Ortstermin
„Nächster Halt Chemnitz-Hilbersdorf, hier rangierte man Güterwagen einst mit einem Seil statt mit einer Lok.“
Das Sächsische Eisenbahnmuseum in Chemnitz, zwei Ringlokschuppen und ein Seil zum Rangieren
→ Ein Ortstermin in Sachsen.
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Kurz gesagt
Im früheren Bahnbetriebswerk Chemnitz-Hilbersdorf zeigt das Sächsische Eisenbahnmuseum die Eisenbahngeschichte der Region. Zusammen mit dem Technikmuseum Seilablaufanlage bildet es seit 2020 den Schauplatz Eisenbahn.
Im Chemnitzer Stadtteil Hilbersdorf lag einst einer der größten Rangierbahnhöfe Sachsens.
Die langen Güterzüge sind verschwunden, doch das Betriebswerk mit seinen zwei großen Ringlokschuppen ist geblieben.
Heute stehen darin Dampfloks, Dieselloks und Elloks aus vielen Jahrzehnten sächsischer Eisenbahngeschichte.

Ein neuer Rangierbahnhof für Chemnitz
Weil der Chemnitzer Bahnhof schon seit den 1870er Jahren überlastet war, brauchte die Stadt einen großen Rangierbahnhof.
Der Bau in Hilbersdorf begann am 24. November 1896.
In sechs Jahren entstanden auf etwa 25 Hektar 46 Kilometer Gleis mit rund 250 Weichen.
Der Bahnhof war etwa 2,9 Kilometer lang und bis zu 230 Meter breit.
Am 26. Juni 1902 war er fertig, gekostet hatte er 14,7 Millionen Mark.

Nur Dresden-Friedrichstadt war größer
Innerhalb der Reichsbahndirektion Dresden war nur der Rangierbahnhof Dresden-Friedrichstadt größer.
Mit der Eröffnung wurde der gesamte Güterverkehr im Eisenbahnknoten Chemnitz neu geordnet.
Güterzüge aus Richtung Leipzig und Riesa erreichten den Rangierbahnhof kreuzungsfrei.
Von 1953 bis 1990 hieß er Karl-Marx-Stadt-Hilbersdorf, so wie die Stadt damals Karl-Marx-Stadt hieß.
Heute ist der Rangierbahnhof stillgelegt und größtenteils abgebaut.

Gut zu wissen
Das Sächsische Eisenbahnmuseum liegt im früheren Bahnbetriebswerk Chemnitz-Hilbersdorf, das 1992 geschlossen wurde. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Der Rangierbahnhof Hilbersdorf wurde 1902 fertiggestellt. Er war nach Dresden-Friedrichstadt der größte Rangierbahnhof der Reichsbahndirektion Dresden.
Rangieren am Seil
Ab 1927 baute die Deutsche Reichsbahn in großen Rangierbahnhöfen sogenannte Seilablaufanlagen, eine davon in Hilbersdorf.
Dabei zog ein Seilwagen die Güterwagen zum Ablaufberg, ganz ohne Lokomotive.
Nach einer Modernisierung im Jahr 1960 konnte die Anlage Züge mit bis zu 1500 Tonnen bewegen.
Auf den sechs Gleisen der Chemnitzer Anlage liefen bis zu 3500 Güterwagen am Tag ab, an Spitzentagen sogar bis zu 5100.
Ein kleiner Teil davon ist heute als Technikmuseum Seilablaufanlage erhalten.

Heimat der Güterzugloks
Aus den Lokbehandlungsanlagen am Ostkopf des Bahnhofs ging das Bahnbetriebswerk Chemnitz-Hilbersdorf hervor.
Es war eine der letzten großen Einsatzstellen für Loks der Baureihe 58, im Jahr 1967 standen hier noch 30 Maschinen.
In den 1970er Jahren lösten Loks der Baureihe 50 sie ab.
Bis in die 1960er Jahre war das Werk auch für die Personenzugloks der Baureihe 38.2 wichtig.
Erst 1988 wurden hier die letzten Dampflokomotiven abgestellt.

Vom Betriebswerk zum Museum
Nach der Schließung des Betriebswerks im Jahr 1992 übernahm der Verein Sächsisches Eisenbahnmuseum die denkmalgeschützten Gebäude.
Dazu gehören zwei Ringlokschuppen mit je 26 Ständen und Drehscheiben von 20 Metern.
Außerdem gibt es eine Bekohlungsanlage mit Hochbunker, Besandungsanlagen, Wasserkräne und eine funktionierende Achssenke.
Damit ist hier noch alles vorhanden, was ein Betriebswerk für Dampfloks braucht.
Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Eisenbahn in Sachsen und besonders in der Region Chemnitz.

Loks aus vielen Jahrzehnten
Viele Loks sind Leihgaben von Privatleuten, vom Verkehrsmuseum Dresden oder vom Verkehrsmuseum Nürnberg.
Im Jahr 2009 umfasste der Bestand 18 Dampfloks, 16 Dieselloks, drei Elloks und 40 Wagen.
Zu sehen sind unter anderem die Dampfloks 38 205, 43 001, 75 515 und 86 001.
Die 38 205 war von 1979 bis 1998 als Museumslok in Hilbersdorf stationiert und steht bis heute hier.
Dazu kommen Dieselloks wie die V 180 141 und Elloks wie die E 44 045.

Feldbahn auf 600 Millimetern
Seit 1992 gibt es im Museum eine eigene Feldbahngruppe.
Östlich des Museums entstand auf Brachflächen ein Feldbahnnetz mit 600 Millimetern Spurweite.
Der Gleisbau begann 1996, der Bau des Museumsbahnhofs im Januar 1997.
Die Hälfte der Strecke wurde am 25. November 2005 eingeweiht, der Rest am 8. April 2006.
Zum Fuhrpark gehören Personenwagen, Kipploren und sogar zwei Langholztransporter.

Heizhausfest und Filmkulisse
Ende August findet jedes Jahr ein großes Heizhausfest mit Lokparade statt.
Es zieht jährlich etwa 9000 Besucher an.
Für den Fernsehfilm Go West aus dem Jahr 2010 wurde das Museumsgelände zu einem tschechischen Güterbahnhof.
Zur 4. Sächsischen Landesausstellung 2020 schlossen sich das Eisenbahnmuseum und das Technikmuseum Seilablaufanlage als Schauplatz Eisenbahn zusammen.
Seitdem treten beide Museen gemeinsam unter diesem Namen auf.

Ankommen in Hilbersdorf
Der Haltepunkt Chemnitz-Hilbersdorf liegt an der Strecke von Dresden nach Werdau, an der auch der Chemnitzer Hauptbahnhof liegt.
Er wird heute nur noch von Regionalbahnen bedient.
Die bis 1904 selbstständige Gemeinde Hilbersdorf bekam ihren ersten Haltepunkt erst am 15. August 1893.
Das Museumsgelände liegt dort, wo einst der Ostkopf des Rangierbahnhofs war.
Die Stadt selbst war im Jahr 2025 Kulturhauptstadt Europas.

Häufige Fragen
Wo liegt das Sächsische Eisenbahnmuseum?
Was ist eine Seilablaufanlage?
Wie groß sind die Lokschuppen?
Wann ist das Heizhausfest?
Was ist der Schauplatz Eisenbahn?
Weiterfahrt
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