Verbrüht euch, der Konzern spart lieber am Tisch als am Bonus

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Verbrüht euch, der Konzern spart lieber am Tisch als am Bonus

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Tisch kippt)

Klapptisch Satire: Waschbär sitzt am Zugsitz vor einem heruntergeklappten kleinen Tisch

Der Tisch ist ausgeklappt. Mehr ist nicht vorgesehen. Foto: wpa (Symbolbild)

Köln (wpa) – Der Klapptisch im Zug hält 200 Gramm. Ein Kaffee wiegt 340, ein Laptop 1400, ein Vorstandsgewissen wiegt nichts, das ist ja auch keins da.

Wer beides abstellt, dem kippt es in den Schoß. Das ist kein Baufehler, das ist die Meinung des Konzerns über euch, in Plastik gegossen.

„So ein Tischchen ist reine Deko“, sagt Ausstattungsvorstand Ronald Sperrmüll und lächelt, als hätte er gerade ein Altersheim leergeräumt.

Deko sind für ihn auch die Fahrgäste. Er kennt ihre Zahl, nicht ihre Namen, und die Zahl nur, wenn sie fällt und den Bonus hebt.

Die 200 Gramm stammen aus einer Norm von 1998. Seither hat der Konzern drei Logos gekauft, vier Vorstände vergoldet und null Tische verbessert.

Zuständig ist ein Gremium in Brüssel. Es tagt zweimal im Jahr, speist einmal auf Konzernkosten und beschließt nie etwas, außer den Termin fürs nächste Essen.

Statt größerer Tische klebt der Konzern eine Warnung drunter. Unter die Platte, wo sie keiner sieht, dahin, wo er alles Unangenehme hinklebt.

Der Aufkleber kostet 340.000 Euro. Der Vorstand nennt das Prävention, ihr nennt es die Rechnung für die eigene Verbrühung, im Voraus bezahlt.

Verbrüht sich das Kind neben euch, ist es selbst schuld. Es hätte den Zettel lesen können, den es nicht sieht, in einer Sprache, die es nicht kann, unter dem Tisch, an dem es heult.

41 Menschen haben sich im ersten Jahr verbrüht, vier waren Kinder. Der Konzern hat die Zahl geprüft und für „im Rahmen“ erklärt.

Melden muss man das nicht. Eine Meldepflicht wäre Arbeit, und Arbeit macht dieser Laden nur, wenn eine Prämie danebenliegt.

Der Vorstand verbrüht sich nie. Sein Kaffee kommt an einen Tisch aus echtem Holz, in einem Zug, den er nur von außen kennt.

Im Geschäftsbericht steht der ICE unter „Vermögenswerte“. Ihr steht zwei Zeilen tiefer, unter „Restrisiko“, gleich vor dem Kleingedruckten.

Für die zweite Klasse gilt die Norm von 1998. Für die Chefetage gilt, dass sie sich nie die Finger schmutzig macht, nicht mal am eigenen Dreck.

Der Verkehrsminister findet das in Ordnung. Er hat einen Zug zuletzt 2006 von innen gesehen, für ein Foto, danach wartete der Dienstwagen.

Ob 200 Gramm reichen, prüfe man ergebnisoffen, sagt sein Sprecher. Ergebnisoffen heißt: so lange, bis der Letzte vergessen hat, dass er gefragt hat.

So bleibt der Tisch, wie er ist. Ein Stück Plastik, das euch verachtet, im Auftrag von Leuten, die ihr jeden Monat mitfinanziert.

Frau Kessler bestellte im März einen Kaffee. Der Tisch hielt exakt 200 Gramm und keinen Tropfen mehr.

Ihr Bein war danach rot, die Hose hin, die Beschwerde bis heute unbeantwortet. Sauber blieb nur der Aufkleber.

Der Konzern wünscht gute Besserung. Auf einem Zettel. Unter dem Tisch.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Klapptisch nach Gewicht und Preis beschafft, ein Kriterium zur Tragfähigkeit stand nicht im Leistungsverzeichnis +++

+++ 41 gemeldete Verbrühungen im ersten Jahr, vier davon betrafen Kinder +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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