Stimmt es, dass …?
„Bitte weit in den Wagen hineingehen, notfalls hilft das Personal am Bahnsteig gern ein wenig nach.“
Stimmt es, dass in Tokio Fahrgäste in die Bahn geschoben werden?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. In Tokioter U-Bahnhöfen gibt es zu den Hauptverkehrszeiten Personal, das Fahrgäste von außen in überfüllte Wagen drückt, damit sich die Türen schließen, in Japan nennt man diese Helfer umgangssprachlich Oshiya.
Bilder von Bahnmitarbeitern, die Menschen mit beiden Händen in einen vollen Zug schieben, gehen immer wieder um die Welt.
Viele halten sie für einen Scherz oder für eine Ausnahme an einem besonders chaotischen Tag.
Ob in Tokio wirklich Fahrgäste in die Bahn geschoben werden, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
3,1 Mrd.
Fahrgäste pro Jahr
in der Tokioter U-Bahn
8,5 Mio.
Fahrgäste pro Tag
auf den 13 Linien
1927
erste U-Bahn-Strecke
zwischen Asakusa und Ueno
Die Tokioter U-Bahn gilt als das am stärksten in Anspruch genommene U-Bahn-Netz der Welt.
Ein Beruf mit einem ungewöhnlichen Namen
Oshiya ist ein umgangssprachlicher japanischer Begriff und bedeutet wörtlich so viel wie Drücker.
Gemeint ist Personal, das in Tokioter U-Bahnhöfen zu den Stoßzeiten im Einsatz ist.
Die ursprüngliche offizielle Bezeichnung lautete Ryokyaku seiri gakari, was sich etwa mit Passagieranordnungspersonal übersetzen lässt.
Schon der Name verrät, dass es hier nicht um Fahrkarten geht, sondern um Menschen, die in einen Zug passen sollen.

Was die Drücker tun
Die Aufgabe der Oshiya besteht darin, die Fahrgäste von außen in die überfüllten Wagen hineinzudrücken.
So sollen sich die Türen der Wagen schließen können.
Zugleich sollen die Zeiten für den Fahrgastwechsel möglichst kurz bleiben, damit der Zug zügig weiterfahren kann.
Das Personal ist dafür zu den Hauptverkehrszeiten auf verschiedenen U-Bahnhöfen der Stadt anzutreffen.
Außerhalb der Stoßzeiten braucht es diese Hilfe in der Regel nicht.
Gut zu wissen
Wer in der Tokioter U-Bahn umsteigt, behält seinen benutzten Fahrschein. Für das Umsteigen bleiben 30 Minuten Zeit.
Die Tōkyō Metro wurde 1941 unter dem Namen Eidan gegründet. Im Jahr 2004 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Das meistgenutzte U-Bahn-Netz der Welt
Dass es solche Helfer überhaupt braucht, liegt an den gewaltigen Fahrgastzahlen.
Die U-Bahn Tokio ist mit jährlich rund 3,1 Milliarden Fahrgästen das am stärksten in Anspruch genommene U-Bahn-Netz der Welt.
Ihre 13 Linien werden täglich von durchschnittlich 8,5 Millionen Fahrgästen genutzt.
Dazu kommen noch die Fahrgäste der S- und Regionalbahnen, die in diesen Zahlen nicht enthalten sind.
Wer zur Hauptverkehrszeit an einem großen Umsteigebahnhof steht, bekommt einen Eindruck davon, was diese Zahlen im Alltag bedeuten.
Zwei Betreiber und viele Partner
Betrieben wird die Tokioter U-Bahn von zwei unabhängigen Unternehmen, der Tōkyō Metro und der städtischen Toei-U-Bahn.
Eine Besonderheit ist die gemeinsame Nutzung der Strecken mit insgesamt elf Bahngesellschaften, darunter JR East.
Bei zehn U-Bahn-Linien fahren Vorstadt- und Regionalzüge ohne Umsteigen direkt in das U-Bahn-Netz hinein.
Je nach Partnerbahn haben die einzelnen Strecken deshalb unterschiedliche Spurweiten.
Wer morgens aus einem Vorort in die Stadt pendelt, sitzt so oft im selben Zug, bis er im Zentrum ankommt.
Warum jede Sekunde zählt
Wenn Vorortzüge und U-Bahnen dieselben Gleise teilen, hängt der ganze Fahrplan an jedem einzelnen Halt.
Dauert der Fahrgastwechsel an einem Bahnhof zu lange, wirkt sich das auf viele Züge dahinter aus.
Genau hier setzen die Oshiya an, denn ihre Aufgabe ist es ausdrücklich, die Fahrgastwechselzeiten kurz zu halten.
Ihr Einsatz ist also keine Showeinlage, sondern Teil eines Systems, das auf kurze Haltezeiten angewiesen ist.
Eine U-Bahn seit 1927
Die erste U-Bahn-Strecke Tokios wurde am 30. Dezember 1927 zwischen Asakusa und Ueno eröffnet und ist heute Teil der Ginza-Linie.
Ihr Bau und ihre Planung gehen auf den damaligen Bürgermeister Gotō Shimpei zurück.
Alle anderen Strecken folgten erst nach dem Zweiten Weltkrieg, beginnend mit der Marunouchi-Linie im Jahr 1954.
Die Toei-U-Bahn wurde 1960 von der Präfektur Tokio gegründet, und ihr Name bedeutet von der Hauptstadtpräfektur betrieben.
Die jüngste Linie ist die Fukutoshin-Linie, deren zentraler Abschnitt 2008 in Betrieb ging.
Tief unter der Stadt
Manche Linien verlaufen in großer Tiefe, was den Bau sehr teuer macht.
An der tiefsten Stelle am Bahnhof Roppongi liegen die Gleise 42,3 Meter unter der Oberfläche, und die Baukosten erreichten dort bis zu 30 Millionen Yen pro Meter.
Zugang zu den Bahnsteigen haben nur Fahrgäste mit gültigem Fahrschein, der beim Verlassen durch eine Sperre wieder gebraucht wird.
Fast 90 Prozent der Bahnhöfe sind klimatisiert, was an heißen Tagen eine Erleichterung ist.
Nummerierte Ausgänge und ein berühmter Hund
Viele U-Bahnhöfe haben zahlreiche Ein- und Ausgänge, die mit einem Buchstaben und einer Zahl durchnummeriert sind, etwa A1 oder E5.
Die Ausgänge der JR-Bahnhöfe tragen dagegen Namen wie Nordausgang oder Westausgang.
Einer davon ist besonders bekannt, nämlich der Hachikō-Ausgang am Bahnhof Shibuya.
Er erinnert an den treuen Hund Hachikō, der dort jahrelang auf sein verstorbenes Herrchen wartete.
Bezahlt wird beim Durchgehen
Wer in Tokio mit einer Pasmo-Karte unterwegs ist, muss für eine Einzelfahrt keine Fahrkarte kaufen.
Der Fahrpreis wird beim Betreten und Verlassen der Bahnhöfe an den Sperren ermittelt und direkt von der Karte abgebucht.
Auch das spart Zeit an Bahnhöfen, durch die sich in der Hauptverkehrszeit Menschenmassen schieben.
Die Oshiya sind damit nur ein Baustein unter vielen, mit denen die Stadt ihre riesigen Fahrgastströme bewältigt.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn in Tokioter U-Bahnhöfen drückt Personal zu den Stoßzeiten tatsächlich Fahrgäste in überfüllte Wagen.
Diese Helfer heißen umgangssprachlich Oshiya, also Drücker, und hatten früher die offizielle Bezeichnung Passagieranordnungspersonal.
Ihr Ziel ist, dass sich die Türen schließen und der Fahrgastwechsel möglichst kurz bleibt.
Nötig wird das durch das am stärksten genutzte U-Bahn-Netz der Welt mit rund 3,1 Milliarden Fahrgästen im Jahr.
Wer in Tokio zur Hauptverkehrszeit einsteigt, sollte also nicht überrascht sein, wenn von hinten sanft nachgeholfen wird.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
