erhielt.
Von ihr bleiben das Empfangsgebäude, Nebengebäude und die Brücke über die Neiße.
Wikipedia: Bahnstrecke Weißwasser–Bad Muskau · Wikipedia: Bahnstrecke Lubsko–Bad Muskau · Wikipedia: Waldeisenbahn Muskau · KuLaDig: Strecke 6576 Weißwasser – Muskau – (Sommerfeld)
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