Ortstermin
„Nächster Halt Germersheim, hier Anschluss an die S-Bahn RheinNeckar und an die Stadtbahn nach Karlsruhe.“
Der Bahnhof Germersheim, in Fachwerk gebaut für die Festungsstadt
→ Ein Ortstermin am Rhein in der Pfalz.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Germersheim wurde am 14. März 1864 eröffnet, und weil die Stadt eine Festung war, entstand sein Empfangsgebäude in leichter Fachwerkbauweise. Heute ist er ein Knoten der S-Bahn RheinNeckar und seit 2010 Endpunkt der Stadtbahn aus Karlsruhe.
Germersheim liegt am Rhein in Rheinland-Pfalz, hat etwa 20.000 Einwohner und ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises.
Die Stadt war und ist vor allem als Militärstadt bedeutsam, denn im 19. Jahrhundert baute das Königreich Bayern sie zu einer großen Festung aus.
Diese Festung hat auch den Bahnhof geprägt, von der Bauweise des ersten Empfangsgebäudes bis zum Standort der Eisenbahnbrücke über den Rhein.

Lange Debatten um eine Bahn
Ursprünglich sollte in der damals bayerischen Pfalz zuerst eine Bahn von Norden nach Süden über Lauterbourg bis Strasbourg entstehen, doch den Vorrang bekam die Pfälzische Ludwigsbahn von Ludwigshafen nach Bexbach.
Danach stritt man, ob eine Strecke am Gebirge über Landau oder eine Strecke am Rhein entlang über Speyer, Germersheim und Wörth wichtiger sei, und weil das Militär den Rand des Pfälzerwalds bevorzugte, wurde zuerst die Maximiliansbahn gebaut.
Germersheim kämpfte daraufhin für eine Bahn von Landau über die eigene Stadt nach Bruchsal und schickte sogar eine Abordnung zum Deutschen Bund nach Frankfurt, um die Konkurrenzstrecke von Winden nach Karlsruhe zu verhindern.
Die pfälzische Regierung lehnte ab, beschloss aber stattdessen, die seit 1847 bestehende Strecke von Schifferstadt nach Speyer bis Germersheim zu verlängern.

Eröffnet am 14. März 1864
Am 14. März 1864 wurde der Bahnhof Germersheim als Endpunkt der Strecke aus Schifferstadt eröffnet.
Aus dieser Zeit stammt das alte Empfangsgebäude, das in der Festungsstadt in Leichtbauweise mit Fachwerk errichtet werden musste.
Der dreiflügelige Bau aus technischem Fachwerk ist teils verschiefert und teils verbrettert und steht heute unter Denkmalschutz.
Noch in den 1950er Jahren gab es darin eine Bahnhofsgaststätte, und heute beherbergt das Haus eine Gaststätte und mehrere Wohnungen.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Germersheim wurde am 14. März 1864 eröffnet und hat vier Bahnsteiggleise. Er liegt im Karlsruher Verkehrsverbund, es gelten aber auch Fahrkarten des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.
Seit 2006 halten hier Züge der S-Bahn RheinNeckar, seit 2010 auch die Stadtbahn Karlsruhe. Das Empfangsgebäude von 1864 steht unter Denkmalschutz.
Vom Kopfbahnhof zum Knoten
Am 16. Mai 1872 kam die Strecke nach Landau hinzu, welche die beiden Festungsstädte miteinander verband und Germersheim vorübergehend zum Kopfbahnhof machte.
Am 25. Juli 1876 wurde die Verlängerung nach Wörth eröffnet, und seitdem umfährt die Strecke die Stadt im Osten in einem großen Bogen.
Am 15. Mai 1877 folgte der Anschluss an die Bruhrainbahn aus Bruchsal, die seit 1874 auf der badischen Rheinseite in Rheinsheim geendet hatte.
So entstand eine durchgehende Ost-West-Verbindung, die ein Jahrzehnt später auch der Fernverkehr nutzte, und Germersheim wurde zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten der Pfalz.

Eine Brücke nach den Wünschen des Militärs
Der Lückenschluss über den Rhein hatte sich um einige Jahre verzögert, weil die Militärbehörden auf einem Brückenstandort bestanden, der das Schussfeld der Festung nicht behinderte.
Die Bruhrainbahn folgt der Strecke nach Wörth zunächst nach Süden und überquert den Rhein dann auf einem höher gelegenen Bahndamm in einem fast halbkreisförmigen Bogen.
Im März 1945 sprengten die Nationalsozialisten die Eisenbahnbrücke über den Rhein, noch bevor die anrückenden Truppen die Stadt erreichten.
Der Wiederaufbau wurde in den 1950er Jahren diskutiert, und weil vor allem das Militär im Kalten Krieg daran interessiert war, gab der Bund Geld, sodass die neue Brücke im Oktober 1967 fertig wurde.

Abschied von der Strecke nach Landau
Die Hoffnungen, die man in die neue Brücke setzte, erfüllten sich nicht, denn der Verkehr in Ost-West-Richtung lief längst über die Strecke von Mannheim nach Saarbrücken.
Auf der Strecke nach Landau endete am 1. Juni 1984 der Personenverkehr wegen zu geringer Nachfrage, und zum Jahreswechsel 1991/1992 fuhren auch keine Güterzüge mehr in diese Richtung.
Für kurze Zeit kamen trotzdem Schnellzüge, denn nachdem am 9. Juni 1987 ein Schiffsunglück die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth schwer beschädigt hatte, wurden die Schnellzüge von Saarbrücken über Landau nach Karlsruhe vier Wochen lang über Germersheim umgeleitet.
In der Zeit der Reichsbahn war Germersheim außerdem ein Lokomotivbahnhof, der als Außenstelle zum Bahnbetriebswerk Landau gehörte.

S-Bahn und Stadtbahn
1995 wurde der Bahnhof in den Karlsruher Verkehrsverbund aufgenommen, und seit 1996 gilt auch ein Übergangstarif des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.
Ende 2006 wurden die Linien S3 und S4 der S-Bahn RheinNeckar von Speyer bis Germersheim verlängert, wofür die Strecke eine Oberleitung bekam und die Bahnsteige für einen barrierefreien Einstieg erhöht wurden.
Ende 2010 nahm die Stadtbahn Karlsruhe zwischen Wörth und Germersheim den Betrieb auf, und seitdem ist Germersheim nördlicher Endpunkt der Linien S 51 und S 52, die bis in die Karlsruher Innenstadt fahren.
Ein Jahr später wurde auch die Bruhrainbahn nach Bruchsal Teil der S-Bahn RheinNeckar, und die Zahl der Reisenden stieg seitdem kontinuierlich.

Zwei Bahnsteighöhen und ein neues Stellwerk
Der Bahnhof hat 16 Gleise, davon vier Bahnsteiggleise, und ist seit seiner Modernisierung im Jahr 2006 komplett barrierefrei.
Die Bahnsteige an den Gleisen 2 bis 5 sind 160 Meter lang und 76 Zentimeter hoch, doch für die Fahrzeuge der Stadtbahn wurden die Gleise 3 und 4 so angehoben, dass sich dort eine Einstiegshöhe von 55 Zentimetern ergibt.
Bis 2022 arbeitete hier eine elektromechanische Sicherungstechnik von Siemens & Halske aus dem Jahr 1912, die von einem Fahrdienstleiter- und einem Weichenwärterstellwerk aus bedient wurde.
Seit 2022 steuert ein elektronisches Stellwerk in Germersheim auch die Anlagen in Philippsburg, Speyer, Bellheim und Wörth aus der Ferne.

Ein zweites Empfangsgebäude und der Hafen
Südwestlich der Gleise steht ein zweites Empfangsgebäude aus den 1980er Jahren, das in den 2000er Jahren vernachlässigt und schließlich ganz geschlossen wurde.
Im Jahr 2010 kaufte die Stadt Germersheim das Gebäude, und im November 2017 eröffnete darin ein Kiosk mit Café.
Vom Ausfahrgleis in Richtung Philippsburg zweigt ein elektrifiziertes Industriestammgleis zum Germersheimer Hafen ab.
Vor dem Bahnhofsgebäude liegt ein Busbahnhof, von dem die meisten Regionalbusse in Richtung Landau und in den nördlichen Landkreis fahren, und dazu kommen ein Taxistand, Park-and-Ride-Plätze und Fahrradständer.

Ankommen in Germersheim
Der Bahnhof liegt am nördlichen Stadtrand, und ein Teil seiner Gleise gehört schon zur Gemarkung der Nachbargemeinde Lingenfeld.
Die Stadtrechte bekam Germersheim bereits 1276 von König Rudolf von Habsburg, und ab 1834 baute Bayern die Stadt zu einer Festung aus, die schon bei ihrer Fertigstellung veraltet war.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Festung gemäß dem Versailler Vertrag größtenteils geschleift, doch erhalten sind etwa das Weißenburger Tor, heute das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt, und das Ludwigstor mit dem Stadt- und Festungsmuseum.
Im Zeughaus hat das Deutsche Straßenmuseum sein Haus, und auf dem früheren Bundeswehrgelände der Fronte Lamotte ist ein Festungspark entstanden.

Häufige Fragen
Warum ist das alte Empfangsgebäude aus Fachwerk?
Wann wurde der Bahnhof Germersheim eröffnet?
Welche Bahnen fahren heute in Germersheim?
Gibt es noch die Strecke nach Landau?
Was ist vom Bahnhof aus in Germersheim sehenswert?
Weiterfahrt
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