⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.
Trinkbrunnen viermal eingeweiht, halbes Jahr aus
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (halbjährlich)

Sechs Monate Betrieb, zwölf Monate Anlage. Die Einweihung kommt jährlich. Foto: wpa (Symbolbild)
Mainz (wpa) – Am Bahnhofsvorplatz wurde ein öffentlicher Trinkbrunnen eingeweiht, es ist die vierte Einweihung derselben Anlage. Man feiert jedes Jahr aufs Neue denselben Wasserhahn.
Der Brunnen wird im Oktober abgestellt, Grund ist der Frostschutz. Ein halbes Jahr sprudelt er, das andere halbe steht er verhüllt herum.
Das ist technisch richtig, eine wasserführende Leitung im Freien friert. Richtig ist auch, dass man das vorher gewusst und trotzdem billig gebaut hat.
Im April wird er wieder in Betrieb genommen, und die Inbetriebnahme wird mit einer Feier begangen. Man feiert das Aufdrehen eines Hahns, den man selbst zugedreht hat.
Die Feier kostet 4.100 Euro und findet seit vier Jahren statt. Viermal Sekt für dieselbe Anlage, das ist die eigentliche Leistung.
Die Anlage selbst kostete 24.000 Euro und läuft an rund 150 Tagen im Jahr. Mehr als die Hälfte des Jahres ist der Trinkbrunnen ein verhülltes Denkmal.
Rechnerisch sind das 27 Euro Feierkosten je Betriebsmonat, die Zahl steht in keiner Vorlage. Was den Spaß entzaubern würde, rechnet man lieber nicht aus.
Eine frostsichere Ausführung wäre möglich gewesen, sie war in der Ausschreibung enthalten. Die Lösung lag vor, man hat sie bewusst weggeklickt.
Sie wurde nicht beauftragt, die Mehrkosten hätten 6.800 Euro betragen. An 6.800 Euro scheiterte, dass der Brunnen das ganze Jahr Wasser gibt.
Das ist weniger als zwei Einweihungsfeiern, die Feiern laufen über einen anderen Haushaltstitel. Für zwei Feiern ist Geld da, für einen dauerhaften Brunnen nicht.
Der Titel für Bauleistungen war ausgeschöpft, der Titel für Öffentlichkeitsarbeit war es nicht. Fürs Bauen kein Geld, fürs Feiern des Gebauten reichlich.
Referentin Ute Betriebszeit nennt den Brunnen „ein sichtbares Zeichen für Aufenthaltsqualität“. Sichtbar ist er, ein halbes Jahr als Wasserstelle, das andere als Plastiksack.
Sichtbar ist er ganzjährig, im Winter verhüllt. Das Zeichen für Aufenthaltsqualität steht sechs Monate eingepackt am Platz.
Für die kommende Saison ist eine fünfte Einweihung vorgesehen. Man hat die Feier zum Betriebsmodell gemacht.
Abgestellt wird im Winter, technisch notwendig, Leitungen frieren. Man wiederholt die Begründung, als wäre sie ein Schicksal und keine Sparentscheidung.
Frostfreie Ausführungen gibt es, sie kosten 4.100 Euro statt 1.900. Der Aufpreis für ganzjähriges Wasser ist exakt eine Einweihungsfeier.
Beschafft wurde die günstigere, wirtschaftlich, gemessen an der Anschaffung. Wirtschaftlich beim Kauf, teuer im Betrieb, aber gemessen wird nur der Kauf.
Nicht gemessen wurde die Nutzungsdauer je Jahr, sie beträgt sechs Monate. Ein Brunnen, der die Hälfte des Jahres nicht läuft, gilt als volle Anlage.
Sechs von zwölf sind die Hälfte, über zehn Jahre also fünf Jahre Wasser. Man kauft zehn Jahre Brunnen und bekommt fünf.
Eine frostfreie Anlage hätte zehn, der Mehrpreis beträgt 2.200 Euro. Für 2.200 Euro hätte der Brunnen doppelt so lange Wasser geführt.
Eingeweiht wurde der Brunnen 2024. Und seither jedes Frühjahr aufs Neue, als wäre er gerade erst erfunden worden.
Ein Austausch gegen eine frostfreie Ausführung ist für 2029 vorgesehen. Man ersetzt die Sparlösung teuer, statt sie einmal richtig zu bauen.
Die Anlage ist dann fünf Jahre alt und hat zweieinhalb Jahre Wasser geführt.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Mehrpreis für die frostfreie Ausführung 2.200 Euro, Nutzungsverlust die Hälfte des Jahres +++
+++ Austausch für 2029 vorgesehen +++
Mehr Satire-Ersatzverkehr:
Alle Meldungen der Waschbär-Presseagentur
Bahn synchronisiert Klimatechnik: Heizung läuft im Sommer, Kühlung im Winter
Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
