Stimmt es, dass es die Reisethrombose nur im Flugzeug gibt?

Stimmt es, dass …?

„Auf langen Fahrten empfiehlt sich ab und zu ein kleiner Spaziergang durch den Zug, die Beine werden es danken.“

Stimmt es, dass es die Reisethrombose nur im Flugzeug gibt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Nein, das stimmt nicht. Als wichtigster Auslöser einer Reisethrombose gilt langes, beengtes Sitzen ohne Bewegung, weshalb sie ausdrücklich auch bei langen Busreisen beschrieben wird und grundsätzlich auf jeder langen Reise im Sitzen ein Thema sein kann.

Kompressionsstrümpfe im Handgepäck, Beinübungen am Fensterplatz und die Warnung vor dem Economy-Class-Syndrom gehören für viele zum Langstreckenflug dazu.

Daraus ist die verbreitete Annahme entstanden, dass die Reisethrombose eine reine Flugzeugkrankheit sei.

Ob das stimmt und was das für lange Bahnfahrten bedeutet, klärt dieser Mythos-Check.

Wormser Hauptbahnhof auf Bahnsteig zu Gleis 2 Richtung Mainz (IC) 2.3.20
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

4 Stunden

Langstreckenflug

für solche Flüge gibt es Zahlen zum Risiko

1 von 4500 bis 6000

Fluggäste

bekommt auf Langstreckenflügen eine Reisethrombose

um 1845

Begriff Thrombose

von Rudolf Virchow im Deutschen etabliert

Eine Reisethrombose kann auch ganz ohne Beschwerden verlaufen, Fachleute sprechen dann von einem stummen Verlauf.

Was eine Thrombose ist

Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel, das den Blutfluss ganz oder teilweise blockiert.

Meistens sind die Venen betroffen, vor allem die tiefen Beinvenen.

Fachleute sprechen dann von einer tiefen Venenthrombose.

Gefährlich wird ein solches Gerinnsel, wenn es sich löst und als Auslöser einer Lungenembolie wirkt.

Den Begriff Thrombose prägte schon der antike Arzt Galenos, im deutschen Sprachgebrauch etablierte ihn Rudolf Virchow um 1845.

Mainzer Hauptbahnhof auf Bahnsteig zu Gleis 4 Richtung Worms (Hochsteg)
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Woher der Name Reisethrombose kommt

Als Reisethrombose oder Flugthrombose bezeichnet man eine Thrombose, die bei Fluggästen oder bei Fahrgästen langer Busreisen auftritt.

Schon diese Beschreibung zeigt, dass es nicht nur um das Flugzeug geht.

Bekannt ist auch der Ausdruck Economy-Class-Syndrom, der nahelegt, dass vor allem die engen Sitze der günstigsten Klasse schuld seien.

Belastbare Aussagen über Unterschiede zwischen den Sitzklassen lassen sich allerdings nicht treffen.

Der Name führt also in doppelter Hinsicht auf eine falsche Fährte.

Gut zu wissen

Eine Reisethrombose muss nicht zu Beschwerden führen. Sie kann auch stumm verlaufen und bleibt dann oft unbemerkt.

Kompressionsstrümpfe gibt es als Reisebedarf in Drogerien, Sanitätshäusern und im Sportfachhandel. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden dagegen unter anderem zur Behandlung von Krampfadern und Beinthrombosen eingesetzt.

Der wichtigste Auslöser ist das Sitzen

Als wichtigster Faktor gilt die Bewegungslosigkeit beim eingeengten Sitzen.

Durch die lange angewinkelten Knie kann sich das Blut in den Beinen stauen, was zu einer Thrombose im Unterschenkel führen kann.

Das passt zu einer Regel, die Mediziner seit Virchow als Trias kennen.

Zu den Ursachen einer Venenthrombose zählt demnach unter anderem eine verlangsamte Blutströmung, etwa durch Ruhigstellung und mangelnde Bewegung.

Genau diese Situation entsteht auf jeder langen Reise, bei der man stundenlang auf einem Platz sitzt.

Was im Flugzeug noch hinzukommt

An Bord eines Flugzeugs kommen weitere Faktoren hinzu, die das Risiko erhöhen können.

Wer bei trockener Kabinenluft zu wenig trinkt, riskiert eine Austrocknung, die durch Alkohol noch verstärkt werden kann.

Möglicherweise spielt auch der verringerte Luftdruck in der Kabine eine Rolle.

Daneben zählt immer auch das persönliche Risiko, das angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein kann.

Den verringerten Kabinendruck gibt es im Zug nicht, das lange Sitzen dagegen schon.

Wie häufig eine Reisethrombose ist

Für Langstreckenflüge von mindestens vier Stunden gibt es eine Schätzung.

Demnach tritt bei ungefähr jedem 4500. bis 6000. Fluggast eine Reisethrombose auf.

Viele dieser Thrombosen machen keine Beschwerden, weil sie stumm verlaufen.

Gerade das gilt als tückisch, denn selbst Thrombosen, die später zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen, können im Anfangsstadium fast symptomfrei sein.

Warnzeichen am Bein

Bei ausgeprägten Venenthrombosen gibt es typische Anzeichen.

Dazu gehören Schwellungen und ein Wärmegefühl am Fußknöchel, am Unterschenkel oder am ganzen Bein.

Hinzu kommen oft ein Spannungsgefühl sowie gerötete und gespannte Haut, eventuell auch eine bläuliche Färbung.

Wer solche Beschwerden nach einer langen Reise bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen.

Und was ist mit langen Bahnfahrten?

Die medizinischen Beschreibungen nennen vor allem Flüge und lange Busreisen, doch der entscheidende Mechanismus ist das lange Sitzen.

Wer im Zug viele Stunden auf demselben Platz verbringt, hat grundsätzlich denselben Risikofaktor.

Ein Vorteil der Bahn ist allerdings, dass man sich meist leichter die Beine vertreten kann, etwa auf einem Gang durch den Wagen oder auf dem Weg zum Bordbistro.

Genau diese Bewegung gehört zu den wichtigsten Empfehlungen zur Vorbeugung.

Wer sie auf langen Bahnfahrten beherzigt, nutzt also einen Vorteil, den der enge Flugzeugsitz selten bietet.

Bewegung ist die beste Vorbeugung

Um das Risiko zu senken, wird geraten, möglichst oft aufzustehen und die Beine zu bewegen.

Wo das nicht geht, helfen einfache Übungen im Sitzen, etwa kreisende Bewegungen mit den Füßen oder ein Wippen mit beiden Beinen.

Außerdem sollte man viel trinken, und zwar alkoholfreie Getränke.

Auf Alkohol sowie auf Schlaf- und Beruhigungsmittel sollte man dagegen verzichten.

Auch der Verzicht aufs Rauchen und auf zu enge Kleidung gehört zu den Empfehlungen.

Strümpfe, Spritzen und Streitfragen

Menschen mit erhöhtem Thromboserisiko, aber auch Fluggästen ohne erhöhtes Risiko wird das Tragen von Stützstrümpfen empfohlen.

Sie sollen das Risiko für eine Thrombose auf einem Langstreckenflug senken.

Nach ärztlicher Beratung kann auch eine vorbeugende Behandlung mit niedermolekularem Heparin in Frage kommen.

Umstritten ist dagegen, ob die oft empfohlene Einnahme von Acetylsalicylsäure wirklich vor venösen Blutgerinnseln schützt.

Wer unsicher ist, sollte sich deshalb vor einer langen Reise ärztlich beraten lassen.

Das Fazit

Der Mythos stimmt nicht, denn die Reisethrombose ist keine reine Flugzeugkrankheit.

Sie wird ausdrücklich auch bei langen Busreisen beschrieben, und ihr wichtigster Auslöser ist das lange, bewegungsarme Sitzen.

Im Zug fällt zwar der verringerte Kabinendruck des Flugzeugs weg, das stundenlange Sitzen aber nicht.

Der große Vorteil der Bahn liegt darin, dass man unterwegs meist problemlos aufstehen und ein paar Schritte gehen kann.

Wer das auf langen Fahrten regelmäßig tut und genug trinkt, folgt genau den Ratschlägen, die auch für Langstreckenflüge gelten.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Häufige Fragen

Gibt es eine Reisethrombose nur im Flugzeug?
Nein. Sie wird auch bei langen Busreisen beschrieben, und der wichtigste Auslöser ist langes, beengtes Sitzen.
Wie häufig ist eine Reisethrombose?
Bei Langstreckenflügen ab vier Stunden trifft es ungefähr jeden 4500. bis 6000. Fluggast.
Kann man auch im Zug eine Reisethrombose bekommen?
Grundsätzlich ja, wenn man sehr lange ohne Bewegung sitzt. Im Zug kann man aber meist leichter aufstehen und herumgehen.
Was hilft vorbeugend?
Häufig aufstehen, die Beine bewegen, viel alkoholfrei trinken und keine Schlaf- oder Beruhigungsmittel nehmen.
Helfen Stützstrümpfe?
Sie werden Risikogruppen und auch anderen Fluggästen empfohlen, weil sie das Thromboserisiko auf Langstreckenflügen senken sollen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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