Stimmt es, dass Züge per Satellit gesteuert werden?

Stimmt es, dass …?

„Bitte beachten Sie: Die Weiterfahrt erfolgt nach Freigabe durch das Stellwerk und nicht auf Anweisung aus dem Weltall.“

Stimmt es, dass Züge per Satellit gesteuert werden?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Nein, jedenfalls nicht im Alltag. Den Fahrweg stellt das Stellwerk, die Fahrt führt der Lokführer, und Satelliten helfen bisher nur an einzelnen Stellen bei der Ortung.

Im Auto zeigt das Navi per Satellit den Weg, und so liegt der Gedanke nahe, dass auch Züge aus dem All gelenkt werden.

Auf der Schiene läuft die Sache jedoch anders, denn hier gibt es weder ein Lenkrad noch eine freie Wahl der Route.

Wer einen Zug wirklich führt, wie er seinen Weg findet und wo Satelliten trotzdem eine Rolle spielen, zeigt dieser Mythos-Check.

I20 678 Bf Wittenberg Hbf, EAK 30C NT
Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

130.000 km

Strecken mit GSM-R

digitaler Zugfunk über Funkmasten am Boden

2008

Satellitenortung

im Zugleitsystem der Zillertalbahn

2026–2035

geplante Einführung

des Zugfunk-Nachfolgers FRMCS bei der DB

Wo ein Zug steht, erfährt das Stellwerk in der Regel über Gleisfreimeldeanlagen wie Achszähler und nicht über Satelliten.

Ein Zug hat kein Lenkrad

Anders als ein Auto kann ein Zug nicht nach links oder rechts lenken, denn die Schienen geben seinen Weg fest vor.

Welchen Weg er an einer Abzweigung nimmt, entscheiden die Weichen, die vom Stellwerk aus gestellt werden.

Der Lokführer, im Fachjargon Triebfahrzeugführer genannt, regelt dagegen Tempo und Bremsen.

Die Steuerung eines Zuges teilen sich also Menschen und Technik am Boden und nicht ein Satellit im Orbit.

Axle counters on railway tracks
Foto: Jplahti, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Was das Stellwerk leistet

Ein Stellwerk stellt Weichen und Signale und sorgt dafür, dass sich keine zwei Züge gefährlich in die Quere kommen.

Technische Abhängigkeiten schließen dabei aus, dass zwei einander gefährdende Fahrten gleichzeitig zugelassen werden.

Viele moderne Stellwerke werden heute aus der Ferne bedient, der Bahnhof Goslar etwa wird von einem elektronischen Stellwerk gesteuert, das aus Göttingen ferngesteuert wird.

Die Stellbefehle laufen dabei über Kabel oder Datennetze am Boden und nicht über Satelliten.

Gut zu wissen

Die Zillertalbahn hat 2026 mit Siemens Mobility einen Vertrag geschlossen, um die gesamte Bahn mit dem funk- und satellitengestützten Zugleitsystem Trainguard STC auszurüsten. Dazu gehört eine Wartung über mindestens 20 Jahre.

Gleisfreimeldeanlagen gehören zu den Außenanlagen eines Stellwerks. Sie stellen fest, ob ein Abschnitt frei ist, bevor ein Hauptsignal auf Fahrt gehen darf.

Woher die Bahn weiß, wo ein Zug ist

Damit ein Stellwerk einen Abschnitt freigeben kann, muss es wissen, ob dort gerade ein Zug steht.

Diese Aufgabe übernehmen Gleisfreimeldeanlagen, zum Beispiel Achszähler an den Schienen.

Sie zählen die Achsen eines Zuges bei der Einfahrt in einen Abschnitt und vergleichen sie mit der Zahl bei der Ausfahrt.

Nur wenn beide Zahlen übereinstimmen, gilt der Abschnitt wieder als frei, und der nächste Zug darf folgen.

Balisen und Zugfunk statt Satelliten

Beim europäischen Zugsicherungssystem ETCS liegen sogenannte Eurobalisen im Gleis, die beim Überfahren aktiviert werden und Daten an den Zug senden.

Sie arbeiten ähnlich wie ein Transponder und dienen dem Fahrzeug unter anderem als feste Ortsmarken.

Zwischen den Balisen misst der Zug seinen Weg selbst, und diesen Vorgang nennt die ETCS-Spezifikation Odometrie.

In der Ausbaustufe Level 2 kommen die Fahrerlaubnisse zusätzlich per Funk, und zwar meist über den digitalen Zugfunk GSM-R.

Wo Satelliten schon mitarbeiten

Ganz ohne Satelliten geht es trotzdem nicht überall, wie ein Beispiel aus Tirol zeigt.

Auf der Zillertalbahn ging 2008 ein rechnergestütztes Zugleitsystem in Betrieb, das die Position der Züge per Satellitenortung ermittelt.

Die Daten werden an den Zugleiter gemeldet, und die Fahrwegelemente werden zentral gesteuert.

Auch hier bestimmt der Satellit also nur den Standort, während die Entscheidungen weiterhin am Boden fallen.

Virtuelle Balisen als Zukunftsidee

Für die Zukunft wird erforscht, ob Satellitenortung manche Balisen im Gleis ersetzen kann.

Die Idee heißt virtuelle Balise, dabei liest der Zug die Baliseninformationen aus einer digitalen Karte an Bord.

Vorgeschlagen wurde etwa, die Satellitenortung mit Doppler-Radar, Achsimpulsgebern und weiteren Sensoren zu kombinieren.

In Italien sollte ein solches System nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 2020 zwischen Novara und Rho erprobt werden.

Warum die Bahn vorsichtig bleibt

Für die Sicherheit im Bahnverkehr gelten sehr strenge Maßstäbe, so muss die Wegmessung bei ETCS der strengsten Sicherheitsstufe SIL 4 entsprechen.

Satellitennavigation gilt jedoch als anfällig für gezielte Störungen.

Ein Zug, der sich allein auf den Himmel verlässt, wäre deshalb ein Risiko, das sich die Bahn nicht leisten will.

Vorgeschlagen werden daher Kombinationen mit anderen Ortungsverfahren, damit eine Störung nicht sofort zum Problem wird.

Der Zugfunk bekommt einen Nachfolger

Auch die Funkverbindung zwischen Zug und Strecke läuft nicht über Satelliten, sondern über den digitalen Zugfunk GSM-R.

Dieses Mobilfunksystem baut auf dem bekannten Handy-Standard GSM auf und wurde für die Eisenbahn erweitert.

Es wird auf rund 130.000 Streckenkilometern eingesetzt und soll in den kommenden Jahren schrittweise durch das neue System FRMCS abgelöst werden.

Die Deutsche Bahn plant, FRMCS zwischen 2026 und 2035 einzuführen.

Das Fazit

Der Mythos stimmt nicht, denn Züge werden nicht per Satellit gesteuert.

Den Fahrweg legen Weichen und Signale fest, die das Stellwerk stellt, und das Tempo regelt der Lokführer unter Aufsicht der Zugsicherung.

Wo sich ein Zug befindet, melden in der Regel Achszähler, Balisen und die Wegmessung an Bord.

Satelliten helfen bisher nur an einzelnen Stellen bei der Ortung und sind für die Zukunft ein Forschungsthema, aber kein Steuerknüppel aus dem All.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Häufige Fragen

Lenkt ein Satellit den ICE?
Nein. Den Weg des Zuges bestimmen Weichen und Signale, die vom Stellwerk gestellt werden, und die Fahrt selbst führt der Lokführer.
Nutzt die Bahn überhaupt Satellitenortung?
An einzelnen Stellen ja, etwa im Zugleitsystem der Zillertalbahn in Tirol. Für die Sicherung des Zugverkehrs werden bisher vor allem Einrichtungen am Gleis genutzt.
Was ist eine Eurobalise?
Eine Eurobalise ist ein Datensender im Gleis, der beim Überfahren aktiviert wird. Er überträgt Informationen an den Zug, ähnlich wie ein Transponder.
Warum setzt die Bahn nicht ganz auf Satelliten?
Die Anforderungen an die Sicherheit sind sehr hoch, und Satellitennavigation gilt als anfällig für gezielte Störungen. Deshalb wird sie für Sicherheitsaufgaben allenfalls in Kombination mit anderen Ortungsverfahren erwogen.
Wie spricht der Zug mit der Strecke?
Über den digitalen Zugfunk GSM-R, ein für die Bahn erweitertes Mobilfunksystem. Die Deutsche Bahn plant, zwischen 2026 und 2035 den Nachfolger FRMCS einzuführen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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