Ortstermin
„Endstation Rothenburg ob der Tauber, bitte alle aussteigen, dieser Zug fährt gleich wieder zurück nach Steinach.“
Der Bahnhof Rothenburg ob der Tauber, Endstation für eine Stadt wie aus dem Mittelalter
→ Ein Ortstermin an der Tauber in Mittelfranken.
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Kurz gesagt
Seit dem 1. November 1873 verbindet eine Nebenbahn Rothenburg ob der Tauber mit Steinach an der Strecke Würzburg–Ansbach. Die Fortsetzung nach Dombühl war nur von 1905 bis 1971 in Betrieb.
Rothenburg ob der Tauber ist eine Große Kreisstadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, die an der Grenze zu Baden-Württemberg liegt.
Mit ihrer weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Altstadt ist sie eine weltbekannte Sehenswürdigkeit, die trotz der Kriegszerstörungen von 1945 sehr ursprünglich wirkt.
Wer mit dem Zug anreist, kommt über Steinach, wo eine kleine Nebenbahn von der Hauptstrecke abzweigt und seit mehr als 150 Jahren in die frühere Reichsstadt fährt.

Eine Vizinalbahn für die Reichsstadt
Am 1. November 1873 wurde die Strecke von Steinach nach Rothenburg eröffnet und gab der ehemals freien Reichsstadt einen Anschluss an die Eisenbahn.
In Steinach traf die neue Bahn auf die Hauptstrecke von Würzburg nach Ansbach, die dort schon im Juli 1864 eröffnet worden war.
Die Bahn nach Rothenburg entstand als sogenannte Vizinalbahn, und im Bahnhof Steinach wurden für sie die Gleise erweitert und ein neuer Außenbahnsteig gebaut.
Bis heute ist sie eine eingleisige Nebenbahn ohne Oberleitung, auf der Rothenburg die Endstation bildet.

Weiter nach Dombühl
Eine Verlängerung nach Süden bis Dombühl, wo es Anschluss an die 1875 eröffnete Hauptstrecke von Nürnberg nach Crailsheim gab, wurde zunächst zurückgestellt.
Erst im Jahr 1900 wurde der Bau genehmigt, und am 1. August 1905 war die gesamte Strecke befahrbar.
Zu ihren Besonderheiten gehörten ein Kopfbahnhof in Schillingsfürst und die Überquerung der Europäischen Wasserscheide zwischen Rhein und Donau bei Schillingsfürst.
Bis in die 1950er Jahre wurden alle Züge in Rothenburg gebrochen, es gab also keine durchgehenden Züge von Steinach nach Dombühl.

Gut zu wissen
Die Bahnstrecke von Steinach nach Rothenburg wurde am 1. November 1873 eröffnet und ist eine eingleisige Nebenbahn ohne Oberleitung. Heute fährt hier die Linie RB 82 im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg.
Die Fortsetzung nach Dombühl war von 1905 bis 1971 in Betrieb. Auf ihrer Trasse und daneben verläuft heute ein Radweg.
Triebwagen und ein Reichsstädtezug
Wirtschaftlich war der südliche Abschnitt nie ein Erfolg, und schon in den 1930er Jahren setzte die Bahn dort Triebwagen ein, um Kosten zu sparen.
In den 1950er Jahren fuhr täglich ein Eiltriebwagen als Reichsstädtezug von Rothenburg über Dombühl, Dinkelsbühl, Nördlingen, Donauwörth und Augsburg nach München und wieder zurück.
Damit kam man von Rothenburg aus ohne Umsteigen bis in die bayerische Landeshauptstadt.
Weil aber auch der Güterverkehr zurückging, endete am 25. September 1971 der gesamte Verkehr zwischen Rothenburg und Dombühl.

Vom Gleis zum Radweg
Zwischen Rothenburg und Gebsattel konnten noch bis zum 31. Dezember 1990 Güterzüge fahren, während die Gleise ab Gebsattel schon seit 1973 fast vollständig abgebaut waren.
Anfang der 1990er Jahre verschwanden auch die restlichen Gleise zwischen Rothenburg und Dombühl.
Heute führt ein Radweg auf gut 25 Kilometern nach Dombühl, der allerdings nur auf 6 Kilometern direkt auf der alten Bahntrasse verläuft und sonst meist gleich neben dem Bahndamm liegt.
In Gebsattel und im Gewerbegebiet Simonhölz wurde die Trasse überbaut, und eine Bahnbrücke bei Diebach sowie ein Einschnitt bei Unteröstheim wurden verfüllt.

Die Mittelfrankenbahn im Stundentakt
Der Nordabschnitt von Steinach nach Rothenburg verlor 1975 zwar die Bedienung am Wochenende, doch seit 1996 fahren hier überwiegend stündlich Regionalbahnen.
1997 wurde die Strecke als Linie R82 in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg aufgenommen, und seit 2020 heißt die Linie RB 82.
Seit dem 14. Dezember 2008 fahren die Züge unter dem Namen Mittelfrankenbahn täglich im Stundentakt, und nach dem Stand von 2026 kommen unter der Woche Triebwagen der Baureihe 642 und am Wochenende solche der Baureihe 622 zum Einsatz.
Gesteuert wird der Verkehr im Zugleitbetrieb, und der zuständige Zugleiter sitzt weit entfernt in Gräfendorf an der Strecke von Gemünden nach Bad Kissingen.

Pläne für eine neue Nord-Süd-Strecke
Das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene führt die Verbindung von Rothenburg nach Dombühl als Strecke, die reaktiviert werden sollte.
Zusammen mit einer ebenfalls zu reaktivierenden Strecke von Nördlingen nach Dombühl könnte so eine neue Nord-Süd-Verbindung entstehen.
Nach diesen Vorstellungen könnte sie auch als Ausweichstrecke zwischen Augsburg und Würzburg dienen.
Bis dahin bleibt Rothenburg ein Endbahnhof, an dem jeder Zug wieder in Richtung Steinach umkehrt.

Reichsstadt von 1274 bis 1803
Am 15. Mai 1274 erhob König Rudolf von Habsburg Rothenburg zur Freien Reichsstadt, und diesen Status behielt die Stadt bis 1803.
Gleich nach der Stadterhebung begann der Bau der ersten Stadtmauer, von der noch der Markusturm mit dem Röderbogen und der Weiße Turm erhalten sind.
Später wuchs der Umfang der Stadtmauer von 2.400 auf 3.360 Meter, und mit 5.000 bis 6.000 Einwohnern gehörte Rothenburg zu den größeren Städten im Heiligen Römischen Reich.
Auf dem Bergsporn nordwestlich der heutigen Stadt, wo heute der Burggarten liegt, stand einst die Burg Rothenburg.

Der Meistertrunk und die Museen
Im Oktober 1631 erreichte General Tilly mit dem kaiserlichen Heer die Gegend, und auf diese Zeit bezieht sich die Geschichte vom Meistertrunk.
Nach einer erst um 1770 entstandenen Legende soll Altbürgermeister Georg Nusch auf Befehl Tillys 3¼ Liter Wein auf einen Zug geleert und so die Stadt vor der Zerstörung bewahrt haben, doch Historiker sind sich sicher, dass es diesen Trunk nicht gab.
Trotzdem wird seit 1881 jedes Jahr das Festspiel Der Meistertrunk aufgeführt, das seit 2014 auf der bayerischen und seit 2016 auf der deutschen Kulturerbe-Liste steht.
Zu den bekannten Museen gehören das Mittelalterliche Kriminalmuseum, das RothenburgMuseum im ehemaligen Dominikanerinnenkloster, das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus und ein Weihnachtsmuseum.

Ankommen in Rothenburg
Die Altstadt ist von einer begehbaren Stadtbefestigung umgeben und liegt eingebettet in die weitgehend unverbaute Landschaft des Taubertals.
Die größte Kirche der Stadt ist St. Jakob, die zwischen 1311 und 1484 gebaut und 1485 geweiht wurde.
Auf ihrer Westempore steht das berühmte Heiligblut-Retabel, das der Würzburger Bildschnitzer Tilman Riemenschneider zwischen 1500 und 1505 schuf.
Übers Jahr ziehen der Meistertrunk, die Reichsstadttage, der Weihnachtsmarkt und das Taubertal-Festival viele Gäste an, und Rothenburg ist außerdem als fränkischer Weinort mit der Lage Rothenburger Eich bekannt.

Häufige Fragen
Seit wann hat Rothenburg einen Bahnanschluss?
Wo zweigt die Bahn nach Rothenburg ab?
Fuhr die Bahn früher weiter?
Was war der Reichsstädtezug?
Gab es den Meistertrunk wirklich?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Ansbach – Sitz des Landkreises Ansbach, zu dem Rothenburg gehört
→ Ortstermin: Würzburg Hauptbahnhof – die Stadt am Main, erreichbar über Steinach
