Sollte die Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam wieder aufgebaut werden?

Standpunkt

„Auf dieser Trasse fuhr Preußens erster Zug, und heute wachsen dort Bäume zwischen den Schwellen.“

Sollte die Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam wieder aufgebaut werden?

→ Ein Standpunkt zum Berliner Südwesten.

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Worum es geht

Ja. Eine Trasse, die schon da ist, zwischen zwei wachsenden Städten brachliegen zu lassen, kann sich die Region auf Dauer nicht leisten.

Zwischen Berlin und Potsdam fuhr im Jahr 1838 die erste Eisenbahn Preußens.

Große Teile dieser historischen Strecke liegen heute auf Berliner Gebiet still, während S-Bahn und Straßen im Südwesten der Stadt voll sind.

Deshalb wird darüber gestritten, ob die Stammbahn wieder zum Leben erweckt werden soll.

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Foto: Christian Liebscher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die erste Bahn Preußens

Im Herbst 1838 eröffnete die private Berlin-Potsdamer Eisenbahn ihre Strecke, die man später Stammbahn nannte.

Sie war die erste Eisenbahnstrecke in Preußen und verband die Hauptstadt mit der Residenzstadt Potsdam.

Schon 1838 gab es in Zehlendorf einen Bahnhof, ein Jahr später folgten Schöneberg und Steglitz.

Bis 1846 wurde die Strecke bis nach Magdeburg verlängert.

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Foto: Christian Liebscher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Parallel zur Wannseebahn

Im Jahr 1891 wurde parallel zur Stammbahn die sogenannte Neue Wannseebahn von Zehlendorf nach Berlin eröffnet.

Auf ihr fährt heute die S-Bahn zwischen Yorckstraße und Zehlendorf.

Die Fernzüge nutzten dagegen lange die Gleise der Stammbahn.

Im Mai 1933 wurden auch deren Ferngleise zwischen Zehlendorf und Berlin elektrifiziert.

Eine Strecke fällt in den Dornröschenschlaf

Mit der Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die durchgehende Verbindung nach Potsdam unterbrochen.

Auf dem Berliner Abschnitt fuhren danach nur noch wenige Züge, zuletzt nur noch Güterzüge.

Seit April 2018 ist auch der Güterverkehr zwischen Lichterfelde West und Zehlendorf eingestellt.

Damit ist der komplette Berliner Abschnitt ohne Verkehr.

Die Region wächst

Der Südwesten Berlins und die Gemeinden südlich der Stadtgrenze sind in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen.

Viele Menschen pendeln täglich zwischen Potsdam, Kleinmachnow und der Berliner Innenstadt.

Die S-Bahn und die Straßen stoßen dabei zu Stoßzeiten an ihre Grenzen.

Eine zusätzliche Bahnverbindung könnte hier spürbar entlasten.

Ein Projekt der Länder

Berlin und Brandenburg prüfen den Wiederaufbau im Rahmen ihres gemeinsamen Bahnprogramms i2030.

Dabei geht es um die Frage, welche Züge künftig auf der alten Trasse fahren sollen.

Diskutiert wurden Regionalzüge ebenso wie eine S-Bahn-Lösung.

Eine schnelle Entscheidung gab es bislang nicht.

Eine Trasse mit Geschichte

Ein Vorteil ist, dass die Trasse in großen Teilen noch vorhanden ist.

Bahndämme und Brücken erinnern an die Zeit, als hier Fernzüge rollten.

Allerdings ist auf manchen Abschnitten inzwischen Wald gewachsen, und Anwohner haben sich an die Ruhe gewöhnt.

Ein Wiederaufbau wäre deshalb auch eine Frage von Lärmschutz und Naturschutz.

Kosten und Nutzen

Neue Gleise, Brücken und Bahnhöfe kosten viel Geld, auch wenn die Trasse schon existiert.

Dem stehen kürzere Wege für viele Pendler und eine robustere Verbindung zwischen Berlin und Potsdam gegenüber.

Bei Störungen auf der Wannseebahn gäbe es endlich eine Ausweichroute.

Ob sich das rechnet, hängt stark davon ab, wie viele Züge später fahren.

Ein Symbol für die Verkehrswende

Die Stammbahn steht auch für die Frage, wie ernst es Politik mit der Schiene meint.

Wer eine historische Trasse brachliegen lässt, sendet ein anderes Signal als jemand, der sie wieder nutzt.

Viele Fahrgastverbände fordern den Wiederaufbau seit Jahren.

Gegner halten andere Projekte im Berliner Netz für dringlicher.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Pro und Contra

Dafür

+  Die Trasse ist in großen Teilen noch vorhanden und muss nicht neu erfunden werden.

+  Pendler zwischen Potsdam, dem Umland und Berlin würden schneller ans Ziel kommen.

+  Die Wannseebahn bekäme eine Entlastung und bei Störungen eine Ausweichstrecke.

+  Der wachsende Südwesten Berlins braucht mehr Kapazität auf der Schiene.

+  Weniger Autoverkehr würde die Straßen und die Umwelt entlasten.

+  Die erste Eisenbahn Preußens würde wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

Dagegen

−  Neue Gleise und Bahnhöfe kosten trotz vorhandener Trasse viel Geld.

−  Auf manchen Abschnitten ist inzwischen Wald gewachsen, der weichen müsste.

−  Anwohner, die sich an die Ruhe gewöhnt haben, fürchten neuen Lärm.

−  Andere Engpässe im Berliner Netz könnten dringender sein.

−  Die Planung zieht sich seit Jahren, eine schnelle Wirkung ist nicht in Sicht.

−  Die Wahl zwischen S-Bahn und Regionalzug ist noch ungeklärt.

Unterm Strich

Die Stammbahn ist mehr als ein Stück Nostalgie.

Sie ist eine vorhandene Trasse in einer Region, die dringend mehr Platz auf der Schiene braucht.

Mit gutem Lärmschutz und einer klaren Entscheidung für ein Betriebskonzept sollte sie wieder aufgebaut werden.

Preußens erste Eisenbahn hätte eine zweite Chance verdient.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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