Die Bliestalbahn: stille Halte zwischen Blieskastel und Reinheim

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bliestalbahn: stille Halte zwischen Blieskastel und Reinheim

Von 1879 bis 1991 fuhren Personenzüge durch das Bliestal, 1997 wurde die Strecke stillgelegt. Was aus den Bahnhöfen Blieskastel Stadt, Blickweiler, Breitfurt, Bliesdalheim, Gersheim und Reinheim wurde.

Das Bahnhofsgebäude Breitfurt im Jahr 1910.
Das Bahnhofsgebäude Breitfurt im Jahr 1910. Foto: Antifaschist 666, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Eröffnung der Strecke
1991
Ende des Personenverkehrs
1997
Stilllegung
2000
Bliestal-Freizeitweg eröffnet

Lage: Bliestal im Saarpfalz-Kreis, Saarland, zwischen Bierbach und Reinheim. Status: Die Strecke ist stillgelegt, die Gleise wurden 1997 abgebaut. Heute: Auf der Trasse verläuft der Bliestal-Freizeitweg, der Bahnhof Gersheim beherbergt ein Restaurant.

Die Bliestalbahn führte von Bierbach durch das Saarland bis Reinheim und weiter nach Saargemünd in Lothringen.

Sie wurde 1997 stillgelegt, und ihre Trasse ist heute ein Bahnradweg.

Dieser Beitrag behandelt die Halte zwischen Blieskastel und Reinheim auf deutscher Seite.

Der Streckenteil von Zweibrücken nach Bierbach gehört heute zur Bahnstrecke Landau–Rohrbach und ist nicht Thema.

Auch der Bahnhof Lautzkirchen, der etwa 1,5 Kilometer vom ehemaligen Bahnhof Blieskastel entfernt liegt, ist weiter in Betrieb.

Ein freies Foto aus der Betriebszeit gibt es nur von Breitfurt aus dem Jahr 1910, alle anderen Bilder stammen aus den Jahren 2008 bis 2021.

Wie die Bahn ins Bliestal kam

Schon in den 1830er Jahren plante die französische Regierung eine Bahn von Metz über Saargemünd durch die Pfalz entlang der Blies nach Homburg.

Aus dem Plan wurde damals nichts, weil Saarbrücken fürchtete, verkehrlich isoliert zu werden.

In den 1860er Jahren wurde das Vorhaben wieder aufgegriffen, Blieskastel gründete ein vorläufiges Komitee, und am 29. April 1869 folgte die Konzession für den pfälzischen Teil.

Der Deutsch-Französische Krieg ließ das Projekt ins Stocken geraten.

Am 22. Februar 1875 erteilte die bayerische Seite der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft die Konzession für den Bau bis Saargemünd.

Der Bahnhof Blieskastel sollte nahe der Stadt liegen, weil die Stadt dagegen protestiert hatte, den Abzweig am weiter entfernten Bahnhof Lautzkirchen zu bauen.

Die Arbeiten begannen im Herbst 1875 auf bayerischer Seite und im Dezember 1875 in Elsass-Lothringen.

Zwischen Blickweiler und Breitfurt musste ein Tal mit einer Brücke überquert werden, die drei Öffnungen von je 16 Metern Weite hatte.

Am 1. März 1879 wurde der Güterverkehr eröffnet, am 1. April 1879 begann auf der 36,8 Kilometer langen Strecke der reguläre Personenverkehr.

Die Strecke war zunächst eingleisig, aber für einen späteren zweigleisigen Ausbau vorbereitet.

Aus militärischen Gründen wurde sie ab 1888 zweigleisig ausgebaut, die Arbeiten waren zwei Jahre später abgeschlossen.

So sah es vorher aus: Güterzüge, Kalk und Grenzverkehr

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es zehn Zugpaare, die schwach ausgelastet waren: Pro Zugfahrt und Bahnhof wurden im Schnitt nur sechs Fahrkarten verkauft.

Eine Fahrt zwischen Zweibrücken und Saargemünd dauerte damals knapp 75 Minuten.

Wirtschaftlich war vor allem der Güterverkehr wichtig.

Besonders viel Fracht hatten die Bahnhöfe Blickweiler, Bliesdalheim-Herbitzheim und Gersheim-Walsheim.

Zu den Kunden gehörten die Kalkwerke in Gersheim und Bliesdalheim, die Walsheim-Brauerei, eine Malzfabrik, eine Schuhfabrik in Blieskastel und zahlreiche Mühlen, etwa in Breitfurt.

In den 1930er Jahren hatte die Strecke im Zuge des Westwallbaus den stärksten Güterverkehr ihrer Geschichte.

Blieskastel Stadt: der Bahnhof nahe der Altstadt

Der Bahnhof Blieskastel Stadt entstand, weil die Stadt keinen Abzweigbahnhof am weit entfernten Lautzkirchen wollte.

Die Strecke kreuzte zwischen Blieskastel Stadt und Blickweiler die Bundesstraße 423.

Der Hauptort Blieskastel hat seit dem Fahrplanwechsel im Mai 1991 keinen Personenverkehr der Eisenbahn mehr.

Am 20. August 1995 fuhr noch ein Sonderzug zum Erlebnistag Lautertal von Blieskastel Stadt bis Lauterecken-Grumbach.

Ob vom Bahnhof Blieskastel Stadt noch Gebäude stehen, ist nicht belegt.

Die Trasse dient als Radweg.

Der Radweg auf der ehemaligen Bliestalbahn vor Blieskastel, aufgenommen 2008.
Der Radweg auf der ehemaligen Bliestalbahn vor Blieskastel, aufgenommen 2008. Foto: Lantus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Blickweiler: Fracht am Kalk

Blickweiler gehörte zu den Bahnhöfen mit besonders starkem Güterverkehr.

Zwischen Blickweiler und Breitfurt lag die Brücke mit den drei 16-Meter-Öffnungen.

Am 10. September 1939, zu Beginn der französischen Saar-Offensive, wurde sie gesprengt, damit die Bahn nicht dem Vormarsch der französischen Armee diente.

Bereits am 14. Juni 1940 wurde sie als Provisorium wieder errichtet.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Blickweiler, aufgenommen im Juni 2012.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Blickweiler, aufgenommen im Juni 2012. Foto: atreyu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Breitfurt: ein Empfangsgebäude von 1885

In Breitfurt steht das ehemalige Bahnhofsempfangsgebäude von 1885, es ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt.

Zu den Kunden der Bahn in Breitfurt gehörten Mühlen.

Der Ort liegt zwischen Blickweiler und Bliesdalheim und war vom Kriegsgeschehen betroffen: Die Brücke bei Blickweiler wurde 1939 gesprengt und 1940 provisorisch ersetzt, ebenso wurde die Bliesbrücke im März 1945 erneut zerstört.

Bliesdalheim: Haltepunkt und Bahnhof

Bliesdalheim war ab 1879 an die Bliestalbahn angeschlossen.

Am 15. Mai 1934 wurde zusätzlich der Haltepunkt Bliesdalheim-Dorf in Betrieb genommen.

Der Bahnhof Bliesdalheim-Herbitzheim gehörte zu den Bahnhöfen mit starkem Güterverkehr, auch wegen des Kalkwerks.

Nach Kriegsausbruch 1939 fuhren von Bliesdalheim, Gersheim und Reinheim Züge zur Evakuierung der Bewohner, weil die Strecke in der Roten Zone lag.

Der ehemalige Bahnhof Bliesdalheim, aufgenommen im April 2015.
Der ehemalige Bahnhof Bliesdalheim, aufgenommen im April 2015. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Bliesdalheim aus einem anderen Blickwinkel, April 2015.
Der ehemalige Bahnhof Bliesdalheim aus einem anderen Blickwinkel, April 2015. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gersheim: der Bahnhof mit Restaurant

Der Bahnhof Gersheim wurde am 1. März 1879 als Durchgangsbahnhof eröffnet.

Für das Gelände musste eigens eine 232 Meter lange Stützmauer gebaut werden.

Von 1910 an hieß er vorübergehend Gersheim-Walsheim.

Gersheim hatte als einziger Bahnhof der Strecke eine Zukunft im Konzept der Bundesbahn: Die Bundesbahndirektion Saarbrücken hielt alle Bahnhöfe mit Ausnahme von Gersheim für entbehrlich.

Der Güterverkehr kam vor allem vom Kalkwerk, die Güterzüge fuhren oft mit schwerer Fracht ab.

Mitte der 1970er Jahre sank das Aufkommen, am 1. März 1977 endete der Express- und Stückgutverkehr, und in den 1980er Jahren wurden die Verladegleise des Kalkwerks und des Raiffeisen-Lagerhauses abgebaut.

Der Bahnhof Gersheim von der Straßenseite, aufgenommen 2011.
Der Bahnhof Gersheim von der Straßenseite, aufgenommen 2011. Foto: EPei at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Empfangsgebäude von 1885 ist ein dreigeschossiger, verputzter Bau mit Segmentbogenfenstern, Walmdach und markanten Eckrisaliten.

Heute befindet sich im Bahnhofsgebäude ein Restaurant mit Biergarten, am ehemaligen Bahnsteig liegt die Terrasse.

Neben dem Gebäude liegt der Busbahnhof, und der Bliestal-Freizeitweg führt direkt vorbei.

Das ehemalige Empfangsgebäude Gersheim im April 2015.
Das ehemalige Empfangsgebäude Gersheim im April 2015. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Reinheim: Endpunkt an der Grenze

Reinheim war der letzte Bahnhof auf deutscher Seite, bei Kilometer 27,315 endete die Zählung ab Homburg.

In der Nähe liegt der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Bis zum 4. Oktober 1952 gab es einen grenzüberschreitenden Personenverkehr zwischen Reinheim und Bliesbruck.

Danach fuhren die Züge auf deutscher Seite nur noch bis Reinheim.

1983 wurde am Südende des Bahnhofs ein Behelfsprellbock errichtet.

Güterverkehr war zuletzt nur bis Gersheim möglich, weil es in Reinheim keine Umsetzmöglichkeit gab.

Der ehemalige Bahnhof Reinheim, aufgenommen 2014.
Der ehemalige Bahnhof Reinheim, aufgenommen 2014. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Bahnhofsgebäude in Reinheim ist bis heute erhalten geblieben.

Auch das ehemalige Bahnwärterhaus in Reinheim steht noch, laut Dateibeschreibung befindet sich darin heute der Laffeclub.

Das ehemalige Bahnwärterhaus in Reinheim, aufgenommen 2021.
Das ehemalige Bahnwärterhaus in Reinheim, aufgenommen 2021. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Warum die Züge verschwanden

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der lothringische Teil an Frankreich, und die Verkehrsströme richteten sich nach Homburg aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Strecke dauerhaft nur noch eingleisig, im März 1945 war die Bliesbrücke zerstört worden.

Der Personenverkehr südlich von Reinheim endete 1952 auf deutscher und 1959 auf französischer Seite.

Ende der 1960er Jahre schlossen die Fahrkartenschalter an den Bahnhöfen.

Ab 1976 wollte die Bundesbahn die deutsche Strecke stilllegen, dagegen formierte sich in der Region Widerstand.

1986 sank das werktägliche Angebot von zwölf auf fünf Zugpaare.

Im Mai 1991 endete der Personenverkehr zwischen Bierbach und Reinheim, am 28. September 1991 auch der Güterverkehr.

So sieht es jetzt aus: Freizeitweg statt Gleis

Es gab Bestrebungen, die Strecke zu reaktivieren, ein Förderverein Bliestalbahn bildete sich.

Die Stilllegung erfolgte dennoch zum 1. April 1997, von Februar bis Mai 1997 baute die Deutsche Bahn die Gleise zwischen Bierbach und Reinheim ab.

Aus der Trasse wurde der Bliestal-Freizeitweg, der am 1. Mai 2000 eröffnet wurde und Teil des Glan-Blies-Wegs ist.

Von den ursprünglichen Bahnhofsgebäuden wurden manche abgerissen, die noch erhaltenen sind umgenutzt und nicht mehr öffentlich zugänglich.

Der Bliestal-Freizeitweg, aufgenommen 2013.
Der Bliestal-Freizeitweg, aufgenommen 2013. Foto: Bronstein, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1875: Am 22. Februar erteilt die bayerische Seite die Konzession für den Bau bis Saargemünd.

1879: Am 1. März wird der Güterverkehr eröffnet, am 1. April beginnt der Personenverkehr.

1888: Der zweigleisige Ausbau beginnt, er ist zwei Jahre später abgeschlossen.

1934: Am 15. Mai geht der Haltepunkt Bliesdalheim-Dorf in Betrieb.

1939: Die Brücke zwischen Breitfurt und Blickweiler wird am 10. September gesprengt.

1952: Der grenzüberschreitende Personenverkehr zwischen Reinheim und Bliesbruck endet am 4. Oktober.

1991: Im Mai endet der Personenverkehr, am 28. September der Güterverkehr.

1997: Die Stilllegung folgt zum 1. April, die Gleise werden abgebaut.

2000: Der Bliestal-Freizeitweg wird am 1. Mai eröffnet.

Wann fuhr die Bliestalbahn?
Der Personenverkehr begann am 1. April 1879 und endete auf deutscher Seite im Mai 1991, stillgelegt wurde die Strecke 1997.
Was ist aus der Trasse geworden?
Sie ist der Bliestal-Freizeitweg, der am 1. Mai 2000 eröffnet wurde und Teil des Glan-Blies-Wegs ist.
Welcher Bahnhof wird heute noch genutzt?
Das Empfangsgebäude Gersheim beherbergt ein Restaurant mit Biergarten.
Kann man die Bahnhöfe besichtigen?
Die erhaltenen Bahnhofsgebäude sind umgenutzt und nicht mehr öffentlich zugänglich, der Bliestal-Freizeitweg an der Trasse ist öffentlich.
Warum stellte die Bundesbahn den Verkehr ein?
Die Züge wurden seit den 1950er Jahren weniger, und die Bundesbahn hielt außer Gersheim alle Bahnhöfe für entbehrlich. Der einzelne Anlass der Einstellung ist nicht belegt.

Die Bliestalbahn war über Jahrzehnte eine Strecke zwischen zwei Ländern, die nach den Grenzverschiebungen ihre Rolle verlor.

Heute verbindet ein Freizeitweg die Orte, durch die einst Züge fuhren.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bliestalbahn · Wikipedia: Bahnhof Gersheim · Wikipedia: Breitfurt · Wikipedia: Reinheim (Gersheim) · Wikipedia: Bliesdalheim · Wikipedia: Blieskastel · Ich geh wandern: Gersheim · Saarpfalz-Touristik: Historischer Bahnhof Gersheim

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →