Die stillen Halte der Strecke München–Simbach: von Zamdorf bis Buch am Inn
Die Hauptbahn München–Simbach fährt seit 1871, doch mehrere ihrer Halte sind aufgelassen. Hier stehen Zamdorf, Trabrennbahn, Wasentegernbach, Perach und Buch am Inn.

Lage: Zwischen München Ost und Simbach am Inn, die Halte liegen in Ostmünchen und im Landkreis Mühldorf. Status: Die Hauptbahn ist in Betrieb, die genannten Halte sind aufgelassen. Heute: In Perach und Buch (Inn) stehen die Empfangsgebäude noch.
Die Bahnstrecke München–Simbach ist eine 115 Kilometer lange, teils zweigleisige Hauptbahn in Bayern.
Sie führt von München über Markt Schwaben, Dorfen und Mühldorf am Inn bis zur deutsch-österreichischen Grenze zwischen Simbach und Braunau am Inn.
Die Strecke ist weiterhin in Betrieb, dieser Beitrag behandelt nur ihre aufgelassenen Halte.
Freie Fotos gibt es von Perach, Buch am Inn und der Trabrennbahn Daglfing, von Zamdorf und Wasentegernbach nicht.
Entstehung: das eisenbahnlose Viereck
Zwischen München, Salzburg, Passau und Straubing blieb das Gebiet ohne Bahnanschluss und wurde das eisenbahnlose Viereck genannt.
Am 24. September 1863 beschloss der Bayerische Landtag, die Strecke auf kürzestem Wege von München über Neuötting und Simbach nach Braunau zu errichten.
Am 4. Juni 1867 schlossen Bayern und Österreich den Staatsvertrag über den Bau.
Im Frühjahr 1868 begannen die Bauarbeiten.
Am 1. Mai 1871 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den vorläufigen Betrieb auf der Teilstrecke Haidhausen–Neuötting auf.
Am 1. Juni 1871 ging der Abschnitt von Neuötting über Simbach nach Braunau in Betrieb.
Die Baukosten betrugen insgesamt 30.900.142 Mark für 124,51 Kilometer von München bis zur Staatsgrenze.
Bei der Inbetriebnahme gab es elf Bahnhöfe und sechs Personenhaltstellen, bis 1907 stieg die Zahl auf 19 Bahnhöfe und fünf Haltepunkte.
So sah es vorher aus: Vorortverkehr und neue Trasse
Zum 1. Mai 1897 nahmen die Bayerischen Staatseisenbahnen zwischen München Ostbahnhof und Schwaben einen Vorortverkehr auf.
Dafür richteten sie die neuen Haltepunkte Zamdorf, Heimstetten und Grub ein.
Für den geplanten Rangierbahnhof München Ost war zwischen München Ostbahnhof und Riem eine Streckenverschwenkung um etwa einen Kilometer nach Süden notwendig.
Am 1. Mai 1909 nahmen die Staatseisenbahnen die neue zweigleisige Trasse in Betrieb, die 260 Meter länger als die bisherige war.
Die alte Trasse wurde durch die 1909 eröffnete Lokalbahn München Ost–Ismaning bei Zamdorf unterbrochen.
Der östliche Teil des alten Gleises wurde mit einer Verbindungskurve an die Ismaninger Strecke angeschlossen und noch bis 1932 durch Sonderzüge zur Trabrennbahn Daglfing genutzt.
1933 wurde das Gleis abgebaut.
Zamdorf: zwei Haltepunkte in zwölf Jahren
Der Haltepunkt Zamdorf ging am 11. Juli 1897 in Betrieb.
Er wurde nur durch den kurz zuvor aufgenommenen Vorortverkehr München Ostbahnhof–Markt Schwaben bedient.
Er befand sich an einem Bahnübergang östlich des Ortes Zamdorf in der Gemeinde Berg am Laim.
Als die Strecke für den Rangierbahnhof München Ost nach Süden verschwenkt wurde, ließen die Staatseisenbahnen den Haltepunkt zum 1. Mai 1909 auf.
Ersatzweise richteten sie am 5. Juni 1909 einen neuen Haltepunkt Zamdorf an der neu eröffneten Lokalbahn München Ost–Ismaning ein.
Dieser blieb bis 1959 in Betrieb.
Trabrennbahn: Halt nur an Renntagen

Der Haltepunkt Trabrennbahn befand sich südlich der Tribüne der Trabrennbahn Daglfing.
Die Staatseisenbahnen richteten ihn 1902 zur Eröffnung der Trabrennbahn ein.
Sie bedienten ihn ausschließlich an Renntagen mit Sonderzügen.
Nach der Streckenverlegung 1909 wurde er über eine Verbindungskurve an die Lokalbahn München Ost–Ismaning angebunden und dabei geringfügig verlegt.
1932 wurden die Sonderzüge zu den Pferderennen durch Busse ersetzt, und der Haltepunkt wurde aufgelassen.
Wasentegernbach: Haltepunkt auf Initiative des Gastwirts
Der Haltepunkt Wasentegernbach im Norden des Ortes ging am 15. Oktober 1898 in Betrieb.
Er entstand auf Initiative des örtlichen Gastwirts aus dem Schrankenposten 19, als Stationsgebäude diente das bisherige Postengebäude.
Ab 1900 war der Haltepunkt als Station mit beschränktem Güterdienst für die Stückgutverladung zugelassen.
1915 richteten die Staatseisenbahnen einen privaten Gleisanschluss für den Getreidehandel an der Bahnhofsrestauration ein.
Dafür bauten sie den Haltepunkt zum Bahnhof mit eigenem Stellwerk aus.
Für den stets geringen Güterverkehr wurde am Gleisanschluss ein ausgemusterter Güterwagen als behelfsmäßiger Güterschuppen aufgestellt.
Vor 1952 wurde der Bahnhof zu einer Haltestelle zurückgestuft.
Aufgrund seiner geringen Benutzung gab die Bundesbahn den Gleisanschluss zum 11. Oktober 1982 auf und baute die Haltestelle zum Haltepunkt zurück.
Am 29. Mai 1988 wurde der Haltepunkt Wasentegernbach aufgelassen.
2017 hob die Deutsche Bahn den verbliebenen Schrankenposten im Zuge einer Erneuerung der Bahnübergangstechnik auf.
Dabei brach sie das Stationsgebäude und den Bahnsteig ab.
Perach: nachträglich eingefügt
Der Bahnhof Perach im Süden der Gemeinde war ursprünglich nicht vorgesehen und wurde nachträglich in die Streckenplanung eingefügt.
Er war zunächst eine einfache Personenhaltstelle mit einem zweigeschossigen Haltstellgebäude und einem Bahnsteig am Streckengleis.
Das Gebäude hatte im Erdgeschoss einen Dienstraum und einen Warteraum, in einem kleinen Anbau befanden sich die Toiletten.
Ende der 1890er Jahre bauten die Staatseisenbahnen den Haltepunkt zum Bahnhof aus.
Sie errichteten ein Ausweichgleis mit Bahnsteig und einen hölzernen Güterschuppen.
1900 entstand südlich der Hauptgleise ein beidseitig angebundenes Abstellgleis, von dem im Osten ein Gleisanschluss zu einem Lagerhaus abzweigte.
Die Bundesbahn wandelte den Bahnhof zum 1. Februar 1980 in eine unbesetzte Halte- und Ausweichanschlussstelle um und baute das Ausweichgleis zurück.
Am 1. Juni 1986 stellte sie den Personenverkehr an der Haltestelle Perach ein.
Der Güterverkehr an der verbliebenen Ausweichanschlussstelle endete 1991.
Das Empfangsgebäude und der Güterschuppen sind erhalten und in Privatbesitz.
Buch am Inn: Bahnhof im Ortsteil Buch

Der Bahnhof Buch (Inn) befand sich im Ortsteil Buch der Gemeinde Julbach.
Er wurde als Personenhaltstelle mit Schrankenposten errichtet und hatte ein zweigeschossiges Haltstellgebäude und ein Abortgebäude neben dem Streckengleis.
1899 bauten ihn die Staatseisenbahnen zum Bahnhof mit Güterverkehr aus.
Sie errichteten nördlich des durchgehenden Hauptgleises ein Ausweichgleis mit Bahnsteig und ein neues zweigeschossiges Empfangsgebäude.
Das bisherige Haltstellgebäude diente weiter als Wohngebäude und Schrankenposten.
Im oder nach dem Ersten Weltkrieg erhielt der Bahnhof östlich des Empfangsgebäudes eine Ortsgüteranlage mit Güterschuppen, Laderampe und Ladestraße.
Zum 27. Mai 1979 stufte die Bundesbahn den Bahnhof zur unbesetzten Halte- und Ausweichanschlussstelle zurück und baute das Ausweichgleis ab.
Am 1. Juni 1986 gab sie den Personenverkehrshalt in Buch auf.
1991 wurde der Güterverkehr eingestellt und das Ladegleis zurückgebaut.
Die Empfangsgebäude von 1871 und 1899 sind als Wohnhäuser erhalten.
Julbach: ein weiterer aufgelassener Halt
Der Haltepunkt Julbach ging am 20. Juni 1907 an der Stelle des Schrankenpostens 42 in Betrieb.
Er hatte nur ein eingeschossiges Stationsgebäude in Holzbauweise westlich des Bahnübergangs.
Später kam ein hölzerner Güterschuppen östlich des Bahnübergangs hinzu.
Am 30. September 1978 hob die Bundesbahn den Schrankenposten auf.
Zum 31. Mai 1987 wurde der Haltepunkt aufgelassen, die Gebäude wurden kurz darauf abgebrochen.
Niedergang auf dem Ostabschnitt
Auf dem Abschnitt Mühldorf–Simbach ging das Verkehrsaufkommen ab den 1950er Jahren kontinuierlich zurück.
Schlechte Anschlüsse an die Züge der Österreichischen Bundesbahnen in Simbach schwächten die grenzüberschreitende Verbindung.
Von 1979 bis 1980 baute die Bundesbahn die Bahnhöfe Neuötting, Perach und Buch zu Haltestellen zurück.
Danach blieben zwischen Mühldorf und Simbach nur die Bahnhöfe Töging und Marktl für Zugkreuzungen.
1986 stellte sie den Personenverkehr an den Haltestellen Perach und Buch ein, 1987 folgte die Auflassung des Haltepunkts Julbach.
Vorher und nachher
Vorher hielten hier Vorortzüge, Renntagssonderzüge und Regionalzüge an kleinen Stationen.
Nachher wurde in Ostmünchen der Betrieb durch die S-Bahn München ab 1972 neu geordnet.
Auf dem Abschnitt Mühldorf–Simbach blieb nur der Betrieb zwischen den größeren Bahnhöfen.
So sieht es jetzt aus
Erhalten sind die Empfangsgebäude und der Güterschuppen in Perach sowie die Empfangsgebäude von 1871 und 1899 in Buch.
In Wasentegernbach wurden Stationsgebäude und Bahnsteig 2017 abgebrochen, in Julbach schon kurz nach 1987.
Zu Resten von Zamdorf und der Trabrennbahn liegen keine belegten Angaben vor.
24. September 1863: Der Bayerische Landtag beschließt den Bau der Strecke.
1. Mai 1871: Der vorläufige Betrieb Haidhausen–Neuötting beginnt.
1. Juni 1871: Der Abschnitt Neuötting–Braunau geht in Betrieb.
1. Mai 1897: Der Vorortverkehr beginnt, Zamdorf wird Haltepunkt.
15. Oktober 1898: Der Haltepunkt Wasentegernbach geht in Betrieb.
1902: Der Haltepunkt Trabrennbahn wird eingerichtet.
1932: Der Haltepunkt Trabrennbahn wird aufgelassen.
1. Februar 1980: Perach wird zur unbesetzten Haltestelle.
1. Juni 1986: Der Personenverkehr in Perach und Buch endet.
29. Mai 1988: Wasentegernbach wird aufgelassen.
Ist die Strecke München–Simbach stillgelegt?
Wann wurde Perach aufgelassen?
Wann wurde Wasentegernbach aufgelassen?
Wofür gab es den Haltepunkt Trabrennbahn?
Was ist von den Halten erhalten?
Wie viele Halte gab es 1871?
Die Hauptbahn München–Simbach fährt weiter, doch an kleinen Stationen wie Perach und Buch erinnern nur noch Gebäude an die einstigen Halte.
Wikipedia: Bahnstrecke München–Simbach
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