Die Bisttalbahn: stille Halte zwischen Hostenbach und Überherrn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bisttalbahn: stille Halte zwischen Hostenbach und Überherrn

Die Bisttalbahn ist als Teil der Bahnstrecke Thionville–Völklingen seit 2003 stillgelegt, aber nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt. Ein Rundgang durch ihre Halte auf deutscher Seite.

Alter Bahnhof Überherrn, Blick nach Westen, 2010.
Alter Bahnhof Überherrn, Blick nach Westen, 2010. Foto: Whereismymind, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1880
Strecke eröffnet
1992
Personenverkehr endet
2003
Stilllegung vollzogen
2016
Mosolf-Ganzzüge enden

Lage: Saarland, zwischen Völklingen und der Grenze bei Überherrn. Status: stillgelegt, nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt. Heute: Eine Reaktivierung wird untersucht.

Die Bahnstrecke Thionville–Völklingen, regional auch Bisttalbahn genannt, ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke.

Sie war eine von sieben Strecken, die das Saarland mit Frankreich verbanden.

Dieser Beitrag geht die Halte auf deutscher Seite durch, von Hostenbach über Wadgassen, Werbeln, Differten und den Linslerhof bis Überherrn.

Die Strecke ist nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt.

Freie Fotos aus der Betriebszeit der Halte sind nicht vorhanden, die Bilder zeigen die Strecke in den Jahren 2010 und 2026.

Entstehung: eine Erzbahn für Diedenhofen und Völklingen

Die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen eröffneten die Strecke Diedenhofen–Völklingen am 1. April 1880 von Teterchen über Hostenbach bis Bous.

Am 15. Oktober folgte die Fertigstellung der Verbindung Hostenbach–Völklingen.

Zum 1. Juni 1883 gelang der letzte Lückenschluss zwischen Teterchen und Kedingen.

Von Anfang an war die Verbindung als Erzbahn konzipiert.

Der Bau war auch strategisch motiviert, denn so konnten aus dem Zentrum des Deutschen Reichs die Festungen Metz und Diedenhofen und das Aufmarschgebiet vor Frankreich erreicht werden.

Der starke Güterverkehr erforderte den zweigleisigen Ausbau.

Hier verkehrten täglich 38 Güter- und 14 Personenzüge.

So sah es vorher aus: Güterzüge und Systemwechsel

Nach dem Krieg behielt die Strecke vor allem für den grenzüberschreitenden Güterverkehr ihre Bedeutung.

Deshalb wurde sie 1960 elektrifiziert.

Der Bahnhof Überherrn wurde zum Systemwechselbahnhof zwischen dem deutschen Stromsystem mit 15 Kilovolt Wechselspannung und dem französischen System mit 25 Kilovolt.

Hinter Völklingen durchquerte die Strecke das Werksgelände der Völklinger Hütte, bevor sie nach rund 800 Metern auf der anderen Saarseite wieder bahneigenes Gelände erreichte.

Hostenbach

Der Bahnhof Hostenbach lag bei Kilometer 67,3.

1880 wurde Hostenbach durch die Bahnstrecke Völklingen–Thionville erstmals an das Schienennetz angebunden.

Die Strecke führte bis Bous weiter.

Die schon 1907 angelegte Verbindung ab Hostenbach zurück über die Saar nach Bous verlor nach der Zerstörung der Brücke bei Bous am Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Anbindung, die Brücke wurde nicht wieder aufgebaut.

Damit verlor Hostenbach die Anbindung über die Rosseltalbahn zur Saarstrecke.

1976 wurde der Personenverkehr zwischen Saarbrücken und Hostenbach eingestellt.

2000 wurde die Stilllegung des Streckenabschnitts Fürstenhausen bis Hostenbach genehmigt.

2003 pachtete das Automobillogistikunternehmen Mosolf den Abschnitt Hostenbach–Überherrn für den Transport von Neuwagen.

Der aufgelassene Bahnhof Hostenbach wurde abgerissen.

Wadgassen

Der Bahnhof Wadgassen lag bei Kilometer 65,4.

Der ehemalige Bahnhof liegt an der Strecke Völklingen–Thionville und am ehemaligen Abzweig zur Saarstrecke.

Von Bous führte bis 1945 eine Verbindung auf die Strecke.

Weitere Angaben zum Bahnhof sind nicht belegt.

Werbeln

Der Haltepunkt Werbeln lag bei Kilometer 63,7.

Werbeln ist ein Ortsteil von Wadgassen und liegt an der Bist.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Differten

Der Bahnhof Differten lag bei Kilometer 62,1.

Differten ist ein Ortsteil von Wadgassen, liegt an der Bist und am Nordrand des Warndt.

Weitere Angaben zum Bahnhof sind nicht belegt.

Linslerhof

Der Haltepunkt Linslerhof lag bei Kilometer 58,8.

Der Linslerhof ist ein Gut, das nach der Auflösung des Klosters Fraulautern 1789 im Jahr 1791 versteigert wurde.

1874 erweiterte der Besitzer Nicolas Adolphe de Galhau das Anwesen um mehrere Sandsteingebäude.

Mit dem Bau der Eisenbahn 1880 erhielt der Linslerhof eine eigene Bahnstation.

Überherrn

Der Bahnhof Überherrn lag bei Kilometer 56,3, die Staatsgrenze folgt bei Kilometer 55,2.

Er war der Systemwechselbahnhof der Strecke.

2003 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung des Abschnitts Völklingen–Überherrn (Grenze), die am 30. September 2003 vollzogen wurde.

Mosolf pachtete 2003 den stillgelegten Abschnitt Hostenbach–Überherrn, um sein Werk in Überherrn mit der Bahn anzubinden.

Dazu nutzte das Unternehmen die Strecke Saarbrücken–Fürstenhausen–Hostenbach anstelle der Saarbrücke in Völklingen.

Wöchentlich verkehrten mehrere Ganzzüge mit fabrikneuen Pkw über die nun eingleisige, als nicht öffentliche Anschlussbahn betriebene Strecke nach Überherrn.

Im Juli 2016 wurde der Verkehr wegen des schlechten baulichen Zustands der Strecke eingestellt.

Alter Bahnhof Überherrn, Blick nach Osten, 2010.
Alter Bahnhof Überherrn, Blick nach Osten, 2010. Foto: Whereismymind, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Stilllegung in Abschnitten

Der Personenverkehr auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt zwischen Überherrn und Hargarten endete zum 1. Oktober 1972.

Auf dem deutschen Abschnitt Überherrn–Völklingen endete der Personenverkehr am 30. Mai 1992.

Seit 1995 ist der deutsche Abschnitt nicht mehr elektrifiziert.

Bis 2003 verkehrten hier gelegentlich noch Güterzüge von DB Cargo Deutschland.

Der Grenzabschnitt Überherrn–Falck-Hargarten wurde bereits am 30. April 2001 stillgelegt.

Am 21. Mai 2003 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung des Abschnitts Völklingen–Überherrn (Grenze), vollzogen wurde sie zum 30. September 2003.

So sieht es jetzt aus

Der Abschnitt zwischen Hargarten-Falck und Völklingen ist vollständig eingestellt und stillgelegt.

Nur der kurze Abschnitt am westlichen Bahnhofskopf von Völklingen einschließlich der Brücke über die Saar wird noch als Ausziehgleis des Bahnhofs verwendet.

Da die Strecke nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt wurde, ist eine Reaktivierung möglich.

Die Plattform Mobilität SaarLorLux e. V. hat ein Konzept zur Reaktivierung vorgestellt.

Ein Abschnitt der Bahnstrecke Völklingen–Thionville, aufgenommen im Januar 2026.
Ein Abschnitt der Bahnstrecke Völklingen–Thionville, aufgenommen im Januar 2026. Foto: LoKiLeCh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Bahnstrecke Völklingen–Thionville an einer weiteren Stelle, Januar 2026.
Die Bahnstrecke Völklingen–Thionville an einer weiteren Stelle, Januar 2026. Foto: LoKiLeCh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Bahnstrecke Völklingen–Thionville, ebenfalls aufgenommen im Januar 2026.
Die Bahnstrecke Völklingen–Thionville, ebenfalls aufgenommen im Januar 2026. Foto: LoKiLeCh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: der Bahnhof Überherrn

Früher wechselten in Überherrn die Züge das Stromsystem zwischen Deutschland und Frankreich.

Später fuhren dort bis Juli 2016 Ganzzüge mit fabrikneuen Pkw für das Unternehmen Mosolf.

Seitdem ist der Verkehr eingestellt.

Pläne zur Reaktivierung

Die Stadt Völklingen sah 2020 in einer möglichen Reaktivierung der Bisttalbahn verkehrliche und wirtschaftliche Vorteile.

Sie würde die Ortsdurchfahrt Wehrden und die Autobahn A 620 entlasten.

Bei einer Anbindung an den Völklinger Hauptbahnhof könnte laut der Stadt die vorhandene Infrastruktur genutzt werden.

In einer Studie des Mobilitätsministeriums wurde die Wirtschaftlichkeit 2024 bestätigt.

Ende 2024 stellte die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung von fünf stillgelegten Bahnstrecken im Saarland vor.

Die Rossel- und die Bisttalbahn wurden darin gemeinsam betrachtet.

Der Vorzug galt einem S-Bahn-Betrieb.

Geplant ist stündlich eine Verbindung von Saarbrücken nach Überherrn, verstärkt mit einer zusätzlichen Verbindung pro Stunde von Völklingen.

Mit ersten Zügen ist nicht vor 2032 zu rechnen.

Die Geschichte in Daten

1. April 1880: Die Strecke von Teterchen über Hostenbach bis Bous wird eröffnet.

15. Oktober 1880: Die Verbindung Hostenbach–Völklingen wird fertiggestellt.

1. Juni 1883: Der letzte Lückenschluss zwischen Teterchen und Kedingen folgt.

1907: Die Verbindung ab Hostenbach über die Saar nach Bous wird angelegt.

1960: Die Strecke wird elektrifiziert.

1. Oktober 1972: Der Personenverkehr zwischen Überherrn und Hargarten endet.

1976: Der Personenverkehr zwischen Saarbrücken und Hostenbach endet.

30. Mai 1992: Der Personenverkehr zwischen Überherrn und Völklingen endet.

1995: Der deutsche Abschnitt wird nicht mehr elektrifiziert.

30. April 2001: Der Grenzabschnitt Überherrn–Falck-Hargarten wird stillgelegt.

2003: Die Stilllegung Völklingen–Überherrn wird zum 30. September vollzogen, Mosolf pachtet den Abschnitt Hostenbach–Überherrn.

Juli 2016: Der Verkehr der Mosolf-Ganzzüge wird eingestellt.

2020: Die Stadt Völklingen nimmt zu einer Reaktivierung Stellung.

Ende 2024: Eine Machbarkeitsstudie wird vorgestellt.

Häufige Fragen

Wann endete der Personenverkehr auf der Bisttalbahn?
Auf dem deutschen Abschnitt Überherrn–Völklingen am 30. Mai 1992, auf dem Abschnitt über die Grenze zwischen Überherrn und Hargarten zum 1. Oktober 1972.
Fahren auf der Strecke heute Züge?
Nein. Zuletzt fuhren Ganzzüge mit Neuwagen der Firma Mosolf, im Juli 2016 wurde dieser Verkehr eingestellt.
Ist die Strecke abgebaut?
Sie ist stillgelegt, aber nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt.
Wo liegt der Bahnhof Wadgassen?
Der ehemalige Bahnhof liegt an der Strecke Völklingen–Thionville und am ehemaligen Abzweig zur Saarstrecke.
Soll die Strecke reaktiviert werden?
Eine Machbarkeitsstudie von Ende 2024 untersuchte die Reaktivierung gemeinsam mit der Rosseltalbahn. Mit ersten Zügen ist nicht vor 2032 zu rechnen.
Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Thionville–Völklingen (Wikipedia) · Rosseltalbahn (Wikipedia) · Hostenbach (Wikipedia) · Wadgassen (Wikipedia) · Werbeln (Wikipedia) · Differten (Wikipedia) · Linslerhof (Wikipedia) · Überherrn (Wikipedia) · Mögliche Reaktivierung der Köllertal- und Rosseltalbahn, Vorlage 2020/0501 (Stadt Völklingen)

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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