Zahlen, bitte!
„Willkommen in Amsterdam Centraal, unter den Gleisen tragen rund 9000 Holzpfähle den Bahnhof.“
Auf wie vielen Pfählen steht Amsterdam Centraal?
→ Ein Bahnhof in Zahlen.
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Kurz gesagt
Amsterdam Centraal steht auf rund 9000 Holzpfählen. Der Bahnhof wurde auf drei künstlichen Inseln gebaut, deren sandiger und feuchter Boden allein das Gewicht nicht tragen könnte.
Amsterdam Centraal ist der Hauptbahnhof der niederländischen Hauptstadt und einer der bekanntesten Bahnhöfe Europas.
Was kaum jemand sieht, liegt unter dem Gebäude verborgen.
Wie viele Pfähle den Bahnhof tragen und was er sonst zu bieten hat, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
rund 9000
Holzpfähle
im sandigen, feuchten Boden
3
künstliche Inseln
als Baugrund
168.252
Fahrgäste pro Tag
Stand 2025
Eröffnet wurde der Bahnhof am 15. Oktober 1889.
Rund 9000 Holzpfähle
Amsterdam Centraal steht auf rund 9000 Holzpfählen.
Der Grund dafür ist der sandige und feuchte Untergrund, der ohne Pfähle nicht tragfähig genug wäre.
Pfähle leiten das Gewicht eines Bauwerks in tiefere, tragfähige Bodenschichten ab, und zwar über die Reibung am Pfahlmantel und über den Druck an der Pfahlspitze.
Damit ist der Bahnhof ein typisches Amsterdamer Bauwerk, denn auch der Königliche Palast der Stadt steht auf Holzpfählen.

Warum das Holz nicht fault
Holzpfähle sind äußerst haltbar, solange sie dauerhaft im Wasser stehen.
Gefährlich wird es, wenn das Grundwasser später absinkt, etwa durch Bergbau, Flussregulierungen oder immer mehr bebaute und versiegelte Flächen.
Dann können die Pfähle verrotten, was zum Beispiel am Trierer Dom zu erheblichen Schäden geführt hat.
Als größte Pfahlgründung der Welt gilt Venedig, wo die ganze Stadt im Laufe von Jahrhunderten auf Hunderttausenden Baumstämmen gegründet wurde.
Gut zu wissen
Das Empfangsgebäude wird derzeit nach Entwürfen des Büros Benthem Crouwel erweitert. Gegenüber dem Bahnhof steht das 1911 gegründete Smits Koffiehuis, das 1972 für den Bau der Metro abgebaut und 1980 mit den alten Bauteilen wieder aufgebaut wurde.
Auch andere berühmte Gebäude stehen auf Holzpfählen, etwa die alten Lagerhäuser der Speicherstadt in Hamburg. Früher wurden dafür angespitzte Holzpfähle oder ganze Baumstämme in den Boden getrieben.
Gebaut auf drei Inseln
Der Bahnhof wurde nicht auf gewachsenem Boden gebaut, sondern auf drei künstlichen Inseln.
Am 15. Oktober 1889 wurde er eröffnet.
Er ersetzte die beiden älteren Bahnstationen Willemspoort und Westerdok, die damit ihre Aufgabe verloren.
Bis heute liegt er direkt am Wasser, auf der Nordseite legen die Fähren über den Fluss IJ ab.
Ein Stadttor aus Backstein
Den Entwurf für das Empfangsgebäude erhielten im Jahr 1875 der Architekt Pierre Cuypers und der Ingenieur A. L. van Gendt.
Das Gebäude besteht aus rotem Backstein mit Verzierungen aus Naturstein und ist im Stil der Neorenaissance gehalten.
Den Haupteingang mit seinen zwei Türmen gestaltete Cuypers bewusst als Stadttor, durch das die Reisenden die Stadt betreten.
Cuypers entwarf auch das Rijksmuseum, das im Juli 1885 eröffnet wurde.
Vierzehn Stadtwappen am Giebel
Die Verzierungen an den Türmen zeigen Szenen aus Handel, Industrie und Schifffahrt.
Der Giebel trägt das Reichswappen zwischen zwei Löwen.
Darunter hängen vierzehn Wappen von Städten, die man damals mit der Bahn erreichen konnte.
Zu ihnen gehören Berlin, Sankt Petersburg und Paris.
Ein Pavillon für den König
An der Ostseite liegt der Koningspaviljoen, ein königliches Empfangszimmer mit Dekorationen von Georg Sturm.
Durch ein breites Tor konnten vornehme Gäste mit der Kutsche bis ins Innere fahren.
Anfangs gab es außerdem eigene Warteräume für die königliche Familie und für ausländische Reisende.
Heute steht das Gebäude als Reichsdenkmal unter Denkmalschutz.
Zwei Hallen aus drei Epochen
Die beiden großen Bahnsteighallen plante nicht Cuypers, sondern der Eisenbahningenieur L. J. Eijmer.
Die erste Halle auf der Stadtseite wurde 1889 fertig.
Die schmalere und längere Halle auf der Seite zum Wasser folgte erst im Jahr 1922.
Der offene Streifen zwischen beiden Hallen bekam sogar erst 1996 ein Dach nach einem Entwurf von Jan Garvelink.
Von 194 auf 1000 Züge am Tag
Im Eröffnungsjahr 1889 fuhren täglich 194 Züge von und nach Amsterdam Centraal.
Im Jahr 1904 waren es bereits 404 Züge am Tag.
In den 1980er Jahren zählte man schließlich 1000 Züge täglich.
Ab 1904 wurde auch der Platz vor dem Bahnhof, der Stationsplein, zum wichtigsten Knotenpunkt des Nahverkehrs der Stadt.
168.252 Fahrgäste am Tag
Im Jahr 2025 nutzten täglich 168.252 Fahrgäste den Bahnhof.
Damit ist Amsterdam Centraal nach Utrecht Centraal der zweitstärkste Bahnhof der Niederlande.
Vor der Tür halten Busse, Straßenbahnen und die Metro, seit dem Umbau ab 1997 auch die Nord-Süd-Linie.
So ist der Bahnhof zugleich das Tor zum Fernverkehr und zur ganzen Stadt.
Züge nach halb Europa
Amsterdam Centraal ist Halt für Hochgeschwindigkeitszüge wie den Eurostar und den ICE International.
Von hier aus gibt es Verbindungen unter anderem nach Paris, Brüssel, London, Berlin, Köln, Frankfurt, München, Basel und Wien.
Früher fuhren hier Luxuszüge wie der Rheingold, der Edelweiss und der Étoile du Nord ab.
Seit 2018 verbindet der Eurostar Amsterdam mit London St Pancras, seit dem 30. April 2020 auch direkt in beide Richtungen.
Große Pläne bis 2030
Die niederländische Regierung plant, den Fernverkehr nach Amsterdam-Zuid zu verlegen, damit in Centraal keine Züge mehr wenden müssen.
Zusammen mit Umbauten könnte die Zahl der Züge von 34 auf 57 pro Stunde steigen.
Die Zahl der Reisenden soll bis 2030 auf 275.000 steigen, dafür sollen die Bahnsteige breiter werden und ihre Zahl von zehn auf neun sinken.
Das Vorhaben soll etwa 350 Millionen Euro kosten, die Staatsbahn NS lehnt das Konzept allerdings ab.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
