Mythen
„Der Zug hält auf über dreitausend Metern, und draußen vor dem Fenster ist nur Fels, Eis und ein Tunnel.“
Stimmt es, dass der höchste Bahnhof Europas tief im Fels eines Berges liegt?
→ Warum die Jungfraubahn ihr Ziel in den Berg hineingesprengt hat.
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Der Mythos
Einen Bahnhof stellt man sich meist an der frischen Luft vor, mit Bahnsteig, Dach und Blick in die Umgebung.
Der höchste Bahnhof Europas aber liegt tief im Inneren eines Hochgebirges.
Viele halten es für übertrieben, dass dort oben auf über dreitausend Metern ein Zug hält.
Tatsächlich fährt genau dorthin seit über hundert Jahren eine Bahn.
Die kurze Antwort lautet daher: Ja, der höchste Bahnhof Europas liegt mitten im Fels.
Ein Bahnhof auf über 3400 Metern
Die Rede ist vom Bahnhof Jungfraujoch in den Schweizer Alpen.
Er liegt auf rund 3454 Metern über dem Meeresspiegel.
Damit ist er der höchstgelegene Bahnhof in ganz Europa.
Rundherum erstrecken sich Gletscher, Felswände und ewiges Eis.
Die Station liegt eingebettet zwischen den berühmten Gipfeln des Berner Oberlands.
Oben wird der Ort gern als Spitze Europas bezeichnet.
Die Jungfraubahn
Hinauf führt die sogenannte Jungfraubahn.
Sie beginnt an der Station Kleine Scheidegg, die selbst schon hoch in den Bergen liegt.
Von dort arbeitet sich die Bahn als Zahnradbahn weiter in die Höhe.
Eine Zahnstange im Gleis gibt der Bahn an den steilen Stellen sicheren Halt.
Ohne diese Technik wäre die enorme Steigung gar nicht zu schaffen.
So zieht sich der Zug Meter für Meter dem Fels entgegen.
Der Tunnel durch Eiger und Mönch
Der größte Teil der oberen Strecke verläuft nicht im Freien, sondern im Tunnel.
Dieser Tunnel wurde mitten durch die berühmten Berge Eiger und Mönch getrieben.
Kilometerlang fährt der Zug dabei durch das dunkle Innere des Gebirges.
Unterwegs gibt es Stationen, an denen man durch Fenster im Fels nach draußen blicken kann.
Erst ganz oben erreicht die Bahn schließlich den Bahnhof Jungfraujoch.
Der eigentliche Zielbahnhof liegt also tief im Berg verborgen.
Ein Bau über viele Jahre
Der Bau dieser Bahn war für seine Zeit ein gewaltiges Wagnis.
Man musste den harten Fels des Hochgebirges über eine lange Strecke durchbrechen.
Die Arbeiten zogen sich über rund sechzehn Jahre hin.
Erst im Jahr 1912 konnte der oberste Abschnitt eröffnet werden.
Unter den harten Bedingungen des Hochgebirges war das eine enorme Leistung.
Bis heute gilt die Strecke als Meisterwerk der Ingenieurskunst.

Oben an der Spitze Europas
Am Jungfraujoch erwartet die Besucher weit mehr als nur ein Bahnsteig.
Eine hoch gelegene Aussichtsplattform bietet einen weiten Blick über die Gletscherwelt.
In den Fels und das Eis wurden Gänge und sogar ein Eispalast gebaut.
Zudem gibt es dort oben eine bekannte Forschungsstation.
Wissenschaftler nutzen die große Höhe für Beobachtungen von Wetter und Himmel.
So ist der höchste Bahnhof Europas zugleich ein Ort der Forschung.
Warum die Höhe fordert
In über dreitausend Metern Höhe ist die Luft deutlich dünner als im Tal.
Viele Besucher spüren die Höhe als leichte Kurzatmigkeit.
Das Wetter kann dort oben rasch umschlagen und sehr rau werden.
Schnee und Eis gehören fast das ganze Jahr über zum Alltag.
Die Bahn und die Anlagen müssen diesen harten Bedingungen dauerhaft standhalten.
Schon der Betrieb an einem so hohen Ort ist deshalb eine ständige Herausforderung.
Warum nicht noch höher
Der höchste Bahnhof der ganzen Welt liegt allerdings nicht in Europa.
Diesen Rekord hält eine Strecke im fernen Hochland von Tibet.
Dort fahren Züge in noch größere Höhen als am Jungfraujoch.
In Europa aber bleibt das Jungfraujoch unangefochten die Nummer eins.
Höher geht es auf dem Kontinent per Bahn schlicht nicht.
Ein Magnet für Besucher
Jahr für Jahr reisen sehr viele Menschen aus aller Welt hinauf.
Für viele ist die Fahrt der Höhepunkt einer ganzen Schweiz-Reise.
Die Mischung aus Technik, Höhe und Gletscherwelt übt eine große Faszination aus.
Schon die Fahrt durch den Fels ist für sich genommen ein Erlebnis.
Oben belohnt dann der weite Blick über die Alpen die Mühe des Aufstiegs.
Was davon im Alltag zählt
Das Jungfraujoch zeigt, wie weit sich eine Bahn in extreme Höhen vorwagen kann.
Der Zielbahnhof liegt tatsächlich tief im Fels eines Hochgebirges.
Der Mythos vom höchsten Bahnhof Europas im Berg stimmt also vollständig.
Er verbindet kühnen Bau mit einem der eindrucksvollsten Ausblicke des Kontinents.
Merke: Manchmal führt der höchste Bahnsteig Europas nicht auf den Berg hinauf, sondern mitten in ihn hinein.
