Der Bahnhof Lottengrün: Ein Knotenbahnhof im Vogtland, übrig blieb ein Radweg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Der Bahnhof Lottengrün: Ein Knotenbahnhof im Vogtland, übrig blieb ein Radweg

Der Bahnhof Lottengrün im Vogtland entstand aus einer Wasserstation und wurde zum Knoten zweier Strecken. Seit 1972 ist er außer Betrieb, heute liegen Spedition, Kleingärten und ein Radweg auf dem Gelände.

Das ehemalige Bahnhofsrestaurant in Lottengrün, 2017.
Das ehemalige Bahnhofsrestaurant in Lottengrün, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1865
Strecke Herlasgrün–Oelsnitz eröffnet
1923
Strecke nach Plauen komplett
1970
Letzte Reisezüge
1972
Bahnhof außer Betrieb

Lage: Lottengrün, Ortsteil von Tirpersdorf im Vogtlandkreis, Alte Bahnhofstraße. Status: Seit dem 1. Oktober 1972 außer Betrieb, beide Strecken sind stillgelegt. Heute: Spedition, Kleingartenanlage und das Gebäude des einstigen Bahnhofsrestaurants. Öffentlich nutzbar ist der Radweg auf der alten Trasse.

Der Bahnhof Lottengrün war ein lokaler Bahnknotenpunkt im Tirpersdorfer Ortsteil Lottengrün im sächsischen Vogtlandkreis.

Hier trafen die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz und die Strecke nach Plauen zusammen.

Beide Strecken sind heute außer Betrieb.

Der Bahnhof selbst ist seit dem 1. Oktober 1972 ohne Verkehr.

Auf dem Gelände am Rand eines Waldstücks liegen heute ein Lkw-Stellplatz, eine Kleingartenanlage und der Bahntrassen-Radweg.

Das frühere Bahnhofsrestaurant steht noch.

Alte, frei lizenzierte Fotos aus der Betriebszeit gibt es bei Wikimedia Commons nicht, deshalb zeigen die Bilder in diesem Beitrag den heutigen Zustand seit 2017.

Die Wege und die Bahndämme sind frei zugänglich, die Spedition und die Gärten sind genutzte Flächen, die man nicht betreten sollte.

Aus einer Wasserstation wird ein Knoten

Die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz wurde am 1. November 1865 eröffnet.

Um 1869 entstand an ihr in Lottengrün eine Wasserstation.

Aus ihr entwickelte sich der Bahnhof.

Mit dem zweigleisigen Ausbau in Richtung Bergen kamen zwei Weichen und ein Stumpfgleis hinzu.

Zunächst wurde die Station zur Güterladestelle erweitert.

Ab 1879 wurde auch Personenverkehr durchgeführt.

Es gab ein Doppelwohnhaus für den Aufseher und den Schrankenwärter.

Im Jahr 1892 erhielt es eine Verbindung zum Wirtschaftsgebäude, in dem ein Güterraum und die Abtritte lagen.

Das vierte Gleis bekam eine 100 Meter lange Seitenrampe und zwei aufgeschüttete Bahnsteige.

Die Station besaß fünf Weichen und erhielt 1885 eine Gleiswaage.

Zwischen 1901 und 1922 bestand eine Anschlussbahn mit dem Namen Himmers Zweiggleis.

Das ehemalige Bahnhofsrestaurant, 2018.
Das ehemalige Bahnhofsrestaurant, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Schiefer zieht eine Bahn nach sich

Schon 1897 forderten die Besitzer der Theumaer Schieferbrüche erstmals einen Bahnanschluss in Lottengrün.

Im Jahr 1901 begannen die ersten Vorarbeiten für eine Industriebahn von Lottengrün nach Theuma.

Am 7. Juli 1902 wurde die drei Kilometer lange Güterstrecke genehmigt und kurz darauf eingleisig gebaut.

Am 15. Dezember 1903 wurde sie eingeweiht und diente nur dem Güterverkehr.

Die Haltestelle Lottengrün hieß seit 1905 Bahnhof.

Im Jahr 1910 konzessionierte der Sächsische Landtag die Verlängerung bis Plauen.

Voraussetzung war, dass Gemeinden und andere Eigentümer die Grundstücke kostenlos stellten.

Die Strecke sollte am unteren Bahnhof Plauen enden, weil der Höhenunterschied zum oberen Bahnhof groß war.

Der Anschluss an die Elstertalbahn entstand in Plauen-Chrieschwitz.

Die ersten Vorarbeiten fielen in die Jahre 1912 und 1913, die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 5. Oktober 1914.

Sie kamen im Ersten Weltkrieg nur langsam voran.

Als ursprünglicher Eröffnungstermin war der 1. Oktober 1916 vorgesehen.

Am 15. November 1917 fuhren zwischen Lottengrün und Großfriesen die ersten Güterzüge.

Der geplante Kostenrahmen von 2,08 Millionen Mark wurde wegen gestiegener Löhne und Materialpreise deutlich überschritten.

Die komplette Strecke wurde am 30. Mai 1923 mit einem Festakt eröffnet.

Seit dem 1. Juni 1923 verkehrten planmäßig Personen- und Güterzüge.

Der ehemalige Bahnhof Lottengrün mit der Einfahrt aus Richtung Falkenstein.
Der ehemalige Bahnhof Lottengrün mit der Einfahrt aus Richtung Falkenstein. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: sieben Gleise im Dreieck

Mit der Aufnahme des Personenverkehrs nach Plauen entstand ein Personentunnel unter den Gleisen der Oelsnitzer Strecke.

Er führte zu einem neuen Inselbahnsteig im Dreieck zwischen den beiden Strecken.

Auf diesem Bahnsteig stand eine beheizbare Wartehalle.

Seit 1924 gab es ein Stellwerk, das die Weichen und Signale bediente.

Die größte Ausdehnung erreichte der Bahnhof nach dem Bau eines Behelfsbahnsteigs am Gleis 5 in Richtung Plauen.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Station sieben Gleise und 13 Weicheneinheiten.

Die Strecke nach Plauen war 12,738 Kilometer lang und fuhr normalspurig.

Ihre größte Neigung betrug 25 Promille.

An ihr lagen Theuma, Großfriesen, Neuensalz, Kleinfriesen und als Endpunkt Plauen-Chrieschwitz.

Bei Kleinfriesen überquerte sie ein 100 Meter langes Viadukt.

Lottengrün lag mit 531 Metern über Normalnull am höchsten, Chrieschwitz mit 333 Metern am tiefsten.

Das ehemalige Bahnhofsgelände in Lottengrün, 2017.
Das ehemalige Bahnhofsgelände in Lottengrün, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende in drei Schritten

Wegen des geringen Verkehrsaufkommens wurde 1951 entschieden, den Abschnitt Lottengrün–Oelsnitz abzubauen.

Begründet wurde das damit, dass für den Bau des Berliner Außenringes Oberbaustoffe gebraucht wurden.

Am 27. April 1951 wurde der Zugverkehr eingestellt, die Strecke wenig später abgebaut.

Im Bahnhof betraf das das Hauptgleis 1 mit den Weichen 6 und 10.

Bis 1961 wurde auch das Gleis 3 abgebaut, und die Abzweigweiche Richtung Plauen wurde bis in die Höhe des Stellwerks zurückverlegt.

Das Kreuzungsgleis 4 erhielt dabei beidseitig Schutzweichen.

Die Güterverkehrsgleise auf der Oelsnitzer Seite blieben unverändert.

Am 26. September 1970 endete der Personenverkehr auf dem Abschnitt Falkenstein–Lottengrün und auf der Strecke Lottengrün–Plauen.

Die Reichsbahndirektion Dresden hatte die Einstellung beschlossen.

Danach war Lottengrün ein reiner Güterbahnhof.

Im Herbst 1972 endete die Bedienung der Theumaer Schieferbrüche auf dem Schienenweg.

Am 1. Oktober 1972 ging der Bahnhof außer Betrieb.

Ende 1972 begann der Abbau der Strecke nach Plauen, er war 1974 abgeschlossen.

Das Bahnhofsgelände Lottengrün, 2018.
Das Bahnhofsgelände Lottengrün, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein weiterer Blick über das frühere Bahnhofsgelände, 2018.
Ein weiterer Blick über das frühere Bahnhofsgelände, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Im Jahr 2001 waren das Empfangsgebäude, die Bahnsteigunterführung und der Güterschuppen im Osten von Lottengrün noch erhalten.

Heute befinden sich auf dem Areal neben dem Gebäude des einstigen Bahnhofsrestaurants eine Spedition und eine Kleingartenanlage.

Der ehemalige Bahnhof liegt nordöstlich des Ortes an der Alten Bahnhofstraße.

Die bewaldeten Bahndämme lassen die Trassen der beiden früheren Strecken noch gut erkennen.

Auf der Strecke von Falkenstein in Richtung Oelsnitz wurde auf und neben der einstigen Trasse ein Radweg angelegt.

Das ehemalige Bahnhofsgelände, 2018.
Das ehemalige Bahnhofsgelände, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Standort des Bahnhofs Lottengrün, 2018.
Der ehemalige Standort des Bahnhofs Lottengrün, 2018. Foto: Dor Jörsch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz bei Lottengrün.
Der Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz bei Lottengrün. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Radweg auf der alten Trasse bei Lottengrün.
Radweg auf der alten Trasse bei Lottengrün. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Brücke über die ehemalige Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz am Bahnhof Lottengrün, 2018.
Brücke über die ehemalige Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz am Bahnhof Lottengrün, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Dieselbe Brücke von oben, 2018.
Dieselbe Brücke von oben, 2018. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Trasse der Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz am Bahnhof Lottengrün.
Die ehemalige Trasse der Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz am Bahnhof Lottengrün. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: vom Gleisdreieck zum Radweg

Anfang der 1930er Jahre fuhren in Lottengrün Züge nach Oelsnitz, Falkenstein und Plauen.

Sieben Gleise und ein Inselbahnsteig im Dreieck der Strecken prägten das Bild.

Heute liegt dort ein Bahntrassen-Radweg, daneben ein Lkw-Stellplatz und Kleingärten.

Vom Bahnhof ist das Gebäude des Bahnhofsrestaurants geblieben, und die Dämme zeigen, wo die Gleise verliefen.

Die Geschichte in Daten

1. November 1865: Die Strecke Herlasgrün–Oelsnitz wird eröffnet.

um 1869: Eine Wasserstation in Lottengrün wird zum Bahnhof ausgebaut.

1879: Beginn des Personenverkehrs.

15. Dezember 1903: Die Industriebahn Lottengrün–Theuma geht in Betrieb.

1905: Aus der Haltestelle wird ein Bahnhof.

30. Mai 1923: Die Strecke Lottengrün–Plauen wird eröffnet.

1924: Ein Stellwerk nimmt den Betrieb auf.

27. April 1951: Der Zugverkehr Lottengrün–Oelsnitz wird eingestellt.

26. September 1970: Letzte Reisezüge in Lottengrün.

1. Oktober 1972: Der Bahnhof geht außer Betrieb.

1974: Der Abbau der Strecke nach Plauen ist abgeschlossen.

Häufige Fragen

Wann endete der Betrieb in Lottengrün?
Der Personenverkehr endete am 26. September 1970, der Bahnhof ging am 1. Oktober 1972 außer Betrieb.
Warum entstand die Strecke nach Plauen?
Auslöser waren die Besitzer der Theumaer Schieferbrüche, die schon 1897 einen Bahnanschluss forderten.
Was steht heute auf dem Gelände?
Neben dem Gebäude des einstigen Bahnhofsrestaurants eine Spedition, ein Lkw-Stellplatz und eine Kleingartenanlage.
Gibt es einen Radweg?
Ja, auf der Strecke von Falkenstein in Richtung Oelsnitz liegt ein Radweg auf und neben der Trasse.
Kann man das Gelände betreten?
Die Wege und der Radweg sind öffentlich, Spedition und Gärten sind genutzte Flächen und kein Besuchsziel.

Der Bahnhof Lottengrün war nie ein Großbahnhof, aber ein Knoten, der zwei Strecken, einen Industrieanschluss und sieben Gleise zusammenführte.

Heute zeigt der Radweg am besten, wo die Züge einmal fuhren.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnhof Lottengrün · Wikipedia (Spiegel de-academic): Bahnstrecke Lottengrün–Plauen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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