Der Bahnhof Ebernburg: ein Grenzbahnhof an der Alsenztalbahn, heute Künstlerbahnhof
1871 eröffnet, bis 1920 Grenze zwischen Pfälzer und Preußischer Bahn, seit 1977 ohne Halt: Am Bahnhof Ebernburg fahren die Züge vorbei, im Empfangsgebäude arbeiten Künstler.


Lage: Ebernburg, Stadtteil von Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz, südlich der Nahe. Status: Ohne Halt seit dem 22. Mai 1977, die Strecke ist weiter in Betrieb. Heute: Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude ist Künstlerbahnhof mit Ateliers und einer Wohnung für Stipendiaten.
In Ebernburg südlich der Nahe halten seit 1977 keine Personenzüge mehr.
Die Alsenztalbahn ist dagegen weiter in Betrieb, und die Züge fahren am ehemaligen Bahnhof vorbei.
Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt seit 1979 den Künstlerbahnhof.
Der Bahnhof war einst Grenzbahnhof zwischen den Königreichen Bayern und Preußen und deshalb viel größer, als der Ort es erfordert hätte.
Er lag nur 1.100 Meter vom Bahnhof Bad Münster am Stein entfernt, und das wurde ihm zum Verhängnis.
Wie die Bahn nach Ebernburg kam
Um 1860 gab es erste Bestrebungen, entlang der Alsenz eine Bahnstrecke zu bauen.
Sie sollte zusammen mit der Maximiliansbahn und der Ludwigsbahn als Nord-Süd-Verbindung dienen, auf der Güter und Reisende von den Kanalhäfen in die Schweiz und nach Italien kommen sollten.
Ein sicherer Anschluss an die Rhein-Nahe-Bahn in Münster am Stein fehlte den Plänen noch.
Dafür schlossen Bayern und das Königreich Preußen am 28. Oktober 1865 einen Staatsvertrag, der vorsah, die Alsenzstrecke im preußischen Münster in die Nahestrecke einzufädeln.
Die bayerische Regierung erteilte die Baukonzession am 23. November 1867, die preußische am 12. Juli 1868.
Der Bau begann 1868, und vier Abschnitte waren für ihn zuständig: Hochspeyer, Winnweiler, Alsenz und Ebernburg.
Beim Bau gab es geologische Probleme, so mussten mehrere Tunnel durch Sandstein, Tonschiefer und harten Melaphyr getrieben werden.
Der Abschnitt von Hochspeyer nach Winnweiler wurde am 29. Oktober 1870 freigegeben.
Die Fertigstellung der Strecke bis Münster verzögerte sich auch wegen des Deutsch-Französischen Kriegs.
Am 16. Mai 1871 war die Gesamtstrecke fertig und diente zunächst ausschließlich dem Rücktransport deutscher Truppen samt Waffen aus dem Krieg.
Für den Zivilverkehr wurde sie am 15. Juli 1871 eröffnet.

So sah es vorher aus: ein Grenzbahnhof mit zehn Gleisen
Der Bahnhof Ebernburg hatte bei der Übergabe der Züge zwischen den Bahnen insgesamt zehn Gleise.
Die Gleise 1 bis 3 waren vor allem für den Personenverkehr gedacht, die Gleise 4 bis 10 für den Güterverkehr.
Die Längen waren so bemessen, dass alle Gleise auch von Militärzügen belegt werden konnten.
Zwischen den Gleisen 1 und 2 gab es einen zweiseitigen Schüttbahnsteig, neben Gleis 3 einen einseitigen.
Das Empfangsgebäude wurde um 1880 errichtet.
Es ist ein spätklassizistischer Quaderbau aus rotem Sandstein, wie er für die Bauten der Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen typisch war.
Seine Größe hatte zwei Gründe: die Funktion als Grenzstation zur preußischen Nahebahn und der Wunsch des auf der Ebernburg ansässigen Adelsgeschlechts nach einer repräsentativen Station.
Ähnliche Bauten stehen in den Bahnhöfen Enkenbach, Langmeil und Winnweiler.

Als letzter pfälzischer Bahnhof der Alsenztalbahn bekam Ebernburg Anlagen zur Behandlung der Lokomotiven und ein kleines Betriebswerk.
Es bestand aus einem zweiständigen Lokschuppen mit Werkstatt und Schlafräumen und einem vierständigen Ringlokschuppen.
Die ursprüngliche Drehscheibe hatte 12,5 Meter Durchmesser, sie wurde wegen der beengten Platzverhältnisse 1902 durch eine mit 16,7 Metern ersetzt.
In den 1920er Jahren wurde das Betriebswerk aufgelöst.
Dazu kamen ein Eisenbahnerwohnhaus, ein Güterschuppen, ein Pumpenhaus und ein Wasserturm, das Wasser kam aus der Nahe.
Obwohl Ebernburg bis 1920 Grenzstation zu Preußen war, wechselten die Lokomotiven wegen der beengten Verhältnisse erst im Bahnhof Bad Münster am Stein.
Nur wenige Güterzüge bildeten eine Ausnahme.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg mussten deshalb bis zu 100 Lokfahrten zwischen Ebernburg und Münster am Stein stattfinden.
Auch Güterbegleitwagen, die Direktionsgrenzen nicht überschreiten durften, wurden in Ebernburg gewechselt.
Der Bahnhof war außerdem Ausgangspunkt für Nahgüterzüge auf die Glantalbahn.

Ein Bahnhof ohne viele Reisende
Für den Personenverkehr hatte Ebernburg nur örtliche Bedeutung.
Im ersten Fahrplan vom Sommer 1871 hielten fünf gemischtklassige Personenzüge in Ebernburg, im Jahr darauf nur noch vier.
Das neu eingeführte Eilzugpaar hielt dort schon nicht mehr, Haltepunkt dafür war der Nachbarbahnhof Bad Münster am Stein.
Im Sommer 1880 fuhren schon drei internationale Schnellzüge zwischen Köln und Basel über Bad Münster und Neustadt, die in Ebernburg keinen Halt machten.
1939 hielten täglich sieben Personenzugpaare, und in der Nacht von Sonntag auf Montag endete und begann hier ein Zug von und nach Hochspeyer.

Krieg, Wiederaufbau, Ende
1937 wurden die Bahnanlagen umgebaut, vor allem Signale und Stellwerke.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof mehrfach angegriffen und die Gebäude beschädigt.
Die Nahebrücke neben dem Bahnhof wurde beim Angriff vom 26. Dezember 1944 zerstört.
Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau nur im kleinen Umfang.
Das Betriebswerk wurde nicht mehr gebraucht, weil Lokwechsel nun in Bingerbrück stattfanden, und daher abgerissen.
Nur der Anbau für das Personal blieb erhalten, er steht als Wohnhaus in Privatbesitz.
1969 wurde die Gemeinde Ebernburg mit dem Nachbarort Bad Münster am Stein zusammengelegt.
Die Entfernung zum Knotenbahnhof betrug weniger als einen Kilometer.
Das waren die wesentlichen Gründe, warum der Bahnhof in den 1970er Jahren aufgegeben wurde.
Am 22. Mai 1977 hielten in Ebernburg die letzten Personenzüge.
So sieht es jetzt aus: Künstlerbahnhof an der Strecke
Seit 1979 wird das Bahnhofsgebäude als Künstlerbahnhof vermarktet.
Es beherbergt Atelierräume und eine Wohnung für Stipendiaten.
Betreut wird es vom Förderverein Künstlerbahnhof Ebernburg.
Das Gebäude ist als Baudenkmal eingetragen.

Die Alsenztalbahn verläuft weiter am Gebäude vorbei und überquert hinter dem aufgelassenen Bahnhof die Nahe.
Dann erreicht sie gemeinsam mit der Nahetalbahn den Bahnhof Bad Münster am Stein.
Über die Strecke fahren Regionalexpress-Linien von Mainz und Koblenz nach Kaiserslautern.
Die Gleise sind Teil des Betriebs und dürfen nicht betreten werden.
Das Gebäude ist kein öffentlich zugängliches Museum, sondern ein Atelierhaus, es ist deshalb am besten von der Straße aus zu besichtigen.
Vorher und nachher: das Empfangsgebäude
Das Foto von 1910 zeigt Ebernburg auf der Höhe der Länderbahnzeit mit dem Stationsschild am Gebäude.
Auf dem Foto von 2012 ist das Empfangsgebäude aus rotem Sandstein von der Gleisseite zu sehen.
Die Gleise im Vordergrund sind nur noch wenige, früher waren es zehn.
28. Oktober 1865: Bayern und Preußen schließen den Staatsvertrag über den Anschluss in Münster.
29. Oktober 1870: Hochspeyer bis Winnweiler wird eröffnet.
16. Mai 1871: Die Strecke bis Münster ist fertig.
15. Juli 1871: Eröffnung für den Zivilverkehr.
um 1880: Das Empfangsgebäude entsteht.
1902: Die Drehscheibe wird vergrößert.
1920: Die Grenzstation zu Preußen entfällt.
26. Dezember 1944: Die Nahebrücke wird bei einem Angriff zerstört.
1969: Ebernburg wird mit Bad Münster am Stein zusammengelegt.
22. Mai 1977: Die letzten Personenzüge halten in Ebernburg.
1979: Der Künstlerbahnhof zieht ins Empfangsgebäude.
2014: Bad Münster am Stein-Ebernburg wird nach Bad Kreuznach eingemeindet.
Hält in Ebernburg noch ein Zug?
Warum wurde der Bahnhof Ebernburg aufgegeben?
Was ist heute im Bahnhofsgebäude?
Warum war der Bahnhof so groß?
Gibt es noch das Betriebswerk?
Darf ich auf die Gleise?
Der Bahnhof Ebernburg zeigt, was von einem großen Grenzbahnhof bleibt, wenn die Grenze verschwunden ist.
Die Strecke fährt weiter, das Gebäude hat eine neue Aufgabe gefunden.
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