Ortstermin
„Nächster Halt Greiz, die Perle des Vogtlandes, Anschluss an die Busse am Busbahnhof neben dem Bahnhof.“
Der Bahnhof Greiz, wo die Züge im Tunnel unter dem Schlossberg verschwinden
→ Ein Ortstermin im thüringischen Vogtland.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Greiz an der Elstertalbahn wurde am 17. Juli 1875 eröffnet und war als Bahnhof der Residenzstadt der zweitgrößte der Strecke. Bis 1999 zweigte hier außerdem die Bahn nach Neumark ab, auf deren Gleisgelände heute der Busbahnhof steht.
Greiz liegt im Südosten Thüringens im Tal der Weißen Elster, unmittelbar an der Grenze zu Sachsen.
Wegen ihrer reizvollen Lage in einem Talkessel und ihrer vielen historischen Bauten trägt die Stadt den Beinamen Perle des Vogtlandes.
Bis 1918 war Greiz die Residenzstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie, und davon erzählen bis heute zwei Schlösser und ein Sommerpalais im Park.

Der erste Bahnhof lag weit draußen
Schon in den 1830er Jahren wurde erstmals über eine Bahnstrecke durch das Elstertal nachgedacht, doch einen Anschluss bekam Greiz erst im Jahr 1865.
Damals eröffnete die private Greiz-Brunner Eisenbahn-Gesellschaft eine Strecke von Neumark nach Greiz, die im Aubachtal endete.
Dieser erste Bahnhof lag allerdings weit außerhalb des Stadtzentrums, weshalb sich die Greizer noch in den 1860er Jahren einen direkteren Anschluss wünschten.
Im 19. Jahrhundert wurde Greiz aus seiner bedeutenden Zeugmacherei heraus zu einem wichtigen Industriestandort.

Die Elstertalbahn kommt 1875
1872 erhielt die Sächsisch-Thüringische Eisenbahngesellschaft die Konzession für eine Strecke von Wolfsgefärth durch das Elstertal nach Weischlitz.
Der Abschnitt von Wolfsgefärth nach Greiz wurde am 17. Juli 1875 eröffnet, und für rund sechs Wochen war der neue Bahnhof ein Kopfbahnhof.
Am 8. September 1875 folgte der Abschnitt bis zum unteren Bahnhof in Plauen, und damit war Greiz ein Durchgangsbahnhof.
Weil Greiz die Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie war, entstand hier der zweitgrößte Bahnhof der ganzen Strecke.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Greiz an der Elstertalbahn wurde am 17. Juli 1875 eröffnet. Die abzweigende Strecke nach Neumark ist seit 1999 stillgelegt.
Züge fahren stündlich nach Gera und alle zwei Stunden nach Plauen und Adorf. Der Busbahnhof liegt seit 2003 auf dem früheren Gleisgelände in Richtung Neumark.
Ein Tunnel durch den Schlossberg
Eine Herausforderung beim Bau der Elstertalbahn war die Untertunnelung des Greizer Schlossbergs.
Die Strecke nach Gera verschwindet deshalb in einem Tunnel unter dem Berg, auf dem das Obere Schloss steht.
Vom Bahnhof aus bietet sich so ein bekanntes Fotomotiv mit Bahnstrecke und Schlossberg.
An der Elstertalbahn liegen heute drei Greizer Stationen, der Bahnhof südlich des Zentrums sowie die Halte in Neumühle an der Elster und in Greiz-Dölau.

Umbau für die Strecke nach Neumark
1876 kaufte Sachsen die Greiz-Brunner Eisenbahn-Gesellschaft, und ihre Strecke wurde bis zum Bahnhof an der Elstertalbahn verlängert.
Für diese Verlängerung waren aufwändige Bauwerke nötig, darunter der Hainbergtunnel und eine Brücke über die Weiße Elster.
Ab 1878 wurde der ursprünglich mit zwei Bahnsteigen und fünf Gleisen ausgestattete Bahnhof deshalb umgebaut, und insgesamt kamen 29 Weichen und 5,6 Kilometer Gleis hinzu.
In den 1880er Jahren erhielt der Bahnhof eine Bahnsteigüberdachung, und bis in die 1920er Jahre entstand unter anderem ein rund 200 Meter langer Güterschuppen.

Ein kleines Betriebswerk mit neuen Loks
Mit der Verlängerung der Strecke aus Neumark entstanden in Greiz auch Anlagen für die Lokomotiven, und 1878 wurde das erste Heizhaus eingeweiht.
Um 1890 kam ein zweites Heizhaus mit einer 13-Meter-Drehscheibe hinzu, und 1912 wurden beide Gebäude verbunden und die Drehscheibe durch eine 18 Meter lange ersetzt.
1932 bekam der kleine Standort als eine der ersten Lokeinsatzstellen fabrikneue Einheitslokomotiven der Baureihe 86, und 1937 wurde er ein selbstständiges Bahnbetriebswerk.
1962 verlor das Bahnbetriebswerk Greiz seine Selbstständigkeit, 1995 wurde die letzte Einsatzstelle aufgelöst, und 2015 wurden die Gebäude abgerissen.

Abschied von der Strecke nach Neumark
Nach der politischen Wende 1989/90 brach der bis dahin bedeutende Güterverkehr in Greiz fast völlig weg.
Der Güterverkehr nach Neumark endete 1995, seit dem 1. Juni 1997 fuhren dort keine planmäßigen Personenzüge mehr, und 1999 wurde die Strecke stillgelegt.
Um das Jahr 2000 wurden bei der Sanierung die Verbindungen zu fast allen Gütergleisen gekappt, und heute gibt es nur noch drei durchgehende Gleise und zwei Stumpfgleise.
Auf dem Gelände der Gleise in Richtung Neumark steht seit 2003 der neue Busbahnhof, und das frühere Güterbahnhofsgelände wurde teilweise von der Bundesstraße 92 überbaut.

Stündlich nach Gera
Heute fahren auf der Elstertalbahn die Vogtlandbahn und DB Regio, die zusammen einen Stundentakt nach Gera anbieten.
Alle zwei Stunden fahren die Züge von Gera aus weiter bis Erfurt, und ebenfalls alle zwei Stunden gibt es Verbindungen nach Plauen und Adorf.
Auf den beiden Stumpfgleisen stellt DB Regio heute Triebwagen ab.
Das Bahnhofsgebäude ist derzeit geschlossen und wird für kulturelle Zwecke genutzt, während ein Chemiewerk in Greiz-Dölau als einziges Unternehmen der Stadt noch einen Gleisanschluss hat.

Residenz der Reußen
Im Jahr 1225 wurden in Greiz erstmals eine Burganlage und ein Vorgängerbau der Stadtkirche St. Marien erwähnt.
Das Obere Schloss auf dem Schlossberg ist im Kern mittelalterlich, wurde nach einem Brand im Jahr 1540 im Stil der Renaissance wieder aufgebaut und im 18. Jahrhundert erweitert.
Am 6. April 1802 zerstörte ein großer Brand die Stadt fast vollständig, wobei etwa 430 Gebäude niederbrannten, darunter 237 Bürgerhäuser.
Das Untere Schloss aus dem 16. Jahrhundert wurde danach bis 1809 im klassizistischen Stil neu aufgebaut und beherbergt heute die Museen der Stadt, die Musikschule und die Tourist-Information.

Ankommen in Greiz
Westlich der Elster liegt die Neustadt aus dem späten 19. Jahrhundert, die mit der Carolinenstraße als Hauptstraße ein geschlossenes Gründerzeitensemble bildet.
Östlich des Flusses liegt zwischen Schlossberg und Talhängen die Altstadt, deren mittelalterliche Häuser fast vollständig durch Bauten der Gründerzeit ersetzt wurden.
Im Fürstlich Greizer Park, der seit 2009 als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung gilt, steht das frühklassizistische Sommerpalais, das zwischen 1779 und 1789 für Fürst Heinrich XI. entstand.
Seit 1922 beherbergt es die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz und das Satiricum, und im Parkküchenhaus daneben gibt es heute ein Café.

Häufige Fragen
Wann wurde der Bahnhof Greiz eröffnet?
Wohin fahren heute Züge ab Greiz?
Gab es früher noch eine zweite Strecke?
Warum war der Bahnhof so groß?
Was ist das Sommerpalais?
Weiterfahrt
→ Ortstermin Gera Hauptbahnhof: Ostthüringens Tor an der Weißen Elster – die Stadt an der Weißen Elster im Norden, stündlich erreichbar
→ Ortstermin Plauen oberer Bahnhof: Die Spitzenstadt im Vogtland – die Stadt im sächsischen Vogtland, weiter elsteraufwärts
