Ortstermin
„Nächster Halt Jever, Anschluss an Schloss, Brauhaus und Glockenspiel.“
Der Bahnhof Jever, von dem einst Züge nach den Gezeiten fuhren
→ Ein Ortstermin in Friesland.
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Kurz gesagt
Jever wurde am 15. Oktober 1871 mit einer Stichbahn von Sande an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Heute hält hier stündlich die Linie RB 59 zwischen Esens und Wilhelmshaven, und das Empfangsgebäude von 1871 steht unter Denkmalschutz.
Jever ist die Kreisstadt des Landkreises Friesland, ein staatlich anerkannter Erholungsort und durch die gleichnamige Biermarke weit über die Region hinaus bekannt.
Inoffiziell heißt sie Marienstadt, nach Fräulein Maria, der letzten Herrin von Jever, unter der die Stadt 1536 ihre Stadtrechte erhielt.
Ihr Bahnhof war einst ein kleiner Knoten, von dem sogar Züge abfuhren, deren Fahrplan sich nach Ebbe und Flut richtete.

Eine Stichbahn von 1871
Die Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen bauten die Strecke von Sande nach Jever als eingleisige Nebenbahn und nahmen sie am 15. Oktober 1871 in Betrieb.
Die Stichstrecke zweigt in Sande von der Bahnstrecke Oldenburg–Wilhelmshaven ab und erreicht Jever bei Streckenkilometer 13.
Im selben Jahr entstand an der heutigen Schlosserstraße das Empfangsgebäude, ein eingeschossiger Ziegelbau mit Satteldach und zweigeschossigen Querbauten an den Giebelseiten.
Die Fassade ist symmetrisch gestaltet, und im Jahr 1911 wurde das Gebäude umgestaltet.

Vom Endpunkt zum Durchgangsbahnhof
Die Stadt Norden hoffte nach 1871 auf eine Verlängerung der Strecke, doch die Oldenburgischen Staatseisenbahnen zögerten.
Schließlich beschloss die preußische Regierung den Bau der Strecke von Emden über Norden und Esens nach Jever, die auch Ostfriesische Küstenbahn genannt wird.
Die Königlich Preußischen Staatseisenbahnen eröffneten sie am 14. Juni 1883 feierlich und nahmen am folgenden Tag den fahrplanmäßigen Verkehr auf.
Damit wurde Jever vom Endpunkt einer Stichbahn zu einem Durchgangsbahnhof zwischen Ostfriesland und Wilhelmshaven.

Gut zu wissen
Die Strecke von Sande nach Jever wurde am 15. Oktober 1871 eröffnet, die Küstenbahn von Emden folgte 1883. Das Empfangsgebäude von 1871 steht mit Güterschuppen, Lokschuppen und Stellwerk unter Denkmalschutz.
Heute fährt die RB 59 der NordWestBahn stündlich zwischen Esens und Wilhelmshaven. Die Strecke nach Harle mit ihrem Tidefahrplan verlor 1987 den Personenverkehr und wurde 1990 stillgelegt.
Züge im Takt der Gezeiten
Ab 1888 betrieb die Jever-Carolinensieler Eisenbahngesellschaft eine Strecke von Jever zum Hafenort Carolinensiel, von wo aus Schaluppen nach Wangerooge starteten.
Im Juli 1890 wurde die Verlängerung zum neuen Hafen Harle eröffnet, von dem nun die Schiffe zur Insel ablegten.
Das Besondere an dieser Strecke war ein täglich wechselnder Tidefahrplan, der sich nach den Abfahrts- und Ankunftszeiten der Fähren nach Wangerooge richtete.
Die private Gesellschaft betrieb die Bahn bis 1897, doch die Strecke selbst blieb danach noch viele Jahrzehnte in Betrieb.

Stilllegungen an der Küste
Auf der Strecke nach Harle wurde 1987 der Personenverkehr eingestellt, und 1990 folgte die Stilllegung.
Auf der Küstenbahn wurde der Abschnitt zwischen Dornum und Esens 1986 abgebaut, und zwischen Norden und Dornum fährt heute eine Museumsbahn.
Der Abschnitt zwischen Emden und Norden ist dagegen elektrifiziert und Teil der Fernverbindung aus Münster und Rheine nach Norddeich.
In Jever selbst sind heute nur noch die Strecke nach Sande und der Abschnitt der Küstenbahn bis Esens in Betrieb.

Ein Bahnhof unter Denkmalschutz
Zu den Hochbauten des Bahnhofs gehören das Empfangsgebäude mit Güterschuppen, ein Lokomotivschuppen und ein Stellwerk, die alle unter Denkmalschutz stehen.
Das Empfangsgebäude liegt am Anfang der Anton-Günter-Straße direkt neben dem Zentralen Omnibusbahnhof.
Im Mai 2019 beschloss die Kreisverwaltung den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs und des Omnibusbahnhofs.
Am Bahnhof gibt es Fahrradständer, und Regionalbusse bieten Anschluss in das Umland.

Mit der RB 59 an den Jadebusen
Heute halten in Jever die Züge der Linie RB 59 der NordWestBahn, die täglich im Stundentakt verkehren.
Die Linie verbindet Esens und Wittmund über Jever und Sande mit Wilhelmshaven.
Im Zusammenhang mit dem Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven entstand die Bahnumfahrung Sande, statt die bestehende Strecke durch den Ort auszubauen.
Auf der Küstenbahn liegt Jever bei Kilometer 81, gezählt ab Emden, und bildet so das östliche Ende der alten ostfriesischen Verbindung.

Häuptlinge, Maria und die Zarin
Der letzte Häuptling des Jeverlandes, Edo Wiemken der Jüngere, vollendete 1505 den Bau des Schlosses, und sein Grabmal befindet sich in der Stadtkirche.
Seine Erbtochter, Fräulein Maria, stellte ab 1532 die Unabhängigkeit Jevers kurzzeitig wieder her, und unter ihr erhielt Jever 1536 die Stadtrechte.
Nach ihr fiel die Herrschaft Jever 1575 an Oldenburg und 1667 an das Fürstentum Anhalt-Zerbst.
Über Zarin Katharina II., eine Schwester des letzten Zerbster Fürsten, wurde Jever bis 1807 von Russland aus regiert und kam 1818 an das Großherzogtum Oldenburg.

Schloss, Brauhaus und Blaudruck
Im Schloss Jever ist seit 1921 das Schlossmuseum untergebracht, das die Geschichte des Schlosses und die Kultur des Jeverlandes zeigt.
Das Friesische Brauhaus zu Jever braut seit 1848 das nach der Stadt benannte Bier und bietet nach Anmeldung Führungen mit einem historischen Brauereimuseum an.
In den verspiegelten Gärtürmen am Elisabethufer lagert das Jungbier drei bis vier Wochen lang bei minus einem Grad, bevor es abgefüllt wird.
In einem alten Speicher in der Straße Kattrepel wird seit den 1980er Jahren in der Blaudruckerei Jever das traditionelle Handwerk des Blaudrucks gepflegt.

Ankommen in Jever
Am Alten Markt steht der Hof von Oldenburg, eine historische Gaststätte von 1798, die als eines der ersten Gebäude außerhalb der Schutzanlagen der Stadt entstand.
Ein Glockenspiel lässt dort seit April 1983 mehrmals am Tag die wichtigsten Herrschaften des Jeverlandes vorüberziehen, von Edo Wiemken bis zur Zarin Katharina.
Die Stadtkirche brannte am 1. Oktober 1959 nieder, und 1964 entstand ein moderner Neubau, der mit der erhaltenen Apsis der alten Kirche verbunden ist.
Wer mehr Zeit hat, erkundet von Jever aus das flache Jeverland bis an die Küste, wo einst die Tidezüge nach Harle fuhren.

Häufige Fragen
Seit wann hat Jever einen Bahnhof?
Welche Züge halten in Jever?
Was war ein Tidefahrplan?
Warum heißt Jever Marienstadt?
Was zeigt das Glockenspiel am Hof von Oldenburg?
Weiterfahrt
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