Die stillen Halte der Braunschweigischen Südbahn zwischen Ringelheim und Kreiensen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Braunschweigischen Südbahn zwischen Ringelheim und Kreiensen

Auf der Strecke Börßum–Kreiensen fahren heute Regionalzüge, doch mehrere Halte am Weg haben ihre Reisenden vor Jahrzehnten verloren. Ein Rundgang von Neuekrug-Hahausen bis Ildehausen.

Das Stellwerk Nof im Bahnhof Neuekrug-Hahausen im Juni 2023.
Das Stellwerk Nof im Bahnhof Neuekrug-Hahausen im Juni 2023. Foto: Nin-TD, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1856
Eröffnung der Strecke
1987
Letzter Personenhalt in Neuekrug-Hahausen
1989
Letzter Reisezug in Lutter
2005
Ildehausen: Stellwerke außer Betrieb

Lage: Strecke Börßum–Kreiensen, Landkreis Goslar und Umgebung. Status: Die Strecke ist in Betrieb, die genannten Halte haben keinen Personenverkehr mehr. Heute: Neuekrug-Hahausen ist weiter Betriebsstelle, in Bornhausen steht ein Wohnhaus (privat).

Die Braunschweigische Südbahn verband ab 1856 Börßum mit Kreiensen und war später Teil der Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin.

Heute fahren auf dem Abschnitt zwischen Ringelheim und Kreiensen Regionalzüge, doch mehrere Halte am Weg haben ihre Reisenden schon vor Jahrzehnten verloren.

Dieser Beitrag stellt Neuekrug-Hahausen, Ildehausen, Neuwallmoden, Lutter am Barenberge und Nauen vor.

Dazu kommt Bornhausen, dessen Bahnhof an der Nachbarstrecke Derneburg–Seesen lag und heute ein Wohnhaus ist.

Die Strecke selbst ist nicht stillgelegt, nur die Halte sind es für den Personenverkehr.

Freie historische Fotos dieser Halte sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden, deshalb zeigen die Bilder nur den Bahnhof Neuekrug-Hahausen aus den Jahren 2022 und 2023.

So entstand die Strecke

Schon im braunschweigisch-hannoverschen Staatsvertrag von 1837 hatten beide Staaten vereinbart, sich gemeinsam um eine Anbindung nach Süden zu bemühen.

Ein weiterer Vertrag folgte erst 15 Jahre später.

Darin erlaubte Braunschweig den Bau der Hannöverschen Südbahn über das braunschweigische Kreiensen.

Im Gegenzug durfte eine Strecke von Börßum über Ringelheim nach Seesen entstehen, und von dort weiter nach Kreiensen.

Eröffnet wurde sie am 5. August 1856, schon drei Monate vorher war die hannoversche Strecke bis Kassel befahrbar.

1865 kam die Strecke Kreiensen–Langeland als Anschluss Richtung Ruhrgebiet hinzu.

1868 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut und die Verbindung Jerxheim–Börßum eröffnet.

Von Neuekrug-Hahausen zweigte 1874 die Strecke nach Langelsheim ab, zunächst eingleisig, in den 1890er-Jahren folgte das zweite Gleis.

So sah es vorher aus: eine Fernstrecke mit vielen Halten

Zwischen 1922 und 1926 fuhr der Skandinavien-Schweiz-Express von Sassnitz oder Warnemünde nach Basel über die Strecke.

Im Kursbuch von 1944 sind zwischen Börßum und Seesen täglich zehn Zugpaare verzeichnet.

Vier davon waren Schnellzugpaare von Berlin Potsdamer Bahnhof nach Frankfurt am Main und weiter nach Mulhouse, Paris oder Basel.

In Neuekrug-Hahausen gab es acht Gleise, Holz wurde dort noch verladen.

Zwei mechanische Stellwerke der Bauform Jüdel, Nof und Nw, regelten seit 1910 die Fahrten.

Selbst 1981 hielt dort noch der Eilzug E 2873 von Flensburg nach Kreiensen täglich.

Warum die Halte ihre Reisenden verloren

Nach der deutschen Teilung verlagerten sich die Verkehrsströme, und die Ost-West-Verbindung verlor im Fernverkehr an Bedeutung.

Im Juni 1984 wurde in Neuekrug-Hahausen das zweite Gleis in Richtung Börßum stillgelegt.

Dann endete der Personenverkehr an den Halten nacheinander.

In Neuekrug-Hahausen war am 31. Mai 1987 Schluss, in Neuwallmoden und Nauen 1988 und in Lutter am 27. Mai 1989.

Heute fährt zwischen Salzgitter-Bad und Seesen die Linie RB 46 stündlich, zwischen Seesen und Kreiensen die Linie RB 82.

Die RB 82 benutzt auch den Abschnitt Neuekrug-Hahausen–Seesen, doch der Bahnhof Neuekrug-Hahausen wird von Personenzügen nicht bedient.

Neuekrug-Hahausen: der Bahnhof, der weiter arbeitet

Der Bahnhof liegt in Hahausen, einem Ortsteil von Langelsheim im Landkreis Goslar.

Das erste Namensglied bezieht sich auf die Wohnsiedlung Neuekrug.

Er ist eine Betriebsstelle geblieben, nur Reisende steigen nicht mehr ein.

Das Stellwerk Nf am Bahnhof Neuekrug-Hahausen, aufgenommen im April 2022.
Das Stellwerk Nf am Bahnhof Neuekrug-Hahausen, aufgenommen im April 2022. Foto: Till-André Diegeler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Juni 1984 wurde der Gleisplan stark bereinigt, fünf der vormals acht Gleise verschwanden.

Eine Holzverladung, wie sie bis dahin üblich war, war danach nicht mehr möglich.

Am 30. September 1986 ging das Relaisstellwerk Nf in Betrieb und löste die mechanischen Stellwerke Nof und Nw ab.

Zugleich ersetzten Lichtsignale die Formsignale.

Der Personenverkehr endete zum 31. Mai 1987.

Die DB Station&Service untersuchte 2015 einen Neubau der Passagieranlagen und lehnte ihn ab, weil zu wenige Fahrgäste erwartet wurden.

Die überdachte, stillgelegte Bahnsteigunterführung im Bahnhof Neuekrug-Hahausen im Juni 2023.
Die überdachte, stillgelegte Bahnsteigunterführung im Bahnhof Neuekrug-Hahausen im Juni 2023. Foto: Nin-TD, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Im Oktober 2023 ging in Langelsheim ein neues Stellwerk in Betrieb, dafür wurde die Strecke zwischen Neuekrug-Hahausen und Goslar für Fahrten auf dem Gegengleis ausgerüstet.

Der Bahnhof erhielt dazu ein neues Einfahrsignal am Gegengleis.

Das Stellwerk Nf ist das letzte im Landkreis Goslar, das noch örtlich besetzt ist.

Für Oktober 2028 ist ein elektronisches Stellwerk geplant (Stand Januar 2025), das es ersetzen soll.

Die Bushaltestelle am ehemaligen Personenbahnhof, aufgenommen im Juni 2023.
Die Bushaltestelle am ehemaligen Personenbahnhof, aufgenommen im Juni 2023. Foto: Nin-TD, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Die Buslinie 655 zwischen Lutter und Seesen bedient die Haltestelle am Bahnhof, seit dem 1. April 2019 betreibt HarzBus die Linie.

Bis zum Fahrplanwechsel am 25. August 2022 hieß die Haltestelle Neuekrug Bahnhof, seitdem Neuekrug-Hahausen Bahnhof.

Ildehausen: vom Bahnhof zu zwei Blockstellen

Ildehausen besaß seit der Eröffnung der Strecke am 5. August 1856 einen Bahnhof, er lag bei Streckenkilometer 92,2.

Der Ort liegt zwischen Harriehausen und Kirchberg an der Bundesautobahn 7.

Am 9. Dezember 1996 wurde der Bahnhof in zwei Blockstellen umgewandelt.

Das Stellwerk Iwf wurde zur Blockstelle Ildehausen West, das Wärterstellwerk Io zur Blockstelle Ildehausen Ost.

Beide Stellwerke gingen zum 1. November 2005 außer Betrieb, seitdem ist der frühere Bahnhof nur noch Teil der freien Strecke.

Das Gebäude des östlichen Stellwerks wurde Ende 2005 abgerissen.

Das Empfangsgebäude und weitere Einzelheiten sind nicht belegt.

Neuwallmoden: ein Haltepunkt, aufgelassen 1988

Der Haltepunkt Neuwallmoden lag an der Strecke Börßum–Kreiensen und wurde am 28. Mai 1988 aufgelassen.

Wer heute von Wallmoden aus mit der Bahn fahren will, nutzt den nahen Bahnhof Salzgitter-Ringelheim.

Von dort bestehen Verbindungen nach Hildesheim, Hannover, Braunschweig und über Goslar und Bad Harzburg bis nach Halle (Saale).

Mehr ist über Bauten und Ausstattung des Haltepunkts nicht belegt.

Lutter am Barenberge: ein Bahnhof mit mehreren Gleisen

Lutter am Barenberge besaß etwa einen Kilometer westlich des Ortes einen Bahnhof mit mehreren Gleisen und Bahnsteigen für den Personenverkehr.

Am 27. Mai 1989 hielt dort zum letzten Mal ein Reisezug.

Danach wurde der Bahnhof aufgelassen, und alle Anlagen außer dem durchgehenden Hauptgleis wurden zurückgebaut.

Auch hier untersuchte die DB Station&Service 2015 einen Neubau der Passagieranlagen und lehnte ihn wegen zu geringen Fahrgastaufkommens ab.

Der Flecken liegt im Lutterer Becken und ist heute ein Stadtteil von Langelsheim.

Bekannt ist der Ort durch die Schlacht bei Lutter am Barenberge von 1626 im Dreißigjährigen Krieg.

Nauen: ein Haltepunkt im Lutterer Becken

Nauen ist ein Ortsteil von Lutter am Barenberge und wurde am 1. März 1974 mit Ostlutter in die Gemeinde Lutter eingegliedert.

Der Haltepunkt Nauen wurde 1988 im Personenverkehr aufgegeben, also im selben Jahr wie Neuwallmoden.

Weitere Angaben zu seiner Geschichte sind nicht belegt.

Bornhausen: der Bahnhof, der ein Wohnhaus wurde

Der Bahnhof Bornhausen lag nicht an der Südbahn, sondern am Nordrand des Ortes an der Strecke Derneburg–Seesen der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn.

Bornhausen ist ein Stadtteil von Seesen, der Bahnhof lag am Langenberger Weg.

Er ging am 1. Mai 1889 in Betrieb, als der Abschnitt Groß Rhüden–Seesen eröffnet wurde.

Die Trasse am Ortsrand wurde gewählt, damit ein Anschluss für den örtlichen Braunkohle- und Quarzsandtagebau möglich war.

Zuletzt nutzten ihn die Dörentruper Sand- und Thonwerke, der Tagebau hatte eine Feldbahn mit kleinem Betriebswerk.

Seit 1923 zweigte ein normalspuriges Anschlussgleis zur Kohlengrube ab.

1951 sind ein Abhol- und ein Zustellgleis belegt, das Zustellgleis führte über eine Sandverladebühne zur schmalspurigen Werkbahn.

1929 erhielt der Bahnhof ein Kreuzungsgleis, Signale und ein Stellwerk, und ein massives Gebäude ersetzte das einfache Fachwerk-Dienstgebäude.

1964 hatte er drei Gleise, Gleis 1 mit Hausbahnsteig und Gleis 3 mit Mittelbahnsteig dienten den Reisenden, Gleis 2 war Ladegleis.

1927 fuhren werktags fünf Zugpaare und sonntags sechs, 1970 werktags neun und sonntags sechs.

Von 1973 bis 1990 war das Stellwerk wieder besetzt, und der Bahnhof diente vereinzelt planmäßigen Zugkreuzungen.

Am 25. Mai 1990 endete der Personenverkehr, am 1. Januar 1996 wurde die Strecke ganz stillgelegt.

Die Bahnanlagen wurden demontiert und verkauft, das Empfangsgebäude ging in private Hand und ist heute ein Wohnhaus.

Es steht damit auf Privatgrund und darf nicht betreten werden.

Auf einem Abschnitt der alten Trasse zwischen Rhüden und Bornhausen verläuft heute ein Radweg.

An der Braunschweigischen Südbahn lag südöstlich von Bornhausen noch die Blockstelle Klingenhagen, die zwischen 1987 und 1991 außer Betrieb genommen wurde.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke ist nicht elektrifiziert, die Regionalzüge fahren an den stillen Halten ohne Halt vorbei.

In Neuekrug-Hahausen stehen Stellwerke, eine stillgelegte Unterführung und eine Bushaltestelle mit dem alten Namen des Bahnhofs.

In Ildehausen ist von der Station nur noch die freie Strecke übrig.

Vorher und nachher in Neuekrug-Hahausen

Vorher gab es acht Gleise, nachher blieben nach dem Rückbau von 1984 drei von ihnen.

Vorher stellten Weichenwärter mechanische Stellwerke, nachher übernahm seit 1986 ein Relaisstellwerk.

Vorher hielten dort Eilzüge, 1981 noch der E 2873, nachher endete der Personenverkehr 1987.

Vorher war die Strecke ein zweigleisiges Rückgrat des Verkehrs, nachher blieb ein Gleis in Richtung Börßum.

Die Geschichte in Daten

1837: Staatsvertrag zwischen Braunschweig und Hannover über eine Südanbindung.

5. August 1856: Eröffnung der Strecke Börßum–Seesen–Kreiensen.

1868: Zweigleisiger Ausbau, Eröffnung der Strecke Jerxheim–Börßum.

1874: Strecke Neuekrug-Hahausen–Langelsheim eröffnet.

1889: Eröffnung des Bahnhofs Bornhausen an der Landesbahn.

1984: Fünf von acht Gleisen in Neuekrug-Hahausen abgebaut.

31. Mai 1987: Ende des Personenverkehrs in Neuekrug-Hahausen.

28. Mai 1988: Haltepunkt Neuwallmoden aufgelassen.

27. Mai 1989: Letzter Reisezug im Bahnhof Lutter.

25. Mai 1990: Ende des Personenverkehrs in Bornhausen.

1. November 2005: Stellwerke in Ildehausen außer Betrieb.

Oktober 2023: Gleiswechselbetrieb Neuekrug-Hahausen–Goslar.

Häufige Fragen

Ist die Braunschweigische Südbahn stillgelegt?
Nein, die Strecke Börßum–Kreiensen ist nicht elektrifiziert und wird im Nahverkehr befahren, nur der Abschnitt Börßum–Salzgitter-Bad hat seit 1976 keinen Personenverkehr.
Hält in Neuekrug-Hahausen noch ein Zug?
Personenzüge halten dort nicht mehr, der Personenverkehr endete zum 31. Mai 1987, der Bahnhof ist aber weiter eine Betriebsstelle.
Wann fuhr der letzte Zug in Lutter am Barenberge?
Am 27. Mai 1989 wurde der Bahnhof letztmals von einem Reisezug bedient.
Gehörte Bornhausen zur Südbahn?
Nein, der Bahnhof lag an der Strecke Derneburg–Seesen, nur die Blockstelle Klingenhagen gehörte zur Südbahn.
Kann man das Bornhausener Bahnhofsgebäude besichtigen?
Nein, es ist heute ein privates Wohnhaus.

Die Halte zwischen Ringelheim und Kreiensen zeigen, wie ein Netz Stück für Stück ausdünnt, während die Gleise liegen bleiben.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Börßum–Kreiensen (Wikipedia) · Bahnhof Neuekrug-Hahausen (Wikipedia) · Bahnhof Bornhausen (Wikipedia) · Bahnstrecke Derneburg–Seesen (Wikipedia) · Lutter am Barenberge (Wikipedia) · Ildehausen (Wikipedia) · Wallmoden (Wikipedia)

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →