Der Bahnhof Brennersee: Ein Grenzbahnhof, der wegen zweier Stromsysteme entstand
Der Bahnhof Brennersee wurde 1927 und 1928 gebaut, weil Österreich und Italien an der Brennerbahn unterschiedlichen Bahnstrom nutzten. Seit dem 9. Dezember 2007 halten hier keine Reisezüge mehr, das Aufnahmegebäude steht unter Denkmalschutz.

Lage: an der Brennerbahn am Brennersee in Tirol, 763 Meter nördlich der Staatsgrenze und 1,313 Kilometer vom Bahnhof Brenner entfernt. Status: ohne Reisezugverkehr, Aufnahmegebäude denkmalgeschützt, die Brennerbahn selbst ist in Betrieb. Heute: Das Gelände liegt an einer Hauptbahn und neben dem Terminal der Rollenden Landstraße. Gleise und Bahngelände werden nicht betreten, das Gebäude sieht man von außen.
Der Bahnhof Brennersee liegt in Tirol an der Brennerbahn, wenige hundert Meter nördlich der Grenze zu Italien.
Er wurde im Oktober 1928 in Betrieb genommen und bis Dezember 2007 genutzt.
Reisezüge halten seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 nicht mehr, doch die Strecke selbst bleibt eine der wichtigsten Güterverbindungen über die Alpen.
Das Aufnahmegebäude steht unter Denkmalschutz.
Die Auswahl an freien Fotos ist klein, deshalb zeigt dieser Beitrag nur wenige Bilder.
Warum ein Bahnhof am Brennersee?
Der Grund für den Bau lag im Bahnstrom, nicht in den Reisenden.
Am 6. Oktober 1928 war die Elektrifizierung der Brennerbahn ab Innsbruck mit 15 Kilovolt und 16 2/3 Hertz fertig.
Der Bahnhof Brenner auf italienischem Gebiet war dagegen mit dem italienischen System elektrifiziert, einem Drehstromsystem mit 3.600 Volt und zwei nebeneinander hängenden Fahrdrähten.
Die italienischen Staatsbahnen lehnten es zunächst ab, den Bahnhof Brenner mit beiden Systemen auszurüsten und als gemeinsamen Grenzbahnhof zu betreiben.
Die österreichischen Bundesbahnen durften ihre Fahrleitung daher nicht bis zum Brenner verlängern.
Sie bauten stattdessen den Bahnhof Brennersee, in dem für den kurzen Abschnitt zum Brenner Dampflokomotiven vorgespannt wurden.
Der Bau im Winter 1927 und 1928
Gebaut wurde der Bahnhof vom Herbst 1927 bis zum Frühling 1928.
Er liegt 763 Meter nördlich der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und 1,313 Kilometer vom Bahnhof Brenner entfernt.
Eine kostenintensive Besonderheit gab es beim Aufnahmegebäude.
Zuerst errichtete man einen großen Bretterraum, und auf diesem unteren Holzhaus wurde danach das steinerne Haus gemauert.
Vorspann und Grenzkontrolle bis 1934
Von Oktober 1928 bis April 1934 standen im Bahnhof Brennersee jederzeit mehrere Dampflokomotiven bereit, zum Beispiel der Reihe BBÖ 170.
Sie zogen die Züge als Vorspannlokomotiven auf dem kurzen Abschnitt bis zum Bahnhof Brenner.
Gleichzeitig war Brennersee Grenzbahnhof, in dem die österreichische Pass- und Zollkontrolle stattfand.
Im Bahnhof Brenner wurde 1933 ein Inselbahnsteig in Betrieb genommen, dessen Gleise man mit dem österreichischen Stromsystem elektrifizierte.
Dadurch war die Kühlung der Wechselstrommotoren österreichischer Lokomotiven wie der Reihen BBÖ 1170 und BBÖ 1670 sichergestellt.
Am 1. April 1934 war die Elektrifizierung von Brennersee bis zum Brenner abgeschlossen, und die Bundesbahnen durften die Lücke in der Fahrleitung auf italienischem Staatsgebiet schließen.
Die Brennerbahn im Überblick
Die Brennerbahn wurde von 1864 bis 1867 nach Plänen von Karl Etzel von der Südbahngesellschaft gebaut.
Der erste Spatenstich erfolgte am 23. Februar 1864 beim Bergiseltunnel.
Beim Bau waren bis zu 20.600 Arbeiter beschäftigt, vorwiegend aus dem Trentino und aus Italien sowie aus Slowenien und Kroatien.
Am 17. August 1867 wurde die Strecke für den Güterverkehr eröffnet und am 24. August für den Personenverkehr.
Die Freigabe erfolgte ohne Feierlichkeiten, weil Hoftrauer um den erschossenen Kaiser Maximilian von Mexiko herrschte.
Erstmals im Bahnbau wurden Kehrtunnel verwendet, um die 796 Höhenmeter von Innsbruck bis zum Brenner zu überwinden.
Der Scheitelpunkt liegt auf 1.371 Metern im Bahnhof Brenner, dem höchsten Punkt im Normalspurnetz der ÖBB.
Entlang der Nordrampe gibt es 14 kleinere Tunnel mit einer Gesamtlänge von etwa 3.600 Metern.
Die Trasse war von Beginn an für zwei Gleise gebaut, doch zunächst wurde aus Kostengründen nur eines verlegt.
Bereits im Frühjahr 1868 war die Strecke von Innsbruck bis zum Brenner zweigleisig befahrbar.
Eine Grenze mitten im Wipptal
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden das Trentino und Südtirol von Italien annektiert, wodurch der Bahnhof Brenner zum Grenzbahnhof wurde.
Am 1. August 1919 übernahmen die italienischen Staatsbahnen den Abschnitt südlich des Brenners.
1923 übernahmen die Österreichischen Bundesbahnen den nördlichen Abschnitt.
Beide Gesellschaften elektrifizierten die Strecke 1928 und 1929 weitgehend, aber mit verschiedenen Systemen.
Der Bahnhof Brennersee entstand genau an dieser Stelle der Technik.
So sah es vorher aus: Vier Gleise und ein Wohnhaus-Plan
Der Bahnhof hatte ursprünglich vier Gleise mit Weichen.
Nachdem der Bahnhof Brenner mehrfach umgebaut worden war, verlor Brennersee seine Funktion als Grenzbahnhof.
Nach dem Abschluss der Elektrifizierung 1934 sollte der Bahnhof geschlossen und das Aufnahmegebäude in ein Wohnhaus umgebaut werden.
Brennersee blieb jedoch als Haltestelle für Personenzüge erhalten.
In den letzten Jahrzehnten stufte die ÖBB die Haltestelle als unbesetzt ein.
Das Terminal Brennersee und die Rollende Landstraße
Südwestlich der Haltestelle wurde 1988 und 1989 das Terminal Brennersee errichtet.
Seit dem 1. Dezember 1989 ist es Ziel- und Ausgangspunkt der Rollenden Landstraße aus und nach Norden.
Bei der Rollenden Landstraße fahren Lastwagen oder Lastzüge auf Zügen durch die Alpen.
Die häufigsten RoLa-Züge verkehren zwischen Wörgl und dem Brenner.
2007 beförderte die Rail Cargo Austria insgesamt 288.776 Lastwagen oder Lastzüge in 19.073 Zügen, ein Teil davon auf dieser Verbindung.
Das Terminal wird betrieblich selbständig geführt und liegt wenige hundert Meter südlich des Bahnhofs.
Der Niedergang der Haltestelle
In den letzten Betriebsjahren hielten nur noch einzelne Regionalzüge in Brennersee.
Im Fahrplanjahr 2007 waren es zwei Züge am Morgen in Richtung Innsbruck.
Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 gab man die Nutzung im Personenverkehr vollständig auf.
Von den ehemals vier Gleisen waren schon viele Jahre vorher die beiden unmittelbar am Gebäude liegenden Gleise bis zum Beginn des Grundstücks entfernt worden.
Die in Richtung Süden verbliebenen Teile dieser Gleise dienen als Abstellgleise für das Terminal.
Eine Aufschüttung hinter den Prellböcken schützt zusätzlich davor, dass Zuggarnituren in Richtung Gries abrollen.
So sieht es jetzt aus
Das Aufnahmegebäude von 1928 steht unter Denkmalschutz.
Es ist ein zweigeschossiges Haus mit hellem Putz und einem flach geneigten Dach, am Giebel hängt das Namensschild Brennersee.
Wofür das Haus heute genutzt wird, ist nicht belegt.
Das Gelände liegt an einer Hauptbahn und neben dem Terminal der Rollenden Landstraße und gehört zum Bahnbetrieb.
Man sollte Gleise und Bahngelände deshalb nicht betreten und das Gebäude nur von außen ansehen.
Vorher und nachher: Das Gebäude 2009 und 2014
Die beiden Aufnahmen zeigen das Aufnahmegebäude im Abstand von fünf Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln.


Die Geschichte in Daten
1864: Der erste Spatenstich für die Brennerbahn erfolgt am 23. Februar.
1867: Die Brennerbahn wird im August für Güter und Reisende eröffnet.
1919: Die italienischen Staatsbahnen übernehmen den Abschnitt südlich des Brenners.
1923: Die Bundesbahnen übernehmen den nördlichen Abschnitt.
1928: Der Bahnhof Brennersee wird im Oktober eröffnet.
1934: Die Elektrifizierung bis zum Brenner wird am 1. April abgeschlossen.
1989: Das Terminal Brennersee geht am 1. Dezember in Betrieb.
2007: Der Personenverkehr wird am 9. Dezember aufgegeben.
Häufige Fragen
Warum gibt es den Bahnhof Brennersee?
Wann hielt der letzte Reisezug?
Steht das Gebäude unter Schutz?
Was ist das Terminal Brennersee?
Wie weit liegt der Bahnhof von der Grenze?
Darf man das Bahngelände betreten?
Ein Bahnhof aus Stromgründen
Der Bahnhof Brennersee ist ein Beispiel dafür, wie die Technik der Stromsysteme einen Bahnhof entstehen und später überflüssig werden ließ.
Die Brennerbahn fährt weiter, nur die Reisenden steigen in Brennersee nicht mehr ein.
Wikipedia: Bahnhof Brennersee · Wikipedia: Brennerbahn · Wikipedia: Rollende Landstraße
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