Die Albbahn: Museumsbahn auf der Alb und die stillgelegte Zahnradstrecke Honau–Lichtenstein
Zwischen Engstingen und Schelklingen fahren Schüler- und Museumszüge, die Zahnradstrecke von Honau hinauf auf die Alb ist seit 1969 stillgelegt. Einige Halte der Strecke sind ehemalige Bahnhöfe.

Lage: Schwäbische Alb zwischen Reutlingen und Schelklingen. Status: Engstingen–Schelklingen in Betrieb als Schüler- und Museumsbahn, die Zahnradstrecke Honau–Engstingen seit 28. Juli 1969 stillgelegt. Heute: Die Zahnradtrasse ist ein Wanderweg, einzelne Halte wie Mehrstetten und Teuringshofen sind ehemalige Stationen.
Dieser Beitrag begleitet die Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen über die Schwäbische Alb.
Der Abschnitt Engstingen–Schelklingen, die Schwäbische Alb-Bahn, ist in Betrieb und wird im Schüler- und Touristikverkehr als Museumsbahn genutzt.
Stillgelegt ist die Zahnradstrecke Honau–Lichtenstein–Engstingen, und einige Halte der Museumsbahn sind ehemalige Bahnhöfe.
Zu den Halten Marbach, Grafeneck, Kohlstetten, Mehrstetten, Hütten und Teuringshofen ist jeweils nur belegt, was nachfolgend steht.
Wie die Strecke entstand
Reutlingen wollte nach 1859 das östliche und südliche Hinterland anschließen.
Erst als 1872 der Plan einer Strecke direkt nach Sigmaringen abgelehnt wurde, richteten sich die Pläne auf eine Verbindung über die Alb nach Ulm.
Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen begannen 1891 mit dem Bau und eröffneten am 2. Juni 1892 die Strecke von Reutlingen über Pfullingen bis Honau.
Am 1. Oktober 1893 folgte die Fortsetzung mit der Zahnstangen-Steilstrecke über Engstingen nach Münsingen.
Am 1. August 1901 ging der Anschluss nach Schelklingen in Betrieb, und damit entstand die lange gewünschte Verbindung zwischen Reutlingen und Ulm.
So sah es vorher aus: die Zahnradbahn Honau–Lichtenstein
Auf dem Zahnstangenabschnitt überwand die Bahn auf 2,15 Kilometern Länge mit einer Steigung von bis zu 1:10 einen Höhenunterschied von 179 Metern.
Sie war die erste Zahnradstrecke für den Personenverkehr in Württemberg und eine der steilsten Eisenbahnstrecken Deutschlands.
Verwendet wurde eine Riggenbach’sche Leiterzahnstange der Bauart Bissinger-Klose.
Ausgangspunkt war der Bahnhof Honau im Echaztal, Endpunkt der Bahnhof Lichtenstein, der seinen Namen dem nahen Schloss Lichtenstein verdankt.
Bergwärts musste der Zug geschoben werden, und die Lokomotive setzte dafür in Honau und Lichtenstein jeweils um.
1893 beschaffte Württemberg dafür eigens gebaute Dampflokomotiven der Baureihe Fz, 1922 ersetzte die Reichsbahn sie durch die Baureihe 97.5.
Ab September 1961 übernahmen Zahnrad-Schienenbusse der Baureihe VT 97 den Betrieb, die Höchstgeschwindigkeit blieb aber bei 10 Kilometern pro Stunde.

Die Bahn erschloss ein beliebtes Ausflugsgebiet am Albtrauf mit dem Schloss Lichtenstein, der Nebelhöhle, der Olgahöhle, der Karlshöhle, der Echazquelle und den Aussichtspunkten Traifelberg und Schönberg.
Niedergang und Ende der Zahnradstrecke
Mit dem Aufkommen der Motorisierung nahmen die Beförderungszahlen nach dem Zweiten Weltkrieg immer weiter ab.
Wegen des aufwendigen Zahnradbetriebs wurde die Strecke ab Honau am 28. Juli 1969 für den Gesamtverkehr stillgelegt und bis Engstingen abgebaut.
Der Personenverkehr Reutlingen–Honau wurde noch bis zum 1. Juni 1980 mit Schienenbussen bedient.
Nach der Einstellung des Güterverkehrs am 29. September 1994 wurde der letzte Abschnitt in Reutlingen stillgelegt und größtenteils abgebaut.
Die Zahnradtrasse wurde asphaltiert, ist für den allgemeinen Straßenverkehr gesperrt und wird als Wanderweg genutzt.
Die Bushaltestelle am früheren Bahnhof Lichtenstein trägt heute den Namen Traifelberg.




Marbach
Marbach liegt bei Gomadingen, und die Gemeinde ist vor allem durch das Haupt- und Landgestüt Marbach bekannt.
1893 erhielten Gomadingen und Marbach über die Strecke Reutlingen–Münsingen Anschluss an das Eisenbahnnetz.
In Marbach entstand ein Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.
Der Bahnhof wird heute im Schülerverkehr und von Sonderzügen bedient.

Grafeneck
In der Streckentabelle ist Grafeneck als Haltepunkt bei Kilometer 28,78 geführt.
Weitere Angaben zu diesem Haltepunkt sind nicht belegt.
Der Name Grafeneck steht vor allem für die Tötungsanstalt im Schloss Grafeneck bei Gomadingen.
Dort wurden 1940 im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde unter der Leitung der Zentraldienststelle T4 Menschen mit Behinderung systematisch ermordet.
Die Zahlen gehen auseinander: Der Grafeneck-Prozess stellte 1949 insgesamt 10.654 Opfer fest, die Hartheimer Statistik nennt 9.839.
Die Ermordungen begannen am 18. Januar 1940, am 13. Dezember 1940 wurden die letzten Opfer verbrannt.
Die Opfer wurden in den grauen Bussen der „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH“ nach Grafeneck gebracht.
Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Ermordeten, seit Oktober 2005 mit einem Dokumentationszentrum.
Ein Gedenkbuch nennt über 8.000 Namen der Opfer und ist für alle Besucher frei zugänglich.
Zu diesem Ort gibt es in diesem Beitrag bewusst keine Bilder.
Kohlstetten
Kohlstetten wurde am 1. Januar 1975 mit Großengstingen und Kleinengstingen zur Gemeinde Engstingen vereinigt.
In der Streckentabelle erscheint der Halt als Haltepunkt, früher war er ein Bahnhof.
Aufnahmen aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg zeigen das Empfangsgebäude.


Mehrstetten
Mehrstetten erhielt 1901 durch die Verlängerung der Strecke bis Schelklingen Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen bauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.
Zur Gemeinde gehört die Häusergruppe Bahnhof Mehrstetten.
In der Streckentabelle ist Mehrstetten als ehemaliger Bahnhof geführt.

Hütten
Hütten ist ein Stadtteil von Schelklingen und verfügt seit 1901 über eine eigene Bahnstation.
Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen bauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.
Die Station wird heute von Zügen der Schwäbischen Alb-Bahn bedient.
Am 29. Juli 2001 fand in Hütten ein Eisenbahnfest zur hundertjährigen Eisenbahn Münsingen–Schelklingen statt.
Teuringshofen
Teuringshofen ist ein Weiler mit rund 30 Einwohnern im Tal der Schmiech und seit 1976 ein Ortsteil von Schelklingen.
In der Streckentabelle erscheint der frühere Haltepunkt bei Kilometer 53,30 als ehemaliger Halt.
Zu Gebäuden und heutiger Nutzung des Haltepunkts sind keine Angaben belegt.
Die Museumsbahn heute
1999 pachtete die Erms-Neckar-Bahn den Abschnitt Kleinengstingen–Oberheutal und sicherte damit seinen Fortbestand.
Zum 1. Juni 2004 pachtete sie auch den Abschnitt Oberheutal–Schelklingen, seitdem gibt es wieder Schülerverkehr.
Der Touristikverkehr wird seit 2014 von der Schwäbische Alb-Bahn GmbH durchgeführt, zuvor fuhren Züge der Schienenbusfreunde Ulm.
Eingesetzt werden historische Schienenbusse, und seit dem Sommer 2009 veranstaltet der Verein Schwäbische Alb-Bahn Dampfzugfahrten.
Seit 2010 findet auch wieder Güterverkehr statt, etwa zur Beförderung von Langholz.


Vorher und nachher: zwei Hälften einer Strecke
Die Strecke von Reutlingen nach Schelklingen ist heute zweigeteilt.
Im Norden verläuft statt der Zahnradbahn ein Wanderweg, im Süden fahren Schüler- und Museumszüge.
Die noch vorhandenen Hochbauten und ein Teil der Strecke sind als Baudenkmal anerkannt.
1892: Die Strecke Reutlingen–Honau wird eröffnet (2. Juni).
1893: Die Zahnradstrecke bis Münsingen geht in Betrieb (1. Oktober).
1901: Die Verlängerung nach Schelklingen wird eröffnet (1. August).
1961: Zahnrad-Schienenbusse VT 97 übernehmen den Betrieb auf der Zahnradstrecke.
1969: Die Zahnradstrecke Honau–Engstingen wird stillgelegt (28. Juli).
1980: Der Personenverkehr Reutlingen–Honau endet (1. Juni).
1994: Der Güterverkehr in Reutlingen endet (29. September).
2004: Die Erms-Neckar-Bahn pachtet die Strecke bis Schelklingen (1. Juni).
2014: Die Schwäbische Alb-Bahn übernimmt den Touristikverkehr.
Fährt die Albbahn noch?
Wann wurde die Zahnradstrecke stillgelegt?
Kann man die Zahnradtrasse heute begehen?
Gab es in Grafeneck einen Bahnhof?
Welche Halte sind ehemalige Bahnhöfe?
Die Albbahn zeigt, wie ein Teil einer Strecke als Museumsbahn weiterlebt, während der andere Teil als Wanderweg bleibt.
Wikipedia: Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen · Wikipedia: Tötungsanstalt Grafeneck · Wikipedia: Gomadingen · Wikipedia: Mehrstetten · Wikipedia: Engstingen · Wikipedia: Hütten (Schelklingen) · Wikipedia: Teuringshofen
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