Stimmt es, dass die Transsibirische Eisenbahn nach Moskauer Zeit fuhr?

Stimmt es, dass …?

„Ankunft in Wladiwostok laut Fahrplan um 5 Uhr Moskauer Zeit, draußen ist es übrigens schon Mittag.“

Stimmt es, dass die Transsibirische Eisenbahn nach Moskauer Zeit fuhr?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, das stimmt. Bis zum 1. August 2018 gaben die Fahrpläne der russischen Staatsbahn in allen elf Zeitzonen des Landes die Moskauer Zeit an, seitdem gilt im Fahrplan die jeweilige Ortszeit.

Wer mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fährt, ist sechs Tage unterwegs und durchquert dabei mehrere Zeitzonen.

Lange galt in den Fahrplänen trotzdem überall dieselbe Uhrzeit.

Ob die Transsib wirklich nach Moskauer Zeit fuhr und was das für Reisende bedeutete, zeigt dieser Mythos-Check.

VladivostokStation
Foto: en:, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

9288 km

Moskau–Wladiwostok

längste Eisenbahnstrecke der Welt

7 Stunden

Zeitunterschied

zwischen Moskau und Wladiwostok

1.8.2018

Umstellung

seitdem gilt im Fahrplan die Ortszeit

Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen, die Moskauer Zeit entspricht UTC+3.

Die längste Bahnstrecke der Welt

Die Transsibirische Eisenbahn ist die Hauptverkehrsachse des asiatischen Russlands.

Mit 9288 Kilometern gilt sie als längste Eisenbahnstrecke der Welt.

Auf dem Weg von Moskau nach Wladiwostok am Pazifik passiert sie 400 Bahnhöfe.

Eine Fahrt über die gesamte Strecke dauert in der Regel 144 Stunden, also sechs Tage.

Vladivostok railway station
Foto: Bergmann, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Sieben Stunden Unterschied

Wladiwostok liegt sieben Zeitzonen östlich von Moskau.

Wenn es in Moskau acht Uhr morgens ist, zeigen die Uhren am Pazifik also bereits drei Uhr nachmittags.

Die Luftlinie zwischen beiden Städten beträgt 6430 Kilometer, auf der Schiene sind es 9288 Kilometer.

Unterwegs verschiebt sich die Ortszeit deshalb Schritt für Schritt um insgesamt sieben Stunden.

Gut zu wissen

Die Chinesische Osteisenbahn wurde bereits im Februar 1903 als Abkürzung der Transsib zwischen Tschita und Wladiwostok über chinesisches Gebiet eröffnet. Sie wird auch Transmandschurische Eisenbahn genannt.

Zu Beginn des Russisch-Japanischen Kriegs im Februar 1904 konnte die Transsib nur zehn Züge pro Tag und Richtung bewältigen. Die Umfahrung des Baikalsees wurde deshalb beschleunigt und im Herbst 1904 fertiggestellt.

Ein Fahrplan, eine Uhrzeit

Die Fahrpläne der russischen Staatsbahn gaben vor dem 1. August 2018 immer die Moskauer Zeit an.

Das galt gleichgültig, in welcher der elf Zeitzonen Russlands ein Zug gerade unterwegs war.

Auch auf der Transsib richteten sich Abfahrt und Ankunft im Fahrplan deshalb nach der Uhr der Hauptstadt.

Die Moskauer Zeit entspricht der Zonenzeit UTC+3 und ist in Russland für landesweite Angelegenheiten maßgeblich.

Warum die Bahn so plante

Eine einheitliche Zeit hat für einen Bahnbetrieb über viele Zeitzonen einen klaren Vorteil.

Alle Fahrpläne passen zusammen, und Anschlüsse lassen sich ohne Umrechnen planen.

Für Reisende war das allerdings gewöhnungsbedürftig, denn die Uhrzeit im Fahrplan und die Uhrzeit vor Ort konnten Stunden auseinanderliegen.

Wer in Sibirien einen Zug erreichen wollte, musste die Zeitverschiebung also im Kopf hinzurechnen.

Die Umstellung im Jahr 2018

Seit dem 1. August 2018 richten sich die Fahrpläne der russischen Bahn nach der jeweiligen Ortszeit.

Die Fachzeitschrift Eisenbahn-Revue International berichtete darüber unter dem Titel Ortszeit statt Moskauer Zeit.

Damit endete eine Regel, die Reisenden bis dahin einiges Umrechnen abverlangt hatte.

Seitdem passen die Zeiten im Fahrplan zu den Uhren vor Ort.

Bahnzeit gab es auch in Deutschland

Die Idee einer einheitlichen Bahnzeit ist keine russische Besonderheit.

Bevor im Deutschen Reich am 1. April 1893 die Mitteleuropäische Zeit eingeführt wurde, galt in jedem Ort die eigene Ortszeit nach dem Sonnenstand.

Die Bahnen in Preußen und mehreren anderen Ländern nutzten für ihren inneren Dienst deshalb die Berliner Zeit.

Die Bahnhofsuhren für die Fahrgäste zeigten dagegen die Ortszeit, sodass Eisenbahner ständig mit zwei Zeiten arbeiten mussten.

Ein Jahrhundertbau

Im März 1891 verkündete Zar Alexander III. den Baubeginn der Transsibirischen Eisenbahn.

Den ersten Spatenstich bei Wladiwostok führte der damalige Thronfolger Nikolai aus, der spätere letzte Zar Russlands.

Fertiggestellt wurde die Strecke im Oktober 1916 mit der Einweihung der Amurbrücke bei Chabarowsk.

Bei Baubeginn hatte Sibirien rund fünf Millionen Einwohner, und die Bahn brachte der Region bald Investitionen und Handel.

Unterwegs zwischen den Zeiten

Die Strecke verläuft über 7000 Kilometer von West nach Ost und 1400 Kilometer von Nord nach Süd.

Elektrifiziert wurde sie über Jahrzehnte in Teilabschnitten, im Osten fahren die Züge heute mit 25 Kilovolt Wechselspannung.

Ausländer durften früher nicht bis Wladiwostok fahren, weil die Stadt militärisches Sperrgebiet war, und mussten nach Nachodka ausweichen.

Heute ist der Bahnhof Wladiwostok wieder der östliche Endpunkt der Transsibirischen Eisenbahn.

Das Fazit

Der Mythos stimmt, denn die Fahrpläne der russischen Bahn nannten bis zum 1. August 2018 überall die Moskauer Zeit.

Das galt auch für die Transsibirische Eisenbahn, obwohl zwischen Moskau und Wladiwostok sieben Stunden Zeitunterschied liegen.

Seitdem richten sich die Fahrpläne nach der Ortszeit, was Reisenden das Umrechnen erspart.

Die Idee einer einheitlichen Bahnzeit kannte übrigens auch Deutschland, bevor 1893 die Mitteleuropäische Zeit kam.

Warum sich der Blick aufs Detail lohnt

Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.

Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.

Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.

Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.

Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.

Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Häufige Fragen

Galt auf der Transsib wirklich überall die Moskauer Zeit?
In den Fahrplänen ja. Bis zum 1. August 2018 gaben die Fahrpläne der russischen Bahn in allen Zeitzonen die Moskauer Zeit an.
Welche Zeit gilt heute im Fahrplan?
Seit August 2018 richten sich die Fahrpläne nach der jeweiligen Ortszeit. Abfahrt und Ankunft passen damit zu den Uhren vor Ort.
Wie groß ist der Zeitunterschied zwischen Moskau und Wladiwostok?
Wladiwostok liegt sieben Zeitzonen östlich von Moskau. Der Unterschied beträgt also sieben Stunden.
Wie lange dauert die Fahrt von Moskau nach Wladiwostok?
In der Regel 144 Stunden, also sechs Tage. Die Strecke ist 9288 Kilometer lang.
Gab es so etwas auch in Deutschland?
Ja. Vor 1893 nutzten die Bahnen in Preußen und mehreren anderen Ländern intern die Berliner Zeit, während auf den Bahnhofsuhren die Ortszeit galt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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