Der Bahnhof Rotenburg (Wümme), wo die Abkürzung nach Ostwestfalen beginnt

Ortstermin

„Nächster Halt Rotenburg (Wümme), hier Umstieg in die Regio-S-Bahn nach Verden.“

Der Bahnhof Rotenburg (Wümme), wo die Abkürzung nach Ostwestfalen beginnt

→ Ein Ortstermin an der Wümme.

Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin

Kurz gesagt

Der Bahnhof Rotenburg (Wümme) wurde 1874 an der Strecke Hamburg–Bremen eröffnet. Seit 1928 zweigt hier die Strecke nach Verden ab, die zusammen mit der Linie Nienburg–Minden die kürzeste Verbindung zwischen Hamburg und Ostwestfalen bildet.

Rotenburg liegt an der Wümme im nordöstlichen Niedersachsen, im Dreieck zwischen Bremen, Hannover und Hamburg.

Die Kreisstadt ist von Wäldern, Mooren und kleinen Seen umgeben und geht auf eine Burg der Bischöfe von Verden zurück.

Ihr Bahnhof liegt an einer der wichtigsten Strecken Norddeutschlands und ist zugleich der Anfang einer bemerkenswerten Abkürzung nach Süden.

Rotenburg (Wümme) Bahnhof 01 ies
Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Bahnhof von 1874

Der Bahnhof Rotenburg (Wümme) liegt nördlich des Stadtzentrums an der Strecke zwischen Hamburg und Bremen und hieß früher Rotenburg in Hannover.

Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft baute diese Verbindung zwischen 1870 und 1874 als Teil der sogenannten Hamburg-Venloer Bahn.

Am 1. Juni 1874 wurde die Strecke mit dem letzten Teilstück zwischen Bremen und Harburg vollendet, und im selben Jahr ging auch der Bahnhof in Rotenburg in Betrieb.

Heute gehört sie zur Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, der kürzesten Eisenbahnverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Metropolregion Hamburg.

Rotenburg (Wümme) Bahnhof 02 ies
Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Strecken in alle Richtungen

Zwischen 1906 und 1928 kamen Strecken nach Bremervörde, nach Walsrode und über Verden in Richtung Minden hinzu.

Die Strecke nach Verden eröffnete die Deutsche Reichsbahn im Juli 1928 als eingleisige Hauptbahn.

Der Personenverkehr nach Walsrode endete bereits 1958, der nach Bremervörde folgte im Jahr 1969.

Die Strecke nach Bremervörde nutzen die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser noch im Güterverkehr, der südliche Zweig nach Walsrode wurde dagegen 2005 stillgelegt.

Bahnhof Rotenburg (Wümme)
Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Rotenburg (Wümme) wurde 1874 an der Strecke Hamburg–Bremen eröffnet, seit 1928 beginnt hier die Strecke nach Verden. Das heutige kleinere Bahnhofsgebäude entstand bei der Neugestaltung des Umfelds bis 2009.

Auf der Strecke nach Verden fährt seit dem 11. Dezember 2022 die Linie RS 6 der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen. Rotenburg selbst besitzt erst seit 1929 das Stadtrecht.

Die Abkürzung nach Ostwestfalen

Zusammen mit der Strecke von Nienburg nach Minden bildet die Linie über Verden die kürzeste Direktverbindung zwischen Hamburg und Ostwestfalen-Lippe mit Bielefeld.

Die Regionalbahn RB 76 von Rotenburg nach Minden war deshalb bei Reisenden mit dem Wochenend-Ticket beliebt, denn so ergaben sich im Nahverkehr die kürzesten Fahrzeiten zwischen dem Ruhrgebiet und Hamburg.

Die Strecke dient außerdem als Umleitung für ICE- und Intercity-Züge zwischen Hannover und Hamburg.

Ihre wichtigste Aufgabe ist aber der Güterverkehr vom Rangierbahnhof Maschen über Seelze nach Süddeutschland und über Minden ins Ruhrgebiet.

ME RE4 Rotenburg (Wümme)
Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Strom seit 1968, drei Gleise seit 1984

Im Jahr 1968 wurde in Rotenburg der elektrische Betrieb aufgenommen, und im selben Jahr wurde auch die Strecke nach Verden elektrifiziert.

Im Jahr 1984 wurde der Bahnhof umfangreich umgebaut, weil die Strecke zwischen Hamburg und Bremen ein drittes Gleis bekam.

Heute gibt es einen Hausbahnsteig am Gleis 6 vor dem südlich gelegenen Empfangsgebäude und einen Inselbahnsteig an den Gleisen 4 und 5.

Gesteuert wird der Bahnhof vom Stellwerk Rf, das außerdem die Bahnhöfe Scheeßel, Lauenbrück und Tostedt fernsteuert.

04.10.22 Rotenburg (Wümme) ()
Foto: Phil Richards, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Ein neues Gesicht bis 2009

Bis 2009 wurde das Umfeld des Bahnhofs neu gestaltet, und das alte Bahnhofsgebäude wurde dabei abgerissen.

An seine Stelle trat ein kleineres Gebäude mit Fahrkartenverkauf und Kiosk.

Außerdem entstanden ein Zentraler Omnibusbahnhof und ein großer überdachter Fahrradständer, und südlich der Gleise liegen Park-and-ride-Plätze.

Barrierefrei ausgebaut ist der Bahnhof bereits seit dem Jahr 2007.

Rotenburg (Wümme) Stadtkirche ex 01 ies
Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Metronom und Regio-S-Bahn

Der Bahnhof wird ausschließlich von Regionalzügen bedient, und Richtung Bremen und Hamburg fahren eine Regional-Express- und eine Regionalbahnlinie von Metronom jeweils im Stundentakt.

Beide Linien gehören zum sogenannten Hanse-Netz.

Auf der Strecke nach Verden ersetzt seit dem 11. Dezember 2022 die Linie RS 6 der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen die frühere RB 76, betrieben von der NordWestBahn.

Statt Dieseltriebwagen fahren seitdem elektrische Züge, tagsüber alle zwei Stunden und in der Hauptverkehrszeit stündlich.

Rotenburg (Wümme) Stadtkirche ex 03 ies
Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die rote Burg im Sumpf

Der Ort entstand im Schutz der Burg Rotenburg, die Bischof Rudolf von Verden um 1195 als Amtssitz und Bollwerk errichten ließ.

Der Name wird entweder als Rodungsburg im Sumpfgelände oder als rote Burg aus rotem Backstein gedeutet.

Rotenburg diente wiederholt als Residenz der Fürstbischöfe von Verden, und 1566 führte Bischof Eberhard von Holle hier die lutherische Reformation ein.

Unter schwedischer Herrschaft wurde die Burg zur Festung ausgebaut, deren letzte Wälle nach 1843 eingeebnet wurden, und an ihrer Stelle liegt heute das Gelände des Heimathauses.

Heimatmuseum in Rotenburg (Wümme)
Foto: Christian der Vierte, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vom Flecken zur Kreisstadt

Im Jahr 1715 kam Rotenburg mit dem Herzogtum Verden durch Kauf an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg.

Erst 1929 erhielt der Flecken Rotenburg die Stadtrechte, und bis 1969 hieß die Stadt offiziell Rotenburg in Hannover.

Heute ist Rotenburg eine Mittelstadt und die Kreisstadt des Landkreises Rotenburg (Wümme).

Die neugotische Stadtkirche wurde von 1860 bis 1862 nach Plänen des Bremer Architekten Klingenberg gebaut und zeigt den Einfluss von Schinkels Friedrichswerderscher Kirche in Berlin.

Großer Bullensee
Foto: bukk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Rotenburg an der Wümme

Vom Bahnhof geht es nach Süden in das Stadtzentrum, wo das Rudolf-Schäfer-Haus von 1675 ein Museum mit Bildern des Malers Rudolf Schäfer beherbergt.

In der Stadt stehen außerdem eine Wassermühle von 1748 in Fachwerk und das Küsterhaus von 1763.

Vor dem Heimathaus steht der Rillenstein von Borchel, ein Menhir mit Rillen aus einem Rotenburger Ortsteil.

Rund um die Stadt locken ausgedehnte Wälder und Moore sowie der Große und der Kleine Bullensee, an dem ein Moorerlebnispfad angelegt wurde.

Kleiner Bullensee nach W
Foto: bukk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Seit wann hat Rotenburg einen Bahnhof?
Seit 1874, als die Strecke zwischen Hamburg und Bremen vollendet wurde.
Welche Züge halten in Rotenburg (Wümme)?
Regional-Express- und Regionalbahnzüge von Metronom Richtung Bremen und Hamburg sowie die Regio-S-Bahn RS 6 nach Verden.
Warum ist die Strecke nach Verden wichtig?
Sie bildet mit der Strecke Nienburg–Minden die kürzeste Direktverbindung zwischen Hamburg und Ostwestfalen und dient vor allem dem Güterverkehr.
Wie hieß der Bahnhof früher?
Er hieß Rotenburg in Hannover, so wie die Stadt selbst bis 1969.
Was war die Burg Rotenburg?
Eine Burg, die Bischof Rudolf von Verden um 1195 als Amtssitz errichten ließ und die später unter den Schweden zur Festung ausgebaut wurde.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Der Bahnhof Verden an der Aller – die Domstadt an der Aller, Ziel der RS 6

→ Ortstermin: Bremen Hauptbahnhof – die Hansestadt an der Weser, mit dem Metronom erreichbar

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →