Ortstermin
„Nächster Halt Bayerischer Bahnhof, oben wartet ein Bahnhofsportal aus der Frühzeit der Eisenbahn.“
Der Bayerische Bahnhof in Leipzig, das alte Portal über dem City-Tunnel
→ Ein Ortstermin in Leipzig.
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Kurz gesagt
Der Bayerische Bahnhof ging 1842 in Betrieb und galt bis 2001 als ältester Kopfbahnhof Deutschlands, der noch genutzt wurde. Heute halten die Züge unter der Erde, und das alte Portal steht darüber als Denkmal.
Südöstlich der Leipziger Altstadt steht ein Bahnhofsportal mit vier großen Bögen.
Durch diese Bögen fuhren einst die Züge in Richtung Bayern ab.
Heute rollen sie tief darunter durch den City-Tunnel, und oben erzählt der Bayerische Bahnhof von fast zwei Jahrhunderten Eisenbahn.

Eröffnet im Jahr 1842
Die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie nahm den Bahnhof am 18. September 1842 in Betrieb.
Fertig war er damals noch nicht, trotzdem fuhren die ersten Züge schon bis nach Altenburg.
Das Empfangsgebäude wurde erst am 19. September 1844 vollendet.
Die Pläne stammten vom Leipziger Architekten Christian August Eduard Pötzsch.
Von hier aus begann die Strecke nach Hof, die bis 1851 Stück für Stück in Betrieb ging.

Ein Portal mit vier Bögen
Das Herzstück ist der sogenannte Portikus, der quer zu den früheren Gleisen steht.
Durch jeden seiner vier torartigen Bögen führte einst ein Gleis.
Zwei Türme mit quadratischem Grundriss rahmen das Portal auf beiden Seiten ein.
Über den Bögen zieht sich eine Inschrift über die ganze Breite, und in ihrer Mitte sitzt eine große Uhr.
Eine Glocke auf dem Portikus kündigte früher die Abfahrt der Züge an, sie befindet sich heute im Verkehrsmuseum Dresden.

Gut zu wissen
Der Bayerische Bahnhof wurde von 1841 bis 1844 gebaut und war der Ausgangspunkt der Strecke nach Hof. Sein Portikus steht als Denkmal der Verkehrsgeschichte unter Schutz.
Die unterirdische Station ging im Dezember 2013 mit dem City-Tunnel in Betrieb. Betrieblich ist sie kein eigener Haltepunkt, sondern wie der ganze City-Tunnel ein Teil des Bahnhofs Leipzig Hbf.
Eine Halle auf Eichensäulen
Hinter dem Portal lag früher eine 95 Meter lange Bahnhofshalle.
Ihr hölzernes Dach ruhte auf zwanzig Säulen aus Eichenholz, jede zwölf Meter hoch.
Auf der Ostseite kamen die Reisenden an, auf der Westseite fuhren sie ab.
Nördlich des Bahnhofs liefen die vier Gleise auf einer Drehscheibe zusammen, auf der die Lokomotiven gewendet wurden.
Die beiden mittleren Gleise hatten keinen Bahnsteig und dienten nur zum Umsetzen der Loks und zum Abstellen von Zügen.

Im Schatten des Hauptbahnhofs
Seit 1883 fuhr eine Pferdebahn bis zum Bahnhof, ab 1897 dann die elektrische Straßenbahn.
Ab dem 1. Oktober 1912 fuhren die Schnell- und Eilzüge zum neuen Leipziger Hauptbahnhof.
Der Bayerische Bahnhof diente danach nur noch dem Nahverkehr und dem Güterverkehr.
Dazu kamen Sonderzüge zu den Leipziger Messen.
Nach Plänen des Düsseldorfer Architekten Emil Fahrenkamp von 1939 sollte der Bahnhof sogar einer Prachtstraße weichen.

Krieg, Formsignale und der letzte Zug
Bei Luftangriffen in den Jahren 1943 und 1944 wurde der Bahnhof teilweise zerstört.
Die hölzerne Halle brannte aus, der Portikus und die Gebäude der Westseite blieben aber weitgehend erhalten.
Als die Stellwerke Mitte der 1980er Jahre erneuert wurden, behielt man aus Denkmalschutzgründen die Formsignale an den Bahnsteiggleisen.
Am 10. Juni 2001 endete der Bahnbetrieb, zuletzt fuhren von hier noch Regionalzüge nach Altenburg und Zwickau.
Bis dahin galt der Bayerische Bahnhof als ältester Kopfbahnhof Deutschlands, der noch in Betrieb war, manche Quellen nennen ihn sogar den ältesten erhaltenen der Welt.

Ein Portal auf Wanderschaft
Für den Bau des City-Tunnels wurden die Gleisanlagen vollständig abgebaut.
Auch der Portikus musste der Baustelle für einige Jahre Platz machen.
Das 20 Meter hohe, 30 Meter breite und rund 2800 Tonnen schwere Bauwerk wurde am 10. April 2006 um 30 Meter nach Osten verschoben.
Dafür wurde sein Fundament mit Beton ummantelt und von Stahlträgern durchzogen, auf denen es angehoben und auf Gleitlagern bewegt wurde.
Am 30. Oktober 2009 kehrte das Portal an seinen alten Platz zurück, und der Abschluss einer weiteren Sanierung wurde am 25. Mai 2012 mit einem Festakt gefeiert.

Die Station im City-Tunnel
Seit dem 15. Dezember 2013 halten wieder Züge am Bayerischen Bahnhof, nun aber unter der Erde.
Auf Höhe der früheren Bahnhofshalle liegt heute ein unterirdischer Inselbahnsteig.
Von hier führt der Tunnel unter der Innenstadt hindurch zum Hauptbahnhof, vom Süd- bis zum Nordportal sind es 3187 Meter.
Unterwegs liegen die Stationen Wilhelm-Leuschner-Platz und Markt.
Alle Linien, die durch den Tunnel fahren, halten auch hier, und das sind die meisten Linien der S-Bahn Mitteldeutschland.

Gose hinter alten Mauern
In den Gebäuden der Westseite, wo früher die Züge abfuhren, braut seit dem Jahr 2000 eine Gaststätte ihr eigenes Bier.
Ihre Spezialität ist die Gose, eine obergärige Biersorte mit Salz und Koriander.
Der Name soll von der Gose stammen, einem kleinen Bach in Goslar im Harz.
Im Raum Leipzig ist die Gose seit 1824 belegt, der Legende nach kam sie schon 1738 in die Stadt.
Drinnen ist Platz für rund 290 Gäste, im Biergarten für etwa 400 weitere.

Ankommen in Leipzig
Wer aus der unterirdischen Station nach oben kommt, sieht das alte Portal schon von Weitem.
Nördlich des Bahnhofs liegt der Bayerische Platz, und dahinter geht es in Richtung Altstadt.
Mit der S-Bahn sind es zwei Stationen bis zum Markt und drei bis zum Hauptbahnhof.
Auf dem früheren Gleisgelände sollen nach Plänen der Stadt aus dem Jahr 2019 bis zu 1600 Wohnungen und drei Schulen entstehen.
So verbindet der Ort die frühen Jahre der Eisenbahn mit dem Leipzig von morgen.

Häufige Fragen
Wann wurde der Bayerische Bahnhof eröffnet?
Warum heißt er Bayerischer Bahnhof?
Fahren dort heute noch Züge?
Wie weit wurde der Portikus verschoben?
Was ist heute im alten Bahnhofsgebäude?
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