Der Bahnhof Lottengrün: Ein Knotenbahnhof im Vogtland, übrig blieb ein Radweg
Der Bahnhof Lottengrün im Vogtland entstand aus einer Wasserstation und wurde zum Knoten zweier Strecken. Seit 1972 ist er außer Betrieb, heute liegen Spedition, Kleingärten und ein Radweg auf dem Gelände.

Lage: Lottengrün, Ortsteil von Tirpersdorf im Vogtlandkreis, Alte Bahnhofstraße. Status: Seit dem 1. Oktober 1972 außer Betrieb, beide Strecken sind stillgelegt. Heute: Spedition, Kleingartenanlage und das Gebäude des einstigen Bahnhofsrestaurants. Öffentlich nutzbar ist der Radweg auf der alten Trasse.
Der Bahnhof Lottengrün war ein lokaler Bahnknotenpunkt im Tirpersdorfer Ortsteil Lottengrün im sächsischen Vogtlandkreis.
Hier trafen die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz und die Strecke nach Plauen zusammen.
Beide Strecken sind heute außer Betrieb.
Der Bahnhof selbst ist seit dem 1. Oktober 1972 ohne Verkehr.
Auf dem Gelände am Rand eines Waldstücks liegen heute ein Lkw-Stellplatz, eine Kleingartenanlage und der Bahntrassen-Radweg.
Das frühere Bahnhofsrestaurant steht noch.
Alte, frei lizenzierte Fotos aus der Betriebszeit gibt es bei Wikimedia Commons nicht, deshalb zeigen die Bilder in diesem Beitrag den heutigen Zustand seit 2017.
Die Wege und die Bahndämme sind frei zugänglich, die Spedition und die Gärten sind genutzte Flächen, die man nicht betreten sollte.
Aus einer Wasserstation wird ein Knoten
Die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz wurde am 1. November 1865 eröffnet.
Um 1869 entstand an ihr in Lottengrün eine Wasserstation.
Aus ihr entwickelte sich der Bahnhof.
Mit dem zweigleisigen Ausbau in Richtung Bergen kamen zwei Weichen und ein Stumpfgleis hinzu.
Zunächst wurde die Station zur Güterladestelle erweitert.
Ab 1879 wurde auch Personenverkehr durchgeführt.
Es gab ein Doppelwohnhaus für den Aufseher und den Schrankenwärter.
Im Jahr 1892 erhielt es eine Verbindung zum Wirtschaftsgebäude, in dem ein Güterraum und die Abtritte lagen.
Das vierte Gleis bekam eine 100 Meter lange Seitenrampe und zwei aufgeschüttete Bahnsteige.
Die Station besaß fünf Weichen und erhielt 1885 eine Gleiswaage.
Zwischen 1901 und 1922 bestand eine Anschlussbahn mit dem Namen Himmers Zweiggleis.

Der Schiefer zieht eine Bahn nach sich
Schon 1897 forderten die Besitzer der Theumaer Schieferbrüche erstmals einen Bahnanschluss in Lottengrün.
Im Jahr 1901 begannen die ersten Vorarbeiten für eine Industriebahn von Lottengrün nach Theuma.
Am 7. Juli 1902 wurde die drei Kilometer lange Güterstrecke genehmigt und kurz darauf eingleisig gebaut.
Am 15. Dezember 1903 wurde sie eingeweiht und diente nur dem Güterverkehr.
Die Haltestelle Lottengrün hieß seit 1905 Bahnhof.
Im Jahr 1910 konzessionierte der Sächsische Landtag die Verlängerung bis Plauen.
Voraussetzung war, dass Gemeinden und andere Eigentümer die Grundstücke kostenlos stellten.
Die Strecke sollte am unteren Bahnhof Plauen enden, weil der Höhenunterschied zum oberen Bahnhof groß war.
Der Anschluss an die Elstertalbahn entstand in Plauen-Chrieschwitz.
Die ersten Vorarbeiten fielen in die Jahre 1912 und 1913, die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 5. Oktober 1914.
Sie kamen im Ersten Weltkrieg nur langsam voran.
Als ursprünglicher Eröffnungstermin war der 1. Oktober 1916 vorgesehen.
Am 15. November 1917 fuhren zwischen Lottengrün und Großfriesen die ersten Güterzüge.
Der geplante Kostenrahmen von 2,08 Millionen Mark wurde wegen gestiegener Löhne und Materialpreise deutlich überschritten.
Die komplette Strecke wurde am 30. Mai 1923 mit einem Festakt eröffnet.
Seit dem 1. Juni 1923 verkehrten planmäßig Personen- und Güterzüge.

So sah es vorher aus: sieben Gleise im Dreieck
Mit der Aufnahme des Personenverkehrs nach Plauen entstand ein Personentunnel unter den Gleisen der Oelsnitzer Strecke.
Er führte zu einem neuen Inselbahnsteig im Dreieck zwischen den beiden Strecken.
Auf diesem Bahnsteig stand eine beheizbare Wartehalle.
Seit 1924 gab es ein Stellwerk, das die Weichen und Signale bediente.
Die größte Ausdehnung erreichte der Bahnhof nach dem Bau eines Behelfsbahnsteigs am Gleis 5 in Richtung Plauen.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Station sieben Gleise und 13 Weicheneinheiten.
Die Strecke nach Plauen war 12,738 Kilometer lang und fuhr normalspurig.
Ihre größte Neigung betrug 25 Promille.
An ihr lagen Theuma, Großfriesen, Neuensalz, Kleinfriesen und als Endpunkt Plauen-Chrieschwitz.
Bei Kleinfriesen überquerte sie ein 100 Meter langes Viadukt.
Lottengrün lag mit 531 Metern über Normalnull am höchsten, Chrieschwitz mit 333 Metern am tiefsten.

Das Ende in drei Schritten
Wegen des geringen Verkehrsaufkommens wurde 1951 entschieden, den Abschnitt Lottengrün–Oelsnitz abzubauen.
Begründet wurde das damit, dass für den Bau des Berliner Außenringes Oberbaustoffe gebraucht wurden.
Am 27. April 1951 wurde der Zugverkehr eingestellt, die Strecke wenig später abgebaut.
Im Bahnhof betraf das das Hauptgleis 1 mit den Weichen 6 und 10.
Bis 1961 wurde auch das Gleis 3 abgebaut, und die Abzweigweiche Richtung Plauen wurde bis in die Höhe des Stellwerks zurückverlegt.
Das Kreuzungsgleis 4 erhielt dabei beidseitig Schutzweichen.
Die Güterverkehrsgleise auf der Oelsnitzer Seite blieben unverändert.
Am 26. September 1970 endete der Personenverkehr auf dem Abschnitt Falkenstein–Lottengrün und auf der Strecke Lottengrün–Plauen.
Die Reichsbahndirektion Dresden hatte die Einstellung beschlossen.
Danach war Lottengrün ein reiner Güterbahnhof.
Im Herbst 1972 endete die Bedienung der Theumaer Schieferbrüche auf dem Schienenweg.
Am 1. Oktober 1972 ging der Bahnhof außer Betrieb.
Ende 1972 begann der Abbau der Strecke nach Plauen, er war 1974 abgeschlossen.


So sieht es jetzt aus
Im Jahr 2001 waren das Empfangsgebäude, die Bahnsteigunterführung und der Güterschuppen im Osten von Lottengrün noch erhalten.
Heute befinden sich auf dem Areal neben dem Gebäude des einstigen Bahnhofsrestaurants eine Spedition und eine Kleingartenanlage.
Der ehemalige Bahnhof liegt nordöstlich des Ortes an der Alten Bahnhofstraße.
Die bewaldeten Bahndämme lassen die Trassen der beiden früheren Strecken noch gut erkennen.
Auf der Strecke von Falkenstein in Richtung Oelsnitz wurde auf und neben der einstigen Trasse ein Radweg angelegt.







Vorher und nachher: vom Gleisdreieck zum Radweg
Anfang der 1930er Jahre fuhren in Lottengrün Züge nach Oelsnitz, Falkenstein und Plauen.
Sieben Gleise und ein Inselbahnsteig im Dreieck der Strecken prägten das Bild.
Heute liegt dort ein Bahntrassen-Radweg, daneben ein Lkw-Stellplatz und Kleingärten.
Vom Bahnhof ist das Gebäude des Bahnhofsrestaurants geblieben, und die Dämme zeigen, wo die Gleise verliefen.
Die Geschichte in Daten
1. November 1865: Die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz wird eröffnet.
um 1869: Eine Wasserstation in Lottengrün wird zum Bahnhof ausgebaut.
1879: Beginn des Personenverkehrs.
15. Dezember 1903: Die Industriebahn Lottengrün–Theuma geht in Betrieb.
1905: Aus der Haltestelle wird ein Bahnhof.
30. Mai 1923: Die Strecke Lottengrün–Plauen wird eröffnet.
1924: Ein Stellwerk nimmt den Betrieb auf.
27. April 1951: Der Zugverkehr Lottengrün–Oelsnitz wird eingestellt.
26. September 1970: Letzte Reisezüge in Lottengrün.
1. Oktober 1972: Der Bahnhof geht außer Betrieb.
1974: Der Abbau der Strecke nach Plauen ist abgeschlossen.
Häufige Fragen
Wann endete der Betrieb in Lottengrün?
Warum entstand die Strecke nach Plauen?
Was steht heute auf dem Gelände?
Gibt es einen Radweg?
Kann man das Gelände betreten?
Der Bahnhof Lottengrün war nie ein Großbahnhof, aber ein Knoten, der zwei Strecken, einen Industrieanschluss und sieben Gleise zusammenführte.
Heute zeigt der Radweg am besten, wo die Züge einmal fuhren.
Wikipedia: Bahnhof Lottengrün · Wikipedia (Spiegel de-academic): Bahnstrecke Lottengrün–Plauen
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